Stau

Eigentlich ist es etwas paradox. Auf der anderen Seite vielleicht auch nicht. Aber mir ist nichts mehr zuwider als sinnlose Zeitverschwendung. Da werde ich unruhig und muss mich irgendwie beschäftigt halten. Ich habe nichts dagegen, in einem Wartezimmer zu sitzen und auf meinen Termin zu warten. Das ist berechenbar und es können andere mal etwas länger benötigen. Alles in Ordnung. An der Kasse habe ich auch kein Problem, zu warten. Das sind Momente, die zum Leben gehören, wie wir es uns als Gesellschaft angewöhnt und aufgebaut haben.

Für mich sind dies die kleinen Momente, in denen man sich überwinden kann und nicht gleich das Smartphone zur Hand nimmt. Mittlerweile ist es eine Stärke, zu sagen: „Nein, ich halte es aus“, sobald sich fünf Sekunden Leerlauf anbahnen. Ich brauche diesen Leerlauf, diese Langeweile auch. Mal nichts hören, anschauen oder lesen; nicht bombardiert zu werden von Benachrichtigungen oder zu hoffen, dass ein Newsletter im Postfach liegt, der mich für ein paar Sekunden ablenkt, weil ich ihn ja dann doch nicht gleich lesen möchte oder kann; er zu lang ist oder mich im Moment gar nicht interessiert. Allerdings gibt es auch Momente, die einfach sinnlose, brachiale Zeitverschwendung sind.

Letztens wollten wir nach Anif fahren. Dort gibt es einen Maximarkt und gelegentlich, alle paar Monate, mag ich es, in einem großen Supermarkt zu schmökern und einzukaufen. Neues zu entdecken und auszuprobieren. Eigentlich stand der Globus in Freilassing am Plan, aber in Deutschland war leider Feiertag. Also wurde es die Alternative in Anif. Was ich nicht bedacht hatte, war: wie viele Menschen unterwegs sein würden. Wir fuhren kurz nach Mittag, nach der Arbeit. Für die Strecke von Oberndorf nach Maria Plain benötigten wir eine Stunde. Normalerweise sind das 15 Minuten, wenn es lange dauert. Es bewegte sich zum Teil einfach gar nichts. Noch dazu war es ein sonniger Tag mit blauem Himmel.

Nach dieser Stunde und der Offenbarung, dass es wahrscheinlich in der Stadt nicht besser werden würde, haben wir wieder umgedreht. Stattdessen ist das ein oder andere lokale Geschäft unsicher gemacht worden. Jetzt weiß ich wieder, warum ich so gerne mit dem Zug nach Salzburg fahre und das Klimaticket jeden Cent wert ist. Es mag heiß sein im Sommer und schwül in den Zügen, aber das ist mir um einiges lieber, als sinnlos und zeitverschwendend im Auto zu sitzen und auf die Bremslichter der anderen Autos zu starren, in der Hoffnung, dass sie sich doch endlich bewegen mögen. Das nächste Mal befrage ich zuerst diverse Karten-Apps und entscheide dann, ob ich mir das antun möchte. Zumindest hatte ich so noch Zeit für eine ausführliche Trainingssession und einen Spaziergang.