Wie man 60.000 Fotos sortiert

Vor gut eineinhalb Jahren habe ich einen Text geschrieben, wie ich meine Apple-Photos-App bereinigt habe (Wie man 30.000 Fotos sortiert). Dabei ist es mir vor allem darum gegangen, die ganzen Screenshots, Videos und anderen Kram aus der App loszuwerden, den ich darin nicht benötige. Oder der viel Speicherplatz benötigt. Seitdem hat sich einiges getan. Vor allem, nachdem ich kurze Zeit zu Android gewechselt bin. Ich habe alle Fotos, die älter als drei Jahre waren, aus der Photos-App exportiert, auf einer externen Festplatte gespeichert und aus der Bibliothek gelöscht. Das war an und für sich nicht schlecht. So habe ich endlich mal eine lokale Kopie meiner Fotos. Auf der anderen Seite schaue ich mir die Fotos natürlich nie an, wenn sie nur auf der Festplatte vor sich hin vergammeln.

Also habe ich das getan, was ich vor Jahren schon einmal gemacht habe, nur eben nun mit meiner gesamten Foto-Geschichte der vergangenen Jahrzehnte: Ich habe wieder sämtliche Fotos in die App geworfen. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man auf über 60.000 Fotos kommt. Dabei sind noch nicht einmal alle drin. Das beinhaltet natürlich nicht nur Fotos, die ich über die Jahre mit verschiedenen iPhones gemacht habe. Dazu gesellen sich noch Urlaubsfotos aus der Zeit der Digitalkameras, Fotos von meiner Spiegelreflexkamera und eingescannte Bilder aus Fotoalben. Ich mag es, jederzeit Zugriff auf diese Fotos zu haben und durchscrollen zu können. Oder wenn die App Vorschläge macht oder Fotos anzeigt, die an diesem Tag vor x Jahren gemacht wurden. Es ist toll.

Natürlich sind einige Dopplungen drin und sehr viele sehr ähnliche Fotos. Die wollen irgendwie sortiert werden. Die Photos-App selbst macht zwar Vorschläge über ähnliche Bilder und bietet an, diese zu mergen, aber das trifft nicht alle ähnlichen Bilder. Zwar waren so ein paar hundert wegsortiert, aber nicht genug. Also habe ich mich auf die Suche nach einer Drittsoftware gemacht. Fündig geworden bin ich bei MacPaw. Diese machen auch die großartige Software CleanMyMac, die ich schon des Öfteren verwendet habe. Sie machen auch Gemini (aktuell in der zweiten Version verfügbar und nicht mit Googles KI-Assistenten zu verwechseln).

Ich habe mal probeweise für einen Monat bezahlt (es kostet nur knapp über drei Euro) und die App heruntergeladen. Bis jetzt bin ich ehrlich begeistert. Die App benötigt natürlich kompletten Zugriff auf die Fotobibliothek. Dann scannt diese die Bilder und sucht nach identischen Kopien und nach ähnlichen Bildern. Die Ergebnisse werden dann in einer sehr, sehr langen Liste angezeigt. Man kann die Software die zu löschenden Bilder auswählen lassen oder man legt selbst Hand an. Ich bin alles von Hand durchgegangen.

Das Praktische an der Software ist, dass sie dazulernt. Wenn ich stets die kleinere Variante eines Fotos lösche, wird zukünftig auch diese zum Löschen ausgewählt. Um nur ein Beispiel zu nennen. Vor allem wenn von einem Foto zwei bis fünfzehn Varianten existieren (oder 178), ist es außerordentlich nützlich, überflüssige einfach löschen zu können. Eine kleine Vorschau ermöglicht es, die Bilder zum Löschen auszuwählen, bei denen alle ihre Augen geschlossen haben oder die etwas unscharf geworden sind. Viele habe ich einfach überflogen, weil es sich um Schnappschüsse oder Bilder ohne Menschen darauf handelt. Da ist die Qualität nicht allzu wichtig. Vor allem gibt es die Fotos sowieso noch auf der externen Festplatte.

Als Nächstes möchte ich noch Alben von den Urlauben anlegen und eventuell Ortsmarken ergänzen. Besonders bei den alten Fotos fehlen natürlich die Ortsmarken. Eine gut gepflegte Fotobibliothek ist viel wert. Es ist nicht wenig Arbeit und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber ich setze mich gerne damit auseinander. Vielleicht fallen sogar ein paar Fotobücher dabei heraus. Wer weiß, wozu mich das Ganze inspirieren wird. Aber ohne die Hilfe einer guten Software wären die ersten Schritte bei weitem nicht so schnell gegangen. Es ist zwar immer noch viel Handarbeit, aber eben nicht mehr ganz so viel. Denn wie viele Varianten eines verschwommenen Mondes benötigt man wirklich?

Josh Hild | Unsplash