In der zweiten Episode wird das Mission-Statement von Supernatural zementiert. Zuvor war es das erklärte Ziel von Sam und Dean ihren Vater zu finden. Besonders ist Sam darauf erpicht, nicht nur ihn, sondern damit auch den Mörder seiner Freundin Jess aufzuspüren. Doch wie sich am Ende herausstellt, ist das nicht ganz so einfach. Denn ihr Vater manipuliert sie dahingehend, für ihn Jagd auf Monster zu machen, die er nicht machen kann oder will. So äußert Dean am Ende wohl eines der berühmtesten Zitate aus Supernatural: »I think he wants us to pick up where he left off, you know, saving people, hunting things. The family business.«
Was die Serie und damit natürlich ihre Autor*innen besonders gut hinbekommen haben, ist die Beziehung der Winchester-Brüder zu etablieren und zu pflegen. Dean sagte zwar in der ersten Folge, er mag keine Chick-Flick-Momente, also keine Unterhaltungen über Gefühle und dergleichen. Doch Sam wird sichtlich von seinem Zorn und seiner Ungeduld, ihren Vater zu finden, aufgefressen. So äußert Dean ausgezeichnete Ratschläge, dass dies weder gesund für ihn ist, noch auf Dauer förderlich. Ihr Vater sucht das Monster immerhin schon über 20 Jahre, da werden sie es nicht innerhalb weniger Wochen schaffen. In der Zwischenzeit können sie Menschen helfen, wie Tommy Collins und seinen Geschwistern.
Das Monster der Woche ist in dieser Folge wieder ausgezeichnet umgesetzt. Die ganze Episode sieht man den Wendigo kaum. Nur in Andeutungen, schemenhaft und unscharf. Erst am Ende gibt es den Money-Shot, wenn Dean das Monster mit einer Leuchtpistole erledigt. Die Szenen im Wald sehen ebenso gut aus. Das Color-Grading in den Aufnahmen am Tag hat etwas Unheimliches und Unnatürliches an sich. So als ob die Bilder überbelichtet werden. Die Farben sind entsättigt und blass, geradezu trostlos. Das trägt zu einer unbehaglichen Stimmung bei. Es ist etwas, das man vielleicht gar nicht so sehr bewusst wahrnimmt, allerdings weiß man, etwas stimmt nicht.
Witzig, finde ich, dass Sam und Dean keine Verpflegung mitnehmen? Dean hat zwar seine obligatorischen M&Ms dabei und Sam trägt ein Duffelbag, aber da sind wohl hauptsächlich Waffen und andere Dinge drin, um Monster zu töten. Brauchen die beiden kein Wasser oder dergleichen? Aber das ist nur ein Detail am Rande. Es könnte ja alles im Duffelbag drin sein. Außerdem wird ihnen das Zeug sowieso vom Wendigo geklaut. Interessant, bei ihrer Wanderung durch den Wald und als noch nicht klar ist, dass es sich bei dem Monster um einen Wendigo handelt, sind die Spekulationen von Sam und Dean. Sie reden über Skinwalker, schwarze Hunde und andere Wesen. Sie behandeln alles mit einer Ernsthaftigkeit und eruieren, was es sein könnte. Das unterstreicht noch einmal, dass sich die Serie selbst in ihrer Mythologie und Welt ernst nimmt und nicht ins Lächerliche zieht. Zudem ist es ein netter Teaser, über das, was noch kommen könnte.
Zum Schluss müssen wir natürlich noch herausfinden, wie weit die beiden Winchester dieses Mal gefahren sind. Wenn wir davon ausgehen, dass sie von Stanford mehr oder weniger direkt nach Lost Creek in Colorado gefahren sind, einen Ort, den es tatsächlich gibt, dann sind es rund 2.100 km. Sam war, wie eine Rückblende, genau gesagt einer Traumsequenz zwar noch bis zur Beerdigung in Palo Alto, aber das ist ja scheinbar alles mehr oder weniger in der Umgebung. Somit wären es in zwei Folgen schon stolze 3.040 km.