Everything X-Men | X-Men First Class v1 (2007)

Wie jede Woche am Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf eine Reihe von Texten, die ich im Rahmen des Projektstudiums während meines Medienwissenschaftsstudiums geschrieben habe. In diesen Texten habe ich mich eingehend mit den X-Men beschäftigt. Damals habe ich die Texte auf Englisch verfasst, möchte sie heute jedoch auf Deutsch präsentieren. Dazu habe ich sie zuerst mit DeepL übersetzt (inkl. der Zitate) und anschließend redigiert.

Der heutige Text befasst sich mit einer alternativen Origin-Story der X-Men. Die letzten Texte haben sich mit Stan Lee und Jack Kirby auseinandergesetzt und damit, wie Roy Thomas deren Ideen weitergedacht hat. Doch wie sähe eine alternative Fassung aus? Macht sie es besser, wird die Geschichte modernisiert?

Als Letztes sind erschienen:


Die letzten Artikel habe ich den frühen Jahren der X-Men gewidmet. Wo ihre Geschichte begann und wo sie endete, bevor es zum kleinen Reboot kam. Dieser Reboot war der Auftritt von Chris Claremont. 20 Jahre hat er die X-Men geprägt, wie kein anderer. Doch bevor wir uns seinen Geschichten zuwenden, werfen wir einen Blick auf eine andere Interpretation der Entstehung der X-Men.

Die Schöpfer

»X-Men First Class« von 2007 umfasst acht Ausgaben. Jeff Parker schrieb sie und Roger Cruz ist für die fantastischen Zeichnungen verantwortlich. Für Jeff Parker war »First Class« einer seiner ersten Aufträge für Marvel. Bevor er mit dieser limitierten Serie begann, schrieb er »Agents of Atlas«. Dabei handelt es sich um ein Superheldenteam, das sich aus Figuren zusammensetzt, die erstmals in den 50er- und 60er-Jahren vorgestellt wurden. Der Name »Atlas« bezieht sich auf Marvels geistigen Vorgänger »Atlas Comics«. (Wikipedia, 2017) Roger Cruz hat viel für Marvel Comics gearbeitet. Er hat eine DeviantArt-Seite, die einen Besuch wert ist. Die beeindruckenden Kunstwerke von Cruz stammen nicht nur von den Seiten von Comics. Sie strotzen vor Kreativität und unterstreichen sein Gespür für Körpersprache. Mir gefallen auch die verschiedenen Gesichtsausdrücke, die er auf dieser Seite gepostet hat. DeviantArt ist etwas, das man öfter besuchen sollte – und damit meine ich auch mich selbst. Es ist ein großartiger Ort, um sich inspirieren zu lassen. Aber kommen wir zurück zum Thema.

Die Charaktere

Ich habe den ersten Band von »First Class« gelesen, der aus acht Ausgaben besteht. Wie es in einem Beitrag auf Comicvine über die Lesereihenfolge der gesamten X-Men-Reihe heißt: „Diese Serie eignet sich besonders gut für jüngere Kinder, die X-Men lesen möchten.“ (TEC2030, 2017).

Diesmal werden die Charaktere von Bobby Drake alias Iceman vorgestellt. Er schreibt einen Brief an seine Eltern und erzählt ihnen von seinem letzten Abenteuer. Wir erfahren, was er über seine Klassenkameraden denkt und was sie können. In den ursprünglichen X-Men von Jack Kirby und Stan Lee wussten die Eltern nicht, dass ihre Kinder Mutanten sind. Daher können die Kinder nicht offen über ihre Schule und ihre Erfahrungen sprechen. Dies wird besonders deutlich, als Angels Eltern zu Besuch kommen. Bobby scheint sich schon vor einiger Zeit geoutet zu haben, und es ist schön, zu sehen, wie er über die aktuellen Ereignisse spricht.

Im gesamten ersten Band ist präsent, dass wir es mit einer echten Schule zu tun haben, mit jungen Erwachsenen, die erst noch aufwachsen müssen. Das beginnt schon auf der Einführungsseite jeder Ausgabe. Dort wird jeder Charakter kurz vorgestellt. Nur ein Bild ihres Gesichts und eine Beschreibung mit ihrem Namen und ihren Fähigkeiten. Diese Seiten werden von den Charakteren selbst zum Zeichnen und Kommentieren genutzt. Natürlich ist in jeder Ausgabe eine andere Person dran. Was denken sie über sich selbst? Wen mögen sie? Es sind spannende Einblicke in die Dynamiken des Teams. Aus diesen kleinen Kommentaren kann man viel über Beziehungen und Freundschaften herauslesen.

Neben Bobby werden uns auch die ursprünglichen Mitglieder der X-Men vorgestellt. Warren alias The Angel, Scott alias Cyclops, Jean alias Marvel Girl, Hank alias The Beast und natürlich der Professor. Cerebro wurde aufgerüstet. Es ist nicht nur ein Gerät, mit dem man Mutanten finden kann, sondern es kann nun die Schüler unterrichten. Dieser Aspekt der „Schule“ wurde in der ursprünglichen Serie völlig ignoriert, was mich immer ein wenig gestört hat. Es gab keine richtigen Unterrichtsstunden, nur Trainingseinheiten. Aber jetzt, wie wir auch in den ersten drei X-Men-Filmen gesehen haben, bekommen die Schüler Unterricht mit Hausaufgaben, Tests usw.

Die Geschichten

Das Team hat es meist mit neuen Bösewichten zu tun. Der erste ist zum Beispiel ein Busch. Ja, ein Busch. Die X-Men kämpfen gegen einen Busch. Genauer gesagt gegen einen Azaleenbusch. Von diesem Moment an war mir klar, dass ich ein Buch für Kinder vor mir hatte. Das ist keine Beschwerde, sondern nur eine Beobachtung. Und es braucht diese Comics ebenso. Sie bringen Kindern die Charaktere näher. Aber normalerweise steckt hinter der Geschichte ein größerer Plan oder ein Thema, mit dem die Autor_innen und Künstler_innen aktuelle Diskussionen anstoßen wollen.

Zuerst konnte ich es nicht genau benennen. Aber ich wusste, dass etwas fehlte. Es war wie bei einem faden Gericht. Man weiß, dass etwas fehlt, aber man weiß nicht, was man noch hinzufügen soll. Genauso war es mit dieser Geschichte. Bis ich eine Rezension auf The Literary Omnivore (McBride, 2013) las: „In diesem Fall handelt es sich um eine Reihe von geradlinigen Abenteuern, die keine besonders tiefgründigen Themen behandeln.“

Und genau das ist es. Jeff Parker geht nicht tiefer. Die meisten Geschichten beginnen mit dem Alltag des Teams. Sie machen Urlaub, werden in etwas verwickelt, das sich im Kopf des Professors abspielt, oder gehen einfach nur aus. Sie stolpern zufällig über ein Abenteuer und einige Bösewichte, und das war’s. Das meiste wird auch in einer Ausgabe erledigt. Die Comics machen Spaß zu lesen, aber man darf keine großartigen, tiefgreifenden Charaktermomente oder gar eine Verbesserung gegenüber Stan Lees Jean-Grey-Problem erwarten. Ich habe in einem der letzten Artikel geschrieben, dass der Professor in Jean verliebt war. Das war einer der gruseligsten und unangenehmsten Momente. Leider wird es hier nicht besser:

„Aber in einer Geschichte befiehlt Professor X Cyclops und Jean, sich in einem gemieteten Haus in Florida auszuruhen. Cyclops ist niedergeschlagen, aber Professor X zwinkert ihm telepathisch zu und sagt ihm, dass er dafür gesorgt hat, dass Cyclops Zeit allein mit Jean verbringen kann.“ Aus dem Zusammenhang gerissen ist das ein netter Moment. Zwar klingt es so, wie aus einer Teenie-Komödie, aber nett. Jedoch bekommen wir in diesen Geschichten nicht viel von Jeans Gedanken mit, sodass sie eher wie ein Preis als wie ein Mitglied des Teams wirkt. Es wird besser – beispielsweise gibt es eine Geschichte, in der Angel mit Scarlet Witch ausgeht und Jean ihrem Bruder Pietro sagt, er solle aufhören, ihr Verhalten kontrollieren zu wollen –, aber es fühlt sich trotzdem nicht richtig an. (McBride, 2013)

Das Ende

Was mir gefallen hat, waren die Crossovers mit anderen Marvel-Charakteren. So bekommt man ein echtes Gefühl für ein größeres Universum. Ich verstehe, dass Stan Lee und Jack Kirby am Anfang nicht so viele Crossover machen konnten, weil die relevanten Charaktere erst vorgestellt werden mussten. Jetzt gibt es Geschichten mit Doctor Strange, Curt Conners und den Skrulls. Sogar die alten Bösewichte haben einen Gastauftritt in der dritten Ausgabe.

Zu dieser Serie gibt es nicht mehr viel zu sagen. Sie ist eine großartige Einführung in die Charaktere, insbesondere für jüngere Leser*innen. Aber um ehrlich zu sein, freue ich mich nun auf die Comics von Chris Claremont und darauf, wie er die X-Men neu erfunden hat. Wie er ihnen eindrucksvolle Geschichten verliehen und aus ihnen vielfältige, dreidimensionale Charaktere gemacht hat. Wir werden uns dann die X-Men-Ausgaben Nr. 94 bis Nr. 110 etwas genauer ansehen.

Quellen

  • Agents of Atlas. (o. D.). In Wikipedia. Abgerufen am 19. September 2017.
  • TEC2030. (2017, 02. April). Guide to Reading X-Men Comics, Blogpost | comicvine.gamespot.com
  • McBride, C. (27. September 2013). Review: X-Men: First Class, Volume 1, Blogpost | theliteraryomnivore.wordpress.com