Jeden Mittwoch erscheinen aktuell neue Folgen von der Serie »Alien: Earth«. Ich bin etwas später in die Serie eingestiegen und habe mir letzte Woche vier Folgen am Stück angeschaut. Der Look und die dichte Atmosphäre erinnern stark an die klassischen Filme. Der erste Teil ist immerhin 46 Jahre alt und mehr oder weniger nahtlos an das alte Design anzuschließen, ist ein Erfolg an sich. Hinzu kommen die grandiosen Schauspieler*innen, die durch die Bank perfekt in ihre Rolle passen. Man sieht ihnen einfach gerne zu und weiß, es wird kein gutes Ende nehmen – für niemanden.
Interessant finde ich den Aufbau der Serie. Denn sie ist nicht nur eine reine Horrorserie, die geschickt den Xenomorph im Set versteckt, sondern besticht außerdem durch politische Intrigen. Jede und jeder verfolgt eigene Ziele, ist den Megacorporations und ihren unendlich reichen CEOs auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Aber bedeutet Geld wirklich Macht oder verblasst das alles im Angesicht des Xenomorphs? Ist ein einfaches Alien in der Lage, sie alle auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, oder scheitern sie an ihren Ambitionen? Feinde lauern überall.
Nicht nur der Xenomorph ist eine Bedrohung. Die kürzlichen Kreationen des Emporkömmlings und treffend benannten Boy Kavalier scheinen nicht ganz so zu funktionieren wie erhofft. Wie fatal Fehlfunktionen sein können, wird sich erst noch herausstellen – ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Die kreativen Köpfe hinter der Serie wissen, wie man Spannung erzeugt. Das sollte man selbst erleben. Dann haben wir natürlich noch andere Spezies, die neben dem Xenomorph eine Bedrohung darstellen. Es ist schön, wenn der Name »Alien« breiter gefasst wird und nicht nur den Xenomorph meint. Man kann so viele schöne, abscheuliche Kreaturen kreieren, die das Leben der Charaktere äußerst schwer machen.
Nur eines hat mich bislang gestört an der Serie und das hat mit dem Charakter Hermit zu tun. Er ist der Bruder einer unserer Protagonistinnen und arbeitet als Medic bei einer – nennen wir es – Sicherheitseinheit. Hermit hat einen großen Beschützerinstinkt und würde alles für seine Schwester tun. Ich mag den Charakter. Er wirkt etwas nahbarer als die anderen. Durch eine Verkettung unglücklicher Ereignisse bekommt er vom Unternehmen von Boy Kavalier eine neue Lunge. Über diverse Subfirmen arbeitet er für den Boy Genius. Und es gibt nur fünf große Konzerne, die die Welt unter sich aufgeteilt haben. Ihre Krieger sind Anwälte. Alles ist eine Bedrohung.
Um Hermit herum entspinnen sich die bereits erwähnten Intrigen. Alles und jeder hat eine eigene Agenda, versucht, diese mal mehr, mal weniger subtil umzusetzen und die eigenen Ziele zu verfolgen. Nuancen sind wichtig und ein gewisses Fingerspitzengefühl. Hermit ist neu in diesen Sphären der Welt, aber er lebt in ihr und unbekannt dürfte ihm dies nicht sein. Immerhin wird er als intelligent und clever dargestellt, sonst hätte er die ersten Folgen nicht überlebt. Doch irgendwann denkt er, dass er einfach kündigen und gehen kann. Mit seiner neuen Lunge und der Schwester in der Hand. Diese ist allerdings in gewisser Weise das Eigentum von Boy Kavalier.
Es ist eine etwas stumpfsinnige Szene. Denn Hermit muss doch wissen, dass er nicht einfach gehen kann. Und seine Schwester schon dreimal nicht. Sie beide haben zu viel gesehen, wissen zu viel und sind nun einmal in diese Machtspiele verstrickt. Ich hoffe sehr, dass sich dieser offensichtliche Aufstand, der sich anbahnt, etwas subtiler darstellt. Bisher ist mir Hermit zu sehr mit der Brechstange unterwegs und untergräbt damit etwas die Atmosphäre, in der die anderen Charaktere unterwegs sind. Es passt nicht zu hundert Prozent dazu, noch nicht zumindest.
Leider war die fünfte Folge etwas unterwältigend. Insofern, als dass es ein einziger Rückblick war und zeigt, was vor dem Absturz des Raumschiffes passiert ist. Vieles war bereits bekannt und es fühlte sich teils wie ein Déjà-vu an. Ich hoffe, die letzte Handvoll an Episoden kehrt qualitativ und erzähltechnisch zu den ersten vier zurück. Es steckt viel Potenzial in »Alien: Earth«. Das sähe ich nur ungern verschwendet. Und jede Folge ohne Timothy Olyphants Kirsh ist ohnehin verschwendet.
