Charmed | S01E01 | Something Wicca this way comes

Die komplette erste Folge war ein einziger Trip. Ich bin aus dem Lachen und Klatschen nicht mehr herausgekommen. Ja, ich habe alleine im Wohnzimmer eine Serie beklatscht. Soweit ist es schon gekommen. Ich weiß nicht, wie lang es her ist, dass ich eine Folge von dieser wunderbaren Serie Charmed gesehen habe. Es sind auf jeden Fall unzählige Monde seither vergangen. Ich habe in der Zwischenzeit die HTL mit Matura abgeschlossen, zweimal den Job gewechselt und zwischendurch drei Jahre in Tübingen Medienwissenschaften bis zum Bachelor studiert. Nicht zu reden von all den privaten Entwicklungen. Will sagen: Es ist wirklich viel passiert, seit ich den Song How soon is now von Love Spit Love gehört, geschweige denn die Einblendungen von Prue, Piper und Phoebe gesehen habe.

Diese Erfahrung als surreal zu bezeichnen, trifft es nicht. Vielleicht interpretiere ich zu viel in das Ganze hinein oder mache mir zu viele Gedanken darüber, aber so habe ich mich eben dabei gefühlt. Die ersten drei Staffeln habe ich definitiv am häufigsten gesehen und konnte mich an jeden einzelnen Shot erinnern, sobald er über den OLED-Fernseher in überraschend gestochener Schärfe flimmerte. Das ist wohl der größte Unterschied: Es ist kein Röhrenfernseher mehr, der mir die Serie zeigt, und mit der Dolby Atmos Soundanlage ist der Sound kristallklar. Soweit man etwas anhand von nur einer Folge beurteilen kann, muss ich sagen, dass es durchaus gelungen ist, diese mittlerweile 27 Jahre alte Episode ins Jahr 2025 zu holen. Nur an den »establishing shots« von San Francisco merkt man das Alter der Serie, da diese nicht neu aufbereitet wurden. Was ich hervorragend finde, da es San Francisco von damals zeigt. Moderne Aufnahmen wären hier fehl am Platz.

Ich frage mich, ob die erste Szene damals schon das stereotypische Bild einer „modernen“ Hexe war oder ob das erst in den nächsten Jahren etabliert wurde. Wir sehen eine junge Frau, die natürlich eine Katze besitzt und sich vor einen kleinen Tisch kniet. Darauf sind verschiedene Kerzen und eine Schale mit Kräutern oder ähnlichen Darbietungen. Die Kerzen werden nicht mit einem Feuerzeug angezündet, sondern mit den Fingern und es wird eine Gottheit angebetet, selbstverständlich mit Referenz auf den Mond. Es ist fantastisch. Leider wird die gute Dame ermordet, da ein Hexen-Jäger oder auch Warlock genannt, in der Stadt sein Unwesen treibt.

Die erste Halliwell-Schwester, die wir sehen ist Piper, die gerade durch die Haustür hereinkommt. Als Zweites sehen wir Prue. Die beiden sind wohl gerade dabei, das Haus auf Vordermann zu bringen, nachdem ihre Großmutter verstorben ist und es allen drei Schwestern vermacht hat. Prue und Piper sind wieder in das alte Haus eingezogen. Ohne es vorher Prue zu sagen, zieht allerdings auch Phoebe, die jüngste Schwester, wieder ins Haus ein. Prue geht eigentlich davon aus, dass sie in New York lebt, doch Piper weiß, dass sie wieder zurück nach San Francisco kommt. Und dann steht sie auch schon vor der Tür. Die Spannung zwischen Prue und Phoebe ist deutlich zu spüren. Scheinbar hat Phoebe mit dem Ex-Verlobten von Prue geschlafen, was diese allerdings leugnet. Durch diese kleine Szene, doch auch durch die Unterhaltungen davor sind sofort die Fronten klar und man versteht das Verhältnis zwischen den dreien.

Das ist etwas, das dieser ersten Episode exzellent gelingt: das Etablieren der drei Schwestern, wo sie im Leben stehen, welche Beziehung sie zueinander haben. Es lässt sich erahnen, wie ihre Kindheit hier ausgesehen haben mag, und man fängt vielleicht selbst an, etwas zu spekulieren. Die drei erhalten an diesem Abend gleich ihre Kräfte, als Phoebe laut die erste Seite des Buchs der Schatten vorliest. Ich habe mich schon immer gefragt, wer alleine für sich etwas laut vorliest, aber das bricht nicht mein »suspension of disbelief« und funktioniert für mich. Man bekommt hierbei einen Eindruck der Effekte der Serie. Etwas Licht, Dinge wackeln und so weiter. Es sind einfache, aber effektive Wege, die Magie in Erscheinung treten zu lassen. Und wir befinden uns im Jahr 1999, das darf man dabei nicht außer Acht lassen.

Es ist schön, zu beobachten, wie die drei ihre Kräfte entdecken. Phoebe, die ihre Macht, in die Zukunft zu schauen, gleich nutzt, um Teenagern das Leben zu retten. Piper, die aus Versehen die Zeit einfrieren lässt und damit einen Job in der Küche bekommt, aber später diese Macht nutzt, um vor ihrem bösartigen Freund Jeremy zu flüchten, der insgeheim ein Warlock ist. Und schließlich Prue, die unbewusst Dinge in Bewegung setzt, um ihren misogynen Boss und Ex zu bestrafen. Die Serie sprüht dabei geradezu 90er-Energie, und es macht Freude, erneut in diese Zeit einzutauchen.

Natürlich dürfen die Nebencharaktere nicht unerwähnt bleiben. So sehen wir Andy, den Inspektor, der vor allem Prue schon länger zu kennen scheint und die beiden verstehen sich auf Anhieb sehr gut. Und Andys Partner Darryl, der äußerst skeptisch ist, wenn Andy vorschlägt, dass sie es mit einem Hexen-Jäger zu tun haben, der Frauen tötet. Was die beiden wohl sagen würden, wenn sie wüssten, dass der Warlock den sie suchen, im Dachboden der Charmed Ones explodiert ist? Andy ist auf jeden Fall durch seine offene Natur aufmerksam und so fällt ihm gleich auf, dass eine spezielle Katze (die, die wir bei der Hexe im Intro gesehen haben) mit einem besonderen Halsband bei den Halliwells auftaucht. Was hat das wohl zu bedeuten?

Ich weiß nicht, ob ich die Folge und damit die Serie als cheesy bezeichnen würde. Das wird Charmed nicht gerecht, jedoch wirkt es in der Rückschau natürlich so. Supernatural, das erst sechs Jahre später starten wird, wirkt ab der ersten Folge ernsthafter und erwachsener, wenn man den Unterschied so beschreiben kann. Nicht, dass sich Charmed nicht ernst nimmt, das tut es und es tut der Serie gut. Es fällt mir schwer, die Atmosphäre konkret zu beschreiben. Vielleicht finden wir es noch heraus. Vielleicht ist es nur die Mischung aus Nostalgie, den Erinnerungen an die Serie und sie nach vielen Jahren mit anderen Augen wiederzusehen. Was auch immer es ist, ich finde es großartig und freue mich auf die weiteren Folgen.

»The power of three will set you free.«