Von Taschen und Rucksäcken

Man stelle sich vor, man verlässt das Haus oder die Wohnung. Trifft sich mit Freund*innen, geht aus, fährt wohin. Nur für ein paar Stunden oder macht einen kleinen Tagesausflug. Was nimmt man mit? Geldbörse, Schlüssel, Smartphone, Kopfhörer, vielleicht Taschentücher, ein Taschenmesser, Sonnenbrille, eventuell Medikamente und was man noch so alles dabei haben möchte. Kleinigkeiten, die sich aber doch zu einem kleinen Haufen summieren. Wo transportiert man das Ganze? In den Hosen- oder Jackentaschen? Will man es im Auto liegen lassen? Aber was, wenn man mit dem Zug fährt? Schwierig.

Eine Tasche muss her. Seit ein paar Jahren habe ich eine kleine Umhängetasche der Marke tomtoc – einen sogenannten »Kompakt Sling Bag«. Den hängt man sich quer über den Oberkörper, sodass das handliche Ding auf dem Rücken sitzt. Da bringe ich sehr viel Zeug unter, das ich immer dabei haben möchte. Ich mag es nicht, wenn die Taschen von Mänteln, Jacken oder Hosen ausgebeult und vollgestopft sind, als wären sie schlechte Imitationen von Hamsterbacken. Manchmal ist es aber doch von Vorteil, wenn man etwas Größeres dabei hat, um im Frühling oder endenden Sommer eine Jacke dabei zu haben. Oder wenn man in Salzburg mal wieder leckere Sachen im Fachl kauft – um ein völlig fiktives Beispiel zu nennen.

Tommy Hilfiger hat einfache, kleine Rucksäcke im Angebot, auf Amazon finden sich unzählige weitere. Von 50 bis 500 € kann man jede beliebige Geldsumme für Rucksäcke und Taschen ausgeben. Es ist nicht so einfach, den richtigen für einen selbst zu finden. Vor allem auch deshalb, weil viel Geld auch ein Commitment ist, für das ich vielleicht nicht bereit bin. Passt der Rucksack wirklich für meinen Zweck und verwende ich ihn dann wirklich so oft? Tut es vielleicht eine Tasche auch? Alles Fragen, die man sich stellen kann. Letztens habe ich dazu die YouTube-Suche zur „Recherche“ herangezogen. Es kommen durchaus gute Vorschläge, wie ein Rucksack von Peak Design, der es mir angetan hat.

Dann gibt es aber auch seltsame Videos von selbst ernannten Alpha-Männern. Unbedarft habe ich auf ein solches Video geklickt und konnte nicht anders, als die Hände vor dem Kopf zusammenschlagen. Die Art, wie darin alles zerrissen und schlecht geredet wird, was nicht schwarzes, vielleicht ausnahmsweise dunkelbraunes Leder ist, wirkt völlig lächerlich. Schlagworte wie »Maskulinität« werden durch den Raum geworfen. Ganz so, als wäre die Wahl eines Rucksacks die erste Stufe eines komplexen Paarungsrituals. Natürlich hat dieser YouTuber zufälligerweise einen Sponsor für sämtliche „maskulinen“ Alternativen zu den „uncoolen“ und „nerdigen“ Taschen. Ach, diese Zufälle.

Es wäre doch vollkommen langweilig, wenn jeder mit schwarzen Ledertaschen herumlaufen würde. Man kann es natürlich übertreiben mit der Motivwahl einer Tasche oder eines Rucksacks, aber es muss eben auch zum Typ passen. Manchmal sollen Rucksäcke nur ihren Zweck erfüllen und meine Dinge von A nach B und zurück transportieren. Manchmal sollen sie dabei noch gut und schick aussehen. Manchmal ist es auch einfach egal. Dass man 2025 immer noch so denken kann und andere schlechtreden muss, nur weil sie keine Ledertaschen haben, ist mir gänzlich unverständlich.

Viele Jahre hatte ich beispielsweise verschiedene Geldbörsen von Paperwallet mit den abgefahrensten Designs. Die sieht man nicht alltäglich und sind ein echter Hingucker. Wirklich tolle Produkte. Leider bin ich damit einer Lösung zu meinem Rucksack- bzw. Taschenproblem nicht näher gekommen. Zumindest weiß ich aber schon mal, dass es kein schwarzer oder dunkelbrauner Lederrucksack wird.

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