Gestern habe ich darüber philosophiert, wie sich in so manchen Bereichen über den Verdienst von Streamer*innen aufgeregt wird. Zurecht, wenn sie ihre Mitarbeiter*innen nur mit einem Bruchteil ihres tatsächlichen Einkommens abspeisen. Nicht darüber aufregen sollte man sich allerdings, dass sie das einnehmen, was sie eben einnehmen. Immerhin erreichen Streamer*innen (zum Teil) ein Millionenpublikum. Dazu habe ich mich um einen Vergleich mit Schauspieler*innen in Hollywood bemüht.
Ein Thema, das ich aber noch ausgelassen habe, ist, wie diese Einnahmen zusammenkommen. Ich habe natürlich keinen Einblick, wie die genauen Zusammensetzungen sind. Leider (oder zum Glück) bin ich kein Streamer mit entsprechendem Publikum. Jedoch kann man spekulieren und sich an allgemein bekannten Dingen orientieren. Außerdem darf natürlich die eigene Erfahrung nicht außer Acht gelassen werden, wenn es um die Unterstützung solcher Personen geht.
Ein großer Teil der Einnahmen kommt sicherlich aus der geschalteten Werbung. Besonders YouTube-Videos sind hiervon betroffen. Dazu kommen spezielle Werbedeals mit Partnern. Jede*r hat sicherlich schon entsprechende Videos gesehen, in denen Produkte und Leistungen von den Creatorn angepriesen werden. Bei Twitch, was ich so gelesen habe, spielen Werbeeinnahmen weniger eine Rolle. Hier geht es eher um die Abos, die von Zuschauer*innen abgeschlossen werden. Und hier grätscht auch die Kritik rein, die mir in den vergangenen Wochen aufgefallen ist.
Denn wie kann es sein, dass Zuschauer*innen für die Streamer*innen „spenden“? Besonders an dem Begriff „spenden“ störe ich mich hier. Es ist schon interessant zu beobachten, wie es selbstverständlich ist, für Filme und Serien Geld zu bezahlen (entweder direkt oder per Abo eines Streaming-Services). Wenn man bei einem Streamer Geld einwirft, ist das allerdings verwerflich und wird als „Spende“ bezeichnet.
Wir wurden (leider) über die vergangenen Jahre immer mehr dazu erzogen, dass Software- und Video-Angebote gratis sein sollten. Wer bezahlt schon für einen E-Mail-Dienst oder dergleichen? Für eine App bezahlen? Wo kommen wir denn da hin? Dabei unterstütze ich gerne (kleinere) Podcastprojekte, bezahle für Software, die ich regelmäßig nutze, oder werfe für den einen oder anderen YouTuber etwas Geld ein. Meist sind es nur ein oder zwei Euro. Oder aber ich werfe einmal etwas in den Hut. Viele YouTuber haben Patreon oder Steady nebenher laufen, womit sie einen Großteil ihres Lebensunterhalts verdienen.
Mein YouTube-Premium-Abo kommt ebenso den Creatorn zugute, wenn ich das richtig verstanden habe. Zumindest rede ich mir das gerne ein. Jedenfalls sollte es selbstverständlich sein, dass ich für einen Dienst bezahle, wenn ich diesen mehrmals im Monat oder in der Woche oder gar täglich nutze. Alles natürlich hier auf freiwilliger Basis und solange man es sich leisten kann und will.
Diese Freiwilligkeit ist auch das Schöne daran. Denn dadurch, dass ein Teil der Zuschauerschaft Geld einwirft, Werbedeals vorhanden sind und dergleichen, kann der Rest, der es sich vielleicht nicht leisten kann, gratis zuschauen. Ich finde das großartig. Oder wenn man jemanden schon Jahre verfolgt und miterlebt, wie er oder sie erfolgreicher wird und irgendwann davon leben kann. Warum ist das etwas Verwerfliches?
Ich habe in einem Kommentar den Vergleich mit dem Rundfunkbeitrag gelesen. Dieser ist recht zutreffend. Ich nutze auch nicht alles, was das Öffentlich-Rechtliche zur Verfügung stellt. Könnte ich gar nicht. Wir leben eben in einer Demokratie, in einer Zivilgesellschaft. Alle bezahlen für etwas. Was ich nutze, steht mir frei. Genauso mit der Sozialversicherung. Diese Vergleiche sind vielleicht etwas hochgegriffen, aber das macht eine Community, egal wie groß oder klein sie sein mag, aus. Man ist Teil eines größeren Ganzen.
Solange sich die Creator nichts zuschulden kommen lassen, irgendwelchen Eso-Schwurblern sind oder rechten, diskriminierenden Scheiß verbreiten, ist es doch in Ordnung. Und selbst das muss man zu einem gewissen Grad akzeptieren. Auch das ist Teil von Demokratie und muss man als plurale Gesellschaft aushalten können. Unsere Demokratie ist stark genug, hoffe ich zumindest.