Streamer als Entertainment (1/2)

Mir kommt es so vor, als ob in den vergangenen Wochen und Monaten immer häufiger über den Verdienst von Streamer*innen und YouTuber*innen geredet bzw. geschrieben wird. Auslöser dieser größeren Debatte war der Fall, dass manche ihre Cutter nicht entsprechend für ihre Arbeit entlohnen.

Natürlich ist die Person vor der Kamera oder die Stimme (manche zeigen sich nie vor der Kamera) das Aushängeschild eines Kanals. Viele kleinere Creator schneiden ihre Videos auch selbst. Doch wenn man es sich leisten kann, ist es nachvollziehbar, gewisse Arbeiten abzugeben. Wie das Schneiden der Videos. Hier kommen die Cutter ins Spiel. Doch auch sie sind, meiner Meinung nach, maßgeblich für den Erfolg eines Kanals verantwortlich.

Vieles kann in das Look & Feel eines YouTube-Kanals hineinfließen. Es geht über den reinen Zusammenschnitt des Videos hinaus. Teils müssen aus zig Stunden dauernden Livestreams die besten Szenen und Momente ausgewählt werden. Manche haben sogar Zweit- oder gar Drittkanäle, auf denen sie unterschiedliche Längen an Videos anbieten. Das ist viel Arbeit. Dass eine entsprechende Entlohnung nicht immer selbstverständlich ist oder es als Nebensache abgetan wird, finde ich äußerst bedauerlich.

Berechtigterweise regt man sich also darüber auf, wenn manche Cutter nur mit Mindestlohn oder einem Bruchteil dessen abgegolten werden, was der Creator mit den Videos verdient. Ich finde es sogar befremdlich, wenn manche immer wieder ihre Cutter wechseln. Was ich an der Debatte aber nicht sonderlich verstehe, ist, dass sich über die Summen aufgeregt wird, die manche Streamer*innen mit ihrem Job verdienen. Die erfolgreichsten erreichen Hunderttausende, wenn nicht Millionen Zuschauer. Doch selbst mit „nur“ wenigen Tausend lässt es sich bestimmt nicht allzu schlecht leben.

Man muss eben damit zurechtkommen, stets vor der Kamera zu sitzen, zu unterhalten und teils sehr viel mehr als nur 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Regt man sich im Vergleich dazu auch auf, wenn Schauspieler*innen zwei- bis dreistellige Millionensummen verdienen? Besonders, wenn sie an den Einspielergebnissen beteiligt sind? Wahrscheinlich schon, aber weniger, weil Schauspieler*innen ein öffentlicheres Leben führen oder besser gesagt der breiteren Öffentlichkeit bekannt sind. Es ist akzeptierter oder wird schlichtweg hingenommen.

Zwar kennt in ihren Kreisen auch ein Millionenpublikum die Streamer*innen oder hat zumindest von einigen gehört, aber sie stehen eben nicht oder nur selten in Boulevardzeitschriften. Und sie sitzen ja nur den ganzen Tag in ihrem Zimmer herum und spielen Videospiele. Es wird nicht als Arbeit angesehen. Aber dass wir in einer Zeit leben, in der das Wort »Arbeit« sehr viele Facetten annehmen kann, ist wohl noch nicht zu allen durchgedrungen.

Ein anderes Thema ist dann noch, wie die Einnahmen zustande kommen. Aber das schauen wir uns morgen an. Für heute soll es das erst einmal gewesen sein.