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MCU Rewatch | Rückblick

Für das zweite Jahr des Blogs wollte ich etwas Besonderes machen. Freund D. hat mich tatsächlich darauf gebracht, dass ein Rewatch des MCU ganz nett wäre. Erst wollte ich das nur für mich machen, aber dann kam mir die Idee einer Textreihe dazu. Jede Woche ein Film. Bei 34 MCU-Filmen (bis einschließlich »Brave New World«) ist das Jahr gut gefüllt. Aber wie es bei vielen Projekten ist, wuchs auch dieses immer weiter an. So habe ich am Ende 61 Filme besprochen: 34 Filme aus dem MCU, 7 Spider-Man-Filme von Sony, 15 X-Men-Filme von Fox, 2 Fantastic-Four-Filme und die Blade-Trilogie.

Es hat mir wirklich große Freude bereitet, dieses riesige Marvel-Film-Universum durchzugehen und genauer unter die Lupe zu nehmen. Es hat Phasen gegeben, besonders am Anfang, in denen ich viele Filme auf einmal geschaut habe. Dann kamen ein paar Wochen Pause, bevor ich mich den nächsten Filmen zuwandte. Durch den Rewatch lernte ich auch wieder viel über die Filme, da ich mir durchaus auch Hintergründe dazu angesehen habe. Manche lernte ich neu lieben oder sah sie überhaupt zum ersten Mal. Manchmal, eigentlich sehr oft, stehen die lauten Stimmen des Internets dem Vergnügen im Weg, etwas einfach nur genießen zu können. Deshalb war ich sehr froh, all diesen Filmen noch einmal eine Chance gegeben zu haben. Nicht alle haben diese Chance verdient (die FF-Filme oder »The Marvels« kommen mir da beispielsweise in den Sinn), aber ich bin trotzdem zufrieden, nun diesen Gesamtüberblick zu haben.

Die letzten Filme des MCU-Rewatch habe ich bereits vor einigen Wochen geschaut. Seitdem überlege ich, was ich als Nächstes machen könnte. Zwischenzeitlich sind mir die BluRays von »Supernatural« und »Charmed« untergekommen. Aber Serien in diesem Detail zu besprechen, ist etwas anderes. Es ist nicht die gleiche Leidenschaft dabei wie bei den MCU-Filmen. Auch wenn ich beide Serien sehr schätze, ist eine wöchentliche Besprechung dann doch zu viel. Ein paar Folgen habe ich besprochen, aber den Rest werde ich für mich alleine genießen. Die Bond-Filme würden mich tatsächlich reizen. Mal sehen. Es wird sich mit Sicherheit etwas finden.

Erst einmal genieße ich es, das Projekt »MCU-Rewatch« abgeschlossen zu haben. Es wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich diese Filme sehe, aber in dieser Ausführlichkeit werde ich sie so schnell nicht mehr besprechen. Ich will mich ja nicht wiederholen. Hier die vollständige Liste an Filmen, die ich besprochen habe:

MCU (Marvel Cinematic Universe)

Spider-Man (Sony)

X-Men (Fox)

Fantastic Four (Fox)

Blade (New Line Cinema)

MCU Intermission | Blade

Was wäre ein ausufernder Rewatch des MCU ohne Blade? Vor den X-Men, vor dem MCU, vor dem DCEU, da war Blade. Der laut Wikipedia erste erfolgreiche Marvel-Film. Und das auch noch mit einem R-Rating (also ab 18) und mit einem Schwarzen Hauptcharakter. Wesley Snipes ist Blade und das seit 30 Jahren. Ob wir je einen Blade-Film mit Mahershala Ali sehen? Wer weiß. Ich hätte gerne einen mit Wesley Snipes oder beiden, wo quasi das Zepter an den nächsten weitergegeben wird. Doch erst einmal sehen wir uns die originale Trilogie an.

» There’s been only one Blade! There’s only ever gonna be one Blade!« – Blade (Deadpool & Wolverine)

Blade

Wenn der Film noch mehr Coolness ausstrahlen würde, wäre wahrscheinlich mein Fernseher explodiert. Die für die 90er Jahre typischen Lederoutfits müssen natürlich sein, wie würde man sonst die Vampire erkennen. Blade trägt natürlich stets eine Sonnenbrille, hält seine Posen immer etwas zu lang, aber sieht dafür verdammt cool dabei aus. Die Schatten und Kontraste sind hart gewählt, genauso wie die Gewalt alles andere als zurückhaltend ist. Die Kämpfe sind stylish gemacht, etwas over-the-top, aber machen äußerst viel Spaß. Blade kann man sich auch heute noch ansehen und verbringt damit zwei außerordentlich gute Stunden.

Die Story ist einfach, aber mehr braucht es nicht. Ein junger, aufmüpfiger, durch einen Biss zum Vampir gewordener Kerl stürzt das seit Jahrhunderten bestehende Konzil, um einen Blutgott auferstehen zu lassen. Blade will das verhindern. Wie dem jungen Kerl namens Deacon Frost (Stephen Dorff) es so einfach gelingt, die alten Vampire des Konzils auf seine Seite zu ziehen und sie seinem Willen zu unterwerfen? Keine Ahnung, egal. Weiter mit der Story. Blade und Whistler (Kris Kristofferson) haben genug damit zu tun, ihnen Herr zu werden. Außerdem müssen sie sich um Karen (N’Bushe Wright) kümmern, die Gebissen wurde und verhindern möchte, dass sie zum Vampir wird. Ein tolles Trio, das sich gut ergänzt.

Blade ist Kult. Blade ist brutal. Blade ist Wesley Snipes.

Blade II

Regie: Guillermo del Toro. Autor: David S. Goyer. Musik: Marco Beltrami (u.a. Hellboy, The Wolverine, Logan). Mit Wesley Snipes, Kris Kristofferson, Ron Perlman und Norman Reedus. Muss man noch mehr sagen?

Nachdem ich nun Blade II gesehen habe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob es nicht überhaupt das erste Mal war, dass ich in den Genuss dieses Films kam. Ich konnte mich überhaupt nicht an die Geschichte erinnern. Deshalb war ich umso positiver überrascht. Der Film kam 2002 in die Kinos und man sieht ihm deutlich die Einflüsse von The Matrix an. Die Kampfszenen versuchen verzweifelt, den Sci-Fi-Klassiker zu imitieren, scheitern allerdings. Die schnellen Schnitte, die coole Musik, die Outfits und natürlich die schiere Coolness von Wesley Snipes und Co. tragen allerdings dazu bei, dass es ein sehr kurzweiliger, unterhaltsamer Ritt ist.

Ich mag die Idee, dass sich das Virus des Vampirismus (eine Theorie, die im ersten Teil etabliert wurde) weiterentwickelt und versucht, die Schwächen auszumerzen. Wenn dann noch das Züchten von fast unbesiegbaren Vampiren 2.0 dazukommt, hat man alles, was eine unterhaltsame Blade-Geschichte braucht. Allerdings sind mir weiterhin die alten Vampire (von denen es hier leider nur einen gibt) weiterhin zu schwach. Es scheint mir unglaubwürdig, dass sich dieser Typ so lange an der Spitze hat halten können.

Ich mag auch den Einstieg in den Film. Mit einem dramatischen Voice-over und Rückblenden auf den ersten Film wird darauf verwiesen, dass Whistler überlebt hat und von den Vampiren am Leben gehalten wird. Er wurde vielleicht sogar selbst zu dem, was sie Jahrzehntelang gejagt haben. Nichts kann Blade in seiner Mission aufhalten, seinen alten Freund und Gefährten zu retten. Man fragt sich gespannt, ob sich der ganze Film darum drehen wird. Wo führt uns diese Reise überallhin? Fünf Minuten später ist das erledigt. Whistler ist gefunden und schließt sich Blade an. Weiter geht es mit der eigentlichen Hauptstory. Großartig.

Blade Trinity

Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich den dritten Teil damals sogar im Kino gesehen. Seitdem wahrscheinlich nicht mehr. Er ist sehr viel besser, als ich es erwartet hatte. Eine Version von Dracula als Gegner ist eine coole Idee und ihn so in der Mythologie zu verankern ebenso. Dominic Purcell hat eine tolle Bildschirmpräsenz und verkörpert den ersten Vampir mit der notwendigen Gleichgültigkeit, mit einem Hauch Übermütigkeit. Das Design seiner verwandelten Form könnte man durchaus als zeitlos bezeichnen. Besonders das Praktische am Make-up sorgt dafür, dass es heute, über 20 Jahre später, noch beeindruckend aussieht.

Blade redet hier wahrscheinlich so viel wie in den letzten beiden Filmen zusammen nicht. Das liegt hauptsächlich an seinen beiden Sidekicks: Abigail Whistler (Jessica Biel) und Hannibal King (Ryan Reynolds). King hätte ich nicht unbedingt im Film gebraucht, vor allem weil er heute zu sehr an Deadpool erinnert und seine Sprüche manchmal überhandnehmen. Das wirkt sich negativ auf die Ernsthaftigkeit mancher Szenen aus. Blade nimmt sich selbst als Charakter sehr ernst, das macht King etwas zunichte. Der Witz in den anderen Filmen war da subtiler. Aber das Team ist im Allgemeinen gut zusammengestellt. Schade, dass eher wenige davon überleben.

Grundsätzlich ist Blade Trinity eine gekonnte Fortsetzung und schließt die Reihe schön ab. Auch wenn ich auf so manche Dialogzeilen und Kameraeinstellungen hätte verzichten können. Da sind nicht alle gut gealtert. Das offene Ende für Blade lässt Interpretation für mehr offen. Ich würde gerne Wesley Snipes noch einmal in seiner wohl ikonischsten Rolle sehen. Mal sehen, welche Pläne Disney für den Charakter Blade hat.

MCU Rewatch | Thunderbolts*

Wer hätte das gedacht? Ein Film über die Thunderbolts. Oder zumindest eine Version davon. Ich bin mit der Comic-Geschichte dieses Teams nicht im Detail vertraut. Im Film besteht das Team jedenfalls aus folgenden Mitgliedern: Yelena Belova (Florence Pugh), John Walker (Wyatt Russell), Bucky Barnes (Sebastian Stan), Alexei Shostakov (David Harbour) und Ava Starr (Hannah John-Kamen). Nicht zu vergessen Bob (Lewis Pullman). Und für kurze Zeit Antonia Dreykov (Olga Kurylenko). Kann das funktionieren?

Erstaunlicherweise ist die Antwort auf diese Frage: Ja. Und zwar überraschend gut sogar. Ich hatte nicht wirklich Erwartungen an den Film. Yelena und Bucky sind zwei großartige Charaktere, die ich gerne im MCU sehe. Von den anderen hat man bisher nicht viel mitbekommen. Außer von Red Guardian, von dem man zu viel mitbekommen hat. Meine Befürchtung, dass er zu dominant, nervig und unlustig sein würde, hat sich jedoch nicht bestätigt. Alle Charaktere machen eine tolle Figur und werden hier noch einmal mehr ausgebaut. Natürlich bleiben manche im Hintergrund, aber diese ungewöhnliche Zusammenstellung funktioniert.

Die Rückkehr von Julia Louis-Dreyfus als Valentina Allegra de Fontaine passt ebenso gut zum Film wie ihre Assistentin Mel, gespielt von Geraldine Viswanathan. Louis-Dreyfus gelingt es stets, eine unterschwellige Boshaftigkeit auszustrahlen, von der man nie weiß, in welche Richtung diese sich entladen wird. Sie spielt de Fontaine sehr ruhig, aber dennoch wirkt sie bedrohlich. Eine tolle Gegenspielerin und Louis-Dreyfus hat sichtlich Freude an der Rolle. Ich bin gespannt, wann wir sie wiedersehen.

Ich will ehrlich gesagt gar nicht allzu viel mehr über den Inhalt des Films verraten. Ich würde sogar davon abraten, einen Trailer zu schauen oder sich sonst irgendwie mit dem Film zu beschäftigen, bevor man ihn sich ansieht. Es hat mir wirklich große Freude bereitet, komplett unvoreingenommen und ohne Vorwissen den Film anzuschauen. Ich habe ihn mir einfach auf Apple TV+ ausgeliehen und angeschaut. Und je länger der Film lief, desto mehr wurde ich in die fesselnde Geschichte hineingezogen. Ich bin überrascht, wie mühelos es Thunderbolts* gelingt, dass mir die Charaktere am Herzen liegen. Die Dialoge sind on-point geschrieben. Witzige Sprüche sind tatsächlich komisch und nicht übertrieben. Es gibt sogar herzerweichende, gefühlvolle Momente, die mir fast eine Träne abgerungen hätten.

Ich weiß nicht, was bei Marvel passiert ist. Nach den ganzen katastrophalen Filmen, die seit Endgame herausgekommen sind, ist Thunderbolts* einer der seltenen Lichtblicke. In der Post-Endgame-Ära würde ich ihn sogar auf dem zweiten Platz einordnen, gleich hinter dem dritten Teil von »Guardians of the Galaxy«. Schaut Thunderbolts*, ihr werdet es nicht bereuen. Ich kann es selbst kaum glauben, diese Zeilen zu schreiben. Der Film ist großartig. Ich hoffe, es geht bei den nächsten Filmen in dieser Qualität weiter.

MCU Rewatch | Captain America: Brave New World

Die fünfte Phase des MCU ist – gemischt. Um es positiv auszudrücken. Ich bin froh, dass ich mit meinem Rewatch Anfang April fertig war und die Texte soweit vorbereitet hatte. Seitdem erscheint jeden Samstag ein Text dazu. So konnte ich etwas Abstand gewinnen. Nun war es also an der Zeit, mich den neueren Einträgen des Marvel Cinematic Universe zu widmen.

»Captain America: Brave New World« verlangt von seinen Zuschauer*innen, dass man sich nicht nur mit den Filmen des MCU auseinandersetzt. Im Idealfall schaut man noch die Serie »Falcon & the Winter Soldier«. Als die Serie vor ein paar Jahren erschien, habe ich sie mir angeschaut. Ich kann mich an kaum etwas erinnern. Spricht jetzt entweder gegen die Serie oder gegen mein Gedächtnis. Was auch immer es ist, mit einem Abstand von mehreren Monaten zu den anderen Filmen und mehreren Jahren zur Serie fühlte ich mich, als würde ich frisch in das Universum einsteigen. Ich konnte mich gut darauf einlassen. Was also bietet »Brave New World«?

Ich hätte gerne gesagt, dass Anthony Mackies Premiere als Captain America und erste Hauptrolle in einem MCU-Film der beste Film von Phase 5 ist. Stattdessen ist es enttäuschendes Mittelmaß. Die Geschichte an sich finde ich durchaus interessant und sie hätte Potential gehabt für mehr. Aber die Cinematographie und die CGI-Effekte reißen mich immer wieder aus dem Film. Genauso wie das Sounddesign nicht überzeugend ist. Und wenn ich während des Films über das Sounddesign nachdenke, dann läuft wirklich viel schief.

Aber von vorne: Der neue Präsident der USA, Thaddeus Ross (nach dem Tod von William Hurt hier porträtiert von Harrison Ford), ist verstrickt in so einige Machenschaften. Gefängnisse, von denen niemand weiß, Deals, die keiner kennt, verfeinert mit dem typischen Hauruck-Patriotismus, den man von Ross kennt. Feingefühl wie ein Panzer. Wie dieser Mann Präsident wurde, ist mir ein Rätsel. Nebenbei erledigt der neue Captain America ein paar Missionen für den Präsidenten. Aber diese tolle Freundschaft geht schnell den Bach runter und wir sind bei den alten, verhärteten Fronten angelangt. Jeder macht, was er will. Am Ende tun aber dann doch alle das Richtige und reiten glücklich in den Sonnenuntergang.

Was mir gefällt, sind die Rückgriffe auf »Incredible Hulk«. Es ist schön zu sehen, dass das MCU die Existenz dieses Films anerkennt. Genauso wird der Celestial im Meer angesprochen (wir erinnern uns an »Eternals« zurück). Warum der da rein muss? Keine Ahnung. Irgendjemandem im Autor*innenteam ist wohl eingefallen, dass da was Größeres im Meer liegt, und hat diesen mit der Brechstange in die Geschichte geschrieben. Nebenbei hat man Lunte gerochen und die Chance genutzt, mehrmals das Wort »Adamantium« unterzubringen. Fans erinnern sich dann an die Fox-X-Men-Filme und an Wolverine. Denken an Hugh Jackman und sind für ein paar Minuten abgelenkt und haben ein wohliges Gefühl im Bauch. Vielleicht soll das die X-Men sehr unsubtil ankündigen oder einfach nur ablenken. Ich bin mir nicht sicher. Es hätte aber sehr viel besser untergebracht werden können.

Wie kann ein Studio für einen fantastischen Spionage-Thriller à la »Winter Soldier« verantwortlich sein und sich gleichzeitig, ein paar Jahre später, an »Brave New World« die Zähne ausbeißen? Ich mag die Performances der Schauspieler*innen sehr gerne. Mackie ist Falcon/Captain America, Harrison Ford ist sowieso grandios und die neuen bzw. alten Ergänzungen sind klasse gewählt. Danny Ramirez hat eine tolle Chemie mit Mackie und ich hätte gerne mehr von den beiden als Team gesehen. Shira Haas ist einfach nur ein Badass und hat eine gewaltige Bildschirmpräsenz. Und dann natürlich noch Giancarlo Esposito als Handlanger des wahren Bösewichts. Ich verrate hier mal nicht mehr. Das ist ein Cast, der seinesgleichen sucht. Aber die Geschichte ist zu seltsam erzählt. Mal mäandert sie vor sich hin, dann geht wieder alles furchtbar schnell und politische Verhandlungen bzw. manche Charaktermotivationen und -einstellungen bleiben undurchsichtig.

Nicht so undurchsichtig ist leider das CGI. Ich weiß nicht, was beim Dreh oder der Postproduktion schiefgelaufen ist, aber manche Szenen sehen aus, als wären sie von Filmstudenten gedreht worden. Es gibt Szenen, in denen die Charaktere so viel Weichzeichner verpasst bekommen haben, als wäre es eine Traumsequenz. Deshalb fiel mir der Einstieg in den Film so schwer. Es sah surreal aus. Auf der anderen Seite wirken manche Einstellungen unscharf. Nicht zu sprechen von den Szenen, die im »Volume« gedreht wurden. Der wohl höllischsten Erfindung in Hollywood der letzten Jahre. Wenn dort gedreht wird, sieht es meistens einfach nur falsch aus. Die Beleuchtung funktioniert nicht mit dem Rest des Films. Fahrt mit den Schauspieler*innen doch einfach in einen Wald oder baut ein Set. Aber das »Volume« muss einfach verschwinden. Es hatte seinen Höhepunkt in »The Mandalorian«, wo es eingeführt wurde, aber seither ging es nur bergab.

Kommen wir zum Sounddesign. Was ich an »Winter Soldier« so mochte, war unter anderem das Sounddesign. Vor allem wenn Cap das Schild geworfen hat. Es hatte eine Wucht, die man gespürt und gehört hat. Wenn jemand damit getroffen wurde, tat es weh beim Zuschauen. Die Bahnen des Schilds waren, wenn auch übertrieben (wir sind immer noch in einer Comicverfilmung), nachvollziehbar. Doch diese Wucht und Präzision sucht man hier vergebens. Manchmal gelingt es, aber öfter oft verpufft ein Aufprall im Nichts. Genauso wie bei manchen Schlägen oder wenn jemand brachial zu Boden geworfen wird. Mir kommt es so vor, als würden manche Soundeffekte fehlen. Mir wurde in den vergangenen 17 Jahren MCU-Filme eingetrichtert, dass Schläge eine Wucht, einen Wumms hinter sich haben. Wenn das dann fehlt oder nicht so stattfindet, reißt es mich aus dem Film.

Ich mochte den Bösewicht auch nicht wirklich. Das alles war nur eine Ausrede, damit sie Harrison Ford in den Red Hulk verwandeln konnten. Ross ist doch immer ein aufbrausender Charakter gewesen. Das alles penibel zu planen und abzuschätzen, funktioniert für mich nicht.

Ich hätte den Film gerne gemocht. Aber je länger ich darüber nachdenke, und jetzt, wo ich diesen Text schreibe, fallen mir immer mehr Fehler auf. Inkompetenzen und Unzulänglichkeiten, die nicht hätten sein müssen. Daran ist auch »Black Widow« am Ende gescheitert. Marvel kann nicht einfach nur einen guten Spionage-Thriller machen. Es muss immer grandios und episch werden. Aber das spürt man in diesem Film nicht. Als in »Eternals« der Celestial angefangen hat, sich aus dem Meer zu erheben, war das ein gewaltiges Schauspiel. Die schiere Größe dieses Monstrums wurde gekonnt eingefangen. Wenn man denselben Celestial in »Brave New World« sieht, wirkt das bei weitem nicht so imposant. Dazu ist die Cinematographie hier leider nicht in der Lage. Sie scheitert schon an kleinen Szenen. Wie sollte sie einen Celestial einfangen können, den es gar nicht gibt?

Schade. Ich hätte es Anthony Mackie gewünscht, dass sein erster Filmauftritt als Captain America etwas Großartiges wird. Ich hoffe, sie geben ihm noch eine Chance. Mackie und Ramirez sind ein tolles Duo. Bitte mehr davon. Aber mit einer schlüssigen Story, einem angsteinflößenden Bösewicht, nachvollziehbaren Charakterentwicklungen und CGI-Effekten, die gut aussehen. Marvel scheitert wiederholt an ihrem eigenen Erfolg. Mal sehen, ob »Thunderbolts*« es besser hinbekommt.

MCU Rewatch | Deadpool & Wolverine

Ich mag den Film nicht. Es war nun das zweite Mal, dass ich mir diesen Film antue. Wenn ich schon einen Rewatch mache, dann richtig. Deshalb habe ich The Marvels und Deadpool & Wolverine auch an einem Tag geschaut. Wie ein Pflaster, muss man es in einem Rutsch machen. Nur dass der Rutsch in diesem Fall fast vier Stunden gedauert hat. Die Enttäuschung von The Marvels lässt sich kaum in Worte fassen. Dass das Drehbuch so durchging, wird mich wohl noch länger verfolgen. Bei Deadpool & Wolverine sieht es allerdings nicht viel anders aus.

Dieser Film wird nicht besser, wenn man sich zuvor die X-Men-Filme angesehen hat. Logan war das perfekte Ende einer unfassbaren Reise, eines perfekten Charakters. Natürlich waren nicht alle Filme stets mit der hohen Qualität gezeichnet, die sie verdient hätten, aber wirklich schlecht war keiner davon. Hugh Jackman hat das etwas geschafft, was nur Robert Downey Jr. mit Iron Man ebenfalls gelang. Sie haben jeweils einen Charakter über mehrere Filme gespielt, sich den Charakter zu eigen gemacht und ihm ein würdiges Ende gegeben. Dass Downey nun als Dr. Doom zurückkommt, finde ich einen durchaus cleveren Schachzug. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mit der Rückkehr von Wolverine ebenfalls so sorgfältig umgegangen wären.

Zum einen verstehe ich das »20th Century Fox«-Bashing nicht. Ein Witz, okay, aber es sind zu viele. Fox hat Superheldenfilme gemacht, da wagten wir noch nicht einmal von einem MCU zu träumen. Und sie haben Deadpool erst die Chance gegeben, zu etwas Großartigem zu werden. Das hat wiederum zu Logan geführt. Dass Deadpool nun in der ersten Szene buchstäblich auf dem Grab von Logan herumtanzt und seine Knochen als Waffen verwendet, finde ich nicht nur unpassend, es ist beschämend. Überhaupt ist der Einstieg in den Film alles andere als gut geschrieben. Es ist einfach nur Mittel zum Zweck, um von A nach B zu kommen.

Dass sich Wade und Vanessa trennen, ist alles andere als glaubhaft, vor allem nach dem, was sie in den letzten beiden Filmen durchgemacht haben. Warum trennen sie sich? Weil Wade nicht bei den Avengers aufgenommen wird. Eine völlig überflüssige Szene, die nichts macht, außer Mittel zum Zweck zu sein. Dann kommt auch noch die TVA ins Spiel. Ich hätte es sehr viel besser gefunden, wenn Deadpool am Anfang so etwas gesagt hätte wie »F*ck Marvel, wir ziehen unser eigenes Ding durch«. Mit Cables Zeitreise-McGuffin hätte er in die Vergangenheit reisen können und Wolverine als Unterstützung für etwas holen. Ich finde es schade, dass die tollen Charaktere, die in den letzten Filmen eingeführt wurden, nichts zu tun bekommen. Colossus, N.T.W. und ihre Freundin, Domino; Und wo zur Hölle sind Cable oder Russell?

Alles, was bisher aufgebaut wurde, wird fallengelassen, um ein paar mehr Witze über Fox zu machen. Es werden alte Charaktere hervorgeholt, die besser in Vergessenheit geraten (looking at you, sexist Torch), und welche verwendet, die ich lieber in einer richtigen X-Men-Version des MCU gesehen hätte. Dass Elektra, Blade, Gambit und Laura/X-23 auftauchen, finde ich durchaus großartig. Sie können so ihre ikonischen Charaktere aufleben lassen oder sie überhaupt zum ersten Mal spielen. Es hätte viel Potenzial gehabt, schöne Szenen zwischen Laura und Logan zu schreiben, davon gibt es aber nur Andeutungen.

Der Film hat durchaus seine Momente. Sei es der Kampf im Auto zwischen Wolverine und Deadpool oder die Szene am Lagerfeuer mit Logan und Laura. Ich fand auch ein paar der Gags ganz lustig. Doch es ist so viel falsch an der Geschichte und wie das Ganze aufgebaut wird. Gar nicht erst davon zu sprechen, dass Logan hauptsächlich neben Wade steht und dieser einfach nicht die Klappe halten kann. Logan bekommt den halben Film über weder etwas zu sagen noch wirklich etwas zu tun. Er ist hauptsächlich reaktiv. Natürlich ist es eine andere Version des Charakters, den wir die vergangenen Jahrzehnte gesehen haben, trotzdem sollte er nicht nur dastehen. Es fehlt der ernste Unterton in der Geschichte. Etwas, das die Vorgänger gut gemacht haben. Wenn man nichts mehr ernst nimmt, wieso soll ich mich um das Schicksal der Charaktere scheren?

Schön habe ich allerdings die Einspieler während der Credits gefunden. Making-of-Szenen aus der Entstehung der X-Men-Filme. Wenigstens das haben sie hinbekommen. Ich bin sehr gespannt, ob und wie wir diese Charaktere wiedersehen. Aber von einem Deadpool & Wolverine habe ich mir mehr erwartet. Eine verpasste Chance.

MCU Rewatch | The Marvels

Vor wenigen Minuten liefen die letzten Zeilen der Credits von The Marvels über meinen Fernseher. Es war das erste Mal, dass ich diesen Film gesehen habe. Es ist das letzte Mal, dass ich diesen Film gesehen habe. Ich habe ehrlich keine Ahnung, was gerade passiert ist. Wie beim sprichwörtlichen Autounfall kann man einfach nicht wegsehen. Ich weiß nicht, was die Handlung war. Ich kenne kaum welche von den Protagonist*innen. Es wird nichts wirklich erklärt. Aber von vorne.

Wir steigen ein, mit einem Bild einer toten Sonne, vielleicht. Schwer zu sagen, ohne Kontext. Dann sind wir auf einem Mond, ob es unser Mond ist oder irgendwo anders (er ist irgendwo anders), ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Eine Frau mit Ronans Hammer sucht einen Armreif, der ihr Kräfte gibt. Warum? Keine Ahnung. Wie sie heißt? Keine Ahnung. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr Name je fällt. Sie wirkt weder furchteinflößend, noch wird je so richtig ausgearbeitet, wer sie ist, was sie will, warum sie tut, was sie tut. Zawe Ashton mag eine tolle Schauspielerin sein, aber hier ist sie fehlbesetzt. Außerdem gibt ihr das Drehbuch nie wirklich was zu tun.

Dann kommt Kamala Khan. Sie ist in ihrem Kinderzimmer. Hat eine unfassbare Anzahl an Captain-Marvel-Zeug an ihrer Wand und zeichnet fiktive Comics über deren gemeinsame Abenteuer. Sie nennt sich sogar Ms. Marvel. Was ihre Kräfte sind? Wenn ich die Comics nicht gelesen hätte, wüsste ich es nicht. Es wird kaum erklärt. Ihre Familie (Vater, Mutter, Bruder) bleibt, glaube ich, namenlos? Außer dass sie sich Sorgen um Kamala machen, bekommen sie nichts zu tun. Nur, dass ihr Haus sinnlos zerstört wird. Was Kamala will, erfährt man ebenso wenig. Das Einzige, was ihr als Motivation gegeben wird, ist, dass sie Captain-Marvel-Fangirl ist. Das war’s.

Carol Danvers aka Captain Marvel, liegt in ihrer ersten Szene auf dem Bett. Sie hat ein Gerät auf dem Kopf, das ihr helfen soll, verlorene Erinnerungen hochzubringen. Wir bekommen Rückblenden zum ersten Film, sehen, was passiert ist. Sie bekommt eine Einführung. Warum nicht auch Kamala? Carol bekommt in dem Film noch am ehesten eine Story-Arc, wenn man es so benennen möchte. Sie hat wegen etwas ein schlechtes Gewissen und wird von den Kree als »the Annihilator« bezeichnet. Eine Referenz auf die Comics, die hier völlig unangebracht ist, weil es eine andere Geschichte ist. Carol hat Monika seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen. Zwischen den beiden passiert auch so etwas wie ein Story-Arc, aber das geht in all dem Wirrwarr des Films unter.

Monika hat allerdings nun auch Kräfte. Sie kann irgendwas mit dem Lichtspektrum machen und Energie in sich speichern, glaube ich. Wird auch nicht näher erklärt. Ich habe es schon in WandaVision nicht richtig verstanden. Da die Kräfte von Monika, Carol und Kamala auf Licht basieren, teleportieren sie sich an die jeweilige Position der anderen, wenn sie zufällig gleichzeitig ihre Kräfte benutzen. Nein, ich denke mir das nicht aus. Warum das so passiert? Keine Ahnung. Weil Licht. Deal with it. Dieses Hin- und Herwechseln soll wahrscheinlich lustig sein, mir tat hauptsächlich das Haus von Kamalas Familie leid, die unschuldig in die ganze Sache hineingeraten ist. Das Teleportieren ist am Ende des Films wieder weg. Auf mysteriöse Weise. Weil Drehbuch. Niemand hinterfragt es oder erklärt, warum das so war.

Die Bösewichtin wird nie erklärt. Ihre Motivation bleibt völlig im Dunkeln und es ist ein wirklich schlecht geschriebener Charakter. Überhaupt fehlt dem Film der erste Akt. In der ersten Hälfte des Films (er dauert zum Glück nur knapp 100 Minuten; ohne Credits) habe ich mich immer wieder gefragt, worum es geht, aber niemand erklärt es. Weder die Charaktere noch der Film an sich noch lässt es sich aus dem Kontext schließen. Nichts. Ich weiß nicht, was die Charaktere wollen, weil niemand es erklärt. Ich kann mich nicht für Charaktere interessieren, wenn ich nicht weiß, warum es mich kümmern soll. Es dauert über 50 Minuten, bis wir etwas Hintergrundwissen bekommen. Und erst kurz vor dem Finale erfahren wir, was Carol gemacht hat. Und es ergibt dann immer noch keinen Sinn.

Im Grunde ist es wie Spaceballs. Es gibt sogar eine Szene im Film, wo einem Planeten die Luft abgesaugt wird. Nur die »Weltraum-Putze« fehlt. Jedenfalls hat Carol nach den Ereignissen des ersten Films die »supreme intelligence« der Kree zerstört. Aus irgendeinem fadenscheinigen Grund war deshalb die Luft auf ihrem Planeten weg und ihre Sonne ist erkaltet? Dann gab es einen Kree-Skrull-Krieg. Der »Kree-Skrull-War« ist eine DER Geschichten aus der frühen Marvel-Zeit, die immer wieder gelobt wird. Das MCU überspringt den einfach und wir bekommen nur eine kleine Zusammenfassung? Wie kann Carol die »supreme intelligence« einfach so zerstören? Carols Zusammenfassung klingt sehr viel spannender als alles, was in dem Film tatsächlich passiert. Kommt das in einer Serie vor? Es sollte kein Muss sein, die Serien anzuschauen. Die Filme sind der Kern. Die Serien nur Bonus.

Das ist ein viel zu langer Text für so einen schlecht geschriebenen Film. Die Tonalität ist inkonsistent (ich habe noch gar nichts von dem Highschool-Musical-Planeten erzählt) und die Charaktere bekommen quasi keine echte Motivation. Neue Charaktere werden nicht eingeführt. Wie Carol mit Valkyrie Kontakt aufnimmt oder sie kennt, außer dass sie kurz in Endgame gemeinsam gegen Thanos gekämpft haben, erklärt auch niemand. Das Ende mit den Katzen fand ich weder lustig, sondern eher befremdlich. Dass dieser Unfall über 300 Millionen Dollar gekostet haben soll, verstehe ich noch weniger als die Story. Am Ende frage ich mich einfach nur: Warum?

MCU Rewatch | Guardians of the Galaxy: Volume 3

Ich glaube, der dritte Teil von Guardians of the Galaxy ist mein liebster Marvel-Film seit Endgame. Ich zähle ihn allgemein zu einem der besten »Superheldenfilme«, wenn man diesen überhaupt so bezeichnen kann. Er schafft das Unmögliche und schließt eine Trilogie perfekt ab. Und das mit einer Geschichte, die mich emotional mehr mitgerissen hat als alle anderen einunddreißig Filme. Es ist ein »emotional rollercoaster«, wie man im Englischen so schön sagt. Außerdem hat er über 100 Millionen Dollar weniger gekostet als Quantumania, sieht aber um Welten besser aus und das bei einer längeren Laufzeit. Er zeigt, was mit einer klaren Vision alles möglich ist.

Das Einzige, wo ich mir nicht ganz sicher bin, ist, ob Volume 3 ohne Kontext funktioniert. Doch wer schaut sich schon einen dritten Teil einer Filmreihe an, ohne die anderen beiden gesehen zu haben? Und das ist das Schöne an den Guardians-Filmen. Sie zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, innerhalb eines größeren Ganzen eine abgeschlossene, kohärente Geschichte zu erzählen. Die Trilogie kann sowohl für sich stehen, trägt aber auch die Saga des MCU weiter. Man lernt die Charaktere immer besser kennen. Wir wissen, wie sie zueinander stehen. Jetzt, im dritten Teil, kann man dieses Vorwissen voll ausnutzen.

Es ergibt Sinn, dass der dritte Teil sich um Rockets Ursprung dreht. Zwei Filme lang wurde es angedeutet und gelegentlich darauf verwiesen. Doch Rocket hat nie darüber geredet. Nun sehen wir die schonungslose Wahrheit dessen, was passiert ist. Erneut gelingt es James Gunn, dass mir CGI-Charaktere ans Herz wachsen, ich um sie trauere, mit ihnen mitfiebere. Ein gutes Drehbuch und gut geschriebene Dialoge, gepaart mit fantastischen Effekten, können so etwas erreichen. Nicht zu vergessen die begnadeten Sprecher dieser Charaktere. Allen voran natürlich Bradley Cooper.

Gunn schreckt nicht davor zurück, die brutalen Operationen anzudeuten, die Rocket widerfahren sind. Man sieht es nie konkret, doch hört man es sehr wohl. Man sitzt genauso schockiert da wie die Guardians, die sich die Bilder ansehen. Dadurch, dass man es lediglich hört, aber nicht sieht, stellt man es sich wahrscheinlich sehr viel schlimmer vor. Eine sehr wirkungsvolle Methode, hier perfekt eingesetzt. Doch auch die Kameraden von Rocket, die anderen Experimente des High Evolutionary, zeigen, wozu dieser Bösewicht alles fähig ist. Chukwudi Iwuji verkörpert diesen Wahnsinn mit einer herrlichen Inbrunst. Es ist großartig, wie erschreckend.

Aber da es wahrscheinlich der letzte Guardians-Film ist, den James Gunn gemacht haben wird, hat jeder Charakter mindestens einen Moment im Rampenlicht. Sei es Drax (Dave Bautista), der seine sanfte Seite zeigen darf. Mantis (Pom Klementieff), die zeigt, dass sie mehr kann, als man ihr zutrauen würde. Nebula (Karen Gillan) macht sowieso immer Freude, sie in ihrer Entwicklung zu beobachten. Peter (Chris Pratt) erholt sich langsam davon, Gamora (Zoe Saldaña) verloren zu haben, die sich hier durchaus für die Guardians erwärmen kann und sieht, wofür sie einstehen. Groot (Vin Diesel) hat natürlich ebenfalls fantastische Momente und zeigt uns erneut neue Fähigkeiten und Tricks. Neu mit dabei ist Will Poulter als Adam Warlock, der leider etwas wenig zu tun bekommt, aber vielleicht in Zukunft einmal einen größeren Auftritt hat. Natürlich kommen alte Bekannte ebenso vor.

Es war das zweite Mal, dass ich Volume 3 gesehen habe. Er hat mich allerdings erneut mit seiner genialen Story mitgerissen. Erneut bin ich erstaunt, wie James Gunn es scheinbar mühelos schafft, keinen Charakter zu vernachlässigen, eine kohärente Geschichte erzählt und dabei auch noch seine Trilogie perfekt abschließt. So etwas bekommt man selten zu sehen. Manchmal werden andere Regisseur*innen eingesetzt oder es sind zu viele Autor*innen beteiligt. Das merkt man. Guardians of the Galaxy: Volume 3 ist erfrischend anders. Die Action kommt nicht zu kurz, die Geschichte wird mit viel Gefühl erzählt. Der Film zeigt, was Superheldenfilme leisten können.

MCU Rewatch | Ant-Man and the Wasp: Quantumania

Mittlerweile bin ich bei MCU-Filmen stets skeptisch. Thor: Love and Thunder hat mich zu sehr schockiert, mit seiner unterirdischen Story, wankelmütigen Atmosphäre und abstrusen Charakteren. Doch Black Panther: Wakanda Forever war hervorragend und ein Testament dafür, was Marvel-Filme erreichen können. Ant-Man and the Wasp: Quantumania liegt irgendwo zwischen den beiden Vorgängern. Mit Quantumania starten wir in die fünfte Phase des MCU, die im Mai dieses Jahres, mit den Thunderbolts auch schon wieder zu Ende geht.

Grundsätzlich erzählt Quantumania eine interessante Geschichte. Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer) war immerhin 30 Jahre in der gleichnamigen Welt, die sich quasi unter oder in unserer befindet, gefangen. Dann wurde sie von ihrem Mann Hank (Michael Douglas) und Tochter Hope (Evangeline Lilly) gerettet. Es war nur logisch, im dritten Film zu dieser Welt zurückzukehren. Zwei Filme lang wurde der Quantum-Realm als gefährlich eingestuft und angeteasert. Es wurde Zeit, in zu besuchen.

Das Kernthema des Films bleibt weiterhin Familie. Scott (Paul Rudd) gönnt sich eine Auszeit nach den Strapazen mit Thanos, hat ein Buch geschrieben und genießt sein Leben. Doch seine Tochter Cassie (Kathryn Newton) hält ihn ganz schön auf Trab. Sie macht bei Demonstrationen mit, engagiert sich sozial und wird regelmäßig verhaftet. Sie macht ihrem Vater sogar vorwürfe, dass er nichts macht. Eine steile These und nicht ganz nachvollziehbar. Wenn man das Universum gerettet hat, darf man sich mal eine Auszeit gönnen und mit dem eigenen Buch auf Tour gehen. Zudem hat Cassie mit Hank und Hope am Quantum-Realm geforscht (ohne Janet zu fragen, da diese nicht darüber reden will, was in den 30 Jahren passiert ist). Das Ergebnis ist, dass sie alle in diese winzige, doch ausufernde Welt gezogen werden und nun einen Ausweg finden müssen.

Wie gesagt, die Geschichte an sich ist toll. Die Dialoge zwischen Scott und Cassie gefallen mir, mit den Ausnahmen am Anfang des Films, recht gut. Sie kommen zwar nicht an den Charme der ersten beiden Filme heran, doch man spürt eine Verbindung zwischen den beiden. Genauso die Familie van Dyne. Es sind drei tolle Charaktere und von Schauspielgrößen gespielt, die keine Wünsche offen lassen. Die Welt des Quantum-Realms ist ebenso kreativ und reichhaltig gestaltet. Die Wesen strotzen nur so vor Fantasie, sehen überzeugend aus und die (digitalen) Kulissen wirken imposant. Marvel hat es geschafft, eine neue Welt zu erschaffen und uns näherzubringen, wäre da nicht ein kleines Problem namens The Volume.

Beim Volume dreht man Szenen auf einer Soundstage, die im Hintergrund mit hochauflösenden LED-Wänden ausgestattet ist, auf denen alles Mögliche projiziert werden kann. Am besten selbst einmal googeln. Es ist eine faszinierende Technologie, um CGI-generierte Welten direkt beim Dreh zu erfassen. Diese Technik wurde zum ersten Mal für The Mandalorian entwickelt und eingesetzt. Seitdem verbreitet es sich wie die Pest in anderen Produktionen. Denn so toll es sein mag, als Drehtechnik, so sehr sieht man es den Szenen an, dass sie im Volume gedreht wurden. Die Beleuchtung ist irgendwie falsch, die Charaktere passen nicht so recht zum Hintergrund und heben sich zu sehr davon an. Besonders am Anfang von Quantumania tat ich mir sehr schwer, in den Film reinzukommen.

Dann taucht auch noch M.O.D.O.K. auf. Ein Charakter, der mehr oder weniger ein schwebender Kopf ist. In den Comics mag ich ihn zwar auch nicht sonderlich, doch die Umsetzung dort ist einfacher. Er wirkt besser in einem Comic. In Live-Action sieht es lächerlich aus und reißt mich jedes Mal aus dem Film. Ja, ich bin tatsächlich irgendwann über die Offensichtlichkeit des Volumes hinweggekommen. Das ist aber weniger der guten Integration der realen und digitalen Welt zu verdanken als den schauspielerischen Leistungen. Trotzdem hat es eine Dreiviertelstunde gedauert, bis sich der »suspension of disbelieve« einstellen konnte. Bis ich also dem Film seine Welt abkaufte und mich auf die Erzählung richtig einlassen konnte.

Die schauspielerischen Leistungen, die durch die Bank fantastisch sind, inkludieren auch Jonathan Majors als Kang, The Conquerer. Er ist ein gewaltiger, Furcht einflößender Gegner und hätte der nächste große Bösewicht des MCU werden sollen. Wenn Majors nicht ein dummes, feiges, gewalttätiges Arschloch (bitte verzeiht die Wortwahl) wäre, das seine Freundin schlägt und misshandelt hat. Marvel hat ihn zu Recht gefeuert. Scheinbar haben sie nach Ersatz gesucht, aber es war schwer, ihn zu ersetzen, genauer gesagt jemanden zu finden, der den Charakter stattdessen verkörpern wollen würde. Ich finde es schade, dass die Handlungen eines Menschen solchen Einfluss auf das MCU haben können. Ein neuer Schauspieler hätte den Charakter sein eigen machen können. Es hätte sich mit Sicherheit jemand gefunden. Dafür kommt jetzt Robert Downey Jr. als Dr. Doom zurück. Man kann es noch so drehen, dass es zur Geschichte von Quantumania passt, nur die Mid-Credit-Szene muss man ignorieren.

Quatumania erzählt eine mitreißende Geschichte. Man merkt allerdings, dass die Effekte zu schnell gemacht wurden und The Volume ist kein Ersatz für gebaute Kulissen, das sieht man deutlich. Der Film hat scheinbar knappe 400 Millionen Dollar gekostet. Das ist doch absurd. Für dieses Geld erwarte ich mehr. Da kann man doch zwei Filme von Ant-Man and the Wasp drehen. Die Charaktere stehen für mich nicht unbedingt für solche Mega-Produktionen. Hier möchte ich etwas Kleineres, Intimeres erleben, so wie es die Vorgänger geschafft haben. Das gelingt Quantumania nur zum Teil. Auch wenn das Finale einiges wettmacht.

MCU Rewatch | Black Panther: Wakanda Forever

Anders als die bisherigen drei Phasen endet die vierte nicht mit einem Avengers-Film oder einer sonstigen Zusammenkunft der Held*innen. Stattdessen ist es ein Abschiednehmen von Chadwick Boseman, ein Blick in die Zukunft und ein Erweitern der Welt des MCU. Ich hatte schon Sorge, dass der Film ähnliche qualitative Tiefen erreichen würde, wie Thor: Love and Thunder. Bei einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden wollte ich mich da nicht durchquälen müssen. Erfreulicherweise ist es ein wunderschöner und gut gemachter Film.

Chadwick Bosemans plötzliches Ableben hat mich, zugegebenermaßen, schwerer getroffen, als ich vermutet habe. Nicht, dass ich ihn vor seiner Verkörperung des Black Panther und T’Challa groß gekannt hätte. Doch er hatte eine Präsenz und Ausstrahlung, die man nicht in Worte fassen kann. Jede Szene, die er gespielt hat, war on point und die Rolle des Black Panther war ihm auf den Leib geschrieben. Interviews mit ihm habe ich gerne geschaut. Er war eine einzigartige Persönlichkeit. Deshalb ist es schön zu sehen, dass sich Wakanda Forever nicht nur einmal die Zeit nimmt, um Chadwick Boseman zu gedenken.

Ihm ist das Marvel-Logo am Anfang des Films gewidmet. In Stille sitzt man da, sieht die Szenen von ihm in den wenigen Auftritten, die er hatte, vorbeihuschen, während sich der Bildschirm violett färbt. Am Ende sitzt Shuri an einem Lagerfeuer und gedenkt ihres Bruders. Dabei sieht man ebenfalls ein paar gut ausgewählte Szenen von Chadwick Boseman. Ebenfalls in leiser Andacht. Schließlich ist ihm der Film noch gewidmet. Ich hatte schon Befürchtungen, dass sie es irgendwie vermasseln würden. Zu kitschig oder klischeehaft. Doch es ist würdevoll und angemessen, wie ich finde. Ich war äußerst positiv überrascht.

Das Kernthema des Films ist Trauer. Shuri (Letitia Wright) verdrängt die Trauer um ihren Bruder. Will sich dem nicht stellen. Stattdessen stürzt sie sich in ihre Arbeit, sucht Ablenkungen, lässt sich von Zorn und Wut leiten. Ihre Mutter Ramonda (erneut genial gespielt von Angela Bassett) muss dagegen nicht nur mit dem Verlust ihres Sohnes zurechtkommen, sondern Wakanda als Königin führen. Sie darf keine Schwäche zeigen. Die Szenen im UN-Hauptquartier sind fantastisch und lassen jeden Zweifel an Wakandas Macht sofort verblassen. Doch sie sucht ebenso eine Verbindung zu ihrer Tochter. Versucht ihr einen Weg zu zeigen, mit ihrer Trauer umzugehen. Doch lange trauern können sie nicht.

Die Welt will sich des Vibraniums bemächtigen, es nutzen. Sie beschuldigen Wakanda nicht genug zu tun. Große Worte von Nationen, die Wakanda zu infiltrieren versuchen und in die »Outreach Center« eindringen, um das Vibranium gewaltsam in ihre Finger zu bekommen. Doch sie sind nicht die Einzigen. Denn die Welt des MCU öffnet sich in Wakanda Forever gewaltig.

Ich habe den Film im Zuge dieses Rewatch das erste Mal gesehen und völlig vergessen, dass Namor und sein Unterwasser-Königreich Talokan eingeführt werden. Eine ausgeprägte Unterwasserwelt durften wir bereits in Aquaman bewundern. Mir gefällt es ausgezeichnet, dass Marvel sich entschieden hat, einen realistischeren Look zu wählen. Die Szenen Unterwasser sind eher düster gehalten, es gibt wenig Licht. So, wie es eben in tieferen Gefilden ist. Es sieht realistisch aus und wirklich gut gemacht. Namor an sich wird toll gespielt von Tenoch Huerta Mejía. Selbst die Darstellung der geflügelten Füße gelingt, ohne dass es zu lächerlich aussieht.

Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst wird das hier ein ausführliches Essay über den Film. Dafür ist später vielleicht einmal Zeit. Wakanda Forever ist sehr vielschichtig. Besonders Shuris Reise im Film und ihr Umgang mit der Trauer hat mich durchaus berührt. Sie ist ein toller Charakter und mitreißend gespielt wie geschrieben. Die Einführung von Riri Williams (Dominique Thorne) gelingt ebenfalls. Sie nimmt nicht zu viel Platz weg, sondern ergänzt den Film wunderbar. Okoye (Danai Gurira), einer meiner Lieblingscharaktere aus der Welt von Wakanda, erfährt ebenfalls ein interessantes Upgrade, von dem ich sehr gespannt bin, wo das hinführt. Leider müssen wir uns von einem Charakter verabschieden. Das hatte ich so nicht erwartet und finde ich sehr schade.

Wakanda Forever hatte eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Chadwick Bosemans Tod hat ein großes Loch hinterlassen. Doch Ryan Coogler und sein Team finden eine tolle Balance zwischen der Ehrung von dem, was war und blicken doch in die Zukunft. Die Charaktere haben Platz zu trauern, doch die Action kommt nicht zu kurz. Auf die »Seeschlacht«, wenn man es so nennen will, hätte ich aber verzichten können. Ansonsten ist Wakanda Forever eine würdige Fortsetzung und der mittlerweile 30. Film im MCU. Ein schönes Jubiläum.

MCU Rewatch | Thor: Love and Thunder

Irgendwann musste es ja so weit kommen. Ich wusste nur nicht, dass der Fall so abrupt und steil vonstattengehen würde. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich die bisherigen 28 Filme des MCU genießen konnte. Natürlich sind manche besser und manche schlechter, doch genervt hat mich bisher keiner. Sie sind Teil eines großen Kanons und in sich kohärent. Thor: Love and Thunder ist eine Beleidigung. Nicht nur für mich, sondern für alle Charaktere, die darin vorkommen.

Das einzige Positive, das ich dem Film abnehme, ist die Performance, die Darstellung und die Atmosphäre, die Christian Bales Bösewicht Gor umgibt. Es ist düster, ernst, gefährlich. Mir gefällt das. Vielleicht etwas überzogen, an manchen Stellen, aber im Allgemeinen gut gemacht. So hätte der Film sein müssen. Selbst den ersten Szenen mit Natalie Portman als krebskranke Jane Foster kann ich etwas abgewinnen. Ihre Reaktionen passen zum Charakter. Doch das war es an positiven Dingen.

Der Rest des Films geht unter in unlustigen Sprüchen, die so gar nicht in den Film passen. Ich hoffe inständig, dass dies der letzte Thor-Film von Taika Waititi ist. Er zerstört für mich den Charakter, zumindest im MCU. Ich hätte gerne gesehen, wie Thor mit den Guardians reist, seine Depression bekämpft und ein Vorbild für mich und so viele andere sein könnte, die diese Krankheit haben. Stattdessen wird es nur eine kurze Rückblendung. Thor nimmt weder sich selbst noch das, was vor sich geht, ernst. Das zerstört den Film und die Bedrohung, die eigentlich von Gor ausgehen sollte. Er ist der »God Butcher«. In den Comics ist es ein wahnsinnig gut geschriebener, vielschichtiger Charakter, eine konstante Bedrohung, die immer im Hintergrund lauert, selbst wenn man ihn nicht sieht. Was in den Comics über Jahre erzählt wurde, wird hier in nicht einmal zwei Stunden erzählt. Eine Schande für das MCU, so eine tolle Erzählung derart zu verbrennen.

Ich will mich nicht lange mit all den negativen Dingen aufhalten, die mir aufgefallen sind. Seien es die nervigen, dauernd schreienden Ziegen, die absolut nicht lustig sind. Auch ein Konzept aus den Comics, das ins Lächerliche gezogen wird. Das Kostüm von Thor sieht aus, als hätte er es aus einem billigen Souvenirladen geklaut. Russell Crowe als Zeus ist die größte Fehlbesetzung des gesamten MCU. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sarah Halley Finn etwas damit zu tun hatte. Außerdem bekommen wir in den ersten 30 Minuten von Korg geschlagene zwei Nacherzählungen, was bisher geschah. Das sind mindestens zwei zu viel. So enttäuscht war ich schon lange nicht mehr. Es tut mir von Herzen weh, Geld für die Blu-Ray ausgegeben zu haben. Ich wünschte, ich hätte den Film nie gesehen und hoffe nun inständig, dass Black Panther: Wakanda Forever besser wird.