Supernatural | S01E01 | Pilot

Wir beginnen diese Folge mit einem Zeitsprung von 22 Jahren. Da die Serie 2005 gestartet ist, befinden wir uns also wahrscheinlich im Jahr 1983. Baby Sammy wird von seiner Mutter ins Bett gebracht, bevor sich diese ebenso schlafen legt. Das Babyfon weckt Mary allerdings in der Nacht auf. John ist nicht im Bett. Sie geht zu Sammy. Scheinbar steht John über seinem Bett und kümmert sich um ihn. Auf dem Weg zurück ins Schlafzimmer sieht Mary allerdings einen schlafenden John auf dem Sessel sitzen. Panik. Entsetzen. Sie läuft nach oben. Ein Schrei. John wacht auf und kann nur dabei zusehen, wie seine Frau von Flammen verschluckt wird und kann gerade so seine beiden Söhne, Sammy und Dean, retten. Das Schicksal der Winchester-Familie nimmt ihren Lauf.

Es ist eine spannend gemachte Sequenz. Dunkel, düster, wenig Dialog. Aber ausufernden Dialog braucht es auch nicht. Die Bilder, der Sound, alles spricht eine deutliche, visuelle Sprache. Wenn man jetzt völlig frei vom Wissen der Serie und Prämisse an die Folge herangeht, weiß man gar nicht, dass der Kern der ersten Staffeln eine Jagd nach einem Dämonen ist. Nicht einmal John weiß, was seine Frau getötet hat. Nur, dass es mit etwas Übernatürlichem zu tun haben muss. Sonst wäre sie nicht an der Decke gehängt und von unnatürlichen Flammen verschluckt worden. Deshalb sehen die Effekte auch heute noch gut aus. Es sollen am Anfang der Sequenz keine realistischen Flammen sein. Es ist Höllenfeuer oder etwas Ähnliches. Ein toller Einstieg in den Piloten.

Regie führte im übrigen David Nutter, der sich ebenso für die zweite Folge verantwortlich zeichnen wird. Leider hat er für Supernatural ansonsten keine Folgen als Regisseur mehr begleitet. Eine kleine Recherche hat ergeben, dass er im Serienbereich durchaus bekannt ist. Er war bei vielen Projekten beteiligt und hat zwischen 1995 und 2011 sechzehn Piloten gedreht, die alle als Serie umgesetzt wurden. Von Space: Above and Beyond (1995) über Dark Angel (2000) und Smallville (2001) hin zu Tarzan (2003), Terminator: The Sarah Connor Chronicles (2007) und The Mentalist (2008). Erst mit The Doctor (2011) endete dieser Lauf. Er hat eine beeindruckende Filmografie.

Nach dem Zeitsprung in die Vergangenheit geht es in die Gegenwart zur Stanford University, wo sich Sam ein Leben als Student aufgebaut hat. Er hat eine Freundin, scheinbar einen guten Freundeskreis und ist drauf und dran, Jurist zu werden oder zumindest in diese Richtung studieren zu wollen. Wenn ihm da sein Bruder nicht einen Strich durch die Rechnung machen würde. Der Kampf und vor allem die Neckereien sind ein Markenzeichen der Brüder und der Serie. Schon im Piloten wird klar, dass sie sich vertrauen. Vor allem, wenn es um übernatürliche Sachen geht, also ihren Job, dann schalten sie in einen professionellen Modus um und konzentrieren sich auf die Sache. Sie wissen, was der andere tut, agieren intuitiv und schnell. John hat sie eben gut ausgebildet, als »warriors«, wie es Sam nennt.

Was auch klar wird, sind die Weltanschauungen von Sam und Dean. Sam sieht den Job, den sie von Kindheit auf gelernt haben, als etwas, das sie nicht ihr Leben lang machen müssen. Es gibt Alternativen. Er wünscht sich eine Familie, vielleicht Kinder. Ob es aber etwas ist, wo er in Ruhe leben kann, wo er doch weiß, was da draußen, in der Dunkelheit wartet? Dean auf der anderen Seite folgt seinem Vater, macht, was dieser (scheinbar) von ihnen will und tut alles, was er sagt. Er ist ein Jäger durch und durch. Dean lebt in dieser Welt, ist in ihr zu Hause. Für ihn gibt es kein normales Leben, weil die Jagd dieses normale Leben ist, sofern es dieses Konzept überhaupt geben kann. Diese Dichotomie so früh zu etablieren, war für die Serie wichtig. So versteht man als Zuschauer*in, wo unsere Protagonisten stehen, und warum sie das tun, was sie tun.

So muss Jess, Sams Freundin, als motivierender Faktor sterben, damit Sam seine Reise antreten kann. Sowohl Sam und Deans Mutter, Mary, als auch Jess, sind, wenn wir uns eines Begriffs aus der Comic-Welt bedienen, gefridged worden. Ihr Dasein, erst einmal, dient nur dazu, um unsere Protagonisten auf ihrer Heldenreise zu motivieren. Sie sind der Startschuss, ohne den diese Serie nicht losgegangen wäre. Mutig finde ich von der Serie, zwei Frauen auf die gleiche Art zu töten. Das hängt natürlich damit zusammen, dass es dasselbe Wesen sein muss und für die Protagonisten als auch die Zuschauer*innen klar sein muss, wer es war. Trotzdem ist es viel, innerhalb von 40 Minuten zweimal auf denselben Effekt zu setzen. Allerdings muss man Eric Kripke zugutehalten, dass es sehr effektiv ist und funktioniert.

Der Rest der Episode ist der typische Fall der Woche. Ein Konzept, das uns noch ein paar Staffeln begleiten wird. Mit der Zeit nehmen übergreifende Fälle und Themen zu, aber erst einmal etablieren wir die Welt und die Charaktere von Supernatural sowie die Dynamik der Winchesters durch das Monster der Woche. Im Piloten ist es die »Woman in White«, die Männer bestraft, die ihre Frauen betrügen. Die Effekte sind gut gemacht, und der Fall an sich spannend. Die Auflösung ist vielleicht etwas simpel, funktioniert für mich aber recht gut. Der Geist, Constance Welch, kann nicht nach Hause, also fährt Sam das Auto einfach in die Ruine des Hauses. Einfach, aber effektiv. So muss sie sich den Geistern ihrer toten Kinder stellen, die sie im Bad ertränkt hat. Kein einfaches Thema, für eine erste Folge. Aber auch dafür steht Supernatural, dass eben auch schwierige Themen behandelt werden. Mal sehen, wie sich das wirklich fortsetzt oder ich mir das in meiner Erinnerung schönrede.

Was ich mir überlegt habe, ist, dass ich die Kilometer sammle, sofern möglich, die die Brüder im Laufe der Zeit zurücklegen. Dieses Mal fahren sie von Stanford nach Jericho, beides liegt in Kalifornien. Leider ist Jericho eine fiktive Stadt. Also schon mal ein guter Anfang, wenn die erste Stadt der Serie nicht existiert. Was ich allerdings dank Google Maps gefunden habe: Es gibt eine Breckenridge Road in Kalifornien. Das ist der Name der Straße, wo die »Woman in White« ihr Unwesen treibt. Wenn wir das als Punkt verwenden, wo diese fiktive Stadt in etwa sein soll, dann sind es rund 470 km pro Strecke. Das heißt, in der ersten Folge haben die Winchesters bereits 940 km auf dem Tacho.

Der Pilot von Supernatural ist ein toller Auftakt für die Serie. Selbst 20 Jahre später kann man sich die Folge noch gut anschauen. Die Menge an Effekten wird gering gehalten und wenn, dann gut eingesetzt. Dem zuträglich ist natürlich der finstere Look der Serie. Dean und Sam bekommen es ebenfalls schon mit dem Gesetz zu tun und ihnen wird Johns berühmtes Journal überreicht. Es darf Deans Liebe für sein Auto, einen schwarzen 1967er Chevrolet Impala, genauso wenig fehlen, wie die fantastische Musik. Alle Zutaten liegen also bereit. Wir kennen die Protagonisten, wir wissen ihr Ziel und was sie machen. Starten wir also unseren Rewatch von Supernatural.