Geek-Planet | The Walking Dead: Book 11

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 7. Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem möchte ich, dass meine alten Texte auffindbar sind. Deshalb suche ich mir jede Woche einen aus meinem Archiv, redigiere diesen und versehe ihn mit einer kleinen Einleitung.

Nachdem ich die Comics von TWD erst spät angefangen habe zu lesen, bin ich nie so wirklich in den Genuss der Marketing-Kampagnen gekommen. Natürlich bekommt man diese am Rande mit. Zu der Zeit habe ich besonders intensiv Comics verfolgt und noch mehr gelesen. Außerdem habe ich Podcasts zum Thema gehört. Doch erst, wenn man die entsprechenden Geschichten verfolgt, kann man diese Kampagnen, solange sie gut gemacht sind, genießen. Deshalb hat es mich damals umso mehr gefreut, dass die Hardcover-Edition ein paar Ausschnitte davon enthalten hat.

Bonusmaterial war und ist vielleicht noch immer eher selten anzutreffen. Doch ich mag es, wenn die Autor*innen oder Künstler*innen zumindest etwas über ihren Prozess schreiben. Was haben sie sich dabei gedacht? Gibt es Anlehnung an reale Ereignisse? Was inspiriert sie? Was denken sie über Thema x? Manche machen das ausführlicher, manche weniger. Viele haben allerdings eigene Newsletter, die man abonnieren kann. So bleibt man nicht nur auf dem Laufenden, sondern kann einen Blick hinter die Kulissen werfen.


Der Krieg gegen Negan geht weiter und kann mit diversen Showdowns aufwarten, die es in sich haben. Das überraschende Ende dieses Krieges setzt jedoch ein Zeichen für eine neue Zivilisation. Fortschritt und Weiterentwicklung sind die Stichpunkte, unter denen die beiden Story-Arc festzulegen sind.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Cover: Charlie Adlard
  • Inker: Stefano Gaudiano
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2015
  • Ausgaben: #121 – #132

“Someone is going to tell you to get used to this. That feeling of being scared and sad. They’re going to say it’ll be better when you learn to ignore it. Don’t listen to them. Hold onto it, remember it… don’t let yourself forget it. It’s too easy to lose.” – Carl

Nachdem Rick beim letzten Mal einfach ohnmächtig wurde, starten wir den zweiten Teil von „all out war“ aus seiner Perspektive. Er war zwar lediglich eine Stunde ausgeknockt, doch diese kurze Zeit reicht schon aus, damit sich Alexandria in ein Kriegsgebiet verwandeln konnte. Der Staub hat sich gelichtet, Negan ist mit seinen Männern abgezogen und unsere Protagonisten sind damit beschäftigt, nicht von Walkern angegriffen zu werden, die durch das beschädigte Tor eingedrungen sind. Die Zeichnungen vermitteln einen wahrlich katastrophalen Eindruck. Mindestens jedes zweite Haus hat Schäden davongetragen, die Straßen sind von den Granaten zerstört und von den Gefallenen möchte ich gar nicht erst anfangen.

Doch schnell ist Rick wieder bei Sinnen und ordert alle an, sich am Tor zu versammeln. Sie fahren nach Hilltop, um sich dort neu zu gruppieren und einen eventuellen Gegenschlag auf Negan auszuführen. Ein Thema, welches dort angesprochen und bei The Walking Dead immer wieder aufgegriffen wird, ist die Nahrung, die ihnen zur Verfügung steht. Besonders im Vergleich zur Ablegerserie Fear the Walking Dead, wo dies unglaublicherweise kaum ein Problem zu sein scheint, reden sie im Comic oft davon und dass sie bald rationieren müssen. Wenn man viele TWD-Comics innerhalb kurzer Zeit liest, kann das Thema zwar schon teilweise ermüdend sein, doch es ist eine ständige Sorge, die einen begleitet. Was für die Nahrung gilt, gilt allerdings auch für Munition, die sie seit geraumer Zeit selbst produzieren können oder konnten. Negan hat nämlich das Produktionsteam entführt.

Apropos: Es ist erstaunlich, wie viele Menschen in den drei Orten unterkommen. Immer wieder strömen Leute durch das Tor von Hilltop. Während sie dabei sind, neue Pläne zu schmieden und ihre Wunden zu versorgen, stellt sich heraus, dass Jesus schwul ist. Zumindest deutet sich das sehr stark an. Nachdem Aaron und sein Partner immer darüber gewitzelt haben, dass sie die letzten Homosexuellen auf der Welt wären, ist diese Entwicklung eine schöne positive Entwicklung.

Aber zurück zum Krieg: Negans Grausamkeit ist nicht zu übertreffen und er hat den gleichen Plan wie Rick – so schnell wie möglich zurückschlagen, während die andere Seite geschwächt ist. Doch zuvor kontaminieren sie ihre Nahkampfwaffen wie Äxte, Messer und Pfeile mit dem Blut von Walkern, womit sie ihre Gegner nicht direkt töten müssen, da diese, sobald sie mit dem Waffen verwundet werden, sowieso langsam verenden und durch das Fieber sterben. Immer wieder kommt der Gedanke hoch, warum Dwight, unser Überläufer und heimlicher Rick-Befürworter, nicht endlich Negan ausschaltet. Immerhin hätte er genug Gelegenheiten dazu gehabt.

Doch wenn er es getan hätte, kämen wir nicht in den Genuss eines nächtlichen Angriffs von Negan. Er und seine Männer brechen mit einem großen Militärtruck durch die Wände. Anfangs sieht es so aus, als ob sie nun doch gewinnen würden, doch Rick hat einen Hinterhalt im Ärmel. Seine Leute haben sich in den Autos versteckt und schalten zum richtigen Zeitpunkt die Scheinwerfer ein, womit sie die Leute von Negan blenden und so einfacher dezimieren können. Schließlich sieht sich der Tyrann gezwungen, sich mit seinen Männern zurückzuziehen.

Kurz darauf kommt es endlich zum großen Showdown zwischen den beiden Anführern: Rick vs. Negan. Die beiden liefern sich einen ziemlich guten Kampf. Dwight nutzt die Gelegenheit, sobald Rick seinen Gegner überwältigt hat, um die neue Führung zu übernehmen. Hier kommt etwas Erstaunliches zum Tragen, was sich in der nächsten Story-Arc fortsetzt: Fortschritt. Rick entwickelt sich weiter und ist über das Töten hinaus. Er lässt Negan leben und beschließt stattdessen, ihn einzusperren. Sie planen eine neue Zivilisation aufzubauen und jemanden umzubringen ist kein guter Start dafür.

“There were times that boy was… he was all I was living for. He was my life. Now I have to figure out a way to let him go? But that’s parenting right? You have to let them go eventually.” – Rick

Der zweite Handlungsstrang „a new beginning“ startet ein paar Wochen später, vielleicht sogar Monate, wenn man sich die Umgebung ansieht und was unsere Freunde alles aufgebaut haben. Rick hat sich weiterentwickelt. Nicht nur optisch, sondern vor allem mental hat er Erstaunliches durchgemacht. Er ist nicht mehr der wilde Anführer, sondern ist so etwas wie der weise alte Mann geworden, der unter den einzelnen Kommunen wie eine Legende gefeiert wird. Dies zeigt sich hauptsächlich dann, als er Carl von Alexandria zum Hilltop bringt. Ja, er hat sich mit Andrea und seinem Sohn wieder in Alexandria ein Leben aufgebaut. Es gibt Farmen, verschiedene Tiere, eine Mühle und mehr. Alles, was man für ein gutes Leben benötigt.

Am meisten überrascht war ich aber von Carl. Nicht nur nennt er Andrea „Mom“, was ich äußerst süß finde, er will auch zu Earl nach Hilltop, um dort zu lernen, wie man Schmied wird. Ich hätte ihn bisher eher so eingeschätzt, dass er zur Garde der Ritter möchte, die die Hauptstraße zwischen den beiden Städten bewachen. Doch schon seine Schnitzereien, die er einem Freund zeigt, zeugen von einem ruhigen und gefestigten jungen Mann.

Überhaupt sehen alle Charaktere anders aus. Dies mag an der neuen Umgebung liegen, doch sie handeln nicht mehr gehetzt, sondern lassen sich Zeit für die Dinge. Beim letzten Mal hatte ich geschrieben, dass es cool wäre, wenn The Walking Dead wieder etwas zu seinen Wurzeln zurückfinden würde, doch diese Einstellung hat sich nach der Lektüre des elften Bandes geändert. Die Geschichte und ihre Protagonisten müssen sich weiterentwickeln. Quasi auf zu neuen Ufern segeln. Dies ist wichtig, damit der Comic interessant bleibt.

Diese Einstellung findet sich ebenso im Bonusmaterial des Buches wieder. Die Kampagne zu „a new beginning“ war davon geprägt, etwas Neues zu präsentieren. Es ist den Machern gelungen. Doch die Action kommt nicht zu kurz. Bereits am Anfang locken ein paar Männer und Frauen unter der Leitung von Eugene hunderte, wenn nicht sogar tausende Zombies weg von den drei Niederlassungen. Dabei entdecken sie auch eine Gruppe von „Gestrandeten“. Blöderweise sind diese im Weg der Herde. Nachdem sich aber herausgestellt hat, dass sie mehr oder weniger friedlich unterwegs sind, nehmen sie Rick und Andrea in ihre kleine Stadt mit auf. Ich bin, was diese Gruppe anbelangt, noch äußerst skeptisch, mal sehen, was sich daraus entwickelt.

Doch Probleme lassen nicht lange auf sich warten. Es wird eine neue Gruppe von Gegnern etabliert, die eine ziemlich raffinierte Art haben, sich unter den Walkern zu verstecken. Wären ihre Absichten nur ebenso gut. Sie werden im Laufe der Geschichte als Whisperers bezeichnet und wirken sehr beängstigend. Es ist gut, nun eine andere Art von Gegnern zu haben. Der Gouverneur und Negan, der im neuen Gefängnis von Alexandria seine Strafe absitzt, waren doch sehr forsche Typen. Da tut die angedeutete, kommende Abwechslung richtig gut.

Book Eleven beendet zum einen den fantastisch inszenierten, dreiteiligen Krieg gegen Negan. Zugleich setzt er viele schöne Zeichen, dass die Geschichte bereit ist, eine neue Ära anzufangen.