Valhalla ist die einfache Bezeichnung eines Spiels, das ich den Dezember über gespielt habe. Eigentlich heißt es »VA-11 Hall-A – Cyberpunk Bartender Action«. Dahinter verbirgt sich ein schon etwas älteres Spiel, das manche aber traditionell im Dezember zu spielen scheinen, da die Handlung genau zu der Zeit stattfindet. Man spielt Jill, eine Kellnerin in einer etwas heruntergekommenen, aber durchaus netten Bar. Man hat nur eine Sicht, und zwar von der Bar aus ins Lokal, und bedient die hereinkommenden Kund*innen. Kernaufgabe ist es, die Bestellungen zu mischen und ansonsten viel mit ihnen zu reden. Was man eben so als Kellnerin macht. Es arbeitet noch der mysteriöse Gillian in der Bar, und unsere Chefin ist Dana, die wir im Laufe des Spiels ebenfalls besser kennenlernen.
Valhalla besteht aus drei Bestandteilen. Zum einen gibt es den Prolog, eine Demo mit dem Titel »Anna« und dann das eigentliche Spiel. Man startet am 9. Dezember und wenn man jeden Tag ein Kapitel spielt, ist das Finale am 31. Dezember. Eigentlich eine schöne Tradition. Doch mir wurde es offen gestanden zu viel. Ich habe am Ende mehrere Tage auf einmal gespielt und wollte zum Ende kommen. Denn das Spiel hat für mich ein Problem: Es ist zu lang. Knapp 12 Stunden hat der erste Durchlauf gedauert. Dabei habe ich aber nicht alle Dialoge gelesen oder mich mit allen Charakteren eingehend auseinandergesetzt. Es gibt außerdem ein New-Game-Plus, wo man sich noch mehr Dinge erarbeiten und Musik freischalten kann. Denn am Beginn jeder Schicht in der Bar steht man an der Jukebox und legt eine Playlist für den Abend fest. Eine äußerst charmante Idee.
Die Charaktere selbst sind großartig geschrieben. Das komplette Spiel findet in der Bar statt, man verlässt quasi diese Location nicht. Man hat nur eine fixe Sicht in die Bar hinein, von der aus man die Menschen und Roboter (die hier Lillim genannt werden) bedient. Zwischen den Schichten ist man zu Hause, doch auch hier hat man nur eine fixe Sicht auf die Wohnung. Man kann jeden Tag drei kurze Nachrichten lesen und ist in Formen unterwegs, die noch etwas mehr Einblicke geben, was in dieser Welt passiert und was unserer Protagonistin wichtig ist. Den Rest erfährt man ausschließlich durch die Dialoge in der Bar.
Die Dialoge sind pointiert geschrieben. Vom ersten Moment an war ich gefesselt von den unterschiedlichen Charakteren, die die Bar besuchen. Jede*r bringt eine eigene Geschichte mit. Die Charaktere wirken dreidimensional und so, als hätten sie tatsächlich ein Leben außerhalb dieser Bar. Sie kommen, um mit Jill zu reden oder einfach ein Bier zu genießen. Dadurch lernt man mit der Zeit nicht nur die Menschen besser kennen, sondern hat auch eine sehr gute Vorstellung dieser Cyberpunk-Welt im Allgemeinen. Es ist erstaunlich, wie viel Worldbuilding möglich ist, wenn man sich mit den Dialogen Mühe gibt.
Ich bin froh, Valhalla eine Chance gegeben zu haben. Ein nettes, kleines Spiel, und ich kann nur empfehlen, es im Laufe des Dezembers zu spielen. Jeden Abend eine halbe oder dreiviertel Stunde eine Schicht in der Bar zu verbringen und mit den Gästen zu reden, hat etwas Entspannendes und sie werden ein kleiner Teil des eigenen Alltags.
