Warum immer nur dasselbe?

Gewohnheiten sind so eine Sache. Manchmal sind sie gut, manchmal stehen sie uns aber auch im Weg. Wenn man beispielsweise essen geht, hat man vielleicht die Tendenz, stets das Gleiche zu bestellen. Das kann vielerlei gute Gründe haben. Zum Beispiel, weil man das Restaurant oder Lokal zum ersten Mal besucht und sich ein Bild machen möchte. Gerichte, die man gerne isst, sind ein ausgezeichneter Benchmark, um die Qualität einer Küche zu bewerten. Oder aber man kennt das Lokal und möchte ein sicheres, kulinarisch köstliches Erlebnis. Man kann sich darauf verlassen, dass es gut ist. Doch immer mal wieder ist es nett, etwas Neues auszuprobieren.

Vor allem wenn man das Lokal kennt und weiß, dass das Essen von guter Qualität ist, bietet es sich doch an, etwas zu bestellen, was man sich zuvor noch nicht gegönnt hat. Und seien wir doch mal ehrlich: Es ist doch nett, etwas zu bestellen, was man sich normalerweise nicht selbst machen würde. So kann man die eigene Palette erweitern. Dieses Prinzip habe ich letztens verfolgt, als ich mit Freund J. im Magazin essen war. Ich hatte schon mit den üblichen Verdächtigen geliebäugelt, da fiel mein Blick auf die Kategorie »Starter«.

Die Karte ist für meinen Geschmack etwas unübersichtlich gestaltet. Es gibt verschiedene Kategorien, unter denen sich die Speisen finden. Von Suppen, Startern und Hauptspeisen geht es über Beilagen vorbei an Austern zu den Nachspeisen. Es ist nicht wirklich ein System zu erkennen, was wo auf der Karte warum angeordnet ist. Man findet sich allerdings schon zurecht. So fiel die endgültige Wahl auf zwei Starter. Eine als Vorspeise und eine als Hauptspeise. Ich bin sowieso ein Freund davon, mehrere Vorspeisen zu nehmen und dafür auf eine Hauptspeise zu verzichten. Es macht preislich oft kaum einen Unterschied und man kann mehrere Dinge probieren.

So war die Vorspeise ein überbackenes Ei auf Spinat. Ich weiß nicht, wie das Ei überbacken wurde, aber es sah sehr interessant aus. Der überbackene Teil sah optisch fluffig aus, stellte sich aber doch als recht fest und dicht heraus. Das Ei im Inneren war schön weichgekocht. Eine spannende Kombination, die herrlich schmeckte. Doch wirklich experimentell, zumindest was die Zusammenstellung anbelangte, wurde es beim zweiten Gang: gegrillte Calamari mit Blutwurst auf Kartoffelpüree. Calamari und Blutwurst sind jetzt nicht unbedingt etwas, was ich von mir aus kombiniert hätte, aber es funktionierte erstaunlich gut.

Immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren, vor allem kulinarisch, kann sich auszahlen. Es erweitert den Horizont auf eine einzigartige Weise, wie es nur Essen vermag. Essen verbindet uns, ist in jeder Kultur auf eine eigene Art verankert und hat Tradition. Immer nur auf dieselben Speisen zurückzugreifen, ist bequem und eine (meist) sichere Sache, aber gelegentlich auszubrechen, ist doch viel spannender.

David Foodphototasty | Unsplash