Gestern habe ich über den YouTube-Kanal Midwinter Minis geschrieben. Dieser veröffentlichte vergangene Woche ein Video über KI und wie man diese in einem „kontrollierten“ Modell mit Hierarchien und Guardrails (wie auch immer diese genau aussehen, dazu bin ich zu wenig im Thema) für Warhammer verwenden könnte. Sowohl als Anfragestelle für Regeln als auch für die Zusammenstellung von Armeen. Das hat einen ungemeinen Shitstorm ausgelöst und dazu geführt, dass das Video depubliziert wurde. Denn natürlich kann man nicht differenziert über das Thema diskutieren. Schnell ging es (vor auf Reddit) auch um das Privatleben von Guy. Aber spielt das eine Rolle? Oder anders gefragt: Kann oder soll man Autor*in und Werk trennen?
Es ist eine alte Frage, die man sicher allerdings immer wieder berechtigterweise stellen kann. Vor allem, wenn es um sogenannte Stars geht, also Menschen, die eine unfassbare Reichweite haben. Wie eben jene Autorin, deren Name nicht genannt werden soll und die ihren Erfolg damit feiert, sich gegen Transmenschen zu stellen und gegen deren Rechte zu propagieren. Damit reißt sie nicht nur ihre Legacy selbst ein, sondern hat Millionen Fans das Herz zerrissen. Sollte man deshalb die Bücher nicht mehr lesen, die Filme schauen (die ich noch nie allzu brillant fand) oder die neue Serie schauen? Oder andere Autor*innen und Schauspieler*innen und Sänger*innen und so weiter, die sich öffentlich gegen grundsätzliche Menschenrechte stellen, rechten Ideologien anhängen und scheinbar plötzlich einem Präsidenten die Hand reichen, der niemals mit ihren Meinungen übereinstimmen kann. Oder zumindest dachte man das lange.
Aber das sind Berühmtheiten, die in der Klatschpresse diskutiert und auseinandergenommen werden. Sie dominieren Social Media und haben teils Millionen Follower. Deren Meinungen und Äußerungen haben sehr viel mehr Macht als die eines vergleichsweise kleinen YouTubers. Vor allem, wenn dessen scheinbare Verfehlungen im Privaten stattgefunden haben. Ich weiß nicht, ob die behaupteten Dinge wahr sind. Ich weiß nicht, was er darüber denkt oder diejenigen, die es scheinbar betroffen hat. Das ist auch, aus meiner Sicht, richtig, dass so etwas im Privaten bleibt. Ansonsten wird es nur zu einer Schlammschlacht, die niemandem hilft und nur Schaden anrichten kann.
Autor und Werk zu trennen funktioniert in diesem Fall sehr gut, denn ich kann nur bewerten, was ich auf YouTube sehe. Ich habe keinen Instagram-Account, unterstütze ihn nicht auf Patreon oder bin im Discord tätig. Wobei natürlich auch fraglich ist, wie viel man in diesen Kanälen erfahren würde. Meine Einschätzung: wahrscheinlich nicht allzu viel und wenn, dann nur aus einer sehr beschränkten Sichtweise ohne viel Kontext. Ich mag seine Videos, finde die Ideen, die er hat, teils inspirierend und vor allem erfrischend, dass er sich traut, ein Video zu KI zu machen und einen Vorschlag zu unterbreiten, wie man diese im Hobby verwenden kann.
Dass dies auf eine solche Wand negativer Kommentare stoßen würde, hätte man vielleicht erwarten können, aber es ist schon krass, zu sehen, was die Leute so schreiben. Vielleicht wäre es gut gewesen, die Kommentare zu deaktivieren und das Video für sich stehenzulassen. Ich mochte die Idee und hätte sie gerne weiterhin getestet. Ob GW ebenfalls eingeschritten ist, lässt sich natürlich nicht sagen (Anm.: Aus einer späteren Perspektive kann man sagen, dass der Internetmob ausgereicht hat.). Aber eine KI zu einem spezifischen Thema befragen zu können und mir so die Suche zu ersparen, halte ich für eine ausgesprochen gute Idee. Es nimmt niemandem etwas weg, verwendet nur öffentlich zugängliche Daten und ist im Funktionsumfang beschränkt. Was genau ist das Problem? Dass sie vielleicht manche Dinge nicht korrekt wiedergegeben hat? Man muss immer nachkontrollieren, wenn es um KI geht. Das als Problem darzustellen, lasse ich nicht gelten, da es eine grundsätzliche Frage der Technologie ist.
Bevor ich mich anfange, zu wiederholen, schließen wir für diesen Augenblick das Thema. Schade um das Experiment. Der Mob im Internet schreit leider sehr laut und ambivalente Meinungen oder gar eine Diskussion sucht man vergebens. Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht bereit dafür.