MCU Rewatch | The Marvels

Vor wenigen Minuten liefen die letzten Zeilen der Credits von The Marvels über meinen Fernseher. Es war das erste Mal, dass ich diesen Film gesehen habe. Es ist das letzte Mal, dass ich diesen Film gesehen habe. Ich habe ehrlich keine Ahnung, was gerade passiert ist. Wie beim sprichwörtlichen Autounfall kann man einfach nicht wegsehen. Ich weiß nicht, was die Handlung war. Ich kenne kaum welche von den Protagonist*innen. Es wird nichts wirklich erklärt. Aber von vorne.

Wir steigen ein, mit einem Bild einer toten Sonne, vielleicht. Schwer zu sagen, ohne Kontext. Dann sind wir auf einem Mond, ob es unser Mond ist oder irgendwo anders (er ist irgendwo anders), ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Eine Frau mit Ronans Hammer sucht einen Armreif, der ihr Kräfte gibt. Warum? Keine Ahnung. Wie sie heißt? Keine Ahnung. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr Name je fällt. Sie wirkt weder furchteinflößend, noch wird je so richtig ausgearbeitet, wer sie ist, was sie will, warum sie tut, was sie tut. Zawe Ashton mag eine tolle Schauspielerin sein, aber hier ist sie fehlbesetzt. Außerdem gibt ihr das Drehbuch nie wirklich was zu tun.

Dann kommt Kamala Khan. Sie ist in ihrem Kinderzimmer. Hat eine unfassbare Anzahl an Captain-Marvel-Zeug an ihrer Wand und zeichnet fiktive Comics über deren gemeinsame Abenteuer. Sie nennt sich sogar Ms. Marvel. Was ihre Kräfte sind? Wenn ich die Comics nicht gelesen hätte, wüsste ich es nicht. Es wird kaum erklärt. Ihre Familie (Vater, Mutter, Bruder) bleibt, glaube ich, namenlos? Außer dass sie sich Sorgen um Kamala machen, bekommen sie nichts zu tun. Nur, dass ihr Haus sinnlos zerstört wird. Was Kamala will, erfährt man ebenso wenig. Das Einzige, was ihr als Motivation gegeben wird, ist, dass sie Captain-Marvel-Fangirl ist. Das war’s.

Carol Danvers aka Captain Marvel, liegt in ihrer ersten Szene auf dem Bett. Sie hat ein Gerät auf dem Kopf, das ihr helfen soll, verlorene Erinnerungen hochzubringen. Wir bekommen Rückblenden zum ersten Film, sehen, was passiert ist. Sie bekommt eine Einführung. Warum nicht auch Kamala? Carol bekommt in dem Film noch am ehesten eine Story-Arc, wenn man es so benennen möchte. Sie hat wegen etwas ein schlechtes Gewissen und wird von den Kree als »the Annihilator« bezeichnet. Eine Referenz auf die Comics, die hier völlig unangebracht ist, weil es eine andere Geschichte ist. Carol hat Monika seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen. Zwischen den beiden passiert auch so etwas wie ein Story-Arc, aber das geht in all dem Wirrwarr des Films unter.

Monika hat allerdings nun auch Kräfte. Sie kann irgendwas mit dem Lichtspektrum machen und Energie in sich speichern, glaube ich. Wird auch nicht näher erklärt. Ich habe es schon in WandaVision nicht richtig verstanden. Da die Kräfte von Monika, Carol und Kamala auf Licht basieren, teleportieren sie sich an die jeweilige Position der anderen, wenn sie zufällig gleichzeitig ihre Kräfte benutzen. Nein, ich denke mir das nicht aus. Warum das so passiert? Keine Ahnung. Weil Licht. Deal with it. Dieses Hin- und Herwechseln soll wahrscheinlich lustig sein, mir tat hauptsächlich das Haus von Kamalas Familie leid, die unschuldig in die ganze Sache hineingeraten ist. Das Teleportieren ist am Ende des Films wieder weg. Auf mysteriöse Weise. Weil Drehbuch. Niemand hinterfragt es oder erklärt, warum das so war.

Die Bösewichtin wird nie erklärt. Ihre Motivation bleibt völlig im Dunkeln und es ist ein wirklich schlecht geschriebener Charakter. Überhaupt fehlt dem Film der erste Akt. In der ersten Hälfte des Films (er dauert zum Glück nur knapp 100 Minuten; ohne Credits) habe ich mich immer wieder gefragt, worum es geht, aber niemand erklärt es. Weder die Charaktere noch der Film an sich noch lässt es sich aus dem Kontext schließen. Nichts. Ich weiß nicht, was die Charaktere wollen, weil niemand es erklärt. Ich kann mich nicht für Charaktere interessieren, wenn ich nicht weiß, warum es mich kümmern soll. Es dauert über 50 Minuten, bis wir etwas Hintergrundwissen bekommen. Und erst kurz vor dem Finale erfahren wir, was Carol gemacht hat. Und es ergibt dann immer noch keinen Sinn.

Im Grunde ist es wie Spaceballs. Es gibt sogar eine Szene im Film, wo einem Planeten die Luft abgesaugt wird. Nur die »Weltraum-Putze« fehlt. Jedenfalls hat Carol nach den Ereignissen des ersten Films die »supreme intelligence« der Kree zerstört. Aus irgendeinem fadenscheinigen Grund war deshalb die Luft auf ihrem Planeten weg und ihre Sonne ist erkaltet? Dann gab es einen Kree-Skrull-Krieg. Der »Kree-Skrull-War« ist eine DER Geschichten aus der frühen Marvel-Zeit, die immer wieder gelobt wird. Das MCU überspringt den einfach und wir bekommen nur eine kleine Zusammenfassung? Wie kann Carol die »supreme intelligence« einfach so zerstören? Carols Zusammenfassung klingt sehr viel spannender als alles, was in dem Film tatsächlich passiert. Kommt das in einer Serie vor? Es sollte kein Muss sein, die Serien anzuschauen. Die Filme sind der Kern. Die Serien nur Bonus.

Das ist ein viel zu langer Text für so einen schlecht geschriebenen Film. Die Tonalität ist inkonsistent (ich habe noch gar nichts von dem Highschool-Musical-Planeten erzählt) und die Charaktere bekommen quasi keine echte Motivation. Neue Charaktere werden nicht eingeführt. Wie Carol mit Valkyrie Kontakt aufnimmt oder sie kennt, außer dass sie kurz in Endgame gemeinsam gegen Thanos gekämpft haben, erklärt auch niemand. Das Ende mit den Katzen fand ich weder lustig, sondern eher befremdlich. Dass dieser Unfall über 300 Millionen Dollar gekostet haben soll, verstehe ich noch weniger als die Story. Am Ende frage ich mich einfach nur: Warum?