Was wäre ein ausufernder Rewatch des MCU ohne Blade? Vor den X-Men, vor dem MCU, vor dem DCEU, da war Blade. Der laut Wikipedia erste erfolgreiche Marvel-Film. Und das auch noch mit einem R-Rating (also ab 18) und mit einem Schwarzen Hauptcharakter. Wesley Snipes ist Blade und das seit 30 Jahren. Ob wir je einen Blade-Film mit Mahershala Ali sehen? Wer weiß. Ich hätte gerne einen mit Wesley Snipes oder beiden, wo quasi das Zepter an den nächsten weitergegeben wird. Doch erst einmal sehen wir uns die originale Trilogie an.
» There’s been only one Blade! There’s only ever gonna be one Blade!« – Blade (Deadpool & Wolverine)
Blade
Wenn der Film noch mehr Coolness ausstrahlen würde, wäre wahrscheinlich mein Fernseher explodiert. Die für die 90er Jahre typischen Lederoutfits müssen natürlich sein, wie würde man sonst die Vampire erkennen. Blade trägt natürlich stets eine Sonnenbrille, hält seine Posen immer etwas zu lang, aber sieht dafür verdammt cool dabei aus. Die Schatten und Kontraste sind hart gewählt, genauso wie die Gewalt alles andere als zurückhaltend ist. Die Kämpfe sind stylish gemacht, etwas over-the-top, aber machen äußerst viel Spaß. Blade kann man sich auch heute noch ansehen und verbringt damit zwei außerordentlich gute Stunden.
Die Story ist einfach, aber mehr braucht es nicht. Ein junger, aufmüpfiger, durch einen Biss zum Vampir gewordener Kerl stürzt das seit Jahrhunderten bestehende Konzil, um einen Blutgott auferstehen zu lassen. Blade will das verhindern. Wie dem jungen Kerl namens Deacon Frost (Stephen Dorff) es so einfach gelingt, die alten Vampire des Konzils auf seine Seite zu ziehen und sie seinem Willen zu unterwerfen? Keine Ahnung, egal. Weiter mit der Story. Blade und Whistler (Kris Kristofferson) haben genug damit zu tun, ihnen Herr zu werden. Außerdem müssen sie sich um Karen (N’Bushe Wright) kümmern, die Gebissen wurde und verhindern möchte, dass sie zum Vampir wird. Ein tolles Trio, das sich gut ergänzt.
Blade ist Kult. Blade ist brutal. Blade ist Wesley Snipes.
Blade II
Regie: Guillermo del Toro. Autor: David S. Goyer. Musik: Marco Beltrami (u.a. Hellboy, The Wolverine, Logan). Mit Wesley Snipes, Kris Kristofferson, Ron Perlman und Norman Reedus. Muss man noch mehr sagen?
Nachdem ich nun Blade II gesehen habe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob es nicht überhaupt das erste Mal war, dass ich in den Genuss dieses Films kam. Ich konnte mich überhaupt nicht an die Geschichte erinnern. Deshalb war ich umso positiver überrascht. Der Film kam 2002 in die Kinos und man sieht ihm deutlich die Einflüsse von The Matrix an. Die Kampfszenen versuchen verzweifelt, den Sci-Fi-Klassiker zu imitieren, scheitern allerdings. Die schnellen Schnitte, die coole Musik, die Outfits und natürlich die schiere Coolness von Wesley Snipes und Co. tragen allerdings dazu bei, dass es ein sehr kurzweiliger, unterhaltsamer Ritt ist.
Ich mag die Idee, dass sich das Virus des Vampirismus (eine Theorie, die im ersten Teil etabliert wurde) weiterentwickelt und versucht, die Schwächen auszumerzen. Wenn dann noch das Züchten von fast unbesiegbaren Vampiren 2.0 dazukommt, hat man alles, was eine unterhaltsame Blade-Geschichte braucht. Allerdings sind mir weiterhin die alten Vampire (von denen es hier leider nur einen gibt) weiterhin zu schwach. Es scheint mir unglaubwürdig, dass sich dieser Typ so lange an der Spitze hat halten können.
Ich mag auch den Einstieg in den Film. Mit einem dramatischen Voice-over und Rückblenden auf den ersten Film wird darauf verwiesen, dass Whistler überlebt hat und von den Vampiren am Leben gehalten wird. Er wurde vielleicht sogar selbst zu dem, was sie Jahrzehntelang gejagt haben. Nichts kann Blade in seiner Mission aufhalten, seinen alten Freund und Gefährten zu retten. Man fragt sich gespannt, ob sich der ganze Film darum drehen wird. Wo führt uns diese Reise überallhin? Fünf Minuten später ist das erledigt. Whistler ist gefunden und schließt sich Blade an. Weiter geht es mit der eigentlichen Hauptstory. Großartig.
Blade Trinity
Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich den dritten Teil damals sogar im Kino gesehen. Seitdem wahrscheinlich nicht mehr. Er ist sehr viel besser, als ich es erwartet hatte. Eine Version von Dracula als Gegner ist eine coole Idee und ihn so in der Mythologie zu verankern ebenso. Dominic Purcell hat eine tolle Bildschirmpräsenz und verkörpert den ersten Vampir mit der notwendigen Gleichgültigkeit, mit einem Hauch Übermütigkeit. Das Design seiner verwandelten Form könnte man durchaus als zeitlos bezeichnen. Besonders das Praktische am Make-up sorgt dafür, dass es heute, über 20 Jahre später, noch beeindruckend aussieht.
Blade redet hier wahrscheinlich so viel wie in den letzten beiden Filmen zusammen nicht. Das liegt hauptsächlich an seinen beiden Sidekicks: Abigail Whistler (Jessica Biel) und Hannibal King (Ryan Reynolds). King hätte ich nicht unbedingt im Film gebraucht, vor allem weil er heute zu sehr an Deadpool erinnert und seine Sprüche manchmal überhandnehmen. Das wirkt sich negativ auf die Ernsthaftigkeit mancher Szenen aus. Blade nimmt sich selbst als Charakter sehr ernst, das macht King etwas zunichte. Der Witz in den anderen Filmen war da subtiler. Aber das Team ist im Allgemeinen gut zusammengestellt. Schade, dass eher wenige davon überleben.
Grundsätzlich ist Blade Trinity eine gekonnte Fortsetzung und schließt die Reihe schön ab. Auch wenn ich auf so manche Dialogzeilen und Kameraeinstellungen hätte verzichten können. Da sind nicht alle gut gealtert. Das offene Ende für Blade lässt Interpretation für mehr offen. Ich würde gerne Wesley Snipes noch einmal in seiner wohl ikonischsten Rolle sehen. Mal sehen, welche Pläne Disney für den Charakter Blade hat.