Seit etwa einem Jahr lese ich regelmäßig den Falter. Ich habe mir ein digitales Abo geklickt, als sie ein attraktives Angebot hatten. Im Februar werde ich dieses Abo zum normalen Preis verlängern. Zu den anderen journalistischen Angeboten, die ich regelmäßig nutze, zählen orf.at und DerStandard (die Online-Variante). Ich muss jedoch immer wieder feststellen, dass mir der Falter am besten zusagt. Die anderen beiden sind nicht schlecht, um sich täglich informiert zu halten. Über die aktuellen Geschehnisse wird man hier (teils hervorragend) informiert. Den Falter online nutze ich eigentlich nie. Wenn, lese ich die digitale Ausgabe der Wochenzeitung. Hier wird nachgedacht, recherchiert und fundierte Meinungen präsentiert.
Anfangs hat mich der Meinungsteil der Zeitung etwas abgeschreckt. Ich möchte doch fundiert und unabhängig informiert werden. Doch genauso wie den täglichen Newsletter weiß ich inzwischen die Meinungsspalten sehr zu schätzen. Denn was hier präsentiert wird, sind fundierte Meinungen, die auf Fakten beruhen. Man kann mit diesen Meinungen übereinstimmen, die Fakten dahinter kann man allerdings nicht leugnen. Und wenn wir uns ehrlich sind, werden diese ersten Seiten zwar als „Meinung“ präsentiert, doch eigentlich sind es kurze Meldungen des Tagesgeschehens der vergangenen Woche. Eingeordnet und mit dem subjektiven Charme des Schreibenden versehen. Das tut deren Wahrheitsgehalt aber keinen Abbruch.
Im Studium habe ich gerne »Die Zeit« gelesen. Ebenfalls eine Wochenzeitung. Das Format der Wochenzeitung sagt mir sehr zu. Denn hier wird über die Themen der Woche nachgedacht. Man ist nicht unterjocht, jede bescheuerte, unwichtige Meldung aufzunehmen, die durch die anderen Zeitungen und Portale gejagt wird. Selbst wenn es sich eigentlich um für mich irrelevante Informationen handelt. Das scheint mir im modernen Journalismus etwas verloren zu gehen. Wie ich im Studium gelernt habe, ist ein Faktor für Nachrichten die Nähe zum Publikum und zur Leserschaft. Aber was hat Nachricht x mit meinem Leben in Österreich zu tun? Ich denke, allen fällt mindestens ein Beispiel ein. Ein unnötiges Stück Information, auf das man gerne verzichtet und dafür etwas Lokales gelesen hätte. Diesem Druck, über alles zu berichten, entgehen Wochenzeitungen etwas. Besonders in deren Printausgabe (egal ob man diese digital lesen mag).
Der Falter schreckt auch nicht davor zurück, Kritik an anderen journalistischen Inhalten zu üben. Ich mag das, da es die gesamte Newslandschaft einordnet und zur Verantwortung zieht. Sie schreiben, wenn andere voreilige, falsche Schlüsse ziehen oder sich von Politiker*innen ihre Berichterstattung indirekt diktieren lassen und so in den Bereich von Verschwörungstheorien abdriften. Das klingt jetzt dramatischer, als es ist. Jedes Medium kann aus verschiedenen Gründen, wie Stress und (Zeit-)Druck, die falschen Schlüsse ziehen oder voreilig über etwas berichten. Deshalb mag ich es auch, verschiedene seriöse Quellen zurate zu ziehen und so einen umfassenderen Blick zu bekommen.
Für die herausragenden Recherchen (unter anderem die Aufdeckung der fürchterlichen Zustände und Vorgänge bei SOS-Kinderdorf) werden sie regelmäßig mit Auszeichnungen versehen. In Zeiten wie diesen braucht es ein Medium wie den Falter. Unabhängigen, seriösen, gut recherchierten Journalismus, der sich nicht bestechen lässt. Die keine eigene Agenda verfolgen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass das Mediengesetz überarbeitet wird und Boulevardmedien, wie jene mit den großen Buchstaben, ihre künstlich gepushte Reichweite einbüßen. Ich hoffe sehr, dass Babler damit Erfolg hat, und drücke ihm die Daumen.