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MCU Rewatch | Dr. Strange in the Multiverse of Madness

Ich weiß nicht, ob ich langsam betriebsblind werde, aber wiederholt muss ich feststellen, dass mich ein MCU-Film der vierten Phase positiv überrascht. Dr. Strange in the Multiverse of Madness ist ein äußerst unterhaltsames, mehrere Universen umspannendes Abenteuer. Sam Raimi gelingt es, einen vergleichsweise ernsten Film zu erzählen. Natürlich gibt es den ein oder anderen lässigen Spruch. Doch es dürfen Momente für einen Augenblick verweilen und für sich stehen. Es wird nicht alles sofort relativiert oder ins Lächerliche gezogen. Der Score von Danny Elfman untermalt das Geschehen gekonnt, ohne zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

In den vergangenen Tagen habe ich so einige Marvel-Filme geschaut. Ich bin länger krank gewesen, konnte aber zum Glück Filme schauen. So habe ich nicht nur die X-Men-Filme in wenigen Tagen beendet, sondern auch die Phase vier vom MCU relativ zügig vorangetrieben. Wenn dieser Text erscheint, ist das schon einige Monate her. Doch ich finde, dass es den Filmen nicht schadet, sie in so kurzen Zeitabständen zu schauen. Auch vermisse ich bisher den Kontext der Serien nicht. Die Motivation von Wanda aka Scarlet Witch ist nachvollziehbar. Sie hat Vision verloren, davor ihren Bruder; es ist verständlich, dass sie ein normales Leben leben möchte.

America Chavez (Xochitl Gomez) ist ein toller Charakter und wird hier gut eingeführt. Ihre Hintergrundgeschichte ist schnell erklärt, wobei hier eine Art Erinnerungsmaschine in einem der Universen, die sie mit Dr. Strange besucht, hilft, es uns Zuschauer*innen einfach und schnell zu erläutern. Den Rest kann man sich selbst dazu denken. Es muss nicht alles ausformuliert werden. Mit ihr haben wir in Dr. Strange in the Multiverse of Madness nun drei Arten von Magie, wenn man Americas Fähigkeiten so bezeichnen möchte. Die »mystic arts« von Strange und Wong, die Hexerei von Wanda und Americas multidimensionale Reisefähigkeiten. Doch alle drei sind visuell klar voneinander zu trennen und es wird deutlich, dass sie jeweils anders funktionieren. Das erleichtert es, den Überblick zu behalten.

Visuell ist Dr. Strange in the Multiverse of Madness erneut ein Testament für die Fähigkeiten von CGI-Künstler*innen. Dieser zweite Teil übertrumpft den ersten, was abgefahrene, kreative und waghalsige Kulissen, Effekte und Monster anbelangt. Es ist ein wahrer Augenschmaus. Ebenso sind die Doppelgänger der bekannten Charaktere leicht anders und man kann sie stets dem Universum, dem sie entstammen, zuordnen. Raimi und sein Team schaffen es stets, dass man trotz der vielen Ortswechsel den Überblick behält.

Die Cameos in Form der Illuminaten finde ich ebenso gelungen. Vor ein paar Wochen habe ich mich noch etwas davor gedrückt, diese gut finden zu wollen. Es missfiel mir, dass ein Charles Xavier, eine Peggy Cater oder ein Reed Richards dermaßen verbraten werden. Doch die Inhumans hatten ihre Chance und sind kläglich gescheitert. Genauso wie die vergangenen Versionen der Fantastic Four bald durch eine »offizielle« MCU-Version abgelöst werden. Patrick Stewart in dem aus der Zeichentrickserie entliehenen, gelben Rollstuhl zu sehen, war erfreulich. Es passt und ist kurz genug, dass man ihre Auftritte feiern kann. Ob es in unserem Marvel-Universum (Kennzahl 616) ebenfalls eine Form der Illuminati geben wird, wage ich zu bezweifeln. Deshalb ist es schön, dieses Konzept aus den Comics zumindest in dieser Form verarbeitet und erwähnt zu sehen.

Zu Benedict Cumberbatch als Strange, Elizabeth Olsen als Wanda Maximoff oder Benedict Wong als Wong muss ich wohl nicht mehr viel sagen. Die drei (und ein paar der Nebendarsteller*innen) haben ihren Charakter über Jahre und in so manchen MCU-Einträgen gespielt. Die Charaktere liegen ihnen, passen zu ihnen und sie verkörpern sie perfekt. Es ist schön zu sehen, dass sie sich weiterentwickeln dürfen. Das ist Charakteren in Filmreihen nicht immer gegönnt. Egal in welche Richtung es gehen mag, ob sie mir gefällt oder nicht, Stagnation fände ich viel schlimmer. Und wir sind hier in einer Comicverfilmung, das heißt, eine »redemption arc« ist immer möglich. Besonders, wenn die nächste Multiversum umspannende Katastrophe bevorsteht.

Ursprünglich sollte Nightmare der nächste Bösewicht werden. Ich hoffe, dass dieser Charakter im nächsten Film seinen Auftritt feiern darf. Raimi einen Horrorfilm im MCU drehen zu lassen, mit einem Charakter wie Nightmare wäre episch. Wenn dann noch Hans Zimmer als Komponist für den Soundtrack engagiert werden würde, blieben keine Wünsche mehr offen. Dass dies alles so eintritt, ist zwar relativ unwahrscheinlich, aber man darf träumen. Und wie wir in Dr. Strange in the Multiverse of Madness gelernt haben, sind Träume Fenster in andere Universen. Und irgendwo wird es sicherlich so einen Film geben. Vielleicht also auch bald bei uns.

MCU Rewatch | Spider-Man: No Way Home

Ich freue mich, wenn ich Unrecht habe. Es bedeutet, ich habe etwas dazugelernt. Besonders, wenn ich eine Meinung revidieren muss, die hauptsächlich auf derjenigen von anderen beruht hat. Wenn ich mich zu sehr habe beeinflussen lassen. Halte ich wirklich etwas für richtig oder falsch oder plappere ich einfach nur das nach, was mir gerade in den Kram passt und denke nicht weiter darüber nach? Habe ich mir die Mühe gemacht, meine Meinung zu hinterfragen? Das gilt für die großen Dinge im Leben, wie für die kleinen. Denn wenn man nicht bereit ist, im Kleinen zu hinterfragen und die eigene Meinung soweit flexibel zu halten, dass, wenn sich neue, bessere Informationen auftun, diese Meinung revidiert werden kann, wie sollte es dann im Großen funktionieren? No Way Home ist ein Beispiel dafür.

Als ich Ende 2021 aus dem Kino kam, lebte der Film von den Reaktionen des Publikums. Die Auftritte von Tobey Maguire und Andrew Garfield sind nun schon fast legendär. Später, als ich den Film zu Hause erneut geschaut habe, war ich in der Trotz-Phase des MCU. Ich dachte mir, der Film verlässt sich zu sehr auf die beiden ehemaligen Spider-Man-Schauspieler und dass die Szenen absichtlich so gedreht sind, dass das Publikum Zeit hat, zu reagieren. Mit etwas mehr Abstand und mit diesem Rewatch denke ich anders darüber. Der Auftritt der beiden ist allgemein ruhig gedreht, langsam und lässt sich Zeit, aber es ist auch gerade eine schwierige Phase für unsere Protagonisten. Es passt in das Gesamtkonzept des Films.

Spider-Mans Identität wurde verraten. Der eigentliche Bösewicht aus dem letzten Teil, Quentin Beck aka Mysterio, steht als Held da. Spider-Man als Mörder. Peter Parker steht im Rampenlicht, wird von der Presse und überhaupt von allen Menschen verfolgt. Es zerstört das Leben seiner Freunde und Familie. Natürlich wendet man sich dabei an den wohl mächtigsten Magier, den man kennt. Dass es Wong ist, der unabsichtlich die ausschlaggebende Idee liefert, die Welt vergessen zu lassen, dass Peter Parker Spider-Man ist, ist gut gemacht. Dass Dr. Strange so schnell einwilligt und bereit ist zu helfen, mag etwas verwundern, aber die beiden haben viel miteinander durchgemacht. Er sieht Peters Verzweiflung und dass es nicht nur um ihn geht. Nur unterbricht Peter ständig die Prozedur, weil ihm neue Ausnahmen in den Sinn kommen. Die folgende Auseinandersetzung ist das Einzige, was mich an No Way Home wirklich massiv stört.

Denn zum einen war es nicht Peters Idee, die Welt vergessen zu lassen, sondern die von Dr. Strange. Allerdings wirft der Zauberer es Peter an den Kopf. Außerdem hätte er Peter vorher fragen können, ob es Ausnahmen geben soll. Immerhin ist er in dieser Situation der Erwachsene. Er hat die Erfahrung mit Magie und welche Konsequenzen sie hat. Den noch sehr jungen Peter etwas anleiten, wäre durchaus machbar gewesen. Mir ist durchaus bewusst, dass der Film hier versucht, Peter im Lauf der Handlung immer mehr Schuld aufzuhalsen, doch diese eine Szene widerspricht sich selbst und das stört mich. Es hätte nicht viel gebraucht und sie hätte sehr viel besser funktioniert. Einfach ein paar Sätze anders formuliert würden die ganze Unterhaltung besser machen. Doch der Rest macht dieses Manko mehr als wett.

Die berühmtesten und besten Bösewichte aus den vergangenen Spider-Man-Filmen feiern eine gebührende Rückkehr. Dock Ock, Green Goblin, Elektro, Sandman, Lizard – sie alle werden von dem fehlgeleiteten Zauber in dieses Universum gezogen. Mir gefällt es auch, dass es Tante May ist, die das Zünglein an der Waage ist und Peter eintrichtert, dass es selbst diese Menschen verdient haben, dass ihnen geholfen wird. Es ist eine schöne Szene und fast kauft man Norman Osborn es ab. Er sieht bedauerlich aus, doch Willem Dafoe ist ein dermaßen guter Schauspieler, er spielt den Charakter stets so, dass man nicht weiß, was er als Nächstes macht. Sehr unheimlich.

Mir gefällt es auch, dass Ned und MJ sofort bei dem Plan dabei sind. Sie sind nicht sauer auf Peter oder machen ihm Vorwürfe. Schlechtere Filme würden sofort wieder ein Drama daraus machen. Doch nicht No Way Home. Es zeigt das Vertrauen und die Freundschaft, die die drei verbindet. Sie kennen sich nun schon so lange, sind in das Geheimnis eingeweiht und wollen nur das Beste. Dass sie zusammenarbeiten wollen, um den Menschen zu helfen, die sie eigentlich töten wollen, ist beeindruckend. Sie wollen sie aber auch vor dem Tod retten und ihnen eine Chance geben, ihrem ursprünglichen Schicksal zu entkommen. Es ist eine nette Botschaft, die in No Way Home immer wieder zu finden ist; Zusammenarbeit, Vergebung, zweite Chancen.

Ich muss wohl nicht sagen, dass die Schauspieler, die hier erneut ihre Bösewichte mimen, hervorragend in ihren Jobs sind. Ich bin sehr froh, dass ich die Spider-Man-Filme in diesem Rewatch mitgenommen habe. So sind die Charaktere noch frischer im Gedächtnis. Es macht Freude, sie hier wiederzusehen. Sie aber auch anders zu sehen, in neuen Kontexten. Die Charaktere werden mit Respekt behandelt und ihnen wird ein neuer Pfad gezeigt. Ich bin gespannt, ob Marvel und Sony daraus nochmal etwas machen. Doch es sind nicht nur sie, die hier eine tolle Performance abliefern. Der gesamte Cast agiert auf höchstem Niveau. Sie wissen wohl, dass es zum Teil ihre letzte Performance im MCU sein könnte und geben alles. Es ist das Ende Home-Trilogie und das Ende von Spider-Man, so wie wir ihn kennen. Der kommende vierte Teil muss einiges anders machen.

Besonders hat mich eine ganz einfache Szene berührt. Nachdem die Bösewichte aus dem Apartment ausgebrochen und verschwunden sind, ist Peter gebrochen. Er ist verletzt, doch das alles tut nicht so weh, wie der Verlust, den er hat erleiden müssen. Dass May es ist, die dieses Mal die berühmten Worte zu Peter spricht, ist einfach nur schön, aber genauso tragisch. Marisa Tomei und Tom Holland spielen hier alle an die Wand und zeigen, was sie können. Es ist eine wahnsinnig traurige, ausgezeichnet gemachte Szene. Doch Peter muss flüchten und hat keine Zeit, lange zu trauern. Schließlich findet man ihn auf dem Dach der Schule. Ich mag die Szene, die sich dann abspielt. Zuerst die Unterstützung von MJ und Ned. Ganz ohne Worte. Dann die Unterhaltung mit den anderen Spider-Men. Es zeigt, dass Peter nicht alleine ist. Ein toll geschriebener Dialog, der so wichtig für die Charaktere ist. Hut ab.

Die darauffolgende Zusammenarbeit der drei Peters gefällt mir außerordentlich gut. Zuerst im Labor, dann beim Kampf gegen die Bösewichte. Sie teilen Geschichten aus ihrer Vergangenheit, helfen sich beim Einrenken steifer Rücken und lernen echte Zusammenarbeit. Es ist eine Genugtuung für Spider-Man-Fans, und ich hätte mir nie gedacht, dass ich sie einmal so sehen würde. Einfach großartig. Der ganze Film ist voller beeindruckender Auseinandersetzungen und gut geschriebener Dialoge. Wie der Kampf in der Spiegel-Dimension zwischen Strange und Peter. Es gibt so viele Höhepunkte, es sind zu viele für einen Text. Irgendwie haben Texte über Spider-Man bei mir immer die Tendenz, sehr lang zu werden.

Doch ich mag den Charakter unfassbar gerne. Er begleitet mich schon mein Leben lang. Ihn in Filmen zu sehen, die dann auch noch mit so viel Liebe zum Detail gemacht sind, lassen mein Herz höher schlagen. No Way Home ist eine Kulmination aus allem, was bisher geschehen ist. Tobey Maguire, Andrew Garfield und Tom Holland haben jeweils ihre eigene Version von Peter Parker und Spider-Man gespielt. Das hier ist eine Ehrung für sie und diejenigen, die sie auf diesem Weg begleitet haben. Es ist episch, tragisch und hat alles, was ein guter Superheldenfilm braucht.

Für den vierten Teil würde ich mir wünschen, dass er etwas ruhiger wird. Keine Multiversum umspannende Erzählung. Vielleicht wieder etwas kleiner, bodenständiger, mit der Tendenz zu mehr. Aber ich lasse mich gerne überraschen und eines Besseren belehren. Wenn das Drehbuch stimmt und die Effekte so toll aussehen wie hier, bin ich gerne bereit, meine Meinung zu ändern.

MCU Rewatch | Eternals

Ich bin mir nicht mehr sicher, wie ich Eternals damals nach dem Kinogang fand. Aber ich war schon immer angetan von der Idee. Der Film bietet visuell unfassbar viel und hat eine geradezu meditative Stimmung. Die Atmosphäre lädt ein zum Nachdenken, Reflektieren. Über die essenziellen, lebensnotwendigen Dinge, über das, was uns bewegt, warum wir auf dieser Welt sind. Eternals ist, genauso wie Shang-Chi, ein äußerst willkommener, frischer Wind im MCU. Es ist neu. Sowohl was die Mythologie betrifft, den Stil des Films, als auch die Charaktere. Ein schönes neues Kapitel.

Kaum zu glauben, dass mir nun schon der dritte Film hintereinander in der vierten Phase des MCU gefällt. Damit habe ich zugegebenermaßen nicht gerechnet. Ich gehe davon aus, dass dieser Trend in den nächsten zwei bis drei Filmen sich wenden wird, doch erst einmal freue ich mich über die positive Stimmung. Eternals ist ein gewaltiges Epos von zweieinhalb Stunden Länge. Die Eternals dürften, ähnlich wie die Guardians of the Galaxy, eher unbekannt gewesen sein, zumindest beim breiten Publikum. Comic-Fans sind sie spätestens seit dem kongenialen Run von Kieron Gillen ein Begriff. Die Comic-Reihe, die 2021 begann, ist eine Charakterstudie, wie man sie selten sieht. Gezeichnet wurde sie von Esad Ribic. Für alle eine Empfehlung, die sich weiter mit den Eternals beschäftigen wollen.

Doch zurück zum Film. Der Cast kann sich durchaus sehen lassen. Gemma Chan als Sersi und quasi-Protagonistin in diesem Ensemble-Cast. Sie dient als unser Anker in diesem Film. Richard Madden als Ikaris entspricht der Alien-Seite von Superman. Er will sich rein um seine Mission kümmern, den Menschen nicht zu Nahe kommen, wäre da nicht die Liebe. Er ist einer der mächtigsten Eternals. Kumail Nanjiani als Kingo könnte man, hauptsächlich wegen seines Assistenten Karun Patel, als Comic-Relief interpretieren. Doch überraschenderweise sucht man vergeblich danach, in diesem Film. Beide tragen durchaus eine Ernsthaftigkeit bei, die ich schätze. Lia McHugh als Sprite vermittelt die Zerrissenheit ihrer Figur. Barry Keoghan mit einem leichten Gott-Komplex, der die Menschen vor sich selbst schützen möchte. Don Lee als Gilgamesh und Vertrauten von Thena. Kit Harington als Dane Whiteman, der hoffentlich noch eine Rolle im MCU einnehmen wird.

Dann haben wir natürlich noch Brian Tyree Henry als Phastos. Der erste offen schwule Charakter im MCU. Hat ja nur 13 Jahre gedauert. Aber es ist erfrischend gewöhnlich und glaubhaft dargestellt. Hat mir gut gefallen und wurde längst Zeit. Makkari wird von Lauren Ridloff verkörpert, die selbst gehörlos ist. Da dies ein Meilenstein für das MCU ist, hätte ich mir gewünscht, dass der Film immer mit Untertiteln ausgestrahlt wird, um noch einmal mehr die Unterstützung zu zeigen. Es hätte Raum für künstlerisch gestaltete Untertitel geboten. Doch ein erster Schritt ist getan. Salma Hayek als Ajak, die Anführerin der Gruppe und erste Verschwörerin gegen Arishem. Und natürlich Angelina Jolie als Thena. Sie leidet unter ihren bisherigen Leben, doch ist eine erbitterte Kämpferin.

Eternals muss in den zweieinhalb Stunden Laufzeit sehr viel erzählen. Die Charaktere wollen alle ordnungsgemäß eingeführt werden. Welche Ziele haben sie? Woher kommen sie? Eine 7.000 Jahre währende Geschichte zu erzählen, ist nie eine leichte Aufgabe. Doch ich finde, dass es Eternals überraschend gut gelingt. Die Rückblenden zu verschiedenen Zeitaltern dienen stets dazu, die Motivation der Charaktere in der Gegenwart zu erklären. Oder sie geben mehr Einblick in die Beziehungen. Deshalb mag ich die Charaktermomente in dem Film so gerne. Es wabert stets etwas Tiefgründigeres mit.

Diskussionen, die ganze Filme füllen könnten, werden hier angerissen. Antworten gibt es nicht immer. Man muss sich selbst Gedanken machen, was richtig ist und was falsch. Gibt es diese beiden Seiten überhaupt oder ist die Thematik sehr viel komplexer? Sollen sich die Eternals in unsere menschlichen Belange einmischen oder sich fernhalten? Welche Auswirkungen hätte das? Ich mag es, wenn solche Themen und Fragen angerissen werden. Es ist auch nicht immer eine Antwort notwendig. Es reicht manchmal, die Fragen zu stellen. So bleibt der Film vielleicht etwas länger bei den Zuschauer*innen im Kopf.

Wie bereits bei Shang-Chi gefallen mir die Action-Sequenzen in Eternals äußerst gut. Die jeweiligen Fähigkeiten der Eternals sind gut umgesetzt und einzigartig visualisiert. Man findet sich stets zurecht und das CGI sieht fantastisch aus. So etwas gab es im MCU noch nicht und mit den Celestials ist dieses Universum noch einmal um ein Vielfaches größer geworden. Und natürlich finde ich es äußerst schade, dass wie bei Shang-Chi noch keine Fortsetzung erschienen, geschweige denn geplant ist. Ich würde gerne mehr von diesen Charakteren sehen. Aus den Guardians-Filmen kennen wir genug kosmische Entitäten, die man hier wieder aufgreifen könnte.

Ich möchte neue Welten kennenlernen. Neue Geschichten sehen. Das MCU muss nach vorne gehen und darf sich nicht nur auf seine ursprünglichen Charaktere oder Schauspieler*innen verlassen. So großartig sie und ihre Erzählung rund um die Infinity-Saga waren, muss man immer auch Neues wagen. Shang-Chi und Eternals haben gezeigt, dass so viel mehr im MCU steckt. Ich würde diese Seite gerne mehr erkunden. Ich hoffe sehr, dass sie die Charaktere und losen Enden wieder aufgreifen.

MCU Rewatch | Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster und behaupte, dass Shang-Chi einer der besten Origin-Filme ist, die das MCU zu bieten hat. Der zweite Film von Phase 4 beweist, dass es Marvel unter der Leitung von Kevin Feige immer noch drauf hat. Shang-Chi macht sehr viel richtig. Er führt uns einen neuen Charakter vor, seine Welt, eine komplett neue Mythologie und sieht dabei wunderschön aus.

Shang-Chi gelingt die Balance zwischen Rückblenden und Voranschreiten der tatsächlichen Geschichte mühelos. Das Erzähltempo fühlt sich natürlich an und niemals gedrängt oder als müssten die Charaktere schnell von A nach B, um ihren Zweck zu erfüllen. Besonders die Rückblenden zu den verschiedenen Zeitaltern verleihen dem Film das notwendige Grundgerüst. So fühle ich mich mehr mit den Charakteren verbunden. Ein Teil der Rückblenden bezieht sich auf Shang-Chis Vater Wenwu; brillant verkörpert von Tony Leung. Es geht nicht nur um seine Machtergreifung und darauffolgende Schlachten. Es ist eine zutiefst emotionale Geschichte. Die erste Begegnung mit Ying Li – ebenso brillant dargestellt von Fala Chen – und ihr Leben als Familie.

Die beiden verbindet sofort etwas. Die Schauspieler*innen haben eine tolle Chemie und es funktioniert einfach. Ihre Kampf- und Tanzsequenz im Wald ist eine der schönsten, die Marvel je produziert hat. Die Musik, die Geschichte, die hier quasi ohne Worte erzählt wird. Man fühlt sich wie in einem Märchen und fühlt sich nie, als wäre man in CGI getunkt worden. Genauso geht es bei den Rückblenden weiter. Es wird sehr viel Mühe darauf verwendet, uns die Vergangenheit von Wenwu und Shang-Chi zu erzählen. Die beiden jüngeren Darsteller von Shang-Chi, die von seiner Kindheit und Teenagerzeit erzählen, Jayden Zhang und Arnold Sun, passen perfekt in ihre Rollen. Sie verbindet eine gemeinsame Gestik, die mich nie daran zweifeln lässt, dass sie denselben Charakter spielen. Besonders Arnold Sun verkörpert die wütende, seinem Vater alles recht machen wollende Seite des Charakters wunderbar.

Überhaupt ist Shang-Chi mit sehr vielen fantastischen Nebencharakteren und großartigen Schauspieler*innen versehen. Awkwafina als »Shauns« langjährige Freundin und Wegbegleiterin Katy. Anfangs noch eher als Comic-Relief, entwickelt sie sich im Verlauf des Films zu einem wirklich tollen, ernst zu nehmenden Charakter. Meng’er Zhang als Xu Xialing, Schwester von Shang-Chi und Betreiberin eines geheimen Fight Clubs in Macau. Laut Wikipedia ist das ihre erste Filmrolle, was unfassbar ist. Wirklich großartig. Benedict Wong kehrt als Wong zurück und hat immer wieder tolle, kleinere Momente. Ebenso zurück kehrt Ben Kingsley als Trevor Slattery. Für mich macht der Auftritt des Charakters hier einiges wieder wett. Natürlich dient er als Comic-Relief, aber hat auch eine redemption-arc, die für mich durchaus funktioniert. Und natürlich darf die großartige und fantastische Michelle Yeoh als Ying Nan nicht unerwähnt bleiben. Eine tolle Lehrerin und Meisterin für Shang-Chi und seine Schwester.

Der Film bietet ein Ensemble, das dermaßen gut zusammenpasst; so eine Synergie hatte man lange nicht mehr. Und sie meistern alle Sequenzen des Films mühelos. Seien es die ruhigeren Charaktermomente, wo uns Zuschauer*innen auch mal Hintergrundwissen vermittelt werden muss. Oder aber die beeindruckenden Action-Sequenzen. Hier übertrumpft sich der Film immer wieder selbst und versteht es, diese Sequenzen so aneinanderzureihen, dass es nicht ermüdet. Sei es die Bus-Sequenz relativ zu Beginn, die Fight Club Kämpfe, die schwindelerregende Auseinandersetzung am Gerüst eines Hochhauses oder der finale Kampf. Sie sind alle einzigartig.

Besonders am Finale mag ich, dass es klar in einzelne Teile gegliedert ist. Natürlich haben wir zum einen die Vorbereitungen. Doch die letzten Auseinandersetzungen sind ebenso klar in zwei Stufen aufgeteilt, deren Eskalation die Zuschauer*innen mitnimmt. Zuerst fokussiert sich der Kampf auf Shang-Chi und seinen Vater. Ihre Differenzen, ihr Kampf und der Erhalt der Ringe durch Shang-Chi stehen hier im Vordergrund. Es geht um Familie und das Einsehen von Fehlern. Danach wird der Kampf eskaliert und es bekriegen sich mythische Wesen. Die zuvor verfeindeten Menschen lernen, dass sie gemeinsam dagegen vorgehen müssen. Es funktioniert für mich emotional und sieht dabei auch noch wunderschön aus. So etwas hat man in einem Marvel-Film noch nicht gesehen.

Zu der Repräsentation von asiatischen Charakteren und der dargestellten Kultur kann ich nicht viel sagen. Dazu kenne ich mich zu wenig aus. Ich mag jedoch, dass zwischendurch viel Mandarin gesprochen wird. Der Wechsel fühlt sich natürlich und für die Charaktere logisch an. Und es ist schön zu sehen, dass Marvel sich dafür bereiterklärt hat. Ansonsten scheint die Repräsentation durchaus gelungen zu sein, was man von Kritikern liest. Natürlich kann man es immer besser machen. Doch wie es scheint, haben sie mit diesem Film vor allem geschafft, vormals problematische Charaktere aus der Comic-Vorlage zu modernisieren, zu überarbeiten und ihnen den notwendigen Respekt entgegenzubringen.

Ich mag  Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings sehr. Es ist ein schöner, gut gemachter Film. Auf ein oder zwei Momente, in denen ernsthafte Diskussionen durch ein Comic-Relief unterbrochen werden (es sei nur die Szene im Flieger genannt) hätte ich verzichten können. Doch die positiven Aspekte überwiegen bei Weitem. Es ist eine Schande, dass wir vier Jahre später noch immer kein Sequel haben. Andere Charaktere waren hier schon beim dritten Teil. Ein Versäumnis, das Marvel dringend ausgleichen muss. Es ist Zeit für die nächste Generation, ihren Moment im Rampenlicht zu bekommen. Shang-Chi hat gezeigt, dass es erfolgreich sein kann, wenn man sich die notwendige Mühe gibt und mit Menschen zusammenarbeitet, die sich auskennen.

MCU Rewatch | Black Widow

Die Pause nach Endgame hat wirklich gut getan. Seitdem habe ich die X-Men-Filme angeschaut, die wir in den vergangenen Wochen intensiv besprochen haben. Für mich war es tatsächlich eine noch längere Pause, als sie hier im Blog erscheint, da es etwa zwei Monate sind, seitdem ich Endgame gesehen habe. Vor allem die Abwechslung mit den X-Men fand ich erfrischend. Es ist eine andere Seite der Marvel-Welt, die wir damit näher beobachten konnten. So kann ich gefühlt frischer und neutraler an die nächste, vierte Phase herantreten. Schauen wir uns also die nächste Phase an, die mit Black Widow beginnt.

Als ich den Film damals im Kino sah, ließ ich kein gutes Haar an ihm. Irgendwie hat mich alles daran gestört; die Action, die Geschichte, die Tatsache, dass der Film gefühlt 10 Jahre zu spät erscheint und die Verfehlung, einen echten Thriller daraus zu machen. Nachdem ich nun den Film ein zweites Mal gesehen habe und mit etwas mehr Abstand, kommt er besser weg. Ich fühlte mich wirklich gut unterhalten und die zugrunde liegende Geschichte birgt eine notwendige Tiefe in sich.

Bei Marvel-Filmen oder Superhelden-Filmen allgemein bin ich versöhnlicher, wenn es darum geht, schwierige Themen zu besprechen oder sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Immerhin sind es Action-Filme, die durchaus eine komplexe Geschichte erzählen können, jedoch ein breites Publikum ansprechen wollen. Die Produktion ist teuer, aufwendig und zeitintensiv, da möchte man natürlich die Kosten wieder einspielen. Wobei das natürlich eine Spirale ist, die man gelegentlich durchbrechen muss. Denn es braucht nicht immer einen 300-Millionen-Dollar teureren Film. Ich mag genauso kleinere Geschichten innerhalb dieses Universums. Doch ich verstehe, dass man sich die Tiefe, die ich vorhin angesprochen habe, manchmal selbst erarbeiten und weiterdenken muss. Vielleicht bin ich aus den Comics heraus gewohnt oder bin eben bereit, mir diese Arbeit zu machen. Deshalb fällt es mir leichter, gnädig mit den Filmen umzugehen.

Die Grundpfeiler von Black Widow stimmen. Scarlett Johansson und Florence Pugh sind fantastisch in ihren Rollen, verkörpern die Agentinnen glaubhaft und haben eine tolle Chemie. Ihre Szenen machen Spaß, aber sie bringen ebenso die notwendige Ernsthaftigkeit und Gravitas auf. Diese braucht das Thema des Films. Denn es geht um Machtmissbrauch. General Dreykov, der Chef des »Red Room«, sucht sich verletzliche, junge Mädchen. Er bemächtigt sich ihnen, foltert sie quasi, bis sie dem Bild entsprechen, das er haben möchte. Er setzt sie unter Drogen, sodass sie ihm aufs Wort gehorchen, zwingt sie zu einer Hysterektomie. Wenn sie ihren Zweck erfüllt haben, wirft er sie weg und beschafft sich neue. Es ist brutal, grausam und höchste Zeit, dass sich Natasha um ihren ehemaligen Peiniger kümmert.

Die Szenen im Red Room Hauptquartier, zwischen Natasha und Dreykov sind widerlich. Beide Schauspieler*innen sind hier auf Höchstform. Ray Winstone als Dreykov verkörpert alles, was falsch ist. In dieser Welt, als auch in unserer. In ihm kann man sehr viel mehr lesen. Die Art, wie er sich den Frauen nähert, die Sprache, die er benutzt, die Gestik und Mimik; es ist widerlich und er hat alles verdient, was ihm im Laufe dieses Films angetan wird. Wahrscheinlich mehr. Die restlichen Black Widows zu befreien und dafür zu sorgen, dass die weltweit im Einsatz befindlichen Agentinnen frei kommen, ist nur ein schwacher Trost. Aber es ist einer. Genauso, dass Dreykovs Tochter Antonia aka Taskmaster endlich aus den Fängen ihres Vaters freikommt. Dieser Twist von Taskmaster ist genial und gefällt mir ausgezeichnet. Es passt perfekt in die Geschichte.

Zugegeben hätte ich das große Finale mit der Festung, die vom Himmel fällt, nicht gebraucht. Es ist das einzige wirkliche Manko, das ich an dem Film habe. Ich hätte gerne ein unaufgeregteres Finale gehabt. Ruhiger, intimer, so wie der Anfang des Films. Es hätte wunderbar gepasst, aber ich vermute, wir sind an einem Punkt, wo wir ein episches Finale benötigen. Der Rest des Films funktioniert für mich dafür wunderbar. Natasha, die sich einfach nur absetzen möchte, aber von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Die Verknüpfungen mit den anderen MCU-Filmen fühlen sich ungezwungen an. Nach Civil War ist ein geeigneter Zeitpunkt für die Geschichte.

Zwar gehen die emotionalen Momente teilweise in den brachialen Actionsequenzen unter, aber sie sehen dafür gut aus. Beispielsweise der Gefängnisausbruch von Red Guardian. Die Lawine, der Helikoper – für mich funktionieren diese Szenen. Das anschließende Familien-Dinner ist derartig cringe (ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein), dass es aus den Wänden trieft, spiegelt aber den aktuellen Zustand der Charaktere sehr gut wider. Black Widow ist vielleicht ein später, aber durchaus gelungener Abschied von dem Charakter und Scarlett Johansson. Ich korrigiere gerne meinen ersten Eindruck. Ich hatte eine gute Zeit und freue mich als Nächstes auf Shang-Chi.

XCU Rewatch | Rogue Noir

Wenn ich schon einen ausgedehnten MCU-Rewatch mache, dann richtig. Wir haben alle modernen Spider-Man-Filme besprochen. Und es werden noch weitere, ältere Comicverfilmungen folgen. Haben sie dem Zahn der Zeit widerstehen können? Wir werden es sehen. Doch bevor wir uns von den X-Men fürs Erste verabschieden, gibt es noch zwei Special Editions zu besprechen. Von Days of Future Past gibt es einen Extended Rogue Cut und von Logan eine dedizierte Schwarz-Weiß-Version namens Noir. Ändert das etwas an der Erfahrung der Filme? Ist es gut oder schlecht? Sehen wir sie uns an.

Days of Future Past – Rogue Cut

Ganze 20 Minuten dauert der Film in dieser Version länger. Es wurde nicht nur die Sequenz rund um die Rettung von Rogue ergänzt, sondern auch andere Szenen bekommen ein paar Sekunden mehr spendiert. Beispielsweise gibt es in der dystopischen Zukunft eine kurze Diskussion, ob sie überhaupt jemanden in die Vergangenheit schicken sollen. Sie reden über die Konsequenzen. Hinterfragen, ob es eine gute Idee ist und ob sie es damit nicht noch schlimmer machen würden. Es sind nur wenige Sekunden, doch so werden die jüngeren X-Men zu interessanteren Charakteren. Die Beziehung zwischen Kitty und Bobby wird deutlicher dargestellt. Sie verhalten sich wie ein glaubwürdiges Paar. Überhaupt werden Nebencharaktere mit ein bisschen mehr Dreidimensionalität ausgestattet. Das hebt die gesamte Filmerfahrung.

Am entscheidendsten ist allerdings die Ergänzung durch Rogue. Kitty wird von Wolverine aus Versehen schwer verletzt. Bobby schlägt vor, dass sie Rogue aus dem ehemaligen Xavier-Haus retten sollen. Dieses ist mittlerweile zu einer kleinen Basis der Gegner geworden, wo sie in Ruhe an Mutanten experimentieren können. Die Sequenz gefällt. Magneto und Charles bekommen ein wenig mehr zu tun und wir sehen einen Charakter wieder, der in den alten Filmen einen prominenten Platz eingenommen hat.

Ich muss sagen, der Rogue Cut war eine gute Entscheidung. 20 Minuten sind eine beträchtliche Menge. Doch all die kleinen Details, die während des Films ergänzt werden, machen einen gewaltigen Unterschied. Ich mag diese Version. Vielleicht wird sie sogar meine Standard-Variante, wenn ich mal wieder Lust auf Days of Future Past habe. Es ist und bleibt ein gewaltiger Film. Er sieht nicht nur gut aus, sondern ich zähle ihn 11 Jahre später immer noch zu den besten Comicverfilmungen.

Logan Noir

Ein Film, der ebenfalls zu den besten Comicverfilmungen zählt, auf jeden Fall zu den besten X-Men-Filmen, ist Logan. Ich hatte die Befürchtung, dass es zu viel wäre, den Film zweimal relativ dicht hintereinander anzuschauen, aber der andere Look macht einiges aus. Für die Noir-Version wurde der Film neu überarbeitet, damit dieser auch in Schwarz-Weiß gut aussieht. Ich bin jetzt nicht gerade ein Kenner von alten Schwarz-Weiß-Filmen, und wenn Logan extra für dieses Format gedreht worden wäre, hätten manche Szenen sicherlich einen härteren Kontrast, doch das Ergebnis beeindruckt.

Anders als bei Days of Future Past, wo die erweiterte Fassung mehr Tiefe und Kontext liefert, ist Logan Noir inhaltlich identisch und doch eine völlig andere Version. Das Fehlen von Farben macht etwas mit der Geschichte. Ich bin mir nicht sicher, wie ich es beschreiben soll. Ich habe nun auch keine favorisierte Version (Farbe oder Schwarz-Weiß). Beide haben ihre Daseinsberechtigung. Logan wirkt ernster, erbarmungsloser. Wenn man die Möglichkeit hat, Logan Noir anzusehen, würde ich das auf jeden Fall empfehlen. Der Film bleibt gewaltig und episch auf allen Ebenen. Für mich der perfekte Abschluss für Logans Geschichte.

XCU Rewatch | X-Men: Dark Phoenix

Ich bin sehr froh, mich entschieden zu haben, die letzten beiden Filme zu switchen. Dark Phoenix ist ein schöner Abschluss der Reihe. Auch wenn es natürlich kein perfekter Film ist und so manche Entscheidungen fragwürdig sind, bin ich doch positiv überrascht worden. Seit dem Kino-Release 2019 habe ich Dark Phoenix nicht mehr gesehen. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass der Film von den Kritikern und Publikum zerrissen wurde. Doch so schlecht fand ich ihn gar nicht. Vor allem das letzte Bild gefällt mir ausgezeichnet.

Wir befinden uns nun in den 90ern. Es ist der vierte Film mit diesem Cast und wir haben vier Jahrzehnte durchgenommen. Ich mag es, dass die Schauspieler*innen nicht künstlich gealtert wurden oder all die Ereignisse in nur wenigen Jahren stattfinden. So ist es näher an den Comics. Auch dort verändern sich die Charaktere nicht wirklich. Klar sehen sie mal anders aus, haben andere Kostüme oder werden von anderen Künstler*innen gezeichnet, was den gesamten Look ändert. Aber wirklich altern, tun sie nicht wirklich. Es gibt Ausnahmen, aber Zeit ist äußerst relativ in Comics. Es ist toll, dass die Filme dieses Konzept aufgreifen.

Die Geschichte an sich gefällt mir grundsätzlich gut. Ich mag es, dass sie sich wirklich auf Jean und die Phoenix-Force konzentrieren. The Last Stand litt unter dem Subplot rund um die Heilung, Jean war dort nur ein Nebenprodukt. Doch hier fokussiert sich die Handlung voll und ganz auf sie. Trotzdem ist es zu wenig Zeit, um eine solch komplexe Geschichte zu erzählen. Ursprünglich sollte Dark Phoenix ein Zweiteiler werden und ich denke, das hätte dem Film und seinen Charakteren sehr gutgetan. Es ist eine komplexe, weitreichende Geschichte mit vielen involvierten Parteien. Knapp zwei Stunden sind da etwas wenig.

Es fehlt der emotionale Anker. Ich bin mir nicht sicher, ob es am Drehbuch liegt oder die Schauspieler*innen nicht mehr wirklich Lust auf diese Charaktere hatten, die sie nun schon so lange spielen, aber mir fehlt die Verbindung zu ihnen. Natürlich gibt es Momente, in denen dies gelingt. Die meisten Dialoge wirken aber zu überstürzt und unnatürlich. So als wüssten die Charaktere, dass sie nur zwei Stunden Zeit hätten, um viel Handlung abzubilden. Zudem sind die Bösewichte und Gegner sehr zweidimensional. Wer sind sie? Was ist ihr Ziel? Was wollen sie mit dieser kosmischen Macht wirklich erreichen? Am Ende sind sie nur Kanonenfutter.

Ich bin etwas hin- und hergerissen, weil ich Dark Phoenix eigentlich gut finden möchte, aber er macht es mir nicht leicht. Immerhin ist es der letzte Film dieser Reihe und mein Adieu an die X-Men-Filme. Natürlich schaue ich sie mir weiterhin gerne an, doch dieser Rewatch, mit allem, was dazugehört, war eben doch etwas Besonderes. Es macht mir wirklich eine Freude, nicht nur die MCU-Phasen zu schauen, sondern noch links und rechts einiges mitzunehmen. Seien es die verschiedenen Spider-Man-Interpretationen, die X-Men-Filme oder was mir eben noch so zwischen die Finger kommt.

Immerhin ist die letzte Einstellung eine, die wirklich gut gefällt. Charles und Erik sitzen in einem Café in Frankreich und spielen Schach. Nach allem, was sie durchgemacht, was sie sich gegenseitig und der Welt angetan haben, verbindet sie doch ein gemeinsames Ziel und eine innige Freundschaft. Es ist ein schönes und hoffnungsvolles Bild. James McAvoy und Michael Fassbender haben sich diese Charakter zu eigen gemacht und ihnen ihren Stempel aufgedrückt. Sie sind fantastische Schauspieler, und ich mag ihre Interpretationen. Vielleicht sehen wir sie ja irgendwann einmal wieder in diesen legendären Rollen.

XCU Rewatch | Logan

Es gibt selten perfekte Enden in Filmen. Vor allem, wenn es Filmreihen betrifft. Noch weniger, wenn es spezielle Charaktere betrifft. Wobei es ziemlich einzigartig sein dürfte, was Hugh Jackman über 17 Jahre geleistet hat. Natürlich fällt einem Robert Downey Jr. ein und seine legendäre Rolle als Iron Man, die das MCU über Jahre geprägt hat. Doch lange vor dem MCU gab es die X-Men-Filme. Und darin hat sich Hugh Jackman als der einzig wahre Wolverine etabliert. Logan ist der Epilog seiner Geschichte.

Ich weiß gar nicht, wo ich mit Logan anfangen soll. Talentiertere Autor*innen haben sich über die Jahre über diesen Film ausgelassen. Im positivsten Sinne. Es ist ein Meilenstein von Superheldenfilmen. Er beweist, dass es auch anders geht. Neun Jahre nach The Dark Knight zeigt uns Logan erneut, dass man Superheldenfilme ernst nehmen kann und muss. Nur weil Superhelden darin vorkommen oder die Vorlage aus Comics stammt, heißt es nicht, dass man keine guten, tiefgreifenden, emotionalen Geschichten damit erzählen kann.

Natürlich kann ich als Fan der Reihe und Vorlage nicht sagen, wie gut Logan für sich funktioniert. Doch ich denke, er ist auch unabhängig von all den anderen Filmen eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Der Film erzählt im Grunde eine Vater-Tochter-Beziehung. Beide Seiten wussten lange Zeit nichts voneinander und müssen von einem Tag auf den anderen miteinander klarkommen. Die Tochter spricht nicht, vertraut niemandem und weiß, sich in der Welt nicht zurechtzufinden, weil sie in einem Labor gezüchtet und jahrelang trainiert und gefoltert wurde. Der Vater ist ein Mann, der zu viele Leben gelebt hat und dessen Vergangenheit ihn buchstäblich vergiftet. Ihn langsam dahin rafft.

Sie beide umgibt eine Welt, die sie nicht haben möchte. Mutanten sind ein Ding der Vergangenheit, dessen Überreste ausgerottet und verfolgt werden. Mit ihnen experimentiert man. Niemand interessiert sich für sie und wenn, dann ruft man die Behörden. Sie werden sich schon darum kümmern. Oder Schattenorganisationen schreiten ein. Hauptsache, sie sind weg. Es ist eine dunkle, dystopische Zeit, die sich trostloser anfühlt, als all die Szenen einer düsteren Zukunft, die wir in Days of Future Past gesehen haben. Jeder Lichtblick wird ausgelöscht, jeder Akt der Hilfe bestraft. Und doch gibt es auch Licht.

Dieses Licht ist das Band, das Vater und Tochter verbindet. Sie kämpfen nicht für die Welt. Sie bekämpfen nicht den Bösewicht, weil es das Richtige ist. Ihr Kampf ist ums Überleben. Zuerst beide für sich, doch mit der Zeit nähern sie sich an, vertrauen einander. Die finale Kampfsequenz im Wald ist nicht nur ein gnadenlos gut choreographiertes Gemetzel, es zeigt, wie sich Logan und Laura blind, geradezu instinktiv verstehen. Laura war zuvor still, sprach kein Wort, doch beobachtete sie ihre Umgebung genau. Probiert sich aus und lernt die Welt und die Wesen darin immer besser kennen. Sie lernt, Logan zu vertrauen, wie es Charles getan hat. Merkt ihm seine Vergangenheit an. Weil sie eine ähnliche hinter sich hat.

Logan ist sicher keine leichte Kost. Doch für einen Charakter wie Logan aka Wolverine ist es der perfekte Abschluss. Es ist ein Ende, das dem Charakter würdig ist. Deadpool hat zuvor gezeigt, dass R-Rated Superheldenfilme möglich und erfolgreich sein können. Diesen wunderbaren Abschluss haben wir also in gewisser Weise dem »Merc with a mouth« zu verdanken. Hugh Jackman verkörpert hier ein letztes Mal den Charakter, wie kein Zweiter es je tun wird. Jeder Schrei, jede Geste, all der Schmerz und Pein seiner Vergangenheit stehen ihm ins Gesicht und auf den Körper geschrieben. Jede Bewegung ist eine Qual. Und doch kämpft er weiter. Weil er etwas hat, wofür es sich zu kämpfen, zu sterben lohnt.

XCU Rewatch | X-Men: First Class

Nach X2 habe ich mich auf die Prequels der X-Men-Filme wohl am meisten gefreut. Michael Fassbender und James McAvoy als Erik und Charles, Kevin Bacon als Sebastian Shaw, unterstützt durch January Jones’ Emma Frost. Nicht zu sprechen von Rose Byrne als Moira MacTaggert, Jennifer Lawrence als Raven und Mystique und die vielen anderen tollen Charaktere, die im Film ihr Debüt feiern dürfen: Havok, Darwin, Banshee, Angel (nein, nicht der), Azazel, Riptide und Nicholas Hoult als Hank aka Beast. Es ist eine Ansammlung von Starpower, die einem X-Men Film würdig ist. Und alle Charaktere sind perfekt gecastet, wie bereits bei den Vorgängern.

Bei den X-Men kommt es vorwiegend auf die Charaktere an. Diese müssen gut geschrieben sein. Der Kern ihres Wesens muss den Zuschauer*innen klar werden. Wo sie herkommen. Denn wo sie hingehen, wissen wir bereits. In gewisser Weise wurde die Origins-Reihe, die mit Wolverine begann und endete, doch fortgesetzt. Nur eben anders, als wir es vielleicht vermutet hätten. Denn durch diese Prequels kommen wir in den Genuss, den Ursprung der lebenslangen Freundschaft und Rivalität von Xavier und Magneto zu beobachten. Außerdem finde ich es eine gute Idee und tollen kreativen Twist, dass Raven zuerst bei Charles unterkam und die beiden eine Freundschaft prägte, bevor sie sich entschlossen hat, sich Magneto anzuschließen. Es gibt dem Charakter Mystique noch einmal mehr Tiefe.

Ich finde es beeindruckend, dass die kreativen Köpfe hinter dem Film beschlossen haben, Magnetos Geschichte dort wieder aufzugreifen, wo sie schon im ersten Film begann. Im Konzentrationslager von Auschwitz. Wir werden Zeugen davon, wie Erik überhaupt erst seine Kräfte entdeckte (wenn ich es richtig verstanden habe, ist es das gleiche Bildmaterial wie im ersten Film, was die beiden einmal mehr verbindet). Wie Shaw (damals unter einem anderen Pseudonym) ihn durch Schmerz und Qual dazu brachte, seine Kräfte einzusetzen. Dieses Trauma greift Fassbender später immer wieder gekonnt auf. Beispielsweise als er beinahe ohnmächtig ist, wenn er Shaw in dessen U-Boot endlich gegenübersteht. Erik kennt nichts anderes, als seine Kräfte durch Zorn und Schmerz einzusetzen. Deshalb ist es auch so befreiend, als ihm Charles zeigt, dass mehr in ihm steckt, als selbst Erik je für möglich hielt. Konzentration liege irgendwo zwischen Wut und Gelassenheit, wie Charles es formuliert. Ein wirklich schöner Moment zwischen den beiden.

Die Entwicklung von Charles muss noch einen Film warten. In First Class ist er sehr von sich überzeugt und sich seiner Fähigkeiten bewusst. Beinahe schon arrogant, was das anbelangt und von seinem Ego besessen. Deshalb bekommt er kaum mit, wie Raven unter ihrer wahren, blauen Form leidet und dass sie einen echten Freund bräuchte. Doch er lässt sie eher links liegen. Dafür nimmt er seine späteren Recruiten ernst und zeigt ihnen, wie schon Erik, wie sie ihre Kräfte neu einsetzen können. Er motiviert sie dazu, über ihre Grenzen zu gehen. Dies sind wunderbare Szenen, die solche Filme erst zu etwas Besonderem machen. Raven bleibt jedoch auf der Strecke und so verliert er sie und sie schließt sich am Ende Magneto an.

Ich hatte schon ganz vergessen, wie viele tolle Charaktere der X-Men in diesem Film auftauchen. Oben habe ich sie ja alle aufgezählt und es wirklich schön, als X-Men-Fan so viele Charaktere in einem Film versammelt zu sehen. Besonders heute bin ich ein weitaus größerer X-Men-Fan als damals. Shaw und Emma Frost kenne ich nun um einiges besser. Nicht zuletzt durch die fantastische Krakoa-Ära der X-Men, die in den vergangenen Jahren für viele großartige Momente in den Comics verantwortlich war. Die Krakoa-Ära der X-Men hat vieles anders gemacht und ihnen zu neuem Ruhm verholfen. Wenn Marvel die X-Men endlich ins MCU einführt, dann würde ich mir das als Umsetzung wünschen. Durch diese Comics habe ich viele Charaktere erst so richtig kennen und lieben gelernt. Wie eben Emma Frost. Ihre Rivalität mit Shaw in diesen Comics liest man immer wieder gerne und wird hier unterschwellig aufgegriffen. Besonders Moira hat buchstäblich eine Transformation durchgemacht und könnte der Schlüssel sein, wie die Mutanten in den Filmen eingeführt werden. Ich würde es mir wünschen.

Was ich tatsächlich noch während des Films kurz googeln musste, war das Verhältnis zwischen Darwin und Havok. Ich denke ja, dass man als queere Person besonders aufmerksam gewissen Zeichen und Gesten gegenüber ist. So klein diese auch sein möchten. Doch die wenigen Szenen zwischen Havok und Darwin sprechen für mich eine eindeutige Sprache. Ich habe zwar keine Interviews der Schauspieler gefunden, wo sie dies direkt bestätigen, doch ich bin überzeugt, dass die beiden zumindest miteinander geflirtet haben, wenn nicht sogar mehr zwischen ihnen lief. Immerhin habe ich einen Artikel gefunden, der ähnliche Spekulationen anstellt (ich habe ihn unten verlinkt). Schade ist nur, dass Darwin so sinnlos sterben musste. Die Reaktion von Havok ist etwas nüchtern. Da hätte ich mir im Nachhinein mehr erwartet. Verschenktes Potenzial.

Vom Setting her bin ich von dem neuen Muster angetan. So spielt jeder der Prequel-Filme in einem anderen Jahrzehnt. Natürlich fangen wir in den 60ern an, wo die ersten X-Men-Comics entstanden. Wenn dann noch reale Ereignisse in die Geschichte verwoben werden, entsteht etwas wirklich Besonderes. Doch nicht nur das ist im Film gut umgesetzt. Etwas zu gut kommt der (manchmal nicht ganz) unterschwellige Rassismus und Sexismus rüber. Es ist zwar der Ära angebracht, doch wenn man schon Geschichte neu schreibt, hätte man auch hier gerne etwas mehr machen können. Vielleicht ist das zu viel verlangt für einen Superheldenfilm, doch wenn es ein Franchise leisten kann und darf, dann die X-Men. Die »Mutant Metaphor« ist immer wieder flexibel und anders eingesetzt und interpretiert worden. Eine neue filmische Inkarnation wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, diese Themen kritischer zu betrachten.

Dennoch ist First Class ein gelungener Film. Die schauspielerischen Leistungen sind alle auf einem verdammt hohen Niveau. Die Dialoge sind hervorragend geschrieben, nicht zu sprechen von der tollen Story. Gekoppelt mit den visuellen Effekten, einem Soundtrack, der nie zu überborden ist, sondern das Geschehen perfekt untermalt, haben wir einen großartigen Auftakt für eine neue X-Men Film-Ära.

XCU Rewatch | X-Men

Thanos ist besiegt, Tony Stark sei dank und der Rest der Welt muss sich erst wieder damit zurechtfinden, dass alle verlorenen Seelen zurückgekehrt sind. Die Infinity Saga ist komplett. Ein beeindruckendes und einzigartiges Stück Kinogeschichte endete. Deshalb machen wir in diesem Rewatch genau das, was auch Marvel nach dem Ende der Infinity Saga hätte machen sollen: eine Pause. Mindestens ein Jahr, wenn nicht sogar zwei, hätte es nach Spider-Man: Far From Home gebraucht. Auf diesen speziellen Lorbeeren hätte man sich gerne etwas ausruhen können. Neue Kräfte sammeln, Konzepte verfeinern und dann neu durchstarten. Wir machen das in diesem Rewatch, in dem wir uns den X-Men zuwenden. 13 Tage, 13 Filme.

„Welcome to Mutant High.“ – Bobby

Es ist fast exakt 25 Jahre her, als X-Men im Jahre 2000 ins Kino kam. Wahrlich unfassbar. Iron Man war schon ein Trip in eine andere Welt, aber X-Men setzt da auf jeden Fall erneut einen obendrauf. Ich war gerade einmal elf Jahre alt, als der Film erschien. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann ich den Film überhaupt das erste Mal gesehen habe. Im Kino war es, glaube ich, nicht. Aber zumindest im Free-TV des Öfteren und später auf DVD. Nun steht er als Blu-ray im Regal. Schon der Auftakt des Films mit den triumphierenden Fanfaren und einer virtuellen Kamerafahrt um das 20th Century Fox Logo zeugt von einer anderen Zeit.

Dieses Hoch ist aber sogleich unterbrochen, durch die darauffolgende Szene, in der wir einen jungen Erik Lehnsherr im KZ Auschwitz antreffen. Mit anderen Gefangenen wird er in das KZ gebracht und von seiner Mutter getrennt. Dieses Trauma, der Zorn und die Wut, die Verzweiflung in ihm, bringt ihn dazu, seine Kräfte des Magnetismus zu offenbaren oder überhaupt das erste Mal zu entdecken. Mir kamen dabei sofort die Szenen eines späteren X-Men-Films in Erinnerung, der uns mehr zeigt, was in dieser Zeit mit Erik geschah und wie die Nazis an ihm experimentiert haben. So gesehen ist ein Rewatch dieser Filme insofern tiefgreifender, als man natürlich das Wissen der zukünftigen Filme mitbringt. Auch wenn es nun schon sehr lange her ist, dass ich überhaupt einen der X-Men-Filme sah.

Fast hätte ich vor diesem Satz ein »Leider« gesetzt, aber ich bin mir bislang nicht sicher, ob das angebracht wäre. Es geht um den Stil des Films, der sich (leider) sehr an vorangegangenen, erfolgreichen Filmen orientiert. Besonders was die Stunts und Kämpfe anbelangt, haben sich die Macher stark an The Matrix orientiert, was sogar im Wikipedia-Artikel zum Film erwähnt wird. Die Drahtseileinlagen sind nicht wirklich das Problem, diese werden oft verwendet, nur versucht man hier krampfhaft die damals revolutionäre Stuntarbeit nachzuahmen und muss natürlich daran scheitern. Dass die X-Men schwarze Ledersachen tragen ist ein Zeichen der Zeit und war gerade total en vogue, aber für die Stunts und die Kämpfe hätte man sich gerne etwas mehr an der Vorlage entlang orientieren können. Mehr an den Charakteren, ihren Kräften und Fähigkeiten entlang. Nicht alle Mutanten kämpfen gleich.

Und weil wir schon bei Fähigkeiten sind: Es scheinen die Fähigkeiten von Storm nicht komplett verstanden worden zu sein. Zumindest werden sie ab und an auf fragwürdige Weise eingesetzt. Wind funktioniert eben nicht wirklich so, wie im Finale des Films angedeutet wird. Zumindest würde die Freiheitsstatue nicht mehr stehen, wenn Storm Logan mit einem Windstoß davonsegeln lassen will. Und Wolverine, auch wenn es cool aussieht, vielleicht, kann sich nicht einfach um einen Zacken der Krone der Freiheitsstatue wirbeln. Aber das sind alles Kleinigkeiten, in einem ansonsten beeindruckenden Film. Man darf eben nicht aus den Augen verlieren, dass wir uns im Jahr 2000 befinden. Es gab de facto keine wirklichen Comicverfilmungen. Das MCU war noch Jahre entfernt, und selbst der erste Spider-Man war gerade einmal eine Idee eines Produzenten. Nur Blade war ein paar Jahre zuvor erschienen und überraschte viele.

Und dafür, dass der Film vor 25 Jahren herauskam und ein Franchise für Fox starten sollte, wurde so einiges in den Film gepackt. Wer wusste damals schon über die X-Men Bescheid? Vielleicht waren noch Cyclops und Prof. Xavier manchen ein Begriff, aber dann wurde es auch schon dünn. Wolverine erfuhr seine Jahre im Rampenlicht erst durch die bravouröse Darstellung von Hugh Jackman. Patrick Stewart als Xavier und Ian McKellen als Magneto waren ein genialer Schachzug des Casting-Direktors. Die beiden in einem solchen Film als ehemalige Freunde und jetzige Rivalen zu sehen, ist immer wieder beeindruckend. Ihnen gehören manche der besten Szenen, und die Dialoge sind spannend geschrieben. Man merkt ihnen ihre Geschichte und turbulente Vergangenheit an. Nur manches wird durch unnötige Exposition zunichtegemacht. Charles muss etwa von Magnetos Helm schon länger wissen und nicht erst seit Kurzem. Immerhin kennen sie sich schon länger und stehen sich mit Sicherheit nicht erst seit zwei Wochen als Konkurrenten gegenüber.

Aber auch die anderen ausgewählten Charaktere passen wunderbar in den Film. Es sind weder zu viele noch zu wenige. Die Schule von Xavier wirkt insgesamt sehr lebendig, und wenn man die X-Men Comics kennt, wird man so manche Anspielungen verstehen. Wenn nicht, wirkt es interessant, aber man denkt vielleicht nicht näher darüber nach. Rogue als Einstieg in die Welt der Mutanten ist großartig. Zusammen mit der Sequenz im KZ und dem verzweifelten Einsatz von Eriks Kräften bekommen die Fähigkeiten der Mutanten als etwas Grausames, beinahe schon Body-Horror-mäßiges präsentiert. Selbst Wolverines erste Szene ist von Brutalität, Einsamkeit und einer scheinbar hoffnungslosen Suche nach Antworten geprägt. Diese Schwere tut dem Film gut, weil es dem Thema eine Ernsthaftigkeit verleiht. Wenn dann die X-Men mit ihren Kostümen und schicken Codenamen daherkommen, macht sich Logan zwar erst darüber lustig, aber die Bedrohung durch Magneto rückt dieses humoristische in den Hintergrund.

Der Gipfel des Body-Horrors ist natürlich Mystique. Sie kann sich in jeden Menschen verwandeln und seinen oder ihren Platz einnehmen. Sie kann Politiker mimen und so Regierungen manipulieren, vielleicht sogar zu Fall bringen. Weltgeschehnisse liegen ihr zu Füßen, und wenn sie möchte, kann sie tief in das weitere Voranschreiten der Geschichte eingreifen. An dieser Stelle möchte ich vor den Mühen, die Rebecca Romijn-Stamos auf sich genommen hat, um Mystique mimen zu können, den Hut ziehen. Wenn man ihren Interviews Glauben schenken darf, war es eine reine Tortur, das Kostüm anzulegen, geschminkt zu werden und in die Rolle zu schlüpfen. Man muss allerdings sagen, dass sich diese Mühen gelohnt haben, denn sie ist mit Abstand die beeindruckendste aller Mutanten. Die X-Men ziehen sich ihre Kostüme an, wenn überhaupt, Erik seinen Umhang und los geht’s. Aber sie sieht komplett anders aus und dadurch, dass es Make-up ist, beeindruckt sie noch 25 Jahre später.

Es werden aber nicht nur die Kräfte der Mutanten mit einer Ernsthaftigkeit behandelt, die dem ganzen Film guttut. Auch die Politik darum wird behandelt. Die politischen Diskussionen, die Forderungen von Senator Kelly und den Demonstrant*innen erinnern sehr stark an aktuelle Bilder aus den Nachrichten. Der Film bietet keine finale Antwort und kann diese auch nicht liefern. Aber allein schon, dass es thematisiert wird, wie mit Mutanten umgegangen wird, finde ich heute beeindruckender denn je. Es wird sich auch durch diese Trilogie durchziehen, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Nur einen Vergleich haben die Produzenten damals gescheucht und würden ihn heute ebenfalls nicht machen: Waffen. Denn die Analogie, die Jean in der ersten Diskussionsrunde wählt, ist die eines Autofahrers; der Vergleich mit dem Tragen von Waffen wäre natürlich passender gewesen, vor allem in Amerika. Doch soweit wollte sich Fox wohl nicht aus dem Fenster lehnen.

Zur Geschichte an sich muss ich wohl nicht viel sagen. Der Film ist 25 Jahre alt und wir machen hier schließlich einen Rewatch. Wie schon bei den Filmen des Marvel Cinematic Universe geht es mir um die Diskussion über den Film. Man kann allerdings sagen, dass die zugrundeliegende Geschichte einfach gestrickt ist, was ich dem Film nicht übel nehme. Immerhin musste X-Men viele Charaktere etablieren, ihre Beziehungen zueinander, ihre Kräfte und Fähigkeiten vorstellen und hat schwierige Diskussionen angesprochen (sowohl innerhalb der Mutanten-Community als auch außerhalb). Da braucht es keine komplexe Erzählung. Man hätte sich zwar das komische Dreieck rund um Logan, Jean und Scott sparen können, aber wir sind eben im Jahr 2000 und da hat man das eben noch so gemacht. Die ersten Szenen sind immer noch grandios, die Sequenz am Bahnhof beeindruckend. Aber der Film lebt ebenso von kleineren, intimen Momenten.

X-Men war und ist ein großartiger Auftakt in die Welt der Mutanten. Bis heute sind uns Marvel und Disney eigene Interpretationen dieser Welt und ihrer Charaktere schuldig. Sie bedienen sich noch an etablierten Konzepten, wie der Deadpool-Reihe und dem Ruf von Hugh Jackman als Wolverine. Leider nur mit mäßigem Ergebnis, wenn man mich fragt, aber dazu kommen wir noch. Erst einmal genießen wir diesen klassischen Einstieg ins X-Men Cinematic Universe, bevor es dieses Konzept überhaupt gab.