Die Führung durch den Salzburger Dom habe ich mit Abstand am häufigsten mitgemacht. Sie findet fast jeden Tag um 14 Uhr statt, ist mit 9 € nicht zu teuer und mit etwas Glück erwischt man jedes Mal jemanden anderen, der die Führung macht. So hatte ich in den vergangenen Jahren die Möglichkeit, dieses zentrale Gebäude der Salzburger Geschichte von verschiedenen Seiten kennenzulernen.
Unvergessen bleibt die erste Führung mit einem jungen Herren, der einen Fokus auf den Glauben gelegt hat. Seine Ausführungen über die Bedeutung des Doms, wie man an Glauben herantreten kann und dass jeder und jede seinen eigenen Weg finden muss, fand ich äußerst inspirierend. Es ist nicht leicht, über Glauben zu reden, dabei durch den Dom zu führen, aber gleichzeitig den spezifischen Glauben dieser Kirche nicht allzu sehr ins Zentrum zu rücken, auch wenn es natürlich der Kern ist. Ein Balanceakt, der damals erstaunlich gut gelungen ist. Leider ist dieser Guide weitergezogen und macht keine Führungen mehr.
Manche legen den Fokus eher auf Architektur und das Gebäude selbst. Immerhin ist das bereits der dritte (und hoffentlich letzte) Dom, der in Salzburg errichtet wurde. Über 1200 Jahre Geschichte machten die unterschiedlichen Iterationen mit. Brände, Abrisse, neue Planungen, Kriege – im Zweiten Weltkrieg zerstörte eine Fliegerbombe die Kuppel – der Dom hat viel mitgemacht und steht dadurch immer wieder repräsentativ für die Geschehnisse der jeweiligen Zeit. Andere legen den Fokus wieder eher auf das, was der Dom den Menschen bedeutet (hat). Wie er zu lesen ist. Denn im Grunde ist der Dom wie ein Buch, nur anstatt Worten wird die Erzählung durch Bilder und Symbolik wiedergegeben. Die Leidensgeschichte Jesu steht dabei im Vordergrund und ist auch das zentrale Thema dieses Doms.
Letztens habe ich mit Freund J. mal wieder eine Domführung gemacht. Es war ein verregneter Samstag, und wir hatten beide Lust, mal wieder eine Führung mitzumachen. Wir hatten Glück, denn einer der Mesner machte dieses Mal die Führung. Wie wir später erfuhren, würden er und seine Kollegen bis auf Weiteres die Führung machen, da es aktuell keine anderen Guides dafür gibt. Jedenfalls dauert eine typische Führung durch den Dom etwa eine Dreiviertelstunde. Man beginnt vorne an der Fassade und es werden die Figuren erklärt: Wer sie sind und welche Rolle sie in der Geschichte des Doms (und Salzburgs) gespielt haben. Dann geht es vor die drei Bronzetüren und schließlich hinein in das Gebäude, wo man sich langsam zum Altar vorarbeitet. Es ist ein grober Umriss.
Dieser spezielle Mesner hatte jedoch ein Talent zum Abschweifen und hat immer wieder aus dem Nähkästchen geplaudert. Bei jeder Station ist ihm etwas anderes eingefallen. Immerhin arbeitet er schon länger für den Dom und hat so einiges erlebt. Ich mag das, da es einen Blick hinter die Kulissen gewährt. Er hat bei seinen Abschweifungen immer wieder erklärt, dass dieser Teil nicht zur Domführung gehört, und gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn er diese Geschichte noch erzählt. Wir waren zum Glück eine eher kleine Gruppe, daher ging das recht einfach. Mit größeren Gruppen ist das sicherlich so nicht möglich. Wie dem auch sei, folgte eine spannende Geschichte der nächsten. Wir wurden in Nebenräume geführt und haben Ecken des Doms gesehen, in denen wir noch nicht waren. Am Ende waren wir knapp zwei Stunden unterwegs. Wirklich beeindruckend.
Bei der Führung haben wir auch erfahren, dass gerade die ehemalige Hostien-Bäckerei renoviert und im Herbst für Besucher*innen geöffnet wird. Außerdem wurde begonnen, den Aufstieg zur Friedenstaube zu renovieren. Es wird allerdings noch ein paar Jahre dauern, bis man dorthin gelangt. Ich freue mich jetzt schon darauf. Normalerweise blickt man bei den Führungen nach oben zur 85 m in der Höhe fliegenden Taube. Von dort oben einen Blick hinunterwerfen zu können, wird sicherlich beeindruckend. Ich kann es kaum erwarten, die Führung durch den Dom zu machen, die dann dort hinaufgehen wird.