The Old Guard 2

»The Old Guard« von 2020 gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen auf Netflix. Ich kannte die Comicvorlage nicht. Ich wusste nur, dass Charlize Theron mitspielt und es ein gut gemachter Actionfilm sein soll. Deshalb hatte ich keinerlei Erwartungen. Das ist manchmal gar nicht schlecht. So hat mich »The Old Guard« von Anfang an in seinen Bann gezogen. Die Geschichte, die Charaktere, die Mythologie, die darin aufgebaut wird, alles ist faszinierend und wirkt durchdacht. Gekoppelt mit Schauspieler*innen, die förmlich in ihren Charakteren aufzugehen scheinen, und einem gekonnt geschriebenen Drehbuch, hat der erste Teil dieser Reihe einen festen Platz in meinem Herzen.

Der Film schien auch erfolgreich zu sein. Schnell wurde eine Fortsetzung angekündigt. Doch dann wurde es ruhig um den Film. Durch Theron erfuhr man schließlich, dass 2022 die Dreharbeiten abgeschlossen waren und der Film kurz nach dem Start der Postproduktion abgesagt wurde. Warum man die Fortsetzung eines erfolgreichen Films einfach so stoppt, ist mir ein Rätsel. Doch zum Glück wurden die Arbeiten doch noch fortgesetzt und beendet. Im Sommer 2025 erschien dann endlich »The Old Guard 2«.

Trotzdem hat es bis jetzt gedauert, dass ich mir den Film anschaue. Ich hatte einfach lange Zeit keinen Netflix-Account mehr. Zufällig bin ich letztens über den Film gestolpert und habe ihn endlich nachgeholt. Eigentlich kann man den Film an sich gar nicht bewerten. Mit nicht einmal zwei Stunden ist der zweite Teil erstaunlich kurz. Es ist auch nur ein halber Film. Denn kurz bevor das eigentliche Finale losgeht und man bereit ist für mehr, rollen schon die Credits über den Bildschirm. Natürlich ist es gut, wenn man mehr von etwas möchte, aber »The Old Guard 2« ließ mich äußerst unbefriedigt zurück.

Dabei ist der Film an sich gar nicht schlecht. Es geht nahtlos dort weiter, wo der erste Teil aufgehört hat. Vielleicht hätte ich mir tatsächlich den Ersten nochmal anschauen sollen, da ich anfangs etwas verloren war. So hat es etwas gedauert, bis ich mich auf die Geschichte einlassen konnte. Vielleicht muss ich mir die beiden nochmal an einem Abend gemeinsam anschauen. Alles, was der Vorgänger gut gemacht hat, wird in der Fortsetzung jedoch gekonnt weitergedacht. Die Mythologie der Unsterblichen erhält mehr Raum und wir verstehen mehr die Zusammenhänge.

Erneut ist Einsamkeit ein Thema und wie sie sich über die Zeit gefunden haben. Und wenn sie schließlich jemanden gefunden haben, der oder die so ist wie sie, bleiben sie meist auch zusammen. Ein Menschenleben ist nur ein Wimpernschlag im Vergleich zu den hunderten oder tausenden Jahren, die die Unsterblichen existieren. Doch sind sie wirklich unsterblich? Woher kommen sie? »The Old Guard 2« wirft interessante Fragen auf, die gerne näher ausgearbeitet werden dürften. Dazwischen gibt es erneut beeindruckende Kulissen und gut gemachte Actionsequenzen. Mit Uma Thurman hat man sich auch eine perfekte Gegenspielerin für die Truppe rund um Charlize Theron ausgesucht.

»The Old Guard 2« ist eine würdige Fortsetzung. Nur das abrupte Ende lässt einen unangenehmen Beigeschmack zurück. Es fühlt sich nicht rund an. Um einen dritten Teil ist es verdächtig ruhig. Wer weiß, ob wir je den Abschluss der Trilogie sehen werden. Die Reihe hätte ein würdiges Finale auf jeden Fall verdient.