Everything X-Men | Comic Book Events (2/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Genauer gesagt einen Text, den ich im Rahmen des sogenannten Projektstudiums für mein Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In diesem Projekt habe ich mich eingehend mit den X-Men-Comics beschäftigt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute auf Deutsch präsentieren. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht (inklusive der Zitate) und den Text anschließend redigiert.

Heute geht es mit dem zweiten und letzten Teil des Textes zu Comic-Book-Events weiter. Vergangene Woche ging es noch um die Geschichte von Events und um ein paar Beispiele. Dieses Mal gibt es eine Aufzählung, was meiner Meinung nach und nach Recherchen zu urteilen ein gutes Event ausmacht. Selbst heute, fast 10 Jahre später, finde ich es eine passende Liste.


Als Letztes sind erschienen:


Was braucht ein gutes Event?

Die folgende Liste erhebt keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit. Noch muss jedes Event jeden Punkt erfüllen. Denn jede Geschichte ist anders, hat andere Voraussetzungen. Doch die Erfüllung zumindest einiger dieser Punkte ist ein guter Grundstein.

  • So klein wie möglich, aber so groß wie notwendig
    Das ist meine persönliche Regel Nr. 1 in Bezug auf Events. Egal, wie schlecht oder gut ein Event sein mag. Macht es nicht zu aufgebläht und bezieht nicht zu viele andere Titel mit ein. Pausiert sie von mir aus für die Dauer des Events. Marvel hat diese Regel mit »Secret Wars« und »Civil War« vor ein paar Monaten definitiv gebrochen.
    Ich nutze Marvel Unlimited, um die X-Men-Titel für diese Textreihe zu lesen, und ich schaue mir gerne jede Woche die Neuzugänge an. Ich habe das Gefühl, dass seit Monaten fast alle neuen Titel etwas mit den oben genannten Events zu tun hatten. Das war frustrierend. Warum sollte ich einen dieser Titel lesen, wenn sie scheinbar etwas mit einem Event zu tun haben, das mich nicht interessiert? Ein anschauliches Beispiel ist etwa »Convergence« von DC von vor ein paar Jahren. Zwei Monate lang beherrschte dieses Event DC Comics. Danach war es vorbei damit. Ob es gut war oder nicht, spielt hier keine Rolle. Es geht mir nur darum, dass es in sich geschlossen war. Die Existenz dieses Events verdanken wir dem Umzug der Büros von DC von einer Küstenseite der USA zur anderen, aber das ist eine andere Geschichte.
  • Haltet es einfach und simpel
    Damit meine ich die allgemeine Herangehensweise an die Geschichte selbst. Es kann eine komplexe, weltbewegende Geschichte sein oder etwas sehr Intimes, das ist mir grundsätzlich egal. Wenn jemand das Ereignis jedoch Jahre später liest und keine 25-jährige Beziehung zu den Figuren hat, sollte er oder sie dennoch in der Lage sein, die Prämisse und die Konsequenzen zu verstehen. »House of M« ist ein gutes Beispiel dafür. Ich habe vorher keine Avengers-Comics gelesen und erst vor Kurzem mit den X-Men angefangen, aber die emotionale Tiefe der Geschichte war trotzdem da. »Annihilation« von Marvel ist ebenfalls ein verständliches Beispiel. Es ist eine großartige, limitierte Serie mit spannenden Charakteren. Obwohl sie kosmisch ist und so groß wie ein Event nur sein kann, fiebert man mit den Kämpfen und den Charakteren mit.
  • Liefertermine einhalten
    Marvel hat einige der Liefertermine früherer Events um Monate verpasst. Das ist ein absolutes No-Go. Natürlich können Künstler*innen krank werden oder andere Dinge dazwischenkommen, aber wenn man keinen Puffer hat, ist das selbst verschuldet. Nehmen wir das Event »52« von DC. Es war ein einjähriges Event mit wöchentlich neuen Ausgaben. Das sind 52 Ausgaben! Und sie haben keine einzige Woche verpasst. Das ist großartig. Andererseits ist der Veröffentlichungsplan von »Doomsday Clock« eine Katastrophe, und ich habe das Gefühl, dass dieses Event erst vorbei sein wird, wenn ich in Rente gehe.
  • Bitte macht keine Andeutungen wie: „WIRD DIESES EVENT DAS UNIVERSUM FÜR IMMER VERÄNDERN?“.
    Manchmal hat man das Gefühl, dass Marvel und DC die Bedeutung des Wortes „für immer“ nicht kennen. Es bedeutet nicht, dass es zwei Monate anders ist, bevor man wieder zum alten Status quo zurückkehrt. Was mich an dem Event »Crisis on Infinite Earths« am meisten fasziniert hat, war die Tatsache, dass fast jede Rezension etwas in der Art schrieb: Die Auswirkungen des Events waren lang anhaltend oder sind bis heute spürbar. Das ist die richtige Verwendung von „für immer“.
    Sehen wir uns Marvels »Battleworld« an. Ich lese regelmäßig Rezensionen und höre Podcasts, aber ich könnte nicht sagen, was mit »Battleworld« passiert ist. Mit einer neuen Erde, die von Doom neu erschaffen wurde, dachte ich, dass dies der neue Status quo sein sollte oder zumindest für ein paar Monate bestehen bleiben oder vielleicht ein neues Event auslösen würde. Was ist passiert? Ich habe keine Ahnung.
  • Den Charakteren treu bleiben
    Den Charakteren und ihrer grundlegenden Motivation sollte man treu bleiben. Warum tun sie, was sie tun? Wenn ein Charakter wie Captain America einem Gegner gegenübersteht, den er nicht besiegen kann (was er ohne zu zögern tun würde, nur damit sich seine Freunde in der Zwischenzeit etwas anderes ausdenken oder sich ein Zivilist retten kann), dann lässt man dies zu. Vielleicht lässt man ihn sogar einen heldenhaften Tod sterben. Anscheinend sind »Green Lantern: Sinestro Corps War« und »Infinity Gauntlet« großartige Beispiele dafür.
    Die Sache ist die: Wenn die Geschichte eines Helden erzählt werden soll, der auf die schiefe Bahn gerät, dann bleibt man dabei. Man sollte die Geschichte nicht mittendrin aufgeben und es sich anders überlegen. Hierzu dient Marvels »Shadowland« als Beispiel. Der Hauptcharakter der Geschichte sollte zu einer Art Bösewicht werden. Es gab Gründe für sein Handeln, es war glaubwürdig und nachvollziehbar. Aber in letzter Minute entschied man sich für eine andere Lösung und tat so, als sei er besessen gewesen. Warum? Nur, damit die Figur leichter wieder rehabilitiert werden kann?
  • Die Vergangenheit verändern
    „Retconning ist in der Tat die wichtigste Methode, mit der Comic-Autor*innen die von Eco aufgezeigten ‚traumhaften‘ Probleme des seriellen Erzählens bekämpfen können, da es ihnen ermöglicht, die Vergangenheit der Figuren so umzuschreiben, dass sie dem Tod entkommen, dem sie durch jede Handlung unweigerlich entgegengehen. Retconning ist eine Überarbeitung des Comic-Universums, um dieses Universum für zeitgenössische Leser*innen frisch und spannend zu gestalten, aber es beinhaltet auch den Einfluss der Vergangenheit, da es sich direkt in diese Vergangenheit einschreibt“ (Friedenthal, 2011).
    Es kann eine Herausforderung sein, immer wieder Geschichten von besonderer Bedeutung zu erzählen. Wenn es also im Moment keine originellen Ideen gibt, sollte ein Event nicht erzwungen werden, nur um ein bisschen mehr Geld zu verdienen. Ein Event muss auf verschiedenen Ebenen funktionieren und sich für die Leser*innen auszahlen. Denn einerseits muss man gewillt sein, in diese Geschichte zu investieren – nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich. Andererseits muss man das Vertrauen der Leser*innen am Ende belohnen. Es ist sicherlich nicht leicht, eine Balance zu halten, sodass ein Event für langjährige Fans und frische Leser*innen funktioniert. Um Stan Lee zu paraphrasieren: Jedes Event kann von einem Leser oder einer Leser*in das erste sein. Sie verdienen das Beste. Denn sollte das Vertrauen weg sein, ist es sehr schwer, es sich wieder zu verdienen.

Oft denke ich: Erzählt einfach großartige Geschichten. Events sind nicht alles. Erzählt coole, abenteuerliche, intime, spannende Geschichten über die Charaktere, die wir lieben. Erschafft neue, führt unerwartete Team-ups herbei. Wenn man möchte, kann man im Hintergrund Andeutungen zu einem größeren Ganzen machen, so wie es seit Jahren bereits der Fall ist. Der Fokus sollte aber auf den monatlichen Geschichten liegen. Diese sind es, die eine Beziehung zwischen Schöpfer*in und Leser*in schaffen. Events sind der Bonus, der langjährige Treue belohnt.

Quellen:

  • ign.com | The best comic book events
  • ign.com | The worst comic book events
  • ign.com | Crisis on infinite earths the absolute edition review
  • mtv.com | The 11 biggest comic book events ever
  • english.ufl.edu | Archive | Volume 6 | Issue 2 | Monitoring the Past: DC Comics’ Crisis on Infinite Earths and the Narrativization of Comic Book History by Andrew J. Friedenthal