Auf nach Pharloom

Ich konnte nicht anders. In den vergangenen Wochen habe ich so einige Runden in »Hollow Knight« gedreht. Doch für einen Steel-Soul-Run war ich noch nicht motiviert genug. Also habe ich mich in den Nachfolger »Silksong« gestürzt. Das Spiel ist jetzt schon, nur wenige Wochen bzw. Monate nach Veröffentlichung, berühmt-berüchtigt für den scharfen Schwierigkeitsgrad. Das Let’s Play von Jokerface, welches ich fleißig mitverfolge, ist gespickt mit stundenlangen Bosskämpfen und frustrierenden Parkour-Einlagen. Also genau das Richtige für mich. Oder?

Ich schreibe diese Zeilen Anfang November und wenn dieser Text veröffentlicht wird, werden schon zig Stunden in »Silksong« geflossen sein. Doch öfter als einmal die Woche möchte ich eigentlich nicht über Spiele berichten. Es gibt noch mehr Themen, die mich beschäftigen. Jedenfalls bin ich nach den ersten Stunden in dieser Spielwelt äußerst angetan. Der Vorgänger »Hollow Knight« ist fast schon in Schwarz-Weiß getaucht, die Geschichte undurchdringlich – man muss den Hinweisen penibel folgen. Die Atmosphäre ist melancholisch, die Hoffnung dieser Welt scheint verloren gegangen zu sein. Trotzdem ist sie fesselnd, spannend, und es macht Spaß, sie zu erkunden. Immer wieder.

»Silksong« ist anders. Der zweite Teil der Reihe hat eine inhärente Putzigkeit. Die Welt ist farbenfroher, positiver und optimistischer. Das fängt bei Charakteren wie Sherma an. Sie ist eine Pilgerin auf dem Weg zur Zitadelle, wie so viele Charaktere im Spiel. Ihr Glaube und ihre Musik tragen sie. Ich könnte ihr stundenlang zuhören, wie sie mit ihren Glöckchen Musik macht und dazu singt. Es hat etwas Beruhigendes. Oder Shakra, die Kartografin (und ebenfalls eine Kriegerin) dieser Welt, die nach ihrer Meisterin sucht. Auch sie versucht, durch Gesang sie zu finden und auf sich aufmerksam zu machen. Auch ihr könnte ich stundenlang zuhören. Musik prägt »Silksong«. Es kommt Glockenläuten vor, Quests haben mit Musik zu tun und immer wieder arbeiten Mechanismen mit Klang und Sound. Akustisch ist »Silksong« ein Traum.

Auch ein Unterschied zum Vorgänger sind die Charaktere selbst. Man spielt nicht mehr ein namenloses Gefäß eines Kriegers, sondern Hornet. Man kennt sie aus dem ersten Teil. Sie hat einen Namen und spricht. Das unterscheidet sie schon mal vom Hauptcharakter aus Teil 1. Dadurch wird die Geschichte deutlicher und nachvollziehbarer. Der Austausch mit den Charakteren macht Freude beim Lesen und man hilft dabei, diese Welt besser zu machen. Außerdem ist sie ein starker weiblicher Charakter. Viele große Hollywood-Produktionen scheitern daran, echte, nachvollziehbare Charaktere zu schaffen, besonders wenn es sich um weibliche Hauptcharaktere handelt. Das Team rund um »Silksong« schafft dies hier mit einer beneidenswerten Leichtigkeit. Und Hornet ist bei weitem nicht der einzige weibliche Charakter. Viele der Charaktere lassen sich weiblich lesen. Ich finde das großartig.

Zum Schwierigkeitsgrad kann ich noch nicht so viel sagen. Dazu bin ich noch nicht allzu weit vorgedrungen. Doch wie auch schon in »Hollow Knight« muss man natürlich mit Bedacht vorgehen. Man kann sich nicht einfach in Gegnerhorden stürzen oder versuchen, durch die Welt zu laufen. Das funktioniert nicht. Auf einen Gegner konzentrieren, die Muster und Angriffe lernen, dann zum Nächsten. So fallen die Gegnerwellen, denen man sich immer mal wieder stellen muss, leichter. Es ist wichtig, die größeren Bedrohungen zuerst auszuschalten und sich so vorzuarbeiten. Am Anfang hat man auch noch nicht alle Fertigkeiten. Diese schaltet man erst frei. Manche Bosse lasse ich also erst einmal in Ruhe und komme später wieder zurück, wenn ich etwas besser bin und mehr Fertigkeiten habe.

Ein großes Thema bei der Veröffentlichung war das Nach-unten-Schlagen. War es in »Hollow Knight« ein senkrechter Schlag nach unten, so stürzt sich Hornet im 45-Grad-Winkel nach links oder rechts unten. Das ist gewöhnungsbedürftig. Zwar kann man das durch eine spätere Fertigkeit ändern, doch man muss erst einmal dorthin kommen. Ich weiß noch nicht, ob ich es ändern werde. Immerhin ist es von den Entwickler*innen so vorgesehen. Jedoch lassen sie den Spieler*innen auch die Wahl. Ich werde mich etwas durchprobieren und dann entscheiden.

Die Welt von »Silksong« zu erkunden, auch wenn ich parallel das Let’s Play von Jokerface weiterschauen werde, macht Freude. Die Detailverliebtheit, die in diese Welt geflossen ist, spürt man. Ich bin sehr gespannt, wie lange ich damit beschäftigt bin und wie schwer die kommenden Bosse wirklich sein werden. Die positive Grundstimmung und die tollen Charaktere machen es einem allerdings sehr schwer, zurückzutreten und das Spiel zu verlassen. Man will ihnen helfen und sehen, wo ihre Reise hingeht. Und natürlich will man die Geschichte von Hornet besser kennenlernen. Erfährt man mehr über ihre Vergangenheit? Warum wurde sie in diese Welt entführt? Wie verändert diese Welt und ihre Bewohner Hornets Einstellung? Alles spannende Fragen, die hoffentlich noch erkundet werden.