Privatleben, KI und YouTube (3/2)

Ich hätte mit dem Schreiben der letzten Texte noch etwas warten sollen. Aber wenn mich etwas beschäftigt, dann muss ich darüber schreiben. Eigentlich sollten es nur zwei Texte werden, aber da nun ein neues Video erschienen ist, gibt es eben einen dritten Teil in dieser Duologie (Teil 1, Teil 2). Worum geht es?

Kurz zusammengefasst: Der YouTube-Kanal Midwinter Minis hat ein Video zur Nutzung von KI im Kontext von Warhammer veröffentlicht. Gemeinsam mit einer Expertin für KI-Ethik hat er eine Variante von ChatGPT entwickelt, die Fragen zu Fraktionen, Regeln und Armeezusammenstellungen beantworten kann. Doch auch beim Spielen soll sie helfen. Ein Nachschlagewerk, das mit öffentlich zugänglichen Informationen gefüttert wird und eine erste Anlaufstelle sein kann. Sagen wir mal, das Video kam nicht so gut an. Nach wenigen Stunden war das Video nicht mehr zu finden und die ChatGPT-Variante deaktiviert. Es war auch kein Kommentar auf dem Kanal zu lesen. Jetzt erschien einen Tag später (am Donnerstag vergangener Woche) ein Entschuldigungsvideo.

Ich habe wirklich unterschätzt, wie sehr manche Menschen KI hassen, vor allem wenn es um generative KI geht. Versteht mich nicht falsch: Generative KI (die Erzeugung von Bildern, Videos, Audio auf Basis von meist gestohlenem oder zumindest nicht nachvollziehbarem Material) ist falsch. Sie müllt das Internet zu und das in einer Geschwindigkeit und mit einer Masse an Daten, die man sich gar nicht vorstellen kann. KI kann allerdings auch nützliche Seiten haben. Beispielsweise beim Durchforsten von Daten. Aber das Thema hatten wir schon. Das erste Video, welches ich nicht schlecht fand und als differenziert wahrgenommen habe, hat scheinbar eine Reaktion ausgelöst, die Hunderte, wenn nicht Tausende Kommentare nach sich zog. Auf allen möglichen Kanälen wurden Guy, dem Betreiber von Midwinter Minis, Nachrichten zugespielt.

Manche Punkte, die er im Entschuldigungsvideo anspricht, kann ich offen gestanden nicht wirklich nachvollziehen. Beispielsweise den Umweltaspekt. Ja, KI-Zentren schießen wie Pilze aus dem Boden und verbrauchen eine irrsinnige Menge an Energie. Das ist ein Problem und wer weiß, ob man diese Menge an Zentren überhaupt benötigt. Damit müssen wir uns gesamtgesellschaftlich auseinandersetzen. Es ist allerdings ein globales Problem. Guy hat in dem Entschuldigungsvideo erwähnt, dass viele ein Problem damit hatten, wie er über die Umweltprobleme gesprochen hat. Ich bin froh, das Video noch gesehen zu haben, bevor es offline ging. Ich fand die Punkte nachvollziehbar. Vor allem mochte ich seinen Vergleich zum Warhammer-Hobby an sich. Dass sich manche nicht eingestehen wollen, dass unser Hobby auch nicht gerade das grünste ist, geht schon fast in Richtung Realitätsverweigerung.

Was machen wir denn alle, die dieses Hobby betreiben? Wir bestellen Plastikfiguren im Internet, die durch die Weltgeschichte verschifft werden, bauen diese mit verschiedensten Klebern zusammen, sprühen sie mit Farbe ein und so weiter. Nicht davon zu sprechen, dass wir alle mehr bestellen, als wir benötigen. Wie viele Farben haben wir zu Hause, die wir nicht aufbrauchen, bevor die nächsten eintreffen? Wie viele klagen über einen Pile of Shame, der bemalt werden möchte, und trotzdem kaufen wir neue Sachen. Das ist nicht gerade umweltbewusst, und sich damit auseinanderzusetzen, sollte Teil des Hobbys sein – egal ob KI oder nicht. Aber manche scheinen sich derart stark mit dem Hobby zu identifizieren, dass alle Kritik eine unverhältnismäßige Reaktion auslöst. Eine offene, ehrliche Diskussion sucht man vergebens.

Ein anderer Punkt war, dass scheinbar falsche Informationen von der auf Warhammer spezifizierten ChatGPT-Variante ausgegeben wurden. Aber das ist doch ein inhärentes Problem von KI. Informationen müssen stets nachkontrolliert und verifiziert werden. Statt einen Aufstand zu machen, hätte man sich damit beschäftigen können, wie man diese Fehler korrigiert oder minimiert. Vielleicht hat etwas in der hierarchischen Struktur oder den Guardrails nicht zu 100 % gepasst. Ganz davon abgesehen, dass es nur ein Angebot war. Es steht einem immer frei, das Teil einfach nicht zu nutzen. Das Teil existiert vor sich hin. Was stört es mich, wenn ich es nicht nutze? Ich glaube, manche übersehen die Option »ignorieren und mit dem eigenen Leben weitermachen« gelegentlich. Man wird zu nichts gezwungen. Nein zu sagen, ist eine Option. Aber scheinbar ist in der Community die Ablehnung von KI sehr viel intensiver, aggressiver und vollumfänglicher, als ich vermutet habe.

Und alle, die vorher geschimpft und getobt hatten, kommentierten nun natürlich, wie toll die Entschuldigung war. Ich hielt sie für ehrlich und glaubhaft und man fühlte die Reue, die mitschwang. Schade nur, dass sich manche betrogen fühlen. Wovon? Guy beschäftigt sich seit Jahren mit verschiedenen Aspekten des Hobbys, und neue Technologien heranzuziehen, gehört eben dazu. Vor allem, wenn jemand ihn auf Patreon unterstützt, sollten ein gewisser Vertrauensvorschuss und ein Verständnis da sein. Ich mag den Kanal Midwinter Minis auch sehr gerne, aber ich würde niemals davon sprechen, mich von Guy betrogen zu fühlen, (fast) egal, was er macht. Dann höre ich eben auf, zu schauen, oder werfe nur einen Blick in die Videos, die mich thematisch interessieren. Man muss niemandem religiös folgen. Aber das ist in unserer aktuellen Welt wohl etwas zu viel verlangt. Wir betrachten alles als schwarz-weiß, 0 oder 1, gut oder schlecht. Eine konstruktive Diskussion und Debatte ist wahrscheinlich zu viel verlangt.

Fürs Erste sollte das aber reichen. Drei lange Texte sind mehr als genug. Ich werde jedenfalls weiter Midwinter Minis schauen und bin gespannt, was er sich noch so alles einfallen lassen wird.

  • YouTube | Midwinter Minis | I’m sorry. I killed the Warhammer-AI.