Gedanken handschriftlich festzuhalten, ist für mich fast schon eine Notwendigkeit. Es hilft beim Nachdenken. Anders als beim Tippen am Computer, wo die Finger über die Tasten fliegen, verlangsamt sich die Welt durch das handschriftliche Schreiben; die Gedanken werden klarer. Ich mag das. Es hilft mir aber auch, einen Überblick über meine Aufgaben in der Arbeit zu behalten. Dafür habe ich dieses Jahr ein Bullet Journal für die Arbeit gestartet und bin weiterhin sehr begeistert, diese tolle Technik dort verwenden zu können. Doch habe ich dieses Jahr noch ein weiteres Anwendungsgebiet für Handschriftliches gefunden, was ich zuvor stets unterschätzt habe.
Zu Anlässen wie Geburtstagen, aber auch in Bezug auf Weihnachten habe ich dieses Jahr vermehrt Karten geschrieben. Lange Zeit hatte ich nicht wirklich einen Grund gesehen, warum man Glückwunschkarten schreiben soll. Meist steht sowieso nur ein Spruch eines Autors oder einer Autorin oder von Philosoph*innen darin, von denen man zuvor noch nie etwas gelesen hat. Ein paar Floskeln runden das Ganze dann noch ab, bevor man unterschreibt und die lästige Pflicht erfüllt ist. So in etwa war meine Herangehensweise an diese Karten. Doch meine Meinung darüber musste ich in den vergangenen Monaten ändern.
Wenn man sich etwas Mühe gibt und Zeit lässt, dann kann eine solche Karte durchaus etwas Besonderes sein. Natürlich kann man sich weiterhin Zitate heraussuchen. Dann aber doch eher von etwas, das man selbst kennt. Den persönlichen Touch sollte ein Eintrag nicht verlieren. Wenn man dann noch ein paar Worte an die Empfänger*innen richtet, die man vielleicht schon lange sagen wollte, aber noch nie die Gelegenheit oder den Mut dazu hatte, erhält ein einfaches Stück Papier sehr viel mehr Bedeutung. Ich mache das nicht immer oder zu jedem Anlass, aber mittlerweile doch häufig. Ich bin sogar dazu übergegangen, Karten zu verschiedenen Anlässen auf Reserve zu Hause zu lagern, für den Fall, dass ich spontan eine benötige.
Briefe zu schreiben, hat mir noch nie wirklich gelegen. Zumindest habe ich es noch nie wirklich ausprobiert. Laut Matthew Dicks ist es die beste Form, mit jemandem in Kontakt zu bleiben. Seither ist mir aufgefallen, wie wenig Adressen ich überhaupt habe. Auch von Menschen, die eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Man weiß, wo sie wohnen und wie man dorthin kommt, aber wirklich dazu übergegangen, Adressen auszutauschen – dazu ist es nie gekommen. Dieses Versäumnis versuche ich nachzuholen. Manchmal ist es zwar seltsam, nach einer Adresse zu fragen, obwohl man sich schon Jahre kennt, aber über diesen metaphorischen Schatten zu springen ist nicht allzu schwierig. Vielleicht entwickelt sich meine neu gefundene Affinität des Kartenschreibens zu einer Leidenschaft für Briefe. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.