Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 15. Februar 2017. Damals erschien der folgende Text auf meinem Blog »Geek-Planet«. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem sollen alle meine Texte an einem Ort versammelt sein.
Ein Aspekt, der verloren geht, wenn man Comics wie TWD in Collected Editions liest und nicht als Einzelausgaben, sind die Leserbriefe. TWD war da stets bemüht, viele der Briefe abzudrucken und eine echte Konversation mit den Leser*innen zu führen. Wer die Möglichkeit hat, digital die einzelnen Ausgaben zu lesen, sollte dies nutzen. Ich kann es nur empfehlen. Es eröffnet zum Teil vollkommen neue Aspekte. Man kommt vielleicht auf Techniken oder Themen, die einem zuvor nicht bewusst waren. Saga ist auch ein solcher Comic, der viel Wert auf Leserbriefe legt. Es stärkt den Community-Aspekt.
Negans Absichten sind immer von sehr schwammiger Natur. Welches Ziel verfolgt er tatsächlich? Was ist sein Plan? Wie wir im Handlungsbogen „The Whisperer War“ erfahren, saß er nicht nur ein paar Monate in Alexandria in Haft, sondern mehrere Jahre. Die Frage, ob er sich schließlich geändert hat und nun an Rick glaubt, wird am Ende beantwortet. Beim letzten Mal hat er in einem höchst dramatischen Akt gegen die Anführerin der Whisperers aufbegehrt und Alpha getötet. Jetzt ist er auf dem Weg zurück, um Rick den Kopf von ihr zu bringen.
- The Walking Dead #157 bis #162
- Creator, Writer: Robert Kirkman
- Penciler: Charlie Adlard
- Inker: Stefano Gaudiano
- Gray Tones: Cliff Rathburn
- Letterer: Rus Wooton
„The Wisperer War“ ist eine dicht gepackte Geschichte und es passiert sehr viel in jeder einzelnen Ausgabe. Um diesen Workload, um einen hübschen neudeutschen Begriff zu benutzen, zu schaffen, sind die einzelnen Ausgaben in einem 16er-Panel-Raster aufgebaut. Ich muss allerdings zugeben, dass mir dies nur unbewusst aufgefallen ist und erst als das Thema in den Letter-Pages angesprochen wurde, konnte ich die Vorzüge dieser Technik rundum genießen. Als Leser*in bekommt man mehr geboten – es wird bewusst das Tempo gedrosselt und man muss sich für das Lesen mehr Zeit lassen. Interessant, welche Auswirkungen unterschiedliche Panel-Strukturen haben. Nur weil man ein 4 × 4 Raster verwendet, bedeutet dies nicht, dass nicht manche Panels zu einem zusammengefasst werden, oder zwischendurch beeindruckende doppelseitige Zeichnungen das Geschehen einfangen. Mehr Panels bedeuten jedoch mehr Zeichnungen und damit mehr Aufwand für Charlie Adlard und seine Kollegen. Trotzdem sehen die Darstellungen wie gewohnt fantastisch aus und lassen keine Wünsche offen.
Nun aber genug Comic-Theorie für heute. Kommen wir zum tatsächlichen Inhalt: Nach Alphas Tod herrscht ein gewisses Machtvakuum in den Reihen der Whisperer und die Frage nach einem Nachfolger wird laut. Zum Glück hat Alpha selbst bereits Beta in Stellung gebracht, der als Nummer 2 ein gutes Leben hatte. Er wird in die Führungsrolle gezwungen. Im Laufe der Geschichte und vor allem beim ersten Aufeinandertreffen mit Ricks Gruppe kommt immer mal wieder die Diskussion auf, wer sich eigentlich unter der Maske versteckt. Warum macht er darum ein solch großes Geheimnis? Niemand der Whisperer scheint jemals sein Gesicht gesehen zu haben. Was ist passiert? Hat er eine schreckliche Verletzung, die er nicht zeigen möchte? Dies halte ich eher für unwahrscheinlich, da er mir nicht der Typ zu sein scheint, der sich so etwas zu sehr zu Herzen nimmt. Vielmehr wird es wohl tatsächlich darum gehen, wer er ist? War er eine berühmte Persönlichkeit? Oder ist er jemand, den wir kennen und Vendetta-mäßig gegen Rick und seine Gruppe vorgehen will.
Nach dem letzten Kampf und großen Verlusten, darunter Ezekiel, herrschen in Ricks Bündnis gewisse Spannungen. Die Saviors wollen sich mal wieder alle untertan machen und das Kingdom ist sich uneins, wer der neue Anführer werden soll. An dieser Stelle finde ich es erstaunlich, dass Rick nicht als Ratgeber eingesetzt wird und sich darum gekümmert hat, dass eine qualifizierte und angesehene Person die Rolle übernimmt. Doch er ist eher damit beschäftigt, herauszufinden, was mit Negan passiert ist, bis dieser schließlich wieder vor der Tür steht. Die Dynamik zwischen beiden Charakteren, die sowohl in der Serie als auch im Comic hervorragend funktioniert, ist jedes Mal ein kleiner Höhepunkt. Immer wieder umkreisen sie sich, wagen sich ein Stück näher an den anderen heran. Können sie sich vertrauen, oder nicht? In diesen wenigen Ausgaben, die die Geschichte einnimmt, lernen wir mehr über Negan als in den gesamten Ausgaben davor. Wir lernen unter anderem die Bedeutung von Lucille kennen.
Auch wenn der Kriegsaspekt sehr gut rüberkommt, ist es „a different kind of war“. Sie müssen nicht nur gegen die Whisperer vorgehen, sondern auch gegen ihre Heerscharen von Walkern, unter denen sie sich verstecken. Doch die Anführer, die Rick auserkoren hat, um sie zurückzuschlagen, darunter Dwight und Jesus, machen einen herausragenden Job und schrecken vor keiner Technik zurück, um ihre Reihen zu beschützen. Es entstehen gewaltige Bilder, die das Meer an Untoten perfekt in Szene setzen. Der Kontrast zur teils poetischen Sprache in den Dialogen trägt sein übriges zur spannenden Atmosphäre bei.
Als Letztes möchte ich schließlich noch Eugene erwähnen, der ebenfalls sehr beeindruckend seine Hingabe für die Sache zeigt. Er kommt sich interessanterweise immer noch so vor, als würde er keinen oder einen zu geringen Beitrag leisten. Zwischendurch setzt er die Konversation mit seiner Funkgeräte-Bekanntschaft fort. Dieser Subplot dauert noch schon eine Weile an und ich bin sehr gespannt, wie die Auflösung dazu aussieht. Und vor allem, wann wir sie zu sehen bekommen. Hilft die Unbekannte gegen die Whisperer oder handelt es sich um die nächste Bedrohung, die Rick und Co. überstehen müssen?