Schwierigkeitsgrad

Letztens habe ich noch davon berichtet, wie sehr mir »Silksong« gefällt. Der Nachfolger von »Hollow Knight« ist so erfrischend anders, doch zugleich so ähnlich. Artdesign und Animationen erinnern stark an den Vorgänger, sind aber doch feiner, detaillierter und noch durchdachter. Die Welt wirkt optimistischer, die Charaktere knuffiger, und das Sounddesign sowie der Soundtrack heben die Spielerfahrung auf ein neues Niveau. Wenn da nicht die Sache mit dem Schwierigkeitsgrad wäre.

Noch beim letzten Mal habe ich davon geschrieben, wie es mir gefällt, den Bewohner*innen von Pharloom und den Pilgern zu helfen. Ich habe mir ein sicheres Zuhause erarbeitet, wo sich unsere Protagonistin Hornet zum ersten Mal so richtig entspannen kann. Das sind alles tolle Erfahrungen. Doch seit dem letzten Mal bin ich ein paar optionale Gebiete angegangen und meine Frustresistenz wird gehörig auf die Probe gestellt. Natürlich muss man die optionalen Gebiete nicht machen, doch sie gehören für mich zur Spielerfahrung dazu. Außerdem möchte ich die Upgrades für die Waffe haben, die Maskenfragmente, um mehr Leben zu haben, und mir noch so ein paar andere Dinge erspielen. Das Spiel macht es mir aber nicht gerade leicht.

Ich mag herausfordernde Kämpfe. Durchdachte Bosse, die gut gemacht sind, bekämpfe ich gerne eine Stunde lang oder noch länger, bis ich sie gelernt und verinnerlicht habe. Doch die optionalen Bosse, die mir in den vergangenen Spielstunden begegnet sind, wirken nicht durchdacht. Denn man kämpft nicht nur gegen den Boss selbst, nein, dieser ruft noch Schergen zur Unterstützung heran. Das macht die Kämpfe nicht nur zu einer Sache des Könnens, sondern auch noch zu einer Glückssache. Wenn dann noch Umgebungen hinzukommen, die ebenfalls Schaden verursachen, sobald man einen Fehler macht, wirkt es übertrieben.

Für mich trübt das die Spielerfahrung ungemein. Manche essenziellen Story-Elemente sind dann noch hinter Parkoureinlagen verborgen, die es in sich haben. Es ist ja schön, wenn die Entwickler Spaß am Design der Level haben. Nur in »Hollow Knight« gab es einen »Path of Pain«. Die anderen waren auch fordernd, aber nicht so perfektionsgetrieben, wie es in »Silksong« den Anschein hat. No-Hit-Runs sind für YouTuber ein toller Content, doch ich möchte diese nicht zu Hause nachstellen wollen, vor allem wenn es sich um einen ersten Playthrough handelt und ich die Welt noch nicht kenne. Jeder Meter muss hart erarbeitet werden. Die Umgebungen bestrafen jeden Fehler und Bosse sind so designt, dass sie nicht mehr allein funktionieren, sondern nur mithilfe ihrer Schergen.

Das alles ist eine Kombination, die ich äußerst frustrierend finde. Ich brauche erst einmal etwas Abstand von »Silksong«. Es ist nicht gerade bezeichnend für ein Spiel, wenn man sich darauf freut, damit durch zu sein, nur um wieder mit dem Vorgänger Zeit zu verbringen. Ich werde auch die optionalen Sachen erst einmal liegen lassen und mich später darum kümmern. Vielleicht sind es ja nur diese Levelabschnitte, die derart unfair designt sind. Denn so fühlt es sich mittlerweile an. Nicht wie eine gefährliche Welt, durch die ich mich mit Bedacht kämpfen muss, sondern wie ein unfair designtes Spiel, das aktiv gegen mich ankämpft. Das passt zwar auch zur Geschichte des Spiels, doch es ist ein feiner Grat und ich bin mir nicht sicher, ob die Entwickler es hier nicht etwas übertrieben haben.