Everything X-Men | Avengers Disassembled (1/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen Text aus grauer Vorzeit an. Für mein Medienwissenschaftsstudium habe ich ein sogenanntes Projektstudium geschrieben. Darin habe ich mich mit den X-Men-Comics auseinandergesetzt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

In den nächsten Wochen beschäftigen wir uns mit Comic-Events aus dem Marvel-Universum, in denen die X-Men involviert waren. Ich habe mir damals, als ich die Texte schrieb, zwei prominente Beispiele herausgesucht: »Avengers Disassembled« und »House of M«. Nicht nur sind diese bedeutend für die Avengers, sondern es zeigt die Macht von einem meiner Lieblingscharaktere: Wanda Maximoff. Besonders seit sie Teil des MCU ist, habe ich mich etwas mehr mit ihrem Charakter auseinandergesetzt. Ich mag die Interpretation von Elizabeth Olsen sehr gerne. Doch nicht nur für die Charaktere sind die beiden Events bedeutend. Sie stellen auch den Beginn einer Karriere dar. Nämlich von Brian Michael Bendis. Zwar schrieb er schon vorher großartige Geschichten bei Marvel, doch mit »Avengers Disassembled« begann eine neue Ära. Über viele Jahre hat Bendis Marvel geprägt wie kein Zweiter.

Als ich mir den Text über »Avengers Disassembled« noch einmal zu Gemüte führte, ist mir aufgefallen, dass ich mal wieder sehr wenig auf den künstlerischen Aspekt der Comics eingehe. Das ist eine der großen Schwächen meiner Reviews, wie ich finde. Ich sage zwar immer, ob mir ein Stil gefällt oder ob etwas visuell gut dargestellt ist, aber ich hätte mir gewünscht, näher darauf eingegangen zu sein. Es ist allerdings nicht leicht, über Kunst zu schreiben. Besonders wenn man sich nebenbei noch Gedanken um die Geschichte und Charaktere macht, was sie bedeutet und wo sie hinführen könnte. Mal sehen, ob es im Laufe dieser Reihe besser wird. Ich kann mich offen gesagt nicht mehr im Detail daran erinnern.


Als Letztes sind erschienen:


Einleitung

Im November 2017 gab Brian Michael Bendis bekannt, dass er Marvel (nach 17 Jahren) verlassen und ausschließlich für DC Comics arbeiten werde. Wenn man sich auch nur ein wenig für Comics interessiert, weiß man, dass dies eine große Sache ist. »Ultimate Spider-Man« war eines seiner ersten Projekte für Marvel und ist eine meiner Lieblingsinkarnationen von Spider-Man. Bendis schuf auch Miles Morales, den Nachfolger von Peter Parker, und begann 2004 mit dem Schreiben der Avengers-Comics. Er tat für die Avengers, was Claremont für die X-Men tat. Einige vergleichen Bendis’ Einfluss sogar mit dem von Kirby oder Lee.

Deshalb wollte ich mir die Geschichten, die er geschrieben hat, und die Art und Weise, wie er das Team neu erfunden hat, genauer ansehen. Dazu höre ich mir den Podcast »Bendis Assembled« an. Dieser Podcast führt wunderbar durch die Abenteuer, die Bendis federführend schrieb, und was mit den Charakteren in dieser Zeit passiert ist. Alternativ oder zusätzlich gibt es noch »Legendary Runs«. Hier wird etwa in Folge 45 über »Alias« gesprochen, einen weiteren Meilenstein der Comic-Geschichte, geschrieben von Brian Michael Bendis.

Die Geschichte von »Avengers Disassembled« erstreckt sich über gerade einmal vier Ausgaben von »Avengers« (500 bis 503) und klingt in »Avengers Finale« Nr. 1 aus. Anschließend beginnt die Zählung neu, mit »New Avengers« Nr. 1. Ich erfuhr, dass ein bestimmter X-Men, der bereits in den 60er Jahren eingeführt wurde, eine wichtige Rolle in den kommenden Abenteuern der Avengers spielte. Also beschloss ich, diese Geschichten in mein Projekt zu integrieren, und nun sind wir hier und sprechen über die Avengers in einer Kolumne, die den X-Men gewidmet ist (wir werden das vielleicht für »AvX« wiederholen).

Die Geschichte

Wie wir am Ende von Ausgabe Nr. 501 sehen, gibt es viele Charaktere, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte von Marvel Teil der Avengers waren. Wie zerlegt man also eines der besten Superheldenteams im Marvel-Universum?

Die Geschichte konzentriert sich auf Hawkeye, Scott Lang alias Ant-Man, Janet alias Wasp, She-Hulk, Jarvis und Captain Britain. Sie befinden sich in der Villa der Avengers. Hawkeye und Ant-Man diskutieren darüber, wen aus ihrem Team sie nie haben könnten: „das eine Mädchen, von dem man weiß, dass man es nicht haben kann“. Plötzlich ertönt ein schriller Alarm und warnt sie vor einem Eindringling. Es klingt herablassend, wie sie über ihre Kolleginnen sprechen, aber durch die kommenden Ereignisse könnte man sagen: Karma schlägt zurück. Das Signal unterbricht die Diskussion. Karma ist hier personifiziert durch Jack of Hearts.

Wer ist Jack of Hearts? Keine Ahnung. Aufgrund intensiver Recherchen (ich habe die ersten paar Absätze auf Wikipedia gelesen) kann ich sagen, dass er nicht nur ein mächtiges Wesen ist, sondern auch konstant leidet Er muss einen speziell angefertigten Anzug tragen, damit er nicht explodiert, und verbringt jeden Tag viel Zeit in einer Kontaminationszelle, ebenfalls um eine spontane Explosion zu verhindern. Er sollte tot sein – und so wie er aussieht, ist er es – und geht ruhig auf die Villa zu. Scott geht auf Zombie-Jack zu und versucht, mit ihm zu sprechen. Aber er explodiert in einer gewaltigen Feuerwolke und pulverisiert Scott.

Teile der Villa werden zerstört, sodass die anderen unter den Trümmern begraben werden. Captain America und Falcon treffen am Ort des Geschehens ein, als ein von Vision gesteuerter Quinjet auf den Überresten der Villa notlandet. Vision geht ein paar Schritte, löst sich auf, schmilzt, genauer gesagt, und bringt fünf Metallkugeln hervor, die sich in Ultron-Roboter verwandeln. Sie können diese Bedrohung gerade noch rechtzeitig eindämmen, als She-Hulk durchdreht – unfähig, all das Geschehen zu verarbeiten. Die Wut übernimmt die Kontrolle und sie zerreißt Visions Leiche. Nicht horizontal (an der Taille), wie man erwarten könnte, sondern vertikal – und legt so die „Organe“ von Vision frei. Und das ist nur der Anfang.

Ein paar Stunden später, als Wasp im Krankenhaus versorgt wird (immer noch geschrumpft und in kritischem Zustand), kehren Cap und Hawkeye zur Villa zurück, wo alle Avengers bereitstehen, um die Situation zu untersuchen. Der Tag ist jedoch noch nicht vorbei. Eine Flotte von Kree-Schiffen greift die trauernde Gruppe an. Doch etwas stimmt nicht, denn der Helicarrier von S.H.I.E.L.D. kann die Flotte nicht erkennen. Während der großen Schlacht wird Hawkeye schwer verletzt. Soweit man es sehen kann, von einem explosiven Pfeil oder Ähnlichem. Bevor dieser aber explodieren kann, schnappt er sich einen Kree und fliegt mit Hilfe eines Jetpacks in das Mutterschiff. Sein Opfer bleibt nicht unbemerkt, da die Kree miteinander verbunden sind, und wenn man eines ihrer Mutterschiffe ausschaltet, sind sie alle besiegt.

Nach dem Kampf erscheint Doctor Strange und erklärt ihnen, dass all dies eine Art chaotische, magische Störung ist. Es ist kein Trick – alles ist wirklich passiert –, aber Magie ist im Spiel.

Das Ende?

Fassen wir zusammen: Die Avengers gibt es nicht mehr. In der Sonderausgabe »Avengers Finale #1« versammeln sich die Kernmitglieder der Avengers, zumindest diejenigen, die noch am Leben sind, ein letztes Mal in der zerstörten Villa. Jeder darf seinen Lieblingsmoment aus ihrer umfangreichen Geschichte erzählen. Jeder Moment wird auf einer Doppelseite zusammengefasst. Selbst wenn man die meisten dieser Geschichten nicht gelesen hat (so wie ich), ist es eine sehr emotionale Situation. Immerhin verabschieden sie sich und gehen davon aus, dass es vorbei ist. Zumindest in dieser Konstellation. Scott ist tot. Hawkeye ist tot. Jack of Hearts ist tot. Wasp ist verletzt und im Krankenhaus.

Außerdem lässt dieser Trick Tony Stark (der zu diesem Zeitpunkt Verteidigungsminister ist) betrunken erscheinen, obwohl er seit Wochen oder sogar Monaten keinen Alkohol mehr getrunken hat, und bringt ihn in Verruf. Er verliert einen Großteil seines Geldes (er kann die Avengers nicht mehr finanzieren) und einige seiner Freunde vertrauen ihm nicht mehr. Das passiert zwar alles relativ schnell, bleibt allerdings trotzdem nachvollziehbar.

Bendis hat es geschafft, die Avengers und ihr Zuhause nicht nur physisch zu zerstören, sondern sie auf emotionaler Ebene vernichtend zu schlagen. Das Vertrauen ist weg. Man muss sich darauf verlassen können, dass die Person neben dir dir den Rücken freihält. Wenn dieses Vertrauen weg ist, was kann man dann noch tun, außer die Reset-Taste zu drücken?