Letztens habe ich eine interessante Theorie gehört, die meine Herangehensweise an Hobbys und das Leben im Allgemeinen verändern könnte. Es hat zu tun mit Motivation und Energie. Beispielsweise hat meine letzte Pause vom Bemalen von Warhammerfiguren mehrere Jahre gedauert – irgendwas zwischen eins und drei, würde ich schätzen. Ich habe allerdings wieder damit angefangen. Und wie ich es eben so mache, habe ich nicht nur den kleinen Zeh in das wieder aufkeimende Interesse getaucht, sondern bin gleich ins tiefe Profibecken gesprungen. Warhammer hat mich wieder voll im Griff. Ich lese nicht nur wieder das White-Dwarf-Magazin, sondern mache auch einen Online-Malkurs auf der Webseite von Duncan Rhodes.
Wenn ich so voller Begeisterung in ein neues oder altes Hobby einsteige, wie es vor zwei Monaten auch bei Musik der Fall war, mache ich mir manchmal Sorgen, zu schnell auszubrennen. Der Anfang ist immer mit neuen Eindrücken gespickt, das Interesse und die Motivation sind groß. Man lernt viel Neues dazu. Nach dieser anfänglichen Euphorie kann der Crash sehr schnell kommen. Man fällt in alte Muster rein, wenn man so will. Es ist wichtig, so empfinde ich es zumindest, die Balance zu finden – aus alten und neuen Interessen, vielleicht sogar Ballast abzuwerfen, der einem nicht mehr dient.
Man kann etwa viel Zeit mit YouTube oder Serien, die man schon viel zu oft gesehen hat, verschwenden. Nicht, dass mir das je passieren würde. Aber ich habe von hypothetischen Menschen gehört, in fernen Ländern, denen es so ergehen könnte. Warhammer bietet hier eine wunderbare Alternative. Es ist analog und braucht keinen Bildschirm. Es ist kreativ und man kann der eigenen Vision, wie die Figuren aussehen sollen, freien Lauf lassen – eine eigene Welt erschaffen. Und man ist aktiv dabei, etwas zu erschaffen, und konsumiert nicht nur passiv etwas. Außerdem ist mein »Pile of Opportunity« enorm und diesen kleiner werden zu sehen, wäre großartig. Insofern ist die Motivation hoch. Das war sie allerdings auch schon in der Vergangenheit. Ich denke auch im Alltag immer wieder darüber nach, welche Projekte ich angehen könnte. Motivation ist also nicht das Problem.
Was hat mich also in der Vergangenheit immer wieder vom Hobby ferngehalten? Die Antwort darauf wusste ich bis vor ein paar Tagen nicht zu geben. Dabei ist die Lösung, wenn man es so nennen will, recht simpel: Energie. Wir alle machen unterschiedlichste Dinge über den Tag verteilt. Sei es, arbeiten zu gehen, einzukaufen, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, sich um Dinge zu kümmern, Essen zu kochen, Sport, Hobbys und so weiter – eben den täglichen Verpflichtungen nachzugehen. Jeden Morgen starten wir mit einer gewissen Energiereserve. Manche der Dinge, die wir tun, brauchen Energie, manche geben uns welche zurück. Auch wenn Sport furchtbar anstrengend sein kann, so zehre ich davon auch; es tut mir gut, motiviert mich und ich gehe meist mit einem positiveren Gefühl daraus hervor. Aber es kostet auch Energie, überhaupt anzufangen. Genauso ist es mit Warhammer und dem Bemalen der Figuren. Auch wenn die Hürde sehr klein ist, ist es doch immer eine kleine Überwindung, kostet es ein klein wenig Mühe, anzufangen – zumindest geht es mir so. Am Ende bin ich immer froh, angefangen zu haben, und seien es nur ein paar Pinselstriche.
Seit ich diese neue Perspektive habe, gehe ich mit sehr viel mehr Bedacht an das Thema Schlaf heran. Ich schaue zu, dass ich jede Nacht meine ideale Anzahl an Stunden zusammenbringe. Denn eine erholsame Nacht füllt die Energiereserven sehr viel effektiver, nachhaltiger und auch mehr auf, als es sechs Stunden unruhigen Hin-und-Her-Wälzens je könnten. Ich mag diese Perspektive. Denn es verschiebt das Hauptaugenmerk weg von Motivation. Motivation fühlt sich irgendwie immer diffus an, ungreifbar und als könnte man sie nicht kontrollieren. Ich kann aber sehr wohl kontrollieren, mit wie viel Energie ich jeden Tag aufs Neue beginne. Schlaf ist hier der wohl essentiellste und am einfachsten zu beeinflussende Baustein. Natürlich spielt noch sehr viel mehr mit rein, aber das ist der erste Baustein, auf den ich mich konzentrieren möchte. Mal sehen, was sich damit noch so verändert.
- YouTube | Roman Lappat Miniature Art | 20 years+ of Miniature Painting as my daily job: This is what keeps me motivated