Manchmal benötigt man einen Stups in die richtige Richtung. In meinem Fall war es ein Fernseher in einem Hotelzimmer. Mit Freund C. war ich für ein Konzert in München. Wie man es eben so macht, zappt man am Abend vor dem Zubettgehen noch etwas durch die Kanäle. Besonders da ich zu Hause kein lineares Fernsehen mehr habe, ist es interessant, in das Angebot zu schnuppern. Das meiste kann man natürlich geflissentlich ignorieren. Auf einem Sender lief Hannibal, aber das war mir zu dieser Stunde zu düster. Dann blieb ich bei Bob Ross hängen.
Seine Sendung war damals eigentlich als Tutorial gedacht. Menschen sollen mit ihm malen und dadurch lernen. Damals mögen das viele gemacht haben oder auch heute noch so nutzen, doch ich denke, mittlerweile ist das etwas anders. Kultstatus hatte er sicherlich damals auch schon, sonst hätte es nicht so viele Sendungen gegeben. Doch mittlerweile hat Bob Ross einen Kultstatus und eine Anhängerschaft, die man nicht unterschätzen sollte. Er ist heute wahrscheinlich berühmter denn je. Und das mit eigentlich sehr wenig.
Schwarzer Hintergrund, eine Staffelei, seine Pinsel und Farben. Mehr braucht es nicht. Sein Erscheinen ist überwiegend dasselbe. Und doch haben die Videos eine Faszination, die ihresgleichen sucht.
Das liegt natürlich an der Art von Bob Ross. Das Unaufgeregte, seine ruhige Art und wie er zu seinen Zuschauer*innen spricht. All das wirkt irgendwie aus der Zeit gefallen und doch ist es etwas, das man heute mehr denn je sucht. Unsere heutige Welt ist furchtbar aufgeregt, hektisch; die sozialen Medien liefern einen unaufhaltsamen Strom an Eindrücken und Informationen. Bob Ross und »The Joy of Painting« sind die Antithese zu all dem.
Auch die Bilder und Szenerien, die er malt, sind zeitlos. Es handelt sich stets um Darstellungen der Natur. Die berühmten Bäume spielen immer wieder eine Rolle. Die Bilder stellen keine Personen dar, sind keine Porträts oder moderne Kunst oder experimentelle Darstellungen von irgendetwas. Wie die Person strahlen auch die Bilder selbst Ruhe und Gemütlichkeit aus. Und er erschafft Welten, ermöglicht seinen Zuschauer*innen, ihre eigene zu erschaffen, etwas aus dem Alltag auszubrechen. Seine Versionen sind nur Möglichkeiten, die er anbietet.
Ich habe immer mal wieder die Videos von Bob Ross geschaut. Doch seit dem Abend im Hotel habe ich mir nicht nur die Playlist seiner Sendungen gespeichert, sondern auch den Kanal abonniert. Es entspannt, ihm beim Malen seiner Welten zuzuschauen. Ich hoffe, er hat noch zu Lebzeiten mitbekommen, wie sehr er den Menschen geholfen hat. Man muss sich nur die Kommentare unter den Videos anschauen, um einen Eindruck davon zu bekommen.