Ich glaube, das ist jetzt das dritte oder vierte Mal, dass ich versuche, diesen Text zu schreiben. Genauer genommen diese Textreihe zu beginnen. Denn natürlich kann ich es nicht bei einem Text belassen, wenn es um eine solch großartige, tiefgreifende und umfangreiche Buchreihe wie »Dungeon Crawler Carl« (DCC) geht. Erst dachte ich mir, ich bespreche jedes Buch in einem eigenen Text, aber dann werden das ausführlichste, viel zu lange Essays. Denn jedes einzelne Buch enthält viele Ideen und Themen, über die man schreiben kann. Dann dachte ich mir, ich mache pro Buch mehrere Texte. Das würde aber ebenfalls sehr schnell sehr ausufernd. Nun mache ich es ganz anders.
Aktuell bin ich am Ende von Buch 5 und im Begriff, Buch 6 anzufangen. Denn das Gemeine an den DCC-Büchern ist, dass man nicht aufhören kann. Schon des Öfteren wollte ich zwischendurch etwas anderes lesen. Zudem lese ich die Bücher aus Ermangelung an Übersetzungen im englischen Original und wollte mal wieder etwas auf Deutsch lesen. Aber die Cliffhanger am Ende eines Buches ziehen mich direkt ins nächste hinein. An dieser Stelle also schonmal eine klare Empfehlung der Bücher.
Aber was mache ich nun mit meiner Textreihe? Ganz einfach. Beim Lesen schreibe ich mir immer wieder Zitate heraus, Gedanken, die ich während des Lesens habe, oder markiere mir spannende Stellen. Diese möchte ich als Ideengeber für Texte nutzen. Die Reihenfolge ist dabei eher zufällig und ich hoffe, ein Vorwissen der Bücher ist nicht notwendig. Milde Spoiler kann ich dadurch natürlich nicht vermeiden.
Doch bevor wir uns in diese Texte stürzen, braucht es eine Art Primer. Einen Text, der erklärt, worum es eigentlich geht. Und genau das machen wir jetzt.
Worum geht es eigentlich in Dungeon Crawler Carl?
Carl, der sich gerade von seiner Freundin getrennt hat, weil sich diese im Winterurlaub mit ihrem Ex vergnügt, kämpft sich mit deren Perserkatze Donut durch die »Dungeon Crawler World«. Wie ist es dazu gekommen? Durch ein Versäumnis unsererseits, rechtzeitig ein Formular in einem interstellaren Büro abzugeben, hat die Borant Corporation Anspruch auf das Sonnensystem und damit auf die Erde. Also haben sie angefangen, die Ressourcen der Erde abzubauen. Erst einmal haben sie alles, was ein Dach hat (Garagen, Häuser, vielleicht sogar mit Regenschirmen ausgestattete Menschen), dem Boden gleichgemacht. Aber wir können die Erde, oder was davon übrig geblieben ist, zurückhaben. Es muss nur jemand die 18 Level des Dungeons überleben. Der Dungeon ist selbstverständlich unterirdisch und wird (unter anderem) aus den bisher abgebauten Materialien der Erde zusammengesetzt. Das gilt auch für diverse Bosse.
Tore öffnen sich weltweit und es bleibt den Menschen frei, zu entscheiden, ob sie sich in den Dungeon begeben oder versuchen, auf der verwüsteten Oberfläche zu überleben. Da in der Gegend, wo Carl wohnt, gerade kalte Winternacht herrscht, schnappt er sich die nach draußen geflüchtete Katze und rennt in den Dungeon hinein. Donut hat Carl also in gewisser Weise das Leben gerettet. Fortan kämpfen sie sich also gemeinsam durch die Level des Dungeons. Und ja, Donut kann sprechen. Denn durch ein spezielles Leckerli, das Carl im Dungeon findet, „erwacht“ sie quasi und wird selbst zu einem so genannten Crawler.
Die beiden treffen in Folge ihres ersten Abenteuers auf ihren Guide Mordecai, der sie berät und hilft, den Dungeon so gut wie möglich zu überstehen. Wenn ich mich richtig erinnere, erfahren wir von Mordecai, dass noch nie jemand im Universum den Dungeon überlebt hat. Ebene 13 war das Tiefste, das jemand erreichte. Vielleicht schaffen es ja Carl und Donut. Das Schöne an der Konstruktion von »Dungeon Crawler Carl« und den folgenden Büchern ist es, wie Matt Dinniman die Welt immer weiter ausbaut. Er beginnt ganz klein, nur mit Carl und Donut. Mit der Zeit fährt die Kamera aber immer weiter zurück und offenbart mehr Details, Hintergründe und Geschichten rund um den Dungeon und diejenigen, die dafür verantwortlich sind.
Es entspinnen sich politische Intrigen und Verschwörungen (sowohl auf Seite der Crawler als auch der verantwortlichen Parteien hinter dem Dungeon). DCC ist eine gekonnte Mischung aus absurdesten, lustigsten und brutalsten Situationen, weiß aber genauso gut, herzerweichende, ernste Momente zu konstruieren. Diese Abwechslung ist es, was DCC so fesselnd macht. Der Dungeon eskaliert immer weiter, hat eine Struktur und ein Leben, eine Funktionsweise, die das gesamte Universum betreffen, nicht nur die Erde. Die Erde und die Bewohner*innen, die als Crawler um ihr Überleben kämpfen, sind nur Spielbälle in einem größeren Ganzen. Doch nicht alle wollen sich das gefallen lassen.
Wir lernen auch verschiedenste Spezies kennen. Die Borant Corporation wird beispielsweise von den Kua-Tin geleitet. Einer Spezies von „fish demons“, wie sie Carl netterweise beschreibt. Sie betreiben zwar den Dungeon, haben, soweit ich das verstanden habe, auch die Level designt, aber es gibt eine unabhängige Aufsicht über den Dungeon: die »System AI«. Normalerweise sollte diese künstliche Intelligenz neutral sein, aber es gibt doch immer Tendenzen. So entwickelt sie einen Fußfetisch für Carls Füße und gibt ihm in Lootboxen immer wieder Gegenstände und Zauber, die ihn dazu bringen, weiterhin barfuß herumzulaufen. Ja, Carl ist barfuß im Dungeon unterwegs. Aber nicht nur das. Er trägt lediglich Boxershorts und eine dicke Lederjacke, als er den Dungeon betritt.
DCC ist vom Genre her ein sogenanntes »LitRPG«, also ein Rollenspiel in Buchform. So bekommen die Crawler Lootboxen mit neuen Waffen, Zaubern, Fähigkeiten und so weiter. Natürlich dürfen Bosskämpfe mit entsprechender Bossmusik nicht fehlen. Jeder Crawler hat einen Lebensbalken, wie man ihn aus Spielen kennt, und einen Manabalken, um Zauber zu wirken. Sogar eine Minimap steht zur Verfügung. Es macht große Freude, immer mehr Details dieser Welt und des Dungeons zu entdecken. Deshalb ist es so schwer, aufzuhören, denn jedes neue Level bringt neue Details zum Vorschein.
Das wiederum macht es für mich schwer, mich zu entscheiden, worüber ich eigentlich schreiben möchte. Denn der Dungeon existiert nicht nur vor sich hin und findet für sich alleine statt. Das Ganze ist eine intergalaktische Fernsehshow, die live übertragen wird. Inklusive Talkshows, Sponsoren und so viel mehr. Deshalb also diese lose Textreihe. Ich schreibe einfach über alles, was mich interessiert und beschäftigt. Seien es Details, die mir auffallen, oder Themen, die das Buch anspricht und mich inspirieren. Lassen wir uns einfach überraschen, wie dieses Experiment verläuft.
