Anlässlich eines Geburtstags war ich übers Wochenende in Stuttgart. Wenn ich in Städten wie Stuttgart ein paar Tage verbringe und ich an einem Abend noch nichts Spezifisches vorhabe, schaue ich gerne nach Veranstaltungen, die ich besuchen könnte. Das letzte Mal, als ich hier war, habe ich mir beispielsweise »Queen – We Will Rock You« angeschaut. Auch wenn das Musical ein Genuss war, so wollte ich es nicht schon wieder anschauen. Immerhin ist es erst ein paar Monate her. Also fiel meine Wahl dieses Mal auf »Ballet Revolución« – und ja, ich habe es immer falsch ausgesprochen.
Es sollte mein erstes „reines“ Ballett werden, wenn man so möchte. Doch da der Beiname „Revolución“ versprach, dass es etwas moderner gestaltet sein würde, war ich guter Hoffnung. Ich schaue mir ungern im Vorhinein etwas zu den Veranstaltungen an, die ich besuche. Ich möchte mich überraschen lassen. Es zum ersten Mal live mit den anderen Zuschauer*innen erleben. Ich machte mich zu gegebener Zeit also auf den Weg zum Theaterhaus. Da ich das Ticket schon einige Zeit zu Hause hatte, wusste ich nicht mehr genau, wo ich meinen Platz gebucht hatte. Die Nummerierung der Plätze lässt darauf auch nicht immer Schlüsse zu. Es war leicht abseits der Mitte, in der ersten Reihe der Tribüne. Also perfekter Blick über die Parkett-Reihen auf die Bühne.
Die ersten zehn Minuten waren wohl die anstrengendsten? Ich weiß nicht, ob dies das richtige Wort dafür ist. Es fiel mir schwer, reinzukommen, aber das ist durchaus des Öfteren der Fall. Ich schaue mir gerne neue Dinge an, da braucht es eine gewisse Eingewöhnungsphase. Die ersten zehn Minuten waren auch geprägt durch klassisches Ballett. Sofern ich das mit meinem vollumfänglichen Unwissen beurteilen kann. Die Musik wirkte etwas eintönig, dazu Balletttanz und gelegentliches Schreien der Tänzer*innen. Ich wusste nicht, ob es eine Zurschaustellung der Fertigkeiten ist, also reine Choreografie zur Musik, oder ob ich die Sprache des Balletts kennen müsste, um das, was auf der Bühne passiert, verstehen zu können.
Jedenfalls waren es beeindruckende Fertigkeiten, die alle auf der Bühne präsentierten, soweit ich das beurteilen kann. Die Dame, die neben mir saß, war ein guter Indikator, wenn schwierige Techniken oder Sprünge stattfanden, da sie diese stumm lobte. Eine gute Orientierung. Ich habe mich anfangs auch damit abgelenkt, herauszufinden, wer der attraktivste Tänzer des vorwiegend männlichen Casts ist. Eine selbstverständlich oberflächliche, unnötige und unfaire Ablenkung, aber was soll’s. Die Frage stellte sich rasch als irrelevant heraus, sobald der komplette männliche Cast plötzlich oben ohne auf der Bühne erschien. Für wenige Minuten hatte die Show den Anstrich einer Stripper-Show à la Chippendales. Ich hatte nichts dagegen.
Nach den anfänglichen Schwierigkeiten fand ich somit dann doch noch in die Show hinein. Wie sich herausstellen sollte, sind nur die anfänglichen ca. 10 Minuten der beiden Akte der Show von klassischem Ballett geprägt. Bereits am Anfang des zweiten Aktes konnte ich diesen schon mehr genießen, vor allem weil die Tänzer*innen einmal mehr mit den wohl schwierigsten Posen und Tanzeinlagen des Balletts aufwarteten. Der Rest der beiden Akte war gefüllt mit durchweg gut gespielten Covers von Songs. Den Anfang bildete ein gekonnt gesungenes Cover von Adeles »Hello«. Die Cover führten zu abwechslungsreichen und energiegeladenen Tanz-Performances. Die Tänzer*innen, gemeinsam mit der Band, verstanden es, Stimmung zu machen und das Publikum zu animieren, wie ich es selten erlebt habe – besonders bei dem eher zurückhaltenden deutschen Publikum.
Ich bin sehr froh, mich für »Ballet Revolución« entschieden zu haben. Es war eine neue Erfahrung. Mein erstes Ballett und dann auch noch in modernem Gewand. Etwas enttäuscht war ich, dass es keinen Merch zu kaufen gab. Seit Maria Theresia wollte ich es mir eigentlich angewöhnen, jedes Mal die CD mitzunehmen, als kleines Andenken und um immer wieder in die Show reinhören zu können. Entweder es gab wirklich keinen Merch oder ich habe den Stand einfach nicht gesehen. »Ballet Revolución« ist jedenfalls einen Besuch wert.
