Auszeit und Neustart

Ende Oktober war ich für ein paar Tage in Stuttgart. Der Anlass waren zwei Konzerte, die ich schon vor Ewigkeiten gebucht hatte. Erfreulicherweise ließ es sich sogar einrichten, mit Freunden essen zu gehen, die ich schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Doch vor allem die erste Hälfte des Aufenthalts war dazu gedacht, zu entspannen. Die Zeit dort zu nutzen, um aus dem Alltag auszubrechen. Kein Training, keine Arbeit, sich mit nichts Speziellem zu beschäftigen, sondern einfach die Zeit zu genießen. Das ist mir, glaube ich, sehr gut gelungen.

Ursprünglich hatte ich den Plan, ein paar Texte zu schreiben und mich um das Fotobuch von Island zu kümmern. Ich habe mich am zweiten Tag sogar in die Hotelbar gesetzt, mir einen Kaffee bestellt und angefangen, zu schreiben. Doch nach wenigen Sätzen wurde mir bewusst, dass sich das nicht richtig anfühlt. Wenn ich mir schon eine Auszeit gönne, dann auch vom Texteschreiben. Immerhin habe ich einen Puffer und muss nicht unbedingt jeden Tag etwas schreiben. Also habe ich den angefangenen Text wieder gelöscht, das MacBook zugeklappt und etwas gelesen.

Ich bin in der Zeit auch sehr viel spazieren gegangen. In der Nähe des Hotels war ein großer Park, den ich regelmäßig aufgesucht habe, und ich habe mich etwas in die Stadt gewagt. Aktuell besteht Stuttgart leider zu gefühlt 90 % aus Baustellen, was den Eindruck der Stadt trübt. Mit dem Aufenthalt im Hotel kam ein Gratiseintritt in die Staatsgalerien. Nach einem Spaziergang im Park wollte ich dorthin. Allein das war ein gewaltiges Unterfangen. Manche Unterführungen fand ich schlichtweg nicht, und an einer Fußgängerampel stand ich ungelogen 5 Minuten. Außerdem ist es nie ganz eindeutig, ob man nun den Knopf drücken muss oder nicht. Verkehrstechnisch und besonders was Fußgänger und Radfahrer anbelangt, braucht Stuttgart wohl noch eine Weile.

In den paar Tagen habe ich es allein schon genossen, mir fürs Frühstück eine Stunde oder noch länger Zeit zu nehmen. Einfach Kaffee trinken, Leute beobachten und zwischendurch das Buffet aufsuchen. Das Geheimnis eines Buffets ist, immer nur ein paar Kleinigkeiten auf den Teller zu tun und nicht gleich alles auf einen Haufen zusammenzuwerfen. Das ist doch das Tolle an einem Buffet: Alles ist jederzeit verfügbar. Und selbst wenn mal etwas leer wird, wird es innerhalb kurzer Zeit wieder aufgefüllt.

Schwer ist es nur, wieder in den Alltag zurückzufinden. Besonders nach solch einem Aufenthalt. Ich habe mich so richtig entspannt gefühlt. Das Aufstehen in der Früh fiel mir schwer und zum Training konnte ich mich auch nicht wirklich aufraffen. Doch dann habe ich einfach ein 20-minütiges Lower-Body-Workout mit Kyle auf Apple Fitness+ gestartet. Es war genau das, was ich gebraucht habe. Die motivierenden Worte, die herausfordernde Trainingseinheit und der Teamgeist, der mich immer wieder abholt, begeisterten mich nachhaltig. Zu der Zeit waren es auch graue, neblige Tage und die Sonne kam kaum heraus. Da ist so eine Einheit genau das Richtige.

Manchmal braucht es bei mir etwas, bis ich Erlebtes richtig verarbeitet habe oder wieder zurück in den Alltag finde. Dann gilt es, Dinge auszuprobieren und zu schauen, was mir gerade guttut. In diesem Fall war es ein herausforderndes Training mit einer anschließenden, ebenso anstrengenden Yoga-Session. Sport ist für mich ein Ventil für viele Dinge. Manchmal ist es auch der Start für etwas. Und sei es nur ein kleiner Neustart hinein in den Alltag.