Everything X-Men | Comic-Epochen (3/5)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick auf einen alten Text von mir. Wir gehen zu meinem Medienwissenschaftsstudium zurück. Im Zuge des Projektstudiums habe ich eine Textreihe zu den X-Men verfasst. Doch es ging nicht nur darum, die Comics zu analysieren, sondern sich mit Themen rund um diese Comics auseinanderzusetzen. Die Texte habe ich damals auf Englisch geschrieben, präsentiere sie aber heute auf Deutsch. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht und die Texte anschließend redigiert.

Heute geht es weiter mit den Comic-Epochen. Wir sehen uns das Silver Age und das Bronze Age an.

Als Letztes sind erschienen:


Silbernes Zeitalter

Mit den neuen Richtlinien der »Comics Code Authority« – wie man Comics macht, ohne Kinder zu Mördern, Dieben und letztlich zu Bösewichten zu manipulieren – erwachten die Superhelden zu neuem Leben. Andere datieren den Beginn des silbernen Zeitalters vielleicht ein paar Jahre später:

„Bei DC Comics wandte Carmine Infantino seine Kunst auf verschiedene Comic-Genres an, und eines, das den Nerv der Mainstream-Leserschaft traf und unter der Comics Code Authority gut ankam, war Showcase 4 aus dem Jahr 1956, das den modernen Barry-Allen-Flash vorstellte und das Silberne Zeitalter (1956–1969) einläutete.“ (Grand, 2016)

Oder: „Das Silberne Zeitalter dauerte von 1956 bis etwa 1972 (obwohl manche Leute alles bis 1985 dazuzählen und das Bronzezeitalter der Comics einbeziehen).“ (tvtropes, o. J.)

Obwohl mir die Idee gefällt, dass DC eine bedeutende Rolle beim Beginn neuer Epochen der Comics spielt, scheint der Beginn der Comics Code Authority besser zu passen. Aber wie wir in den nächsten beiden Epochen sehen werden, muss dieser Bereich der Comicforschung noch weiter ausgearbeitet werden. Insbesondere nach der Bronzezeit gehen die Meinungen der Autor*innen darüber, wie die Epochen zu definieren sind, weit auseinander. Deshalb wollte ich eine vollständige Liste bereitstellen, damit man selbst entscheiden kann, wie man die Epochen einteilen möchte.  

Ich habe mich dabei ertappt, wie ich mich fragte: Warum soll Barry Allens Auftritt in DC Showcase #4 im Oktober 1956 der Beginn einer neuen Ära sein? Martian Manhunter beispielsweise erschien erstmals im November 1955 in Detective Comics #225, und Captain Comet hatte sein Debüt in Strange Adventures #9 (1951). Was ist so besonders an Barry Allen? Wir müssen uns die Erzählweise dieses Comics ansehen. Interessant ist, dass ein Comic mit der Nummer 4 einer fortlaufenden Serie das Silberne Zeitalter einläutete und nicht die Nummer 1 (aber wir werden in einem anderen Artikel über Events und Rebirths sprechen). Wichtig zu wissen ist, dass Showcase #4 der erste Comic war, der sich auf einen Science-Fiction-Ansatz konzentrierte. Die Helden wurden realistischer dargestellt. Batman, Superman, Wonder Woman (die letzten drei fortlaufenden Comics, die zu dieser Zeit noch von DC veröffentlicht wurden) und andere folgten. Wenn man diesen Standpunkt einnimmt, ist Showcase #4 vielleicht der Beginn des silbernen Zeitalters.

Wenn wir uns Marvel ansehen, stellen wir fest, dass alle wichtigen Figuren während des Silbernen Zeitalters eingeführt wurden: Fantastic Four, Spider-Man, Hulk, Iron Man, X-Men, Daredevil, Tales of Suspense, Tales to Astonish und so weiter und so fort.

Das Ende des Silbernen Zeitalters wird oft mit Green Lantern und dem folgenden Zitat aus dem Jahr 1972 in Verbindung gebracht: „Diese Tage sind vorbei – für immer vorbei – die Tage, an denen ich selbstbewusst und sicher war … Ich war so jung … so sicher, dass ich keinen Fehler machen konnte! Jung und übermütig, das war Green Lantern. Nun, ich habe mich verändert. Ich bin jetzt älter … vielleicht auch weiser … und viel weniger glücklich.“

Bronzezeit

Die 1960er Jahre klangen aus, die Comics Code Authority verlor ihren Einfluss und Superhelden wurden verwundbar. Die Gesellschaft musste einige Rückschläge verkraften, aber bevor ich auf Details eingehe, hier ein abstrakter Überblick:

„Als viele geliebte Menschen ums Leben kamen oder Menschen emotional verzweifelten, wurden Helden und Schurken arm und depressiv, was dazu führte, dass sie drogen- und alkoholabhängig wurden. Da die Regeln der Authority gebrochen wurden, übernahm das Übernatürliche die Macht. Helden hatten dunklere Schurken und mussten zusammenarbeiten, um diese dunklen Zeiten zu überstehen. Minderheitencharaktere entschieden sich dafür, gegen das Verbrechen zu kämpfen und Helden zu werden, sei es aus Geldgier, um zu überleben oder um Gerechtigkeit zu schaffen.“ (Spider10, 2016)

Massaker, der Vietnamkrieg und der Verlust eines Großteils der Finanzmittel der NASA sind nur drei Ereignisse, die zu dieser Zeit stattfanden. Auch die Comic-Branche befand sich im Wandel. 1971 wurden neue Richtlinien der CMAA veröffentlicht, 1970 wechselte Jack Kirby von Marvel zu DC, Spider-Mans Freundin Gwen Stacy starb 1973. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass die Bronzezeit mit der ersten Ausgabe von »Conan the Barbarian« begann.

Noch einmal: Warum? Conan wurde 1932 von dem Schriftsteller Robert E. Howard erschaffen und feierte 1970 sein Comic-Debüt. Die nun gelockerten Richtlinien des Comic-Codes beflügelten den Drang der Schöpfer nach Experimenten. Einen Mann praktisch nackt herumlaufen zu lassen, war wohl ein logischer Schritt. Wie Superman steht Conan also für mehr als nur den Beginn einer neuen Comic-Reihe. Er steht für eine Idee.

Um schließlich wieder zu unserem Hauptthema zurückzukommen: Die X-Men wurden 1975 neu geboren. »Giant-Sized X-Men #1« erschien und Chris Claremont begann seine 17-jährige Herrschaft über alle Titel, die mit den X-Men zu tun hatten.