Ich habe mir endlich den neuen Fantastic-Four-Film angesehen. Nach meinem MCU-Rewatch war ich durchaus optimistisch gestimmt. Die fünfte Phase des MCU war grundsätzlich schwierig und von unterschiedlichsten Qualitätsstufen geprägt. Doch sie endete mit Thunderbolts auf einem Höhepunkt. Ganz so, als würde sich Marvel wieder auf die einzelnen Filme konzentrieren. Qualität steht im Vordergrund und nicht unbedingt Quantität. Außerdem sah der Film anders aus. Geerdet und das CGI fügt sich gut in die Live-Action-Szenen ein. Trotzdem konnte ich mich lange nicht dazu überwinden, einen Blick in »Fantastic Four: First Steps« zu werfen.
Nun bin ich allerdings sehr froh, dass ich es getan habe. Es ist ein guter Auftakt für diese neue, wohl sehr prägende Phase des MCU. Der Film fühlt sich frisch an. Filme wie Thor haben sich abgehangen und fad angefühlt. Es war mehr vom Gleichen, nur schlechter. Doch FF ist neu und sieht so toll anders aus. Der Look ist retro und modern zugleich. Es sieht alles so echt und zum Anfassen aus. CGI und Praktisches fließen nahtlos ineinander. Es macht allein schon Freude, den Film anzuschauen, bevor man ein Auge auf die Story und Charakterentwicklung wirft. Aber auch hier muss sich First Steps nicht verstecken.
Wie schon bei Spider-Man verzichtet Marvel erfreulicherweise auf eine Origin-Story. Diese hatten wir in den vergangenen Jahrzehnten zur Genüge. Der Ursprung ihrer Kräfte wird zwar angerissen, aber angenehm kurz gehalten. Auch die ersten Kämpfe gegen Bösewichte werden in einer gut gemachten Montage zusammengeschnitten. Manche davon werden später für die Geschichte noch wichtig. Ich frage mich, wo diese Sorgfalt fürs Storytelling bei Filmen wie »Thor 4« oder »The Marvels« war. Hatten die Verantwortlichen damals zufällig Urlaub oder waren sie krank? Es ist aber schön, dass sie wieder da sind.
Die Charaktere an sich machen ebenso Spaß. Ich hatte immer mal wieder die Befürchtung zwischendurch, dass es zum Fremdschämen werden würde. Erinnerungen an die alten FF-Filme wurden wach. Doch die Charaktere um Susan, Reed, Johnny und Ben werden gekonnt in das Jahr 2025 geholt und modernisiert. Besonders bei Johnny hatte ich so meine Befürchtungen. Er wird zwar als Frauenheld charakterisiert, aber nicht darauf reduziert. Joseph Quinn ist eine tolle Wahl für den Charakter. Überhaupt ist der Cast ein Wahnsinn. Von Pedro Pascal, Vanessa Kirby, Ebon Moss-Bachrach, Ralph Ineson als Galactus und Julia Garner als Silver Surfer, machen alle eine gute Figur.
Das Besondere an First Steps ist allerdings die Atmosphäre. Der Film ist grundsätzlich hoffnungsvoll. Natürlich wird Marvels First Family herausgefordert und es gibt tragische Szenen. Doch darunterliegend findet man stets Hoffnung und einen Optimismus, den ich vermisst habe. Er wirkt nicht aufgesetzt, wie bei anderen neuen Einträgen ins MCU, sondern wirkt ehrlich und als Teil der Charaktere und ihrer Geschichte.
Die FF sind zurück und das in einer Qualität, die ich so nicht erwartet hatte. Ich bin sehr froh, dass es Marvel gelungen ist, zu ihren Stärken zurückzufinden. Es bleibt abzuwarten, ob sie dies aufrechterhalten können. Ich hoffe jedenfalls, dass sie sich für den zweiten Teil nicht zu viel Zeit lassen. Ich möchte tatsächlich mehr von den Fantastic Four sehen. Und wann konnte ich das das letzte Mal nach einem Marvel-Film ehrlich behaupten?