1.000 Regeln, die dein Leben verändern

Manchmal muss man einfach loslassen. Seit einigen Monaten bin ich wieder ins Bullet Journaling eingestiegen. Ich nutze es in einem B5-Notizbuch für die Arbeit und privat habe ich ein handliches A6-Notizbuch stets zur Hand. Zum selben Zeitpunkt abonnierte ich ebenso den Newsletter von Bullet Journal. Ryder Carroll, Erfinder dieser Methode, schreibt gute Texte, die inspirieren und die ich gerne gelesen habe. Seit vielen Wochen allerdings bestehen diese Newsletter nur noch aus Werbung für einen viel zu teuren Online-Kurs, Werbung für spezielle Farben der Notizbücher und lebensverändernde Tipps.

Etwa zur selben Zeit habe ich den YouTuber Naphtali Rosenberg entdeckt. Auch er hatte nette kleine Videos mit hilfreichen Anekdoten, netten Geschichten, und ich mochte seine ruhige, sympathische Natur. Dann sah ich, dass er einen Substack-Newsletter hat, und habe diesen abonniert. Auch hier waren es anfänglich nette Mails, die gelegentlich hereinflatterten. Doch seit er das Ziel hat, jeden Tag einen Newsletter auszuschicken (für einen gewissen Zeitraum), entwickelt es sich zu einer lästigen „Pflicht“, die Mails anzuschauen. Gefühlt waren alle mit lebensverändernden Tipps gespickt und immer mehr Dinge wurden aufgezählt, die man entweder lassen soll oder unbedingt machen muss.

Was mich an den Mails gestört hat, war nicht deren tägliches Erscheinen, immerhin schreibe ich selbst ein tägliches Blog und lese sehr gerne dasjenige von Matthew Dicks. Aber von überall werden wir mit Hinweisen zugeschüttet, wie man das perfekte, vermeintlich richtige Leben lebt. Sei es YouTube, Social Media oder all die anderen Kanäle, denen wir ausgesetzt sind. Die genannten beiden Personen sind für mich anfangs für etwas anderes eingestanden. Für ein offeneres Vorgehen. Es hatte für mich den Anschein, dass man den eigenen Weg gehen soll. Im Falle von Ryder Carroll war die Bullet-Journal-Methode ein Werkzeug, um diesen zu finden und zu beschreiten. Ich verwende die Methode weiterhin sehr gerne und bleibe sicherlich dabei. Nur mit diesen beiden Newslettern und Informationsquellen habe ich erst einmal abgeschlossen.

Wahrscheinlich habe ich zu lange gewartet, bis ich auf den »unsubscribe«-Button gedrückt habe. Doch anfangs habe ich die Texte gerne gelesen und die Videos gerne geschaut. Man kann einfach nicht alle Regeln befolgen, die die Algorithmen einem zum Fraß vorwerfen. Es ist zu viel. Ich beschränke mich auf wenige ausgewählte Kanäle, den Rest finde ich schon irgendwie selbst heraus. Das sind mir sowieso die besten Quellen: diejenigen, die auf meine Individualität eingehen. Es passt nicht ein Konzept für alle. Man muss stets die jeweilige Situation der Menschen berücksichtigen. Was sind ihre Ziele? Wo stehen Sie? Was ist ihnen wichtig?

Indem der „richtige“ Weg versprochen wird, suggeriert man den Menschen doch, dass sie es bisher falsch gemacht haben. Im schlimmsten Fall macht man ihnen direkte Vorwürfe. Scheitern wird als schlecht dargestellt. Dabei ist es doch großartig, etwas falsch zu machen, denn aus den Fehlern lernt man. Wenn ich mir ein Konzert einer Musikrichtung anschaue und sich am Ende herausstellt, dass es mir nicht gefällt, war das keine verschwendete Zeit. Vielleicht war es eine coole Location oder ich hatte sonst einen lustigen Abend mit Freunden. Vielleicht hat man etwas zu viel Geld für Klemmbausteine ausgegeben. Aber man kann es zukünftig anders machen, besser. Und zwar, weil ich es so will und für mich herausgefunden habe. Nicht, weil es mir jemand gesagt hat.