Ich bin weiterhin im »Silksong«-Fieber. Das Spiel hat es mir angetan und ist ein würdiger Nachfolger zu »Hollow Knight«. Es ist immer wieder beeindruckend, dass sich das Spiel sowohl vertraut anfühlt als auch komplett anders funktioniert als der Vorgänger. Nicht nur kann die Protagonistin Hornet sprechen, wodurch wir als Spieler*innen mehr und direkter über die Geschichte und Beweggründe informiert werden. Der Spielablauf an sich ist anders. Beispielsweise kann man die Waffe nicht einfach so upgraden, sondern muss Meilensteine in der Geschichte dafür freischalten. Ansonsten bleibt der Zugriff auf diese wertvollen Upgrades verwehrt.
Die Quests sind ebenfalls erfrischend anders, auch wenn sie manchmal etwas kreativer hätten ausfallen können. So gibt es immer wieder Quests, in denen man für NPCs Dinge sammeln muss. Das ist meist mit dem Besiegen von Gegnern verbunden. Mal müssen wir deren Waffen sammeln oder Kleidungsstücke oder gar ihr Fell. Das ist zum Teil etwas mühsam, dient aber zugleich gut zum Farmen von Währung. Außerdem ist es mit einer Belohnung verbunden. Die Quests sind auch transparenter und übersichtlicher gestaltet. Natürlich gibt es die Hauptquests, die sich lange ziehen können, aber Nebenaufgaben sind größtenteils kompakt gehalten.
Im Laufe des Spiels erledigt man viele Aufgaben für die Bewohner*innen von Pharloom und die Pilger. Wo man kann, versucht man, das Leben dieser Wesen zu verbessern, auch wenn es nur ein kleiner Tropfen auf einem sehr heißen Stein ist. Dadurch ergeben sich immer wieder tolle Interaktionen zwischen den Charakteren. Manche entdecken neue Seiten an sich und wie sie ihren Mitpilgern helfen können, andere entwickeln sich weiter und helfen auf ihre eigene Weise. Die Beweggründe erschließen sich mit der Zeit und sie danken Hornet regelmäßig für ihre Mühen. Das ist eine ungemeine Motivation, das Spiel zu spielen. Selbst wenn manche Bosse herausfordernd sind.
Letztens hatte ich einen besonders schönen Moment. Ich hatte mal wieder ein paar Aufgaben für die Bewohner*innen von Glockenherz erledigt. Da machte ein NPC, dessen Name mir gerade entfallen ist, auf sich aufmerksam. Er überreichte mir einen Schlüssel. Dieser gewährte Zugang zu Hornets ganz persönlichem Raum in Glockenherz. Ich bin also zu dieser Glocke hochgeklettert, öffnete die Tür und ging hinein. Es war ein kleiner, gemütlich eingerichteter Raum. Ein Regal an der Wand, ein Bett in der Ecke. Ein wirklich rührendes Geschenk inmitten einer ansonsten feindseligen Welt. Doch Glockenherz hat sich zu einem sicheren Zufluchtsort entwickelt.
Das Schönste war, als sich Hornet auf das Bett gesetzt hat. Doch nicht nur das, es war das erste Mal im Spiel, dass man sie entspannt sah. Normalerweise, wenn man nur dasteht oder auf einer Bank sitzt, bleibt Hornet wachsam. Der Krieger in »Hollow Knight« ist schnell eingeschlafen, doch Hornet bleibt stets wach und beobachtet ihre Umgebung. In ihrem neuen Zuhause kann sie sich allerdings entspannen. Sie legt sich tatsächlich auf das Bett und schläft. Es war ein wirklich beeindruckender Moment, den ich so nicht erwartet hatte. Und es sind genau diese kleinen Momente, die »Silksong« zu einem herausragenden Spiel machen.
