Eigentlich wollte ich mir »Avatar – Fire & Ash« nicht im Kino anschauen. Zumindest war ich hin- und hergerissen. Doch schließlich bin ich doch gleich zum Kinostart Mitte Dezember reingegangen. Ausschlaggebend dafür waren diverse YouTube-Thumbnails, die in derselben Woche in meinen Feed gespült wurden. Diese verzeichneten keinen positiven Ausblick auf den Film. Dazu muss man wissen, dass ich großer Fan des zweiten Teils bin. Die Geschichte von Jake rückt in den Hintergrund und den Kindern wird mehr Zeit gegeben, besonders Lo’ak. Seine Geschichte hat mich einfach mitgerissen. Kann da der dritte Teil mithalten? Ich wollte mir eine eigene Meinung bilden, bevor mich diverse Kanäle mit ihren Eindrücken beeinflussen können.
Im ersten Moment bin ich gewillt dem zuzustimmen. »Fire & Ash« ist ein atemberaubendes Stück Kinogeschichte. Die Qualität der Figuren, Effekte und von Pandora wurde erneut angehoben. Dachte man schon, dass »The Way of Water« realitätsnah aussah, legt »Fire & Ash« eine Schippe obendrauf. Hinzu kommt, dass Pandora eine faszinierende Welt ist. Wir bekommen mit jedem Eintrag in dieses Franchise ein Stück mehr gezeigt. Der Vorhang um diese mysteriöse Welt wird etwas weiter zurückgezogen. Und was man dahinter erblickt, kann nichts anderes als beeindrucken. Ich liebe die Lebewesen, die Kreativität hinter den Völkern und Stämmen. Es wirkt wie eine lebende, atmende Welt, die eine reichhaltige Geschichte hat. Ich würde gerne gut geschriebene Bücher über Pandora lesen. Ohne Menschen oder dergleichen. Einfach nur Geschichten über die Vergangenheit von Pandora und ihren Bewohner*innen.
Aber »Fire & Ash« sieht nicht nur gut aus, auch die Geschichte hat mich erneut in ihren Bann gezogen. Lo’ak spielt erneut eine zentrale Rolle. Wie ich später lernte, sollten Teil 2 und 3 eigentlich ein Film werden, wurden aber dann aufgeteilt. Es macht also Sinn, dass Lo’aks persönliche Entwicklung weiterhin im Zentrum bleibt, und das gefällt sehr gut. Es werden teils schwierige Themen angesprochen, die ich einem solchen Blockbuster nicht zugetraut hätte. Diese Themen kommen recht unvermittelt und können im ersten Moment überfordern. Man kann James Cameron viel vorwerfen, aber der Mann weiß, wie man Geschichten erzählt. Es ist faszinierend, wie ohne viel Dialog trotzdem tiefgründige Themen angeschnitten werden, die mich teils den Tränen nahebrachten. Davor kann ich nur meinen Hut ziehen.
Leider bleibt es aber, wie auch schon beim zweiten Teil, nur beim Anschneiden der Themen. Ich hätte mir gewünscht, vor allem nach dem Ende des zweiten Teils, dass die Charaktere mehr miteinander reden würden. Das berühmte »I see you«, welches am Ende von Teil 2 von Jake an Lo’ak gerichtet wird, bedeutet so viel. Bedauerlicherweise macht der dritte Teil daraus allerdings nichts. Die beiden machen dieselben Punkte noch einmal durch. Dabei hatten sie doch die großen Hindernisse bereits im Vorgänger überwunden. Das finde ich äußerst schade. Natürlich hatten sie in »The Way of Water« keine Zeit, den Verlust von Lo’aks Bruder zu verarbeiten. Ich hätte mir gewünscht, dass sie hier mehr als Familie machen würden. Mehr Dialoge, Kommunikation und gemeinsam die schwierige Zeit bewältigen.
Das sind alles Themen, die Jake immer wieder der Familie einzuprägen versucht. Allerdings schafft es der Charakter nicht, seine militärische Seite beiseitezulegen. Das finde ich schade, denn im ersten Teil hatte er eine andere Entwicklung durchgemacht. Ich habe Jakes Charakter nie als den durchtriebenen Militärtypen gesehen. Dass Neytiri das alles so mitmacht und die beiden nicht versuchen, gemeinsam mit dem Verlust umzugehen und auf ihre Familie zu achten, ist bedauerlich. Neytiri ist ein so toller Charakter, aber seit Teil 2 darf sie hauptsächlich reagieren. Sie hat zwar ihre Momente, aber was die Familiensituation anbelangt, hält sie sich unverständlicherweise sehr zurück und darf nicht mitreden. Dass sie Spider nicht mag oder akzeptiert, ist verständlich und nachvollziehbar und ein toller Handlungsbogen. Daraus hätte man mehr machen können.
Allerdings muss ich auch sagen: Es muss nicht immer alles ein Konflikt sein und hart erarbeitet werden. Manchmal kann ein Film auch einfach nur Wohlfühlkino sein. Es gibt genug Möglichkeiten, Konflikte in dieser Welt einzubauen und Charaktere, die sich zusammenraufen müssen. Man muss es nicht übertreiben. Falls es einen vierten Film gibt, hoffe ich sehr, dass die Action vielleicht etwas zurückgeschraubt wird und dafür mehr Charaktermomente Platz finden. Mehr Dialogszenen und dergleichen. Lohnenswert ist »Fire & Ash« aber auf jeden Fall. Wer den zweiten Teil mochte, wird auch den dritten genießen können. Und die über drei Stunden Laufzeit vergehen wie im Flug.