Es ist der letzte Dienstag des Jahres 2025. Ich hatte Urlaub. Wie bereits die vergangenen Tage war es grau und nebelig. Es schneite. Das hat mich allerdings nicht davon abgehalten, einen sehr langen Spaziergang zu machen und gute Podcasts zu hören. Aber was macht man den restlichen Tag über? Richtig: gute Filme schauen. Oder vermeintlich gute Filme. Auf Apple TV gab es »28 Years Later« im Angebot, auf Disney+ »28 Weeks Later« im Abo inklusive und »28 Days Later« konnte man sich überall günstig ausleihen. Also habe ich mir einen gemütlichen Nachmittag und Abend mit Zombies gemacht.
Bisher hatte ich lediglich »28 Weeks Later« gesehen. Das war allerdings schon wieder sehr lange her. Ich hatte nur mehr vage Erinnerungen. Den ersten beiden Filmen kennt man ihr Alter deutlich an. Bei Horrorfilmen dieser Art ist es allerdings der Stimmung zuträglich. Die Unschärfe, das Filmrauschen, das Look & Feel tragen zu einer Art Found-Footage-Look bei. Es wirkt unheimlicher, undeutlicher. Man wird mehr in den Bann dieser düsteren Welt gezogen. Es schadet natürlich auch nicht, wenn ein Meister wie Danny Boyle hinter der Kamera sitzt und Alex Garland das Drehbuch schrieb.
Ich mag die Struktur der Filme. Jeder Film zeigt uns einen neuen Zeitabschnitt. Es wird am Anfang kurz zusammengefasst, was passiert ist. Dann fokussieren wir uns allerdings nicht auf das große gesellschaftliche Bild, sondern konzentrieren uns auf wenige Charaktere. Wie gehen die Menschen mit dem Virus um? Wie wehren sie sich gegen die Zombies? Wie überlebt man in einer solchen Welt? Der erste Teil muss natürlich erst noch alles einführen. Es hilft, dass unser Protagonist, gespielt von Cillian Murphy, aus einem Koma erwacht und sich erst in dieser Welt zurechtfinden muss. Er ist quasi wir, die Zuschauer*innen. Es ist fast schon eine Trope im Genre. Denn »The Walking Dead« machte etwas sehr Ähnliches in der ersten Ausgabe. Der erste Comic der berühmten Zombie-Reihe von Robert Kirkman erschien ein Jahr nach »28 Days Later«. Danny Boyle und Alex Garland haben also nicht nur Zombies in den Mainstream gebracht, sondern nebenbei die erste Szene für die Zombie-Reihe schlechthin inspiriert.
Der zweite Teil macht einen Zeitsprung von knapp 6 Monaten. Wir wissen nicht, was mit unserem Protagonisten aus dem ersten Teil passiert ist, und das finde ich gut so. Jeder Teil steht für sich. Die Perspektive wechselt zu anderen Charakteren. Interessant ist, dass der neue Protagonist, den wir zu Anfang kennenlernen, kein Held ist. Kein aufopfernder Ehemann und Vater. Er hat seine Frau einfach zurückgelassen und nimmt sich wichtiger, als er ist. Man kann ihm das vorwerfen, aber was würde man selbst in dieser Situation tun? Langsam wird er von seinen Kindern als Protagonist des Films abgelöst. Imogen Poots und Mackintosh Muggleton spielen ihre Figuren gekonnt und werden hervorragend von Jeremy Renner unterstützt. Ich wusste gar nicht mehr, dass Hawkeye in dem Film mitspielt. Dieses Mal darf er aber ein Scharfschützengewehr verwenden und muss sich nicht mit Pfeil und Bogen wehren. Das bleibt den Charakteren des dritten Teils überlassen.
23 Jahre nach dem ersten Teil haben wir letztes Jahr den dritten Teil der 28-Reihe bekommen. Erneut zeichnen sich Danny Boyle und Alex Garland dafür verantwortlich. Es trägt zu einer besonderen Seherfahrung bei, wenn man alle drei Teile hintereinander schaut. Außerdem hatte ich den Vorteil, dass ich keinerlei Erwartungen an den Film hatte oder auch nur ahnte, was mich erwarten würde. Ich habe keinen Trailer gesehen und mich nicht mit den Kritiken beschäftigt, als der Film herauskam. Umso positiver war ich überrascht, dass »28 Years Later« die Geschichte gekonnt weiterdenkt. Es ist kein großes gesellschaftskritisches Werk, obwohl man sicher Dinge hineininterpretieren kann, wenn man sich mehr mit britischer Popkultur und dergleichen auskennt. Ich fühlte mich auf jeden Fall stets hervorragend unterhalten.
Anfangs dachte ich, es wird eine Art Buddy-Movie zwischen Aaron Taylor-Johnsons Charakter Jamie und dessen Sohn Spike, gespielt von Alfie Williams. Dabei ist Alfie Williams‘ Charakter Spike derjenige, der den Film trägt. Und das als Schauspieler von gerade einmal 14 Jahren zu tun, ist eine herausragende Leistung. Natürlich gibt es diverse Nebencharaktere, die dabei unterstützen. Etwa Jodie Comer als seine Mutter Isla und Ralph Fiennes als Dr. Ian Kelson. Eine Starbesetzung, die ihresgleichen sucht. Beide überzeugen immer wieder durch ihre Feinfühligkeit und schaffen emotionale Szenen, mit denen ich so nicht gerechnet hatte. »28 Years Later« ist ein großartiger Film, der mich nicht nur als atmosphärischer Horrorfilm abgeholt hat, sondern der mit seiner schonungslosen Brutalität schockiert. Trotzdem bleiben die Charaktere im Fokus. Natürlich ist der Film auch noch wunderschön anzuschauen.
Ich habe nach Betrachtung des Films feststellen dürfen, dass Mitte Januar gleich die Fortsetzung herauskommt oder demnächst im Kino laufen sollte, wenn dieser Text hier erscheint. Die beiden Filme wurden scheinbar back-to-back gedreht. Eine schöne Überraschung. Vielleicht muss ich dafür ins Kino gehen. Ich würde gerne wissen, wie es mit Alfie und der Siedlung weitergeht. Außerdem haben spannende neue, bunte Charaktere die Bühne dieser Welt betreten, bevor der Abspann über den Bildschirm flimmerte.
Die »28«-Filme sind bei weitem keine perfekten Filme. Aber sie unterhalten doch auf sehr hohem Niveau. Besonders der erste Teil hat Zombies so richtig populär gemacht und ist ein Meilenstein. Damit kann der dritte zwar nicht mithalten, trotzdem sind immer wieder kreative Einfälle dabei. Danny Boyle und Alex Garland bleiben sich selbst und ihrer Welt treu. Ich mag auch das Sounddesign der Filme sehr gerne, das zu der dichten Atmosphäre beiträgt. Quasi nebenbei bekommt man noch traumhafte Bilder einer schrecklichen Welt serviert, was das Gesamtpaket schön abrundet.