Vielleicht kennt das ja jemand, diesen Alltagstrott – oder ich bin allein damit, aber ich behaupte einfach mal, dass das nicht der Fall ist. Mit Alltagstrott meine ich, dass die Tage an einem vorbeiziehen, ohne dass sich dabei ein Gefühl der Erfüllung einstellt. Eine monotone Abfolge verschiedener Handlungen, die gemacht werden müssen, sei es in der Arbeit, zu Hause oder wo auch immer. Und abends sitzt man auf der Couch, schaut irgendwas an, was eben gerade läuft, oder klickt zu viele YouTube-Videos an, die einen eigentlich nicht interessieren, aber irgendwie doch spannend klingen, nur um am Ende mit einem „Mäh“-Gefühl dazusitzen und es ist schon wieder halb elf, also viel zu spät, weil eigentlich wollte man doch früher ins Bett. Oder so ähnlich zumindest.
Diesen Trott hatte ich Ende März. Also habe ich mich hingesetzt und das gemacht, was mir immer hilft: Schreiben. Ich habe mein Journal zur Hand genommen und mir drei Fragen gestellt, die es einfach machen, etwas zu Papier zu bringen: Was lief heute gut? Was lief heute schlecht? Und: Wie ordnet sich dieser Tag ins größere Ganze ein? Die Reflexion über den Tag und die vergangenen Tage fiel positiver aus, als ich es im Gefühl hatte. Manchmal lässt man sich zu sehr vom Jammern der anderen oder von Kleinigkeiten runterziehen. Natürlich spielt die aktuell eher mittelmäßige Weltlage ebenfalls eine Rolle. In so einem Fall hilft es mir, den Fokus etwas enger zu ziehen. Sich auf sich selbst und die unmittelbare Umgebung zu konzentrieren. Am Ende sieht man die Welt etwas klarer und sieht Dinge eventuell positiver, als sie anfangs schienen. Um diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und meiner Wirklichkeit zu verinnerlichen, sie zu realisieren, hilft es ungemein, sie auf einem Blatt Papier geschrieben zu sehen.
Nach dieser Rückschau und neuen Einordnung des Geschehenen habe ich mir ein paar Punkte notiert, die ich in den letzten Tagen des März beachten oder erledigen möchte. Eine solche Liste beginne ich gerne mit den einfachen Dingen. Zum Beispiel die Wohnung putzen. Das macht man hoffentlich ohnehin regelmäßig, von daher würde ich es sowieso in den nächsten Tagen erledigt haben. Ein weiterer Punkt war, zu meiner gewünschten Zeit wirklich ins Bett zu gehen und nicht erst eine Stunde später. Oder täglich einen Text zu schreiben. Beides Dinge, die ich meistens mache, aber die gerne auch vernachlässigt werden. Ich hatte mir zu dem Zeitpunkt gerade ein neues Buch gekauft (»Die Wirklichkeit ist auch nicht wahr« von Florian Aigner), also war ebenfalls auf der Liste: jeden Tag ein Kapitel zu lesen. Ich bin alles durchgegangen, was ich vor mir hergeschoben hatte, und am Ende stand eine ordentliche Liste auf dem Blatt Papier. Vielleicht würde ich nicht alles schaffen oder zu allem kommen, aber ich setze mir lieber mehr und etwas höhere Ziele. Ich betrachte es nicht als gescheitert, sollte ich nicht alles abhaken können; cool wäre es allerdings schon. Mich spornt so etwas an.
Allein diese Liste vor Augen zu haben und meine Gedankenwelt nicht nur sortiert, sondern neu eingeordnet zu haben, hat mir ungemein geholfen. Zuerst sollte man stets reflektieren, wo man sich befindet. Erst dann kann man ableiten, was man zeitnah erreichen oder erledigen möchte. Bei der Bullet-Journal-Methode gibt es eine Handlung, die sich »weekly reflection« nennt. Man setzt sich am Ende der Woche hin und lässt die Woche Revue passieren. Das werde ich wieder regelmäßig machen. Denn in den vergangenen Wochen und Monaten habe ich das zu sehr vernachlässigt. Es ist aber ein nützliches Tool. Mir haben die oben genannten Schritte sehr geholfen. Jedoch gilt wie immer bei solchen Dingen: Jeder und jede muss für sich herausfinden, was funktioniert, was man braucht und was man machen oder erreichen möchte.