Es ist Donnerstag. Das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Im dritten Jahr des Blogs habe ich mich dafür entschieden, mein Projektstudium aufzubereiten, welches ich für das Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In meinem Fall handelte es sich um eine Reihe von Texten rund um die X-Men-Comics. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.
Nachdem wir in den vergangenen Wochen das Event »Avengers Disassembled« angesehen haben, geht es heute nahtlos mit der Fortsetzung weiter. »House of M« ist ein Stück Comic-Geschichte. Obwohl man das eigentlich über fast alles sagen kann, was Brian Michael Bendis geschrieben hat. Es ist auch eines DER X-Men-Events. Leider gefällt mir mein Text dazu im Rückblick nicht ganz so gut. Zwar habe ich viel darüber geschrieben, aber hauptsächlich erzähle ich die Story nach; manchmal ordne ich etwas ein. Ich hätte mir gewünscht, mich intensiver mit dem Event auseinandergesetzt zu haben. Eben das zu machen, worum es im Projektstudium (meiner Ansicht nach) geht: Analysieren und aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive darauf blicken.
Doch ich bin zu sehr ins Schreiben einer Rezension abgedriftet. Ich hätte mir gewünscht, mehr erklärt zu haben. Warum ist diese letzte Szene, die ich in diesem ersten Teil des Textes anspreche, so bedeutsam? Wenn man sich mit Comics noch nie beschäftigt hat oder Spider-Mans Geschichte nicht kennt, sagt das einem nichts. Das hätte man bei House of M vielfach machen können. Auf die einzelnen Charaktere eingehen, ihre Geschichte. Es wäre ein umfassendes Projekt an sich geworden, aber sicherlich ein spannendes Unterfangen geworden. Natürlich hat Zeit eine Rolle gespielt. »Everything X-Men« war ein Mammutprojekt und es alleine zu machen, doch etwas viel. Trotzdem mag ich es gerne, auf meine alten Texte zurückzublicken. Ich kann mir daraus etwas für die Zukunft mitnehmen.
Als Letztes sind erschienen:
- Comic Book Authority
- Thomas & Adams (Teil 1, Teil 2)
- Was ist ein Mutant (Teil 1, Teil 2)
- X-Men First Class v1 (2007)
- Comic-Epochen (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)
- Avengers Disassembled (Teil 1, Teil 2)
Einleitung
Als 2005 die erste Ausgabe dieses Events »House of M« in den Handel kam, hatten Events noch eine Bedeutung. Zumindest glaube ich das. Jedenfalls mehr als heute. Es scheint, als hätte Marvel in den vergangenen Jahren nichts anderes getan, als ein Event nach dem anderen zu veröffentlichen. Und jedes einzelne davon sollte das Marvel-Universum für immer verändern. Um ehrlich zu sein, mag ich Events – solange sie in sich geschlossen sind, also nicht monatelang jede einzelne Reihe in Anspruch nehmen. Und vor allem: Wenn sie Konsequenzen haben. Erinnert sich noch jemand an Battleworld? Ist das aktuell? Ich habe den Überblick verloren und dieses spezielle Event nicht gelesen. Aber wir werden in einem anderen Artikel über Comic-Events sprechen. Jetzt wollen wir uns auf »House of M« konzentrieren.
Was ist House of M? Wie wir in unserer letzten ausführlichen Rezension besprochen haben, hat Wanda die Fähigkeit, die Realität zu verändern. Diese Fähigkeit wird auch als Chaosmagie bezeichnet. Einen Vorgeschmack darauf lieferte bereits »Avengers Disassembled«. Magneto hat sie am Ende der Geschichte mitgenommen. Doch nun wollen die Avengers und die X-Men über ihr Schicksal entscheiden. Aber erneut kommt ihnen Wanda zuvor und sie rettet sich selbst. Indem sie die Welt neu erschafft.
Die Realität, die Wanda geschaffen hat, ist anders. Wir kennen sie nicht. Ich halte es für gut, dass es neben dem Hauptereignis mehrere limitierte Serien, One-Shots und Tie-Ins gibt. Ja, ich weiß, dass dies im Widerspruch zu dem steht, was ich zuvor gesagt habe, aber wenn man eine ganz neue Welt erschafft, muss man sie auch verstehen können. Laut Marvel Unlimited umfasst die gesamte Handlung 51 Ausgaben. Die Haupthandlung besteht aus acht Ausgaben. Ich konzentriere mich hier auf die Haupthandlung. Ich habe einige der anderen Comics gelesen und sie bei Bedarf erwähnen.
Road to Nowhere
Die Cover der Hauptstory sind wunderschön. Auf den ersten Blick wirken sie schlicht, nur die groben Umrisse der Figuren, aber je genauer man hinsieht, desto mehr Details entdeckt man. Mein Favorit ist Ausgabe Nr. 4. Es ist faszinierend, Hawkeye auf dem Cover zu sehen, obwohl er in »Avengers Disassembled« gestorben ist. Hier schießt er einen Pfeil nach dem anderen auf Wolverine ab, während dieser am Boden liegt.
Die erste Ausgabe beginnt mit einem Traum, einer Welt, in der Wanda leben möchte. Ihr Bruder Quicksilver alias Pietro Maximoff, ihr Ehemann The Vision und ihre X-Men-Kolleg*innen an ihrer Seite. Sie bringt ihre Kinder zur Welt. Es ist ein glücklicher Moment, und man kann verstehen, dass sie in diesem Traum leben möchte. Sich so fest wie möglich daran klammern. Aber dann spricht Xavier mit ihr. Er sagt ihr, dass dies eine Lüge ist. Sie hat keine Kinder. Dies ist kein glücklicher Ort. Dies ist Genosha. Erik, Charles und Wanda haben diesen Ort als ihren Zufluchtsort gewählt. Um sich vor der Welt zu verstecken und zu versuchen, Wanda zu heilen. Aber will sie überhaupt geheilt werden? Sie ist eine der mächtigsten Mutanten und Magierinnen im Universum. Ich frage mich, ob sie sich dessen bewusst ist oder einfach nur ihrer Fantasie folgt.
Während Erik und Charles über Wanda sprechen, sehen wir Erik ohne sein Magneto-Outfit. Das ist vielleicht das erste Mal seit Beginn unserer Reise. Es unterstreicht die Bedeutung des Gesprächs. In diesem Moment ist er nicht Magneto oder ein Bösewicht. Er ist ein Vater, der sich um das Leben seiner Tochter sorgt. Er macht sich selbst verantwortlich für das, was ihr widerfahren ist. Außerdem: Der Kampf gegen die Menschheit, die Kämpfe gegen die X-Men, die Avengers und andere haben ihn sehr mitgenommen. Er sieht müde aus. Sogar erschöpft.
Springen wir zum neuen Hauptquartier der Avengers. Nachdem sich das Team aufgelöst hat, hat Cap ein neues gebildet: Spider-Man, Spider-Woman, Captain America, Wolverine und Luke Cage sind die New Avengers und hatten bereits ihre ersten Missionen, als Charles Xavier sie zusammenruft. Einige X-Men und ehemalige Mitglieder der Avengers sind ebenfalls anwesend. Er hat sie zusammengerufen, weil er Hilfe bei einer Entscheidung braucht: Soll er Wanda Maximoff töten, oder nicht?
Erik, der mit Wanda auf Genosha geblieben ist, führt das gleiche Gespräch mit seinem Sohn Pietro. Überraschenderweise stimmt er ihm zu. Sie zu töten könnte die einzige Lösung sein, um sie aufzuhalten. Emma Frost (die genauso aussieht wie in der »Astonishing X-Men«-Reihe) ist diejenige, die dafür plädiert, Wanda zu töten. Wolverine stimmt ihr zu und fragt Cap, wie viele noch sterben müssen, bis sie ihr ein Ende setzen.
Es ist eine Diskussion, die so alt ist wie Comics selbst. Sollten Helden Bösewichte töten, wenn diese immer wieder zurückkommen oder eine große Bedrohung für die gesamte Bevölkerung darstellen? Sollte Batman den Joker töten? Wann sind genug Menschen gestorben, um einen weiteren vorsätzlichen Tod zu rechtfertigen? Die Diskussion in Tony Starks Wohnung ist eine der intensivsten Auseinandersetzungen, die ich je in Superhelden-Comics gelesen habe. Nicht nur wegen des exzellenten Textes, sondern auch wegen der Illustrationen. Es ist ein umfangreiches Thema. Einige der Panels scheinen zu klein für das zu sein, was darin dargestellt wird. Dieser Stil schafft eine dichte Atmosphäre. Man könnte schon fast klaustrophobisch werden.
Cap betrachtet Wanda als eine Avenger, daher sollte es ihre Entscheidung sein, und außer Wolverine sind alle gegen ihre Tötung. Die Art und Weise, wie Cap Wolverine zurechtweist, ist einer der besten Momente der Reihe. Es wird mit Schatten gespielt und klargemacht: mit Cap legt man sich besser nicht an. Am Ende beschließen sie, sie auf Genosha zu besuchen. So können sie sie sehen und sich ein besseres Bild von der Situation machen.
Sprung nach Genosha: Wir erleben die folgende Szene aus Spider-Mans Sicht. Wanda ist weg, ebenso wie Erik. Auch die anderen sind plötzlich verschwunden. Niemand ist da. Er ist allein. Er sieht das Licht. Die Welt wird weiß. Und er wacht in seinem Bett auf. In einem anderen Zimmer weint ein Baby. Peter steht auf und kümmert sich um sie, während Gwen Stacy, seine Frau, im Bett bleibt.