Die Suche nach einem eReader

Eigentlich könnte es so einfach sein. Ein ePaper-Display, ein handliches Format, eine entsprechende, angepasste Version von Android als Betriebssystem und nicht zu teuer. Vier Komponenten, die man wohl zusammenbringen kann? Es gibt eReader wie Sand am Meer. Jede Firma und jedes Unternehmen hat einen eigenen eReader. Es sollte doch möglich sein, einen passenden zu finden. Doch weit gefehlt. Weiterhin scheint Amazon die einzige Firma zu sein, die in der Lage ist, einen wirklich herausragenden eReader zu produzieren. Und in all dem Gewusel von Alternativen habe ich nur einen einzigen gefunden, der dem auch nur nahekommt. Aber alles der Reihe nach.

Ich habe mein iPhone gegen ein Android-Gerät eingetauscht. Wobei „eingetauscht“ zu hoch gegriffen ist, denn das TCL 60 SE NXTPAPER ist sehr viel günstiger als das iPhone. Ich berichtete (Android). Da ich nun ein Gerät hatte, das sowohl als Smartphone fungiert als auch ein angenehmes Display zum Lesen aufweist, wollte ich noch einen größeren eReader. Der Boox Palma 2 ist ein tolles Gerät, aber die größeren Geräte, die etwa das Format eines Kindle Paperwhite aufweisen, sind durchaus verlockend. Also habe ich mich umgesehen, was es so gibt.

Kindle, Kobo und Tolino fallen gleich mal raus. Der Kindle aus moralischen Gründen und die anderen beiden, weil ich dort ebenfalls in einem Ökosystem gefangen bin. Ich kann keine anderen Apps installieren, geschweige denn meine Kindle-Bücher darauf lesen. Marken wie Pocketbook oder Remarkable sind zwar etwas offener, aber auch dort kann ich keine Kindle-Bücher lesen. Schließlich hat sich noch die Frage gestellt: Lohnt sich ein eReader mit Farbdisplay? Schlussendlich bin ich also wieder bei Boox gelandet und habe mir den »Go 7 Color (Gen 2)« bestellt.

Für schlappe 300 € bekommt man hier ein Gerät mit einem Farbdisplay. Erst hatte ich es bei Boox direkt bestellt. Diese hatten aber Lieferschwierigkeiten (warum auch immer), also habe ich es dort storniert und bei Amazon bestellt. Zwei Tage später war das Gerät in meinen Händen. Bereits das Einrichten des Go 7 war mühsam. Der Touchscreen fühlte sich nicht zuverlässig an, das Farb-eInk-Display überzeugte mich nicht wirklich und wirkte unscharf. Testweise habe ich ein bisschen darauf gelesen, doch wirklich Freude machte es mir nicht. Jedes Mal, wenn ich mit dem Betriebssystem interagieren musste, war es mir ein Graus. Und es hatte eine eigene Oberfläche. Der Boox Palma 2 hat Android und ich kann den Homescreen so einstellen, wie ich das haben möchte. Bei Go 7 ist man um einiges restriktiver.

Bei der Handhabung des Gerätes schwebten mir immer wieder die 300 € vor Augen, die dieses Gerät kostet. Das sind 50 € mehr als mein TCL-Smartphone und 100 € mehr als der Palma 2. Und dafür ist der Go 7 Color (Gen 2) einfach nicht gut genug. Ich habe ihn wieder fein säuberlich verpackt und zurückgeschickt. Ich behalte mir also erst einmal den Palma 2. Es ist ein handliches Gerät, das Betriebssystem ist flott, der eInk-Bildschirm reagiert schnell und zuverlässig. Es ist und bleibt ein fantastisches Gerät.

Doch mein Leseverhalten darauf hat sich geändert. Immerhin hat das TCL-Smartphone mit dem NXTPAPER-Display ein sehr ähnliches Verhalten wie ein eInk-Display. Es ist immer wieder erstaunlich, zwischen den verschiedenen Modi hin und her zu schalten. Für den Falter, die Salzburger Nachrichten, gespeicherte Texte in Instapaper, Newsletter oder sonstige Texte benötige ich den Boox Palma 2 nicht mehr. Diese Lücke schließt das TCL-Gerät bravourös selbst. Ich benötige den Palma 2 eigentlich nur mehr zum Lesen von eBooks. Dafür reicht er vollkommen aus. Nur: Manchmal wäre ein größeres Gerät praktisch. Mal sehen, ob mir noch ein passendes Gerät vor die Füße läuft.

Das Problem ist nur, dass man an Kindle-Bücher nicht vorbeikommt. Gewisse Autor*innen vertreiben ihre Sachen exklusiv über Amazon bzw. müssen es so machen, um überhaupt eine Möglichkeit zu haben, gehört zu werden. Ich kann nur immer wieder den YouTube-Kanal von Daniel Greene empfehlen, der die Probleme mit Amazon und Audible wunderbar erklärt. »Dungeon Crawler Carl« zum Beispiel gibt es aktuell nur bei Kindle (Unlimited). Genauso wie einige andere Fantasy-Reihen und Bücher, die ich noch gerne lesen würde. Amazon ist einfach zu groß und mächtig, als dass man der Firma als Publisher den Rücken zukehren könnte. Hier ist es tatsächlich so, dass man dagegen nur auf höherer Ebene etwas machen könnte. Als Leser*in sind einem quasi die Hände gebunden.

Keine Frage, es gibt tolle Alternativen. Ich kaufe mir gerne bei Thalia oder über HumbleBundle und andere Stores meine eBooks. Doch meist lese ich sie dann trotzdem über die Kindle-App. Deshalb ist die Frage, ob ein Kindle Paperwhite nicht doch die bessere Wahl ist. Schwierige Entscheidung. Wie gesagt: Aktuell reicht der Boox Palma 2. Der nächste Black Friday könnte natürlich gewissen Entscheidungen einen Schubs in eine bestimmte Richtung geben. Wie wir schon des Öfteren festgestellt haben: Manchmal ist das Beste, was man machen kann, nichts zu tun.