Ich schaue aktuell wieder vermehrt »Star Trek: The Next Generation«. Die Serie mag schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel haben, trotzdem wird sie nicht alt. Und dank der Überarbeitung von vor einigen Jahren sieht die Serie tatsächlich auch noch sehr gut aus. Sie gewährt auch einen Blick in die Struktur von Serien, wie sie damals normal war. Staffeln hatten über 20 Folgen und viele Probleme und Herausforderungen der Protagonist*innen wurden in 42 Minuten gelöst. Eine Kunst, die heute etwas verloren gegangen scheint.
In alten Serien – man muss gar nicht mal so lange zurückgehen, um weitere Beispiele zu finden – war es Standard, dass ein Handlungsbogen innerhalb einer Folge abgeschlossen wird. Heute füllen solche Handlungsstränge ganze Staffeln. Zugegeben, man muss schon suchen, um Serien zu finden, deren Staffeln über 10 Folgen haben. Trotzdem wird vieles auf eine außergewöhnliche Länge gestreckt. Das ist manchmal berechtigt, ebenso oft könnte man es aber auch auf einen Zweiteiler zusammenkürzen. Doch durch die Geschichten wird trotz allem in TNG nicht gehetzt. Es gibt auch die ruhigeren Momente.
Erst letztens sah ich Anfang der zweiten Staffel einen Moment zwischen Guinan und Wesley. Mehrere Sekunden sagte niemand etwas von beiden. Der vorangegangene Dialog bzw. die Frage von Guinan hing einfach in der Luft. Der Moment bekam Zeit, zu wirken. Ich mag das. Das ist ein angenehmes Gefühl, wenn man als Zuschauer*in nicht für dumm verkauft wird oder als jemand, dessen Aufmerksamkeitsspanne nur bis zum nächsten Ping des Smartphones reicht. Natürlich muss man sich bei TNG auf das Ganze einlassen können. Manches wirkt aus heutiger Sicht kitschig oder man würde es so nicht mehr machen. Trotzdem kann man es sich noch sehr gut ansehen. Und die philosophischen Aspekte haben nichts an ihrer Aktualität verloren.
Beispielsweise in der finalen Folge der ersten Staffel („The Neutral Zone“). Die Romulaner kehren in das Star-Trek-Universum zurück. Währenddessen muss sich die Crew der Enterprise mit drei Menschen auseinandersetzen, die aus der Zeit gefallen sind. Bei ihrem Tod wurden sie eingefroren und die Kapsel vergessen. Sie sind die einzigen Überlebenden dieses Cryo-Prozesses. Mehrere Jahrzehnte, wenn nicht gar über 100 Jahre, liegen zwischen ihrem Einfrieren und dem Erwachen auf der Enterprise. Einer von ihnen ist Kapitalist und war zu seiner Zeit ein wohlhabender Mann. Langsam kann Picard ihm bewusst machen, dass es auf Geld oder Besitz nicht mehr ankommt. Dies habe die Menschheit überwunden. Die Frage des Mannes daraufhin lautet schlicht: »What’s the challenge?« (Was ist die Herausforderung?)
Und die ebenso einfache und einleuchtende, doch gleichzeitig so schwere Antwort von Picard lautet, sich selbst zu verbessern. Zu wachsen, zu lernen, über sich hinauszuwachsen. Star Trek war schon immer die Idee einer optimistischeren Zukunft. Ein Vorschlag, wie wir es besser machen könnten. In der Welt von Star Trek ist die Menschheit durch ihre dunkelste Stunde gegangen, bevor es die Erleuchtung gab. Bevor man einen alternativen Weg gesehen hat. Befinden wir uns gerade in der dunkelsten Stunde? Manchmal kommt es mir so vor. Vielleicht besinnen wir uns ja doch noch eines Besseren und lernen, dass es auf Besitz und Reichtum nicht ankommt. Die Herausforderung ist, besser zu sein als gestern. An sich selbst zu arbeiten, zu lernen und die Menschheit ein klein wenig in eine bessere Zukunft zu führen.