Browsing Category MCU Rewatch

MCU Intermission | Spider-Verse I

Es ist für mich unbegreiflich, wie ein Studio einerseits Meisterwerke, wie die Spider-Verse-Filme produzieren kann, aber andererseits ein Superschurken-Franchise aufzubauen versucht, das nicht nur mit jedem Film schlechter zu werden scheint, sondern für das sich auch niemand interessiert. Ich schreibe »scheint«, weil ich nach Venom: Let There Be Carnage aufgehört habe, mir diese Filme anzutun. Dieser Film war eine Beleidigung sondergleichen. Die Geschichte schlecht geschrieben, die Charakterisierungen alles andere als durchgängig und jeder Schweizer Käse würde vor den Logik-Löchern ehrfürchtig auf die Knie fallen, weil er glaubt, ein Gott stehe ihm gegenüber. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich im Zuge des MCU-Rewatch, der für mich unter anderem die Spider-Man-Filme von Sony beinhaltet, auch die Bösewicht-Filme mitnehmen soll? Reizen würde es mich durchaus, aber ob ich das überstehe, ohne dass aktiv Gehirnzellen dabei absterben? Mal sehen, ob es mir das Risiko wert ist.

Doch zurück zum Positiven: Spider-Man: A New Universe (oder Into the Spider-Verse, wie er im Original heißt) und seine Fortsetzung  Spider-Man: Across the Spider-Verse. Man kann nur hoffen, dass es bald neue Informationen oder einen Starttermin für den dritten Teil der Reihe gibt. Doch das wird leider immer unwahrscheinlicher. Ebenfalls ein nicht nachvollziehbares Verhalten von Sony. Als der erste Teil dieser Trilogie 2018 in die Kinos kam, hat wohl niemand mit einem dermaßen hochwertigen Film gerechnet. Der letzte Teil von The Amazing Spider-Man lag mittlerweile vier Jahre zurück, Tom Holland etablierte sich gerade im MCU und alle fragten sich, was Sony wohl mit der Spider-Man-Lizenz machen würde. Dass sie in die Richtung Animationsfilm gehen und dort versuchen, ein eigenes Multiversum aufzubauen, kam durchaus überraschend. Comic-Fans wissen natürlich über das Spider-Verse Bescheid, gab es doch ein gleichnamiges Comic-Event.

Das Comic-Event Spider-Verse fand, was mir offen gestanden nicht mehr bewusst war, ebenfalls 2014 statt und hat damals wirklich großen Spaß gemacht zu verfolgen. Geschrieben und verantwortet wurde dieses Mega-Projekt von Spider-Man-Autor Dan Slott. Dan Slott ist wohl einer der einflussreichsten Autoren von Spider-Man und hat das Leben von Peter Parker geprägt wie kaum ein Zweiter. Über 10 Jahre verantwortete er die Hauptreihe The Amazing Spider-Man. Man kann seinen Einfluss wohl nicht hoch genug einschätzen, und er hat durchaus großartige Storylines hervorgebracht. Darunter Superior Spider-Man, wo Doc Ock den Körper von Peter Parker übernimmt und für über 30 Ausgaben die Kontrolle hat. Es war zwar eine kontroverse Geschichte, doch ich mochte sie sehr gerne. Sie brachte frischen Wind rein und als Peter Parker schließlich zurückkehrte, stand er vor vollkommen neuen Aufgaben und Herausforderungen. Ich kann nur empfehlen, Dan Slotts Spider-Man Run eine Chance zu geben, unter anderem natürlich dem Spider-Verse-Event. Es ist komplett anders als im Film, aber nicht weniger tragisch und imposant.

Für die neuen Spider-Verse-Filme, welche ein größeres Franchise aufbauen sollen, in dem sicherlich geplant war oder ist, dass einzelne Charaktere Solo-Filme bekommen, hat Sony scheinbar die Besten der Besten zusammengetrommelt. Doch das viel wichtigere ist und das kann man nur von außen erraten versuchen: Ihnen freie Hand gelassen. Heraus kam die wohl originellste und beste Animationstechnik, die wir bis dato gesehen haben. Es ist die perfekte Art, einen Comic zum Leben zu erwecken. Ich weiß nicht, ob diese auch für andere IPs oder Charaktere funktionieren würde oder es nur bei Spider-Man so wunderbar passt, aber die Filme, die wir bisher bekommen haben, sind überragend. Es gibt die ein oder andere Sprech- oder Gedankenblase, verschiedenste Animationsstile greifen nahtlos ineinander, die Welt wirkt lebendig und die Action dynamisch.

Eigentlich sollte ein dermaßen chaotischer Animationsstil überfordern, doch man findet sich stets gut zurecht und es wirkt in sich konsistent. Was den verschiedenen Stilen natürlich zuträglich ist, ist eine Geschichte, deren Charaktere aus verschiedenen Dimensionen oder Welten kommen. Dadurch erhält jeder dieser Charaktere einen eigenen Stil, eigene Animationen und eine andere Art, sich zu bewegen. Der schwarz-weiße Spider-Man-Noir und die im Anime-Stil hervorgebrachte Peni in einem Film unterzubringen mag gewagt sein, doch das Risiko hat sich ausgezahlt. Die Charaktere unterscheiden sich deutlich voneinander, doch ergeben sie im Film ein sehr viel größeres Ganzes. Sie sehen aber nicht nur unterschiedlich aus, sondern folgen weiterhin ihren eigenen physikalischen Gesetzen. So kann Noir weiterhin keine Farben sehen und Spider-Ham seinen Cartoon-Hammer benutzen.

Was mir erst wieder durch den Rewatch der beiden Filme bewusst wurde, ist die Weiterentwicklung, die dieser Animationsstil zwischen den beiden Teilen durchgemacht hat. Der zweite Film startet im Universum von Gwen. Der Stil ist sehr viel kontrastreicher, die Farben dominieren und die detaillierten Zeichnungen rücken eher in den Hintergrund. Vor allem, wenn es um Gwen und ihren Vater geht. Wenn man sie interagieren und argumentieren sieht, wird einem bewusst, wie sehr sich die kreativen Köpfe hinter dem Film Gedanken darüber gemacht haben, wie sie die jeweiligen Farben der Charaktere am effektivsten nutzen können. Sie dienen dazu, Gwen weiter zu isolieren, die Unterschiede und die Kluft zwischen ihr und ihrem Vater noch spürbarer zu machen. Das eskaliert so weit, bis die Farben beginnen, von der virtuellen Leinwand zu rinnen. Es ist die maximale Verzweiflung, die Gwen gerade spürt und die wir in allem sehen, was das Bild ausfüllt. Doch die Farben können natürlich ebenso verbinden. Zudem können die Farben für Gwen als einen „versteckten“ Hinweis dafür gelesen werden, dass Gwen trans ist, aber das haben andere besser beschrieben, als dass ich es je könnte.

Man kann die Art, wie die Universen aufgebaut sind und ineinandergreifen, schon fast als expressionistisch beschreiben. Sie sind ausdrucksstark und voller Energie. Action, Gefühle, einfach alles, was die Charaktere, allen voran natürlich Miles und Gwen erleben, wird auf unterschiedliche Weise dargestellt und den Zuschauer*innen vorgeführt. Über die hervorragend geschriebenen Dialoge und die Dinge, die ich bereits erwähnt habe: Hintergründe, Farben, Animationsstile. Dazu zählen auch die Mimik und Gestik der einzelnen Spider-People. Jeder Charakter scheint eine eigene Art zu haben. Besonders in die Hauptcharaktere ist viel Individualismus geflossen. Sie sehen nicht nur von den Farben anders aus, Gesichter, Körpersprache, Formen, alles stammt aus ihrem eigenen Universum und dient dazu, diesen einen Charakter besser darstellen und sich ausdrücken zu lassen. Seien es die bereits erwähnten oder Peter B. Parker, Hobi (Spider-Punk), Jessica Drew (Spider-Woman), Pavitr Prabhakar (Spider-Man India) oder auch Miguel.

Der Fokus liegt stets auf den Charakteren. Das ist es, was die Spider-Verse-Filme auszeichnet und zu etwas Besonderem macht. Deshalb ist es auch so leicht, sich in dieser Welt zurechtzufinden, sich in ihr zu verlieren und mit dem Flow der Geschichte mitzugehen. Egal, ob es ein Multiversum umspannendes Abenteuer ist, oder was auch immer gerade auf der Leinwand oder dem Fernseher passieren mag, die Charaktere ankern uns. Deshalb empfinde ich den zweiten Teil wahrscheinlich auch als den schwierigsten und tragischeren, weil Miles vor sehr vielen Herausforderungen steht und sich scheinbar die ganze Welt, die ganzen Welten gegen ihn stellen. Doch das macht die Filme eben auch zu etwas Einzigartigem. Doch mit der Geschichte und den toll ausgearbeiteten Bösewichten beschäftigen wir uns nächste Woche.

MCU Rewatch | Spider-Man: Far From Home

Mit Far From Home endet die Infinity Saga nach 23 Filmen. Ich halte es für eine gute Entscheidung, dass Endgame nicht das direkte Ende war, sondern es noch eine Art Epilog mit Spider-Man gibt. Immerhin hat sich Tony als Mentor und Vaterfigur für Peter heraus getan. Dadurch bekommen wir mit diesem Film die Möglichkeit, uns nicht nur von dieser Geschichte des MCUs zu verabschieden und natürlich von Tony, sondern erfahren ebenso, wie die Zeit nach dem Fingerschnipp von Thanos war. 5 Jahre mussten die Menschen ohne die andere Hälfte auskommen, nur ums sie dann plötzlich alle wiederzuhaben. Wenn das keine traumatische Erfahrung ist, dann weiß ich auch nicht.

Gleich zu Beginn wird klar, dass sich die Welt verändert hat. Immerhin sind alle, die zurückgeblieben sind, um 5 Jahre gealtert. Diejenigen, die durch die Infinity Stones und Thanos ausgelöscht wurden, kamen jedoch wieder so zurück, wie sie vorher waren. Eine Diskrepanz, die erst einmal überwunden werden muss. Es muss ein Schock sein, geliebte Menschen erst zu verlieren und dann jahrelang zu versuchen, ohne sie zu leben. Nur um sie dann plötzlich wieder unter sich zu wissen. Wie macht man weiter? Was sind die Probleme und Herausforderungen, die sich dadurch ergeben? Wie geht die Schule damit um? Alles Fragen, die zu komplex und vielfältig sind, um sie in einem Film darzustellen. Hier wäre tatsächlich eine Serie spannend gewesen. Peter Parker hat jedoch nicht wirklich Zeit, die Dinge zu verarbeiten. Nick Fury kommt ihm da etwas dazwischen.

Ein Spider-Man-Film mit Quentin Beck aka Mysterio arbeitet selbstverständlich viel mit Illusionen und Tricks. Deshalb scheint die Frage wichtig, wie viel von Nick Fury und Agent Hill wir wirklich sehen. Ich würde schätzen, gar keine, denn zumindest Fury ist, wie wir durch die Post-Credit-Szene sehen, irgendwo im All unterwegs. Somit sind die beiden Skrulls, die Fury und Hill vertreten, für die Interaktionen mit Peter verantwortlich. Im Nachhinein lässt sich das natürlich immer leicht sagen, jedoch kamen mir die „Motivationsreden“ von Fury schon immer etwas suspekt vor. Peter liegt psychisch sowieso schon am Boden, da tritt er noch mit der Verantwortung, dass die Welt Spider-Man benötigt und er nun im Besitz eines Milliarden-Dollar schweren Verteidigungsnetzwerkes ist, nach.

Ich frage mich sowieso, warum es ausgerechnet Nick Fury ist, der Peter die Brille mit E.D.I.T.H. an Peter übergibt. Sollte das nicht Happy sein? Dieser kennt sich zumindest ein wenig damit aus, würde ich vermuten und könnte Peter etwas sanfter an die Sache heranführen. Auf der anderen Seite hat Quentin Beck, der scheinbar aus einem Paralleluniversum stammt, Fury und Hill darauf hingewiesen, dass die Erde kurz vor der Zerstörung steht. Sogenannte Elementals haben sich geformt und wollen die Erde vernichten. Warum und weshalb ist nicht so wichtig. Die Skrulls, die Fury und Hill vertreten, glauben dem dahergelaufenen, selbst ernannten Helden auch gleich. Ich war damals im Kino selbst fast davon überzeugt und gespannt, wie sie das Multiversum ins MCU einführen.

Die Auflösung, dass sich ehemalige Mitarbeiter*innen von Tony zusammengeschlossen haben, um Peter die A.I. und damit das Verteidigungsnetzwerk abzuluchsen, ist brillant gelungen. Es ist großartig, wie die einzelnen Puzzleteile zusammengeführt werden und ein stimmiges Bild ergeben. Quentin und die anderen haben das perfekte Zeitfenster erwischt. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte dieser Heist nicht funktioniert. Es brauchte die Abwesenheit von Fury, Peters traumatische Erfahrungen gekoppelt mit der Überforderung an Verantwortung und eine Welt, die sich gerade erst von einer unvergleichlichen Katastrophe erholt. Jake Gyllenhaal ist fantastisch und geht sichtlich in seiner Rolle als Schurke auf. Das Kostüm sieht toll aus und verbindet die Comic-Ursprünge von Mysterio gekonnt mit dem modernen Touch eines MCU. Man merkt auch, dass Gyllenhaal und Holland tatsächlich gute Freunde geworden sind, sie haben eine tolle Chemie zusammen.

Spider-Man außerhalb von New York zu sehen, ist ebenso eine herausragende Idee und bringt frischen Wind in die Spider-Man-Reihe. Wir haben über die Jahre schon viele Bedrohungen in New York gesehen, da ist es schön, wenn Peter und seine Freunde einen Abstecher nach Europa machen. Die Locations sind toll gewählt, abwechslungsreich und zeigen eine durchaus bunte, farbenfrohe und helle Seite, die man von Spider-Man aus den Comics gewohnt ist. Die Bilder vermitteln einen optimistischen Unterton, auch wenn die Geschichte an sich eher tragisch ist. Jon Watts und seinem Team gelingt es eine gekonnte Fortsetzung auf die Beine zu stellen, die zwar vieles anders macht und mit den Nachwirkungen von Thanos umgehen muss, aber trotzdem eine eigene Geschichte erzählt.

Die Entwicklung, die Peter hier durchmacht, geht zwar relativ schnell, aber ist ebenso nachvollziehbar. Durch Quentin lernt er erst so richtig einzuschätzen, was er selbst möchte und sich nicht zu sehr auf die Erwartungen anderer zu stützen oder diesen gerecht werden zu sollen. Ich mag beispielsweise den Moment zwischen Peter und Happy gegen Ende des Films. Davon hätte es gerne mehr geben dürfen. Sie trauern beide um Tony und müssen nun in einer Welt ohne ihn zurechtkommen. Peter zu sehen, wie er seinen eigenen Anzug zusammenstellt und schließlich in der Lage ist, Quentin zu besiegen – auf seine eigene Art und nicht wie es Iron Man getan hätte – ist großartig und beendet in gewisser Weise seine Heldenreise. Spider-Man ist inzwischen ein eigenständiger, etablierter Held, der selbst mit seinen Problemen zurechtkommen muss.

Die Effekte sehen wieder großartig aus. Besonders mag ich die Sequenz, in der Spider-Man in den Illusionen von Mysterio gefangen ist. Als wären die Comic-Panels zum Leben erweckt worden. Wirklich fantastisch umgesetzt und es kommt eine Furcht einflößende Atmosphäre auf. Doch mit dem Sieg über Mysterio ist es leider nicht vorbei. Dieser hatte noch ein letztes Ass im Ärmel. So kommt niemand geringeres an die Aufnahmen, kurz vor Quentins Tod, als J. Jonah Jameson. Damit enthüllt er für New York und die ganze Welt, wer hinter der Maske von Spider-Man wirklich steckt. Und wer könnte die Rolle des manischen Journalisten besser verkörpern, als derjenige, der diese schon 2002 innehatte: J.K. Simmons. Hut ab, Kevin Feige. Toller Schachzug.

MCU Rewatch | Avengers: Endgame

Normalerweise schreibe ich die Texte zu den Filmen oder Serien, die ich mir ansehe, erst am nächsten Tag. Ich lasse das Gesehene etwas auf mich wirken, denke darüber nach, stöbere auf Wikipedia und anderen Seiten herum. Doch es juckt mir unter den Fingern, meine Gedanken zu Endgame sofort niederzuschreiben. Über zwei Monate habe ich für einen Rewatch der Infinity Saga gebraucht (die Texte dazu erscheinen allerdings nur wöchentlich). Für dieses Finale (Spider-Man: Far From Home sehe ich eher als Epilog) habe ich mir extra Mikrowellen-Popcorn gemacht, ein Fläschchen Römerquelle Emotion geöffnet und wollte so einfach nur den Film genießen. Diesen Text schreibe ich nun bei einem Gläschen Baileys mit Zimtschnecken-Geschmack – zur Feier des Tages. Also, lasst uns über Endgame sprechen.

Wenn man das Wort »Fan-Service« in den Mund nimmt, hat dies meist einen etwas negativen Beigeschmack. Man denkt vielleicht an überfrachtete Filme, Serien, die zu sehr in ihrer Geschichte schwelgen oder alte Charaktere, die immer wieder vor die Kamera gezehrt werden. Alles, um eine Reaktion beim Publikum auszulösen. Doch für mich ist Avengers: Endgame genau das: perfekter Fan-Service. Ein besseres Finale hätte man für die Fans und die Charaktere nicht machen können. Über 10 Jahre sind die Fans Marvel und dem MCU treu geblieben. Wir haben mitgefiebert, Trailer analysiert und mit großen Erwartungen auf die nächsten Projekte und Ankündigungen gewartet. Endgame würde schlussendlich knapp 2,8 Milliarden Dollar einspielen. Diese Treue in diesem Ausmaß belohnt zu sehen, ist einfach nur großartig.

Die Zeitreise, die sich im Film als das Mittel der Wahl herausstellt, um den Fingerschnipp von Thanos ungeschehen zu machen, eignet sich wunderbar als eine Möglichkeit, die vergangenen 11 Jahre Revue passieren zu lassen. Es werden die Höhepunkte noch einmal besucht. Das allerdings auf eine Weise, sodass man als Fan einen neuen Blickwinkel auf bestimmte Situationen erhält. Natürlich ist es nicht vorbei, nur weil die gerade frisch gegründeten Avengers vor dem besiegten Loki posieren. Es geht danach für unsere Held*innen noch weiter. Nur haben wir das im Film nicht gesehen. Nun bekommen wir die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, wenn man so will. Man sieht beispielsweise, wie bescheuert es von außen aussieht, beobachtete man Peter Quill auf seinem Weg zum Space Stone. Steve (und damit auch das Publikum) bekommt unter dessen seine Entwicklung zwischen New York 2012 und heute (von Endgame aus gesehen) vorgeführt.

Doch nicht nur das passiert in diesen Rückblenden. Manche Charaktere bekommen eine zweite Chance. So wie Tony mit seinem Vater. Tony kann seinen Frieden mit ihm finden. Steve auf der anderen Seite sieht Peggy wieder und wie viel er ihr tatsächlich bedeutet hat. Wir haben das Bild von einem jungen Steve, bevor er das Serum bekommen hat, auf Peggys Schreibtisch zwar bereits sehen dürfen, doch er hat es jetzt das erste Mal mitbekommen. Was ihn wahrscheinlich in seiner schlussendlichen Entscheidung bestärkt hat, den Tanz, den er ihr vor so vielen Jahren versprochen hat, endlich einzulösen. Es sind einfach großartige Momente, die die treuen Zuschauer*innen belohnen. Doch ebenso werden die Charaktere selbst belohnt, etwa Thor, der sich von seiner Mutter verabschieden darf. Die Momente funktionieren somit auch nur für diese Gruppe an Menschen, die von Anfang an dabei waren und alles angeschaut haben. Als Quereinsteiger ist man mit Endgame sicherlich heillos überfordert.

Was mich an dem Film jedoch schon immer etwas gestört hat, war der Umgang mit Thors offensichtlicher Depression durch die traumatischen Ereignisse aus Ragnarok und Infinity War. Ich kann mich täuschen, aber für mich hat das Publikum es stets als Witz abgetan. Ja, es ist unerwartet, einen übergewichtigen Thor zu sehen, aber wenn man den Film ohne Publikum zu Hause sieht und nur die eigenen Reaktionen hat, merkt man erst, wie durchaus akkurat die Darstellung von Thors psychischen Problem ist. Thanos darf in seiner Nähe nicht einmal erwähnt werden, weil er sonst PTBS-ähnliche Reaktionen bekommt. Er trinkt viel, hängt nur zu Hause herum und würde wahrscheinlich komplett untergehen, wenn ihm nicht seine neuen Freunde Korg und das Insektenwesen Gesellschaft leisten würden. Chris Hemsworth leistet hier hervorragende Arbeit. Durch dieses immense Tief ist der spätere Triumph daher umso kathartischer.

Ich dachte erst, es stört mich, dass sich die anderen Avengers und Held*innen nicht mehr um Thor gekümmert haben. Doch sie alle haben in den vergangenen fünf Jahren mit ihren eigenen Dämonen und Herausforderungen gekämpft. Steve hangelt sich an Selbsthilfegruppen entlang, die er halb leitet, halb selbst dort nach Erlösung sucht; Bruce kämpfte um einen neuen Status quo mit Hulk; Natalie sucht verzweifelt nach Problemen, die sie lösen kann; andere sind überhaupt nicht auf der Erde und versuchen anderen Planeten zu helfen. Das ganze Universum hat die Hälfte des Lebens verloren und versucht irgendwie, mit den Nachwirkungen klarzukommen. Dass dadurch so manche Kontakte hinten bleiben und man sich aus den Augen verliert, bis man die Truppe wieder zusammenrufen muss, ist dann ziemlich verständlich.

Eine Tatsache, die Endgame noch einmal schön unterstreicht, ist, welch ein brillanter Bösewicht Thanos ist. Sowohl von der Darstellung des Charakters her und wie er geschrieben ist, als auch in seinem Verhalten im Film. Er handelt nicht übereilig oder überstürzt. Er denkt nach, analysiert die Situation und bedenkt jedwede Information, die ihm neu zugespielt wird. Dass es Nebula sein muss, die durch ihr eigenes neuronales Netzwerk (oder wie man das nennen mag) die Zeitreisepläne der Avengers offenbart, ist eine wirklich tolle Ironie der Geschichte. So kann Thanos auch gleich zuschlagen, nachdem Bruce in einem äußerst großartigen Moment das Leben im Universum wieder herstellt. Doch Thanos schreitet nicht selbst zur Tat, sondern lässt sich die Infinity Stones bringen. Er sitzt währenddessen einfach nur da und wartet. In seiner Brillanz steckt ebenso viel Hybris und Arroganz. Das bietet natürlich die perfekte Gelegenheit für Iron Man, Captain America und Thor, sich ihrem Erzfeind anzunehmen.

Thor hat in diesem Fall sogar zwei Hämmer zur Verfügung. Es entfaltet sich ein großartig choreografierter, mit gut aussehenden Effekten versehener Kampf, der seinesgleichen sucht. Jeder der drei Helden spielt seine Kräfte aus und gibt alles. Steve darf sogar endlich das Versprechen von Age of Ultron einlösen und Mjölnir hochheben. Ich habe noch immer die Reaktionen des Kinosaals, in dem ich Endgame nicht nur einmal gesehen habe, im Kopf. Noch heute schaue ich gerne Reaktionen auf YouTube an, genauso wie die Reaktionen auf eine spätere Szene. Die darauf folgende Sequenz, in der Steve sowohl seinen Schild als auch den Hammer in aller Perfektion nutzt, lässt wohl jedes Fan-Herz höher schlagen. Es ist ein Triumph, den man sich wohl nie erwartet hätte, im Kino sehen zu dürfen. Ein wahrlich heroischer Moment. Diese Momente reihen sich in diesem finalen Kampf, in diesem Endgame, jedoch Schlag auf Schlag aneinander. Es ist ein Fan-Service. Es ist einfach nur schön zuzuschauen und Zeuge zu werden, was jahrelange Planung bewirken kann.

Doch Thanos ist zu stark für Steve. Am Ende des grandiosen Kampfes steht er ihm alleine gegenüber. Mit einem gebrochenen Schild in Händen. Er kann und wird niemals aufgeben. Es folgt der wohl beste Callback der Kinogeschichte: Sam gibt Steve den Funkspruch »On your left« durch. Dank Doctor Strange tauchen nun alle Held*innen auf, die wir in den vergangenen Jahren begleiten durften. Sie sind zurück im Universum und eine neue Hoffnung breitet sich aus. So spricht Captain America zum ersten und letzten Mal die Worte, die man schon immer aus seinem Mund hören wollte: »Avengers, assemble«. Dazu kommt der Soundtrack von Alan Silvestri, der in den beiden Avengers-Filmen sein Bestes gibt und sowohl alte Themen wieder aufgreift als auch neu interpretiert und neue einfließen lässt. Es kommt das Beste aus den vergangenen Jahren zusammen. Peter Parker und Tony haben einen herzerweichenden Moment. Die Heldinnen des MCU dürfen sich zusammenschließen und den Infinity Gauntlet gegen die Heerscharen von Thanos verteidigen. Wenn Thanos nicht verzweifelt genug gewesen wäre und seine tödlichsten Kanonen auf das Schlachtfeld niederregnen ließe, hätte ihn Scarlet Witch aka Wanda mit Sicherheit auseinandergenommen. Wieder so ein kathartischer Moment, bei dem ich schon Gänsehaut bekomme, wenn ich daran denke.

Wanda: You took everything from me!
Thanos: I don’t even know who you are.
Wanda: You will.

Doch nicht nur Wanda bekommt ihre Chance, sich Thanos entgegenzustellen. Auch Carol Denvers darf sich mit Thanos messen und hätte ihn mit Sicherheit ebenso besiegt, wenn er sich nicht eines Infinity Stones bedient hätte. In diesen Kämpfen sieht man Thanos Erbarmungslosigkeit und seinen Einfallsreichtum. Immer wieder passieren tolle Schlagabtausche. Es gibt einfach zu viele tolle Momente in dieser Schlacht und im Film sowieso, als dass ich hier auf alle eingehen könnte. Ich hatte noch nicht einmal eine Chance, Natashas Opfer zu erwähnen. Der Streit zwischen Clint und ihr, wer sich nun für wen opfern darf, ist ebenso toll umgesetzt, wie Scott Langs Ankunft in einer Welt, die alles verloren und fünf Jahre getrauert hat. Oder das immer wieder aufkommende Thema des Vertrauens zwischen Tony und Steve. Wie tief die Verletzung aus Civil War bei Tony sitzt, bekommt man relativ am Anfang von Endgame schmerzlichst zu sehen. Doch sie lernen damit umzugehen und vergeben sich am Ende doch. Sonst hätten sie am Ende die zweite Zeitreise nie angetreten.

Avengers: Endgame ist das Ende einer langen Reise. Der 22. Teil einer Saga, die es so nicht wieder geben wird. Es ist und bleibt ein einzigartiges Unterfangen. Egal, was Marvel mit dem MCU treiben wird und was sie zukünftig auffahren, die Infinity Saga können sie nicht wiederholen. Dafür hat sich Marvel, Disney und die Welt zu sehr verändert. Aber darüber reden wir ein anderes Mal. Es ist einfach nur schön, Endgame und die Reise dorthin immer wieder antreten zu können, egal was noch kommen mag. Kevin Feige und sämtliche Autorinnen, Produzentinnen, einfach alle, die daran mitgearbeitet haben, haben uns etwas wahrlich großartiges geschenkt. Und welche Größen an Schauspieler*innen mitgewirkt haben, sieht man bei Tonys Beerdigung. Alle stehen am Ufer und gedenken des Opfers, das Tony erbringen musste, um Thanos zu besiegen.

Doch ehe der Film vorbei ist, gibt es noch die Credits, die alle Namen auflisten, die in Endgame mitgewirkt haben. Durch die Zeitreise haben es die Russo Brüder geschafft, alle wichtigen Charaktere noch einmal auftreten zu lassen und sei es nur für wenige Sekunden. Sie alle sind noch einmal zu sehen und dürfen sich quasi von den Fans verabschieden. Die größte Ehre und Aufmerksamkeit bekommen dabei natürlich die originalen Avengers. Jeremy Renner, Mark Ruffalo, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth, Chris Evans und natürlich Robert Downey Jr. bekommen ihre eigene Karte, mit ihrer Unterschrift versehen. Dazu ertönt der originale Avengers-Soundtrack in neuem Klang und unterstreicht so das Ende der Reise.

Bevor wir uns eine kleine Pause von den „offiziellen“ MCU-Filmen nehmen, sehen wir uns noch den Epilog Spider-Man: Far From Home an. Die Welt mag einen Helden verloren haben. Doch für Peter war er Mentor und eine Vaterfigur. Ich bin tatsächlich gespannt, wie der Film auf mich wirken mag. Ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen und bin offen für Überraschungen.

MCU Rewatch | Captain Marvel

Ich bin mir nicht sicher, wie ich in diesen Text einsteigen soll. Es gehen mir so ein paar Gedanken durch den Kopf, die ich noch nicht ganz einzuordnen weiß. Bei den bisherigen Filmen konnte ich stets auf etwas referenzieren oder hatte sofort eine Idee, welche Punkte mir wichtig sind. Bei Captain Marvel habe ich zwar ebenso Themen, die ich gerne durchgehen möchte, doch mir fehlt etwas der rote Faden. Dabei ist der Film an sich toll gemacht. Brie Larson als Carol Denvers ist eine fantastische Besetzung und verleiht dem Charakter etwas Einzigartiges, was man in dieser Art noch nicht im MCU gesehen hat.

Es beginnt schon allein mit dem anfänglichen Trainingskampf zwischen ihr und Yon-Rogg (Jude Law). Sie hat ihre Kräfte, kann diese aber nicht vollständig einsetzen. Ständig wird ihr gesagt, dass sie ihre Gefühle unter Kontrolle bringen soll und die Macht, die sie erhalten hat, wieder weggenommen werden kann. Zwar stimmt es, dass sie auch ohne Kräfte auskommen sollte – etwas Ähnliches musste auch Peter Parker lernen, als ihm Tony den Anzug wieder weggenommen hat, wenn er nämlich ohne den Anzug nichts ist, dann hat er ihn auch nicht verdient – doch sind sie, seit dem Unfall, ein integraler Bestandteil ihres selbst. Außerdem ist Carol scheinbar die Einzige, die diese Fähigkeiten hat, auf dem gesamten Kree-Planeten.

Seit sechs Jahren ist sie dort, wird ausgebildet und in Missionen für einen Krieg geschickt, mit dem sie eigentlich nichts zu tun hat und, wie sich später herausstellen sollte, auch noch auf der falschen Seite kämpft. Für mich ist es deshalb fast einleuchtend, dass Vers (wie sie die Kree nennen), unterbewusst weiß, dass sie allen überlegen ist. Das merkt man vorrangig an der Art, wie Brie Larson den Charakter spielt. Sie ist meist locker drauf, gibt coole Sprüche zum Besten und wirkt stets so, als habe sie die Kontrolle über sich und die Situation. Sie kann sich gut auf neue Situationen einlassen und versteckt sich nicht. Das wird deutlich, als sie auf der Erde abstürzt. Sie läuft in ihrer Uniform herum, sagt, wer sie ist und was sie sucht. Kein Versteckspiel.

Ich mag diese Art der Charakterdarstellung. Es ist nicht übertrieben oder zieht die Situationen um sich ins Lächerliche. Es sind keine Meta-Kommentare oder sonstiges. Sie lässt sich von den Situationen leiten und sieht, was passiert, weil sie ihre Kraft hat und auch sonst weiß, wozu sie in der Lage ist. Das steigert sich im Laufe des Films immer mehr, bis ihr schließlich klar wird, dass sie in ihrer Macht eingeschränkt wurde. Sie kann sehr viel mehr. Und sie wurden ihr nicht gegeben, sie hat sie bekommen. Durch einen Unfall mit einem Infinity Stone.

Doch zeichnet den Charakter noch etwas anderes aus und das ist ihr unbändiger Wille und ihre Durchsetzungskraft. Das wird visuell wunderbar dargestellt. Durch verschiedene Lebenssituationen hindurch sehen wir, wie Carol zwar immer wieder auf die Schnauze fällt, aber auch immer wieder aufsteht, um es erneut zu versuchen. Es ist ein sehr heroisches Bild und wirkt unfassbar mächtig. Es ist das, was uns Menschen auszeichnet. Die Kree-Intelligence unterschätzt das und zahlt den Preis dafür. Genauer gesagt, die Truppe um Yon-Rogg zahlt den Preis und die scheinbar grausamen Skrulls haben eine neue, mächtige Verbündete gefunden.

Marvel trumpft erneut mit ihrer großartigen Verjüngungstechnologie auf. Samuel L. Jackson sieht stets fantastisch aus und man kauft ihm das jüngere Alter auf jeden Fall ab. Es scheitert manchmal nur an seinem Gebären. Aber ein über 70-Jähriger bewegt sich nun mal etwas anders als jemand, der nur halb so alt sein soll. Trotzdem funktioniert es hervorragend und die Chemie mit Brie Larson bzw. die Zusammenarbeit zwischen Carol und Fury macht einfach nur Freude beim Zuschauen. Das Kennenlernen, das anfängliche Misstrauen und wie sie sich schließlich immer mehr vertrauen, ist großartig umgesetzt und folgt einem angenehmen, nachvollziehbaren Tempo. Nicht vergessen darf man selbstverständlich Furys Begeisterung der Katze gegenüber, genauer gesagt dem Flerken, Goose.

Maria Rambeau (Lashana Lynch) und ihre Tochter Monica (Akira and Azari Akbar), die im MCU noch eine größere Rolle spielen wird, dienen perfekt als Ruhepol im Film. Ein Zuhause, wohin Carol zurückkehren kann, zu Menschen, denen sie vertrauen kann und die sie mit ihren vergessenen Erinnerungen zusammenbringen. Es sind tolle, einfühlsame Szenen. Doch nichts wärmt das Herz so sehr, wie die lang ersehnte Wiedervereinigung von Talos (Ben Mendelson) mit seiner Familie. Es ist eine wundervoll gespielte Szene, in der man spürt, dass es das erste Mal ist, dass Talos seine Tochter sieht. Sechs Jahre waren sie getrennt und sind nun wieder vereint.

Captain Marvel ist ein großartiger Film. Leider hat es 19 Filme gedauert, bis eine Frau die Hauptrolle in ihrem eigenen Solo-Film spielen darf. Black Widow, der ein paar Jahre später erscheinen soll, kommt mir etwas zu spät, aber darüber reden wir, wenn es so weit ist. Erst einmal gilt es, den Erfolg von Captain Marvel zu feiern. Sie ist ein toller, mächtiger Charakter mit einer aufregenden Geschichte. Sie lernt im Film, sich nichts einreden zu lassen, sondern sich selbst zu vertrauen. Carol hat Menschen und inzwischen auch Skrulls in ihrem Leben, denen sie vertrauen kann und will ihre vergangenen Fehler wiedergutmachen. Ich bin sehr gespannt, wann wir sehen, wie sie die Kree erledigt und es mit der Kree-Intelligence aufnimmt. Aber der Auftakt war und ist heroisch.

MCU Rewatch | Ant-Man and the Wasp

Auf diesen Film war ich sehr gespannt. Ich habe ihn, wenn ich mich recht entsinne, seit dem Kinobesuch vor über 6 Jahren nicht mehr gesehen und keine guten Erinnerungen daran. Wobei das eher einem Gefühl entspricht. Konkret benennen, woher diese eher negativen Eindrücke kommen, kann ich leider nicht mehr. Deshalb bin ich sehr froh, mich bei diesem Rewatch entschieden zu haben, wirklich alle Marvel-Filme noch einmal anzusehen. So bekommt jeder eine zweite Chance. Bisher wurde ich nicht enttäuscht. Glücklicherweise ist Ant-Man and the Wasp keine Ausnahme.

Wenn ich so darüber nachdenke, gefällt mir der zweite Teil sogar um einiges besser als der erste. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Fortsetzung konsequenter und stringenter wirkt. Er kommt aus einer Hand, wenn man so will, aus einer Vision heraus, wie dieser Film aussehen und was dessen Geschichte bewirken soll. Hat man dem ersten Teil noch seine schwierige Produktionsgeschichte angemerkt, so sind diese bei Ant-Man and the Wasp nicht mehr spürbar. Es ist eine tolle Reise, deren Ensemble-Cast immer wieder glänzen darf und wo alle Charaktere ihre Momente bekommen.

Die Bösewichtin wird zwar als skrupellose Schurkin eingeführt und hat eine schwierige Vergangenheit, doch im Grunde wurde sie ihr Leben lang ausgenutzt und ein Versprechen auf Heilung immer wieder enttäuscht. Sie ist zutiefst verletzt, verzweifelt und will einfach nur ihre permanente Pein loswerden. So hat man am Ende durchaus Mitgefühl mit ihr und es ist schön zu sehen, dass sie mit Bill Foster jemanden gefunden hat, der sie auf den richtigen Pfad zurückführen möchte. Heilung, ja, aber nicht um jeden Preis. Bill Foster wird großartig porträtiert von Laurence Fishburne. Ich hatte schon ganz vergessen, dass er in diesem Film mitspielt. Er hat eine tolle Chemie mit Hannah John-Kamen, die die Verzweiflung ihrer Figur wunderbar darstellt. Die Effekte ihrer Fähigkeiten tragen ihr Übriges dazu bei, sie zu einer tollen Bösewichtin zu machen.

Doch wie auch schon im letzten Film ist meine Lieblingskombo Scott mit seiner Tochter Cassie (erneut von Abby Ryder Fortson gespielt). Die Anfangssequenz mit ihrem Zuhause kreierten Abenteuern und die Unterhaltungen, die die beiden im Laufe des Films haben, erwärmen einem immer wieder das Herz. Es ist großartig zu sehen, wie sehr sich Scott Mühe gibt, nur das Beste für seine Tochter zu tun und sie nicht zu enttäuschen. Doch ihre aufbauenden Worte, als sie erfährt, dass er wieder in die Rolle des Ant-Man geschlüpft ist und wie Cassie ihn deckt, indem sie dem FBI-Agenten Paroli bietet – das alles sind immer wieder Höhepunkte des Films. Es braucht nicht immer große Action-Sequenzen oder CGI-Gewitter. Manchmal braucht es nur schöne Momente mit tollen Charakteren.

Im ersten Teil fand ich Scotts Gang mit Luis, Kurt und Dave etwas nervig. Vor allem haben die Macher Michael Peñas Talent etwas zu oft eingesetzt. Ich glaube, dreimal durfte er in seiner toll überspielten, rasant redenden Art eine Geschichte erzählen. Hier ist es nur einmal der Fall und es wirkt sogleich besser. Man freut sich direkt darauf, wenn er loslegen darf, und es passt in die Geschichte hinein. Er zögert die Wirkung des Wahrheitsserums so lange hinaus, bis es nicht mehr geht. Die eingespielten Momente, in denen sich die Charaktere so ganz anders verhalten als sonst, sind ebenso brillant umgesetzt. Doch auch Kurt und Dave haben am Ende des Films ihren großen Auftritt und überwältigen den zweiten Bösewicht des Films, der eher zu einem Comic-Relief verkommt; was aber nicht weiter störend auffällt.

Das große Thema des Films, wie auch schon beim Vorgänger, ist Familie. Hank und Hope wollen ihre im Quantum-Realm verschwundene Frau bzw. Mutter wiederfinden. Die Macher des Films fallen dabei stets mit großartigen, kreativen Ideen auf, wie man Hanks Technologie, Dinge schrumpfen und vergrößern zu können, einsetzen kann. Seien es die Miniaturautos, die in einer entsprechenden Schachtel aufbewahrt werden, die Verfolgungsjagden oder gar die Verwendung des Gebäudes mit Hanks Labor als Trolley-Koffer. Doch auch Scott darf sein Talent für größe, wenn man so will, wieder zum Besten geben und mimt ein Meeresungeheuer. Dazwischen noch ein paar nette Scherze mit dem FBI-Agenten und man hat einen wirklich schönen Film beisammen.

Doch den Film zeichnet noch etwas anderes aus, was wir bisher immer nur am Rande mitbekommen haben: Die Konsequenzen von Civil War sind hier deutlich zu spüren. Ant-Man and the Wasp zeigt, was mit den „normalen“ Superhelden passiert, die nicht so privilegiert oder ressourcenstark sind wie ein Tony Stark oder Steve Rogers. Es war schon hart zu sehen, in Civil War, wie Scott und Co. im Hochsicherheitsgefängnis auf hoher See gefangen gehalten wurden. Der Zeitsprung von zwei Jahren wird sehr subtil in Ant-Man and the Wasp eingebaut und funktioniert. Erneut ein Marvel-Film, der mich positiv überrascht hat, aber mittlerweile sollte ich das ja gewohnt sein.

MCU Rewatch | Avengers: Infinity War

Nach 18 Filmen und 10 Jahren war es endlich so weit. Avengers: Infinity War kam 2018 in die Kinos. Der erste Trailer machte neugierig, verriet nicht zu viel und war auch das einzige Promo-Material, das ich mir damals angeschaut habe. Ich wollte mit so wenig Vorwissen wie möglich in diesen Film gehen. Das haben sie später für Endgame noch einmal verbessert, da sie hier nur Filmmaterial aus den ersten 15 oder 30 Minuten verwendet haben, wenn ich mich richtig erinnere. Ich setzte mich also für eine der ersten OV-Vorstellungen von Infinity War in den IMAX-Saal des heute leider nicht mehr existierenden Cineplexx am Hauptbahnhof und machte mich bereit für eine außergewöhnliche Reise.

Es ist schon faszinierend, dass dieses Unterfangen gelungen ist. Natürlich war die Qualität der Marvel-Filme über die 10 Jahre nicht immer auf demselben Niveau, allerdings konnte man sich als Fan der Comics immer etwas herausziehen. Aber auch wenn man bis zu diesem Zeitpunkt kein Kenner der Comics war, so wurden mit diesen Filmen viele Marvel-Fans geboren. Die verschiedenen Origin-Filme führten die Charaktere hervorragend einem neuen Publikum vor. Nach und nach erschloss sich somit eine Welt, die sich aus den verschiedensten Genres, Welten und Technologien zusammensetzt. Sei es die bodenständige Thriller-Welt eines Steve Rogers, die hoch technologisierte Welt von Thor (die schon fast an Magie grenzt), Doctor Stranges magische Ausflüge oder die unzähligen Welten im All, die von den Guardians of the Galaxy bereist werden. All das teilt sich ein Universum und macht Marvel, egal ob in den Comics oder in den Filmen, zu etwas Einzigartigem. Es ist seit über 60 Jahren eine fortlaufende Geschichte mit vielen Facetten.

Deshalb sind die Charaktere so nahbar. Man verfolgt über Jahre ihre Entwicklung. Doch sie schreiben ihre Geschichten nicht unabhängig voneinander. Natürlich erlebt jeder Held und jede Heldin eigene Abenteuer. Doch die Verbindungen zueinander, die immer wieder vorkommen, sei es in den Avengers-Filmen oder erweiterten Solo-Auftritten, schweißen die Charaktere zusammen. Für Zuschauer*innen ergibt sich so ein dreidimensionales Bild. Wenn dann noch ein Bösewicht dazukommt, der nachvollziehbare Beweggründe für sein Handeln hat und scheinbar ein besseres Universum für die Lebewesen darin erschaffen möchte, erhält man einen Film, der hervorragend als Abschluss für ein gewaltiges Unterfangen dient. Oder zumindest dem ersten Teil davon.

Es war eine gute Entscheidung, den finalen Kampf gegen Thanos in zwei Teile aufzuteilen. So kann der Schock des Fingerschnippens und der Verlust der Charaktere in den Zuschauer*innen nachwirken. Mit der Fortsetzung von Ant-Man und der etwas späten Einführung von Captain Marvel, gibt es dazu noch zwei Zwischenfilme, die nicht nur die Konsequenzen aufzeigen, oder welche Situationen entstehen können, sondern sie lenken den Blick etwas von der Tragödie ab, bevor man mit Endgame einen kleinen Zeitsprung wagt.

Vielleicht war das auch der größere Gedanke dahinter. Denn die eigentlichen Konsequenzen werden nur angedeutet; nicht wirklich in aller Tiefe behandelt. Dafür hätte es vielleicht einen dritten passenden Film gebraucht, der das Ganze wahrscheinlich zu sehr in die Länge gezogen hätte. Aber das besprechen wir eventuell später, wenn es konkret um Endgame geht. Jetzt steht Infinity War im Fokus. Über lange Zeit wurden die Infintiy Stones in den vorherigen Filmen eingeführt und haben immer wieder die Orte getauscht. Nun geht es endlich um das Zusammenbringen der Steine und vor allem natürlich darum, wie sich unsere Held*innen auf die Begegnung mit ihrem stärksten Gegner vorbereiten.

Die Ausgangssituation zu Beginn des Films ist tatsächlich alles andere als rosig. Thor schwirrt mit seinen überlebenden Asgardians auf einem Schiff irgendwo im Weltall herum, Tony und Steve haben sich zerstritten, keiner (außer Thor) weiß etwas von Hulks Verbleib und Wakanda hat gerade erst begonnen, sich der Welt zu öffnen. Ich habe bereits in Guardians of the Galaxy hervorgehoben, wie wichtig es ist, die einzelnen Charaktere und Gruppen gut zusammenzuführen. Es darf sich nicht erzwungen anfühlen, sondern muss nachvollziehbar bleiben. Dies gelingt den Russo Brüdern sehr elegant. Sei es Bruce Banner Absturz im Sanktum Sanktorum oder dass dadurch Doctor Strange Tony Stark hinzuholt, der wiederum Spider-Man nach sich zieht. Die Guardians reagieren auf den Notruf von Thors Leuten, womit auch diese beiden Fraktionen zusammengeführt werden und Teile davon schließlich mit Helden von der Erde auf Thanos Heimatplaneten Titan aufeinandertreffen. Es geht alles Schlag auf Schlag. Trotzdem bleibt es ein angenehmes Erzähltempo.

Wie auch schon in den vorherigen Filmen werde ich nicht in aller Tiefe die Geschehnisse im Film nacherzählen. Immerhin ist es ein Rewatch und ich gehe davon aus, dass alle, die diese Textreihe verfolgen, mit den Filmen mehr oder weniger vertraut sind. Mir geht es eher um die größeren Zusammenhänge, was man eventuell aus diversen anderen Texten in Erfahrung bringen kann, was mir auffällt oder was ich von den Filmen heute halte. Mir sind die Themen, die in den Filmen aufkommen, bei diesen Besprechungen wichtiger, als die einzelnen Szenen zu beschreiben, oder ich will einfach nur coole Momente hervorheben.

So wie die beste Szene des Films, in der sehr viel drinsteckt. Gleich zu Beginn von Ragnarok hat Thor seinen Hammer verloren, der durch Hela mühelos zerstört wurde. Er wurde zu Kämpfen gezwungen, sah zu, wie seine Heimat explodierte und die Überlebenden von Thanos und seinen Kindern massakriert wurden. Dazu gehören nicht nur Heimdal, der vor seinen Augen erstochen wurde, sondern auch Loki. Thanos hat ihm alles genommen und er war machtlos. Doch dank der Rettung der Guardians bekommt er eine zweite Chance, sich zu rächen und es besser zu machen. Mit Groot und Rocket reist er nach Nidavellir, um mithilfe des Zwergenkönigs Eitri (brillant verkörpert von Peter Dinklage) einen neuen Hammer zu schmieden: Stormbreaker. Die Dramaturgie dieser Szenen, Thors unbeugsamer Wille und schiere Macht, die es ihm erlauben die volle Kraft eines Neutronensterns abzufangen, und Groot, der seinen Arm hergibt, damit die Axt ihren Stiel bekommt. Es ist einfach großartig. Dann tauchen die drei auf dem Schlachtfeld von Wakanda auf. Alles scheint verloren, doch die Lichter des Bifrost erscheinen und bringen Thor, Groot und Rocket. Alle Blicke sind auf sie gerichtet. Drei Worte reichen aus (»Bring me Thanos!«) und die drei stürzen sich, von brachial epischer Musik begleitet, ihren Feinden entgegen. Wenn es eine heroische Szene im Film gibt, dann ist es diese.

Doch Infinity War kann genauso erbarmungslos sein. Man denke nur an die Folterszene von Nebula. Allein bei dem Gedanken daran zieht sich alles in mir zusammen. Das Opfer, das Gamora bringen muss, damit Thanos seinen Soul-Stone bekommt. Der verzweifelte Kampf eines zusammengewürfelten Teams auf Titan, um Thanos den Handschuh zu entreißen. Oder die letzten Worte von Doctor Strange, die zwar hoffnungsvoll sein sollen, doch nicht so wirken. Die Spitze des Eisbergs sind Peters letzte Worte an Tony, bevor er ebenso in Staub zerfällt und repräsentativ dafür steht, was nun im gesamten Universum, auf allen Planeten geschieht. Thanos hat gewonnen, da hilft auch Wandas schwieriges Opfer nicht, Visions Infinity Stone zu zerstören. Denn wer den Time Stone hat, für den gibt es keine Limits.

Infinity War ist ein äußerst gelungener Auftakt für ein lang ersehntes Finale. Ich habe die Filme in relativ kurzer Zeit geschaut. Vor allem die letzten fünf oder so schaute ich innerhalb von zwei Wochen und auch die nächsten werden in kurzen Abständen folgen. So bleibt man noch mehr in dieser Welt, es fallen einem eventuell neue Zusammenhänge auf und bei mir ist es zumindest so, dass ich länger darüber nachdenke. Genauso wie, wenn man die drei Herr der Ringe-Filme auf ein Wochenende aufteilt. Dieses Wochenende findet dann gedanklich viel in Mittelerde statt, wodurch die Geschichten und die Erlebnisse der Charaktere intensiver wahrgenommen werden. Ich bin sehr froh, mich weiterhin in diesem Maße von Filmen mitreißen lassen zu können.

MCU Rewatch: Black Panther

Black Panther gehört zu den besten MCU-Filmen, die wir bisher bekommen haben. An dem Film stimmt einfach alles. Von der Besetzung über den großartigen Soundtrack, das Design hin zur Geschichte. Alle Teile greifen wunderbar ineinander, um etwas wirklich Spezielles zu erschaffen. Ryan Coogler führte dabei nicht nur Regie, sondern war ebenso Teil des Autorenteams. Wenn man einen Regisseur hat, dessen Vision nicht nur ins MCU passt, sondern dem man vielleicht auch entsprechende Freiheiten gibt, diese umzusetzen, kommt so ein Film dabei heraus. Das Intro von Coogler, in dem er die Zuschauer*innen begrüßt, zeugt von einer Leidenschaft für den Charakter und wie wichtig es ihm war, dessen Geschichte zu erzählen.

Welche Bedeutung diese Prominenz eines Schwarzen Superhelden für Kinder hat, die sich nun ebenso im MCU vertreten sehen, kann man sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Ich kann mich an ein paar Reaktions-Videos zum Trailer vom Live-Action-Film zu Arielle erinnern, wo einem das Herz aufgeht. Es ist immer wieder schön zu sehen, welche Auswirkungen authentische, ernst gemeinte und mit Respekt umgesetzte Repräsentation hat. Egal, um welche Minderheit oder Community es auch gehen mag. Black Panther war sicherlich ein Meilenstein, der auf den Grundfesten vorangegangener Projekte wie Blade aufbauen, aber trotzdem seinen eigenen Abdruck hinterlassen konnte. Ich wage es nicht zu beurteilen, ob die Authentizität in Bezug auf die abgebildeten Stämme, Rituale, Kleidung und so weiter in sich stimmig ist, das können andere sehr viel besser.

Was ich allerdings sagen kann, ist, dass der Film für mich einfach großartig funktioniert. Die Geschichte um den in Civil War ermordeten König T’Chaka ist äußerst vielschichtig, und immer wieder kommt die zugrundeliegende Thematik im Film hervor. Nicht nur, was ein König von Wakanda leisten muss und welchen Preis er bereit ist zu bezahlen, damit das Geheimnis von Wakanda nicht nach außen getragen wird. Sondern ob diese Zurückhaltung überhaupt gut ist für Wakanda und den Rest der Welt. Anhand von Okoye wird die andere Seite dieses inneren Konflikts gezeigt. Als Generalin der Dora Milaje, Wakandas Spezialeinheit, ist sie dem Thron verpflichtet, egal, wer darauf sitzen mag. Sie orientiert sich an den etablierten Traditionen und als ein totgeglaubter T’Challa zurückkehrt, nutzt sie dieses Schlupfloch, wenn man so will, um sich gegen einen König zu stellen, der der Welt den Krieg erklären möchte, auch wenn sie sich damit gegen die Ideologie ihres Ehemanns stellt und ihn bekämpfen muss.

Black Panther ist voller gegensätzlicher Meinungen und Sichtweisen, die immer wieder wunderbar zum Vorschein kommen. Manchmal offensichtlich in Diskussionen, doch ebenso sieht man sie subtiler, in der Mimik und Gestik der Schauspieler*innen. Chadwick Bosemans Leistung in dem Film kann man nicht genug hervorheben. Man sieht ihm die Zerrissenheit förmlich an. Die Fehler und fast schon Verbrechen, die sein Vater begangen hat, um das Geheimnis Wakandas zu schützen. Killmonger mag ein Monster sein, doch dieses Monster hat nachvollziehbare Beweggründe und durchaus hehre Ziele. Killmonger wurde aus den Fehlern Wakandas geboren und will diese nun ausgleichen. Wakanda hat sehr lange zugesehen und sich versteckt, während in der Welt wahnsinnige Verbrechen passiert sind. Sowohl Killmonger als auch T’Challa sehen, dass sich das ändern muss. Ihr technologischer Fortschritt und ihre Macht verpflichten sie quasi dazu, etwas zu unternehmen.

Ich hätte mir gewünscht, dass der finale Kampf eher auf der Oberfläche stattfindet, statt in den CGI-Höhlen. Alles ist dunkel und die beiden tragen schwarze Anzüge vor einem schwarzen Hintergrund. Der Kampf an sich ist toll inszeniert, doch hätte er genauso auf der Oberfläche stattfinden können. Besonders der letzte Moment, wo T’Challa Killmonger tödlich verwundet, sieht man den beiden an, dass sie eigentlich für dasselbe kämpfen, nur die Methoden unterscheiden sich. Ich mag auch die letzte Einstellung, als beide unter der Statue des Panthers den Sonnenuntergang bewundern. Vielleicht ist es kitschig, doch ebenso ist es ein bitteres Ende eines verzweifelten Kampfes. Michael B. Jordan ist eine wunderbare Besetzung für Killmonger.

»Bury me in the ocean with my ancestors who jumped from the ships, because they knew death was better than bondage.« – Killmonger

Doch ich mag genauso sämtliche andere Aspekte des Films. Seien es die durchaus witzigen Einwürfe von Shuri und ihrer unbändigen Neugier, oder Forest Whitakers Darstellung des geistigen Anführers Suri. Die Kombination an technologischen Errungenschaften und alten Traditionen finde ich gelungen und ergänzt sich. Es schließt sich nicht aus, sondern Altes wird unter neuem Licht betrachtet und in die Moderne gebracht, ohne alte Traditionen abzuwerten. Von den Stämmen finde ich die Jabari und ihren Anführer M’Baku faszinierend. Sie haben sich vor langer Zeit von den Stämmen, die sich um das Vibranium und den Black Panther geformt haben, abgesagt und ihr eigenes Reich in den Bergen aufgebaut. M’Baku ist ein toller Charakter mit einem moralischen Kompass, von dem man sich eine Scheibe abschneiden kann. Er ist integer und weiß, seine Position auszuspielen. Ich kann nur empfehlen, den Comic-Ursprüngen der Charaktere nachzurecherchieren (welche zum Glück modernisiert wurden), was als Inspiration diente (beispielsweise Nuancen in den verwendeten Sprachen) oder was der Chant der Jabari bedeutet.

Ob man nun Black Panther nur für sich betrachtet oder ihn als Sprungbrett verwendet, um sich mit der Geschichte dahinter mehr auseinanderzusetzen, es ist ein fantastischer, fast perfekter Film. Er steht für sich und braucht weder Civil War noch einen anderen MCU-Film, um die Geschichte oder ihre Charaktere zu verstehen. Ein wirklich toller Eintrag in das größere Universum des MCU. Wakanda wird demnächst noch eine größere Rolle spielen, wenn wir uns Infinity War widmen und Thanos auf die Erde kommt.

MCU Rewatch | Thor: Ragnarok

Man sollte vorsichtig sein, mit dem, was man sich wünscht. Manchmal gehen diese Wünsche nämlich in Erfüllung. Letztens habe ich noch gedacht, dass es ganz nett wäre, wenn jeder Film ein Intro hätte. Entweder vom Regisseur, der Regisseurin oder einer Schauspielerin, einem Schauspieler. Man erfährt vielleicht etwas über die Hintergründe, warum jemand das Projekt gemacht hat, was sie sich dabei dachten oder warum ihnen ein bestimmter Charakter wichtig ist. Vielleicht mit einem Schwenk aus der Kindheit oder Ähnliches. Es muss auch nicht immer der 100-prozentigen Wahrheit entsprechen. Es ist immer noch Hollywood, aber zumindest etwas, das die Fans begrüßt und den Film einleitet.

Dann kam Taika Waititi. Er mag ein talentierter Mann sein, kreative Indie-Filme machen, ein begnadeter Voice-Actor sein und ein guter Regisseur, aber seine Art mag mir irgendwie nicht gefallen. In seinem kleinen Intro verliert er kein Wort über Thor oder warum er das Projekt angegangen ist. Er macht sich nur lustig über sich selbst, spricht aber auch nur über sich selbst und nimmt die Veranstaltung in keinem Moment ernst. Wer dachte, dieses Intro würde passen? Ich finde ihn weder lustig noch originell. Zumindest nicht in diesen zwei Minuten. Es ist genau die falsche Einleitung, die ich mir für Thor: Ragnarok gedacht hätte.

Ich weiß nicht, wie viel von Waititi im Film steckt, was die Story betrifft. In den Credits und auf Wikipedia werden Eric Pearson, Craig Kyle und Christopher Yost genannt. Waititi hat sicherlich kreativen Input geleistet und sich eventuell Korg ausgedacht, sowie ein paar improvisierte Szenen überlegt. Ich bin allerdings sehr froh, dass die Hauptverantwortlichen für die Geschichte Menschen waren, die die Sache etwas ernster nehmen und sich nicht permanent über alles und jeden lustig machen. Das passt offen gesagt nicht zum generellen Ton des Films. Es sterben in einer Tour Charaktere, die wir seit dem ersten Film kennen. Immerhin heißt der Film Ragnarok und es ist das Ende der nordischen Götter, so wie wir sie kennen. Natürlich kann man Spaß mit der Geschichte haben und es muss keine Tragödie werden. Eine Balance ist wichtig, und der Film schafft dies auf weiter Strecke tatsächlich hervorragend.

Ich mag beispielsweise die Abschiedsszene von Odin. Nur er und seine beiden Söhne auf einer Klippe am Meer. Loki weiß den Ernst der Situation zu erkennen und es ist eine wirklich gute Szene. Das CGI der Umgebung hätte vielleicht noch etwas Feinschliff bedurft, aber grundsätzlich passt es. Helas Auftritt, nur wenige Augenblicke später, ergibt Sinn, da Odin es war, der die Siegel ihres Gefängnisses aufrechterhält. Die Zerstörung Mjolnirs unterstreicht ihre Macht. Cate Blanchett hat sichtlich Freude an der Rolle und findet meiner Meinung nach eine tolle Balance zwischen ehrlicher Bedrohung und lässigen Sprüchen. Es sind immerhin (fast) unsterbliche Wesen, die sich hier die Köpfe einschlagen, die haben Erfahrung und schon genügend gesehen, dass sie nicht immer todernst sein müssen.

Der Ausflug nach Sakaar macht Laune. Jeff Goldblum als Zeremonienmeister der Gladiatorenkämpfe ist fantastisch. Die Planet Hulk-Geschichte mit Thor zu verknüpfen und so ins MCU einzubauen, ist eine großartige Idee. Es zementiert, dass Bruce und Hulk zwei eigenständige Persönlichkeiten sind. Das wird später in Infinity War noch einmal unterstrichen, doch hier werden die Grundsteine dafür gelegt. Hulk redet hier auch mehr als sonst. Es passt und scheint eine natürliche Entwicklung des Charakters zu sein. Dass Thor sich hier nur auf sich selbst konzentriert und einmal Hulk, einmal Banner bevorzugt, ist, ob der Tatsache, dass sein gesamtes mythologisches Universum im Begriff ist zusammenzubrechen und ausgelöscht zu werden, durchaus nachvollziehbar.

Tessa Thompson als Valkyrie einzuführen und so die Mythologie noch einmal mehr auszubauen, finde ich eine tolle Ergänzung. So ist es nicht nur Hela, die Odins frühere Eroberungszüge zur Schau stellt, Valkyrie unterstreicht dies noch einmal. Irgendwie ist Odin und damit Asgard an den Reichtum gekommen, der sie ausmacht. Es ist schön zu sehen, dass die Mythologie hier hinterfragt wird. Die Götter waren nicht einfach nur da, sondern haben sich ihr Reich und den damit verbundenen Reichtum erarbeitet. Manchmal auf eine brutale Weise. Als Hela schließlich ihren Dienst getan hatte und sie nicht mehr von Nutzen war, genauer gesagt ihre Ambitionen, mit denen von Odin kollidierten, wurde sie weggesperrt. Interessant ist auch, dass sie sich nicht lange damit aufhält, was in ihrer langen Abwesenheit passiert ist. Sie macht einfach da weiter, wo sie aufgehört hat.

Thor: Ragnarok ist ein Film, der mich wieder einmal positiv überrascht hat. Die Effekte sehen weitestgehend fantastisch aus und es macht einfach Freude, den Film anzuschauen. Der Vibe von Thor in diese Richtung zu ändern und mit Led Zeppelins »Immigrant Song« zu unterstreichen, passt ausgezeichnet. Thors Kräfte entwickeln sich nach dem Tod von Odin und dem Verlust seines Hammers weiter. Er entdeckt neue Tiefen darin. Auch das ist eine Vorbereitung auf das, was uns in Infinity War erwartet. Trotzdem bleibt es hier eigenständig. Es werden nicht nur zukünftige Ereignisse aufgebaut und vorbereitet, die Elemente können in den einzelnen Filmen für sich stehen.

Genau das ist es, was die ersten drei Phasen vom MCU so großartig macht. Die Filme können weitestgehend für sich stehen. Wenn man natürlich ohne jegliches Vorwissen einsteigt, wird es irgendwann schwierig, weil es zumindest etablierte Charaktere sind und diese nicht mehr lange vorgestellt werden. Es geht direkt mit der eigentlichen Geschichte los. Aber es wird nicht auf Biegen und Brechen ein weiterer Charakter eingeführt oder vorgestellt, nur um das nächste Projekt anzukündigen. Zunächst sollte dieser Film fertiggestellt werden, dann kann man den nächsten angehen. Das schafft auch Thor: Ragnarok meiner Meinung nach hervorragend. Dennoch wird das größere MCU berücksichtig, indem man Doctor Strange einbaut. Selbst das wirkt nicht erzwungen, da Loki eine magische Bedrohung darstellt. Die Zahnräder greifen hier gut ineinander und treiben das größere Ganze an.

MCU Rewatch | Spider-Man: Homecoming

Manchmal mag man es sich ja nicht eingestehen, aber das Internet als gesamtes Konglomerat hat einen Einfluss auf die eigenen Meinungen und Sichtweisen. Es ist so ähnlich wie mit Werbung. Man begegnet immer wieder Menschen, die behaupten, dagegen immun zu sein und sich nicht von Werbung manipulieren zu lassen. Dann tragen diese aber irgendwelche Markenklamotten oder kaufen Produkte, die für ihre Funktion nur teuer sind, aber keinen echten Mehrwert bieten. Vor allem, wenn jemand behauptet, nicht manipuliert zu werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es eben doch so ist.

Deshalb glaube ich, dass ich einen viel zu schlechten Eindruck vom MCU entwickelt habe. Wie bereits in anderen Texten zum Rewatch geschrieben, müssen sich die neuen Filme erst noch beweisen, da ich nach Endgame ein gewisses Maß des Überdrusses hatte. Doch ob sie wirklich so schlecht sind, wie allgemein behauptet wird? Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Nehmen wir als Beispiel Spider-Man, wenn wir schon zufällig dabei sind, Homecoming zu besprechen.

Tobey Maguire wird von der Fangemeinde mehr als vergöttert. Er war der erste einer neuen Interpretation des Charakters. Eine Live-Action-Version von Spider-Man, die sich selbst ernst nahm und ausgezeichnet gemacht war. Dann kam Andrew Garfield. Das Studio und die Verantwortlichen versuchten etwas Neues, und sofort kam die Kritik. Es war eben nicht das Gewohnte, sondern etwas anderes. Dabei war es die erste Neubesetzung. Mit einem neuen Schauspieler versuchte man natürlich Dinge anders, vielleicht besser zu machen. Meiner Meinung nach ist das durchaus gelungen, und ich hätte gerne mehr gesehen. Nun werden die Filme von Tobey Maguire und Andrew Garfield, so kommt es mir gelegentlich vor, in manchen Bereichen zu sehr auf ein hohes Podest gestellt. So kann Marvel mit ihrer Interpretation des Charakters nur scheitern.

Aber wie waren denn die Anfänge von Peter Parker im MCU? Das erste Mal haben wir Spider-Man bereits in Civil War gesehen. Das Intro war durchaus gelungen. Die Action-Sequenz am Flughafen hatte genau die richtige Dosis Spider-Man, mit seinen lustigen Sprüchen, kreativen Ideen und seinem ganzen Auftreten. Die Interaktion mit Tony Stark war logisch, da Tony mehr Einheiten auf seiner Seite brauchte. Da kam ein junger, unerfahrener Held, den er manipulieren konnte, gerade richtig. Zu hart? Vielleicht, aber genau das hat er getan. Denn beim wiederholten Ansehen ist mir etwas aufgefallen, was mir zuvor vielleicht nur unbewusst klar war: Tony unterbricht im MCU die natürliche Entwicklung von Spider-Man, wenn man es so bezeichnen möchte.

Unter der natürlichen Entwicklung verstehe ich in etwa das, was in den Filmen von Tobey Maguire und Andrew Garfield passiert. Peter Parker und Spider-Man entwickeln sich unabhängig von anderen Helden, bis sie bereit sind, sich diesen anzuschließen. Doch durch die Einmischung von Tony überspringt Peter diesen Entwicklungszyklus. Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes und wie sich, vorwiegend in den Avengers-Filmen, zeigt, war Spider-Man eine hervorragende Ergänzung. Wie anders würde das MCU aussehen, wenn sich Marvel und Sony nicht auf geteiltes Fürsorgerecht geeinigt hätten?

Wenn man sich das Bonusmaterial zu Spider-Man – Homecoming anschaut, wird einem erst so richtig die Leidenschaft und Hingabe für den Charakter bewusst. Nicht nur von Tom Holland, sondern vom gesamten Team. Sie haben sich viele Gedanken darüber gemacht, wie sie Spider-Man ins MCU einführen und wie das erste Solo-Abenteuer aussehen könnte. Wobei es so richtig Solo nicht ist, da Tony weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Nicht nur eine positive, wie ich finde. Aber dazu gleich mehr. Ich möchte zuerst noch herausstellen, wie essenziell Tom Holland für diese Interpretation des Charakters ist.

Immer wieder wird im Bonusmaterial erwähnt, welch tragende Rolle der Schauspieler einnimmt. Das geht weit über das simple Porträtieren des Charakters hinaus. Durch seinen Hintergrund als Tänzer und seine Leidenschaft für Gymnastik ist er prädestiniert dafür, viele der Stunts selbst zu machen. Tut dies dann auch. Tom Holland ist ein sehr physischer Schauspieler und weiß, wie er seinen Körper einsetzt, um gewisse Emotionen darzustellen oder wie sich Spider-Man in diesem Moment bewegen und verhalten würde. Das macht er allerdings nicht nur im Anzug vor der Kamera, sondern erledigt nebenbei noch Motion-Capture-Aufnahmen für die späteren CGI-Ergänzungen und liefert kreativen Input. Außerdem, wenn man den Berichten der letzten Jahre glauben darf, hat er im Hintergrund einiges mit der Produktion und den Verhandlungen zwischen Marvel und Sony zu tun gehabt. Dazu ist er noch ein bodenständiger, sympathischer Typ. Einen besseren Schauspieler hätte man sich für die Rolle eines Spider-Man nicht wünschen können.

Tom Holland zeigt im Film immer wieder, dass er die unterschiedlichen Aspekte des Charakters wunderbar beherrscht. Seien es die Awkward-Teenager-Momente, die nervöse Energie, die Action-Einlagen, das Überschätzen seiner eigenen Fähigkeiten oder die naive Herangehensweise an Kämpfe und Konflikte. Ned ist ein wunderbarer Gegensatz dazu, den es gebraucht hat, um den Charakter Spider-Man in einer gewissen Realität zu verankern. Er ordnet Dinge ein, holt Peter auf den Boden der Tatsachen zurück, aber unterstützt ihn auch, wenn es notwendig ist. Genauso Tante May, die hier wunderbar porträtiert wird, von Marisa Tomei. May will nur das Beste für ihren Neffen, scheitert aber immer wieder an seinen Geheimnissen und seiner Verschlossenheit.

Ich habe die letzten Einträge des MCU relativ knapp hintereinander geschaut. Das ist insofern zuträglich, als man so erst das Verhalten von Tony und Happy etwas besser nachvollziehen kann. Immerhin lässt Tony Peter ziemlich allein. Weder Happy noch Tony erklären ihm den Anzug oder was es damit auf sich hat. Sie spionieren ihm nach, ohne es ihm zu sagen, und lassen ihn nach den Ereignissen von Civil War allein. Das ist zum einen verständlich, da beide aufs tiefste betrogen wurden, doch Peter ist hier noch ein Kind und hätte die entsprechende Unterstützung gebraucht. Stattdessen wird er angeschrien, auf ein sehr hohes Podest gestellt, das mit Erwartungen verknüpft ist, die nicht einmal ein Tony Stark hätte erfüllen können. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir ein gefühlvolleres Vorgehen gewünscht hätte, da das Verhalten der Charaktere durchaus nachvollziehbar ist. Es hätte aber auch anders laufen können.

Tony scheint allerdings aus diesen Fehlern, die er mit Peter begeht, nichts zu lernen. Sonst würde er ihm am Ende nicht den Posten eines echten Avengers mit eigenem Raum im Hauptquartier anbieten. Hier zeigt sich, welch eine Entwicklung Peter während des Films durchgemacht hat. Von den höchsten Höhen bis zum tiefsten Punkt. Dabei sind Tonys Worte, die Peter im Kopf herumschwirren, als er von tonnenschwerem Material begraben daliegt, nicht falsch. Wenn er ohne den Anzug nichts ist, nichts kann, dann hat er diesen auch nicht verdient. Es ist eine Lektion, die selbst Tony hart lernen musste, wie wir in Iron Man 3 gesehen haben. Allerdings hätte er Peter das etwas schonender beibringen können.

Im Kontext des MCU ist Spider-Man – Homecoming ein perfekter erster Film für Peter Parker. Er lernt die notwendigen Lektionen, die ihn für die weiteren Abenteuer vorbereiten. Wenn wir die gesamte erste Trilogie, inklusive der Avengers-Filme, als eine Art Unterbrechung der natürlichen Entwicklung von Spider-Man sehen, so bin ich sehr gespannt, was der nächste Teil für uns parat hält. Persönlich würde ich mir ein Zurückbesinnen auf die klassischen Spider-Man-Abenteuer wünschen. Also einen Film, indem er allein gegen einen Bösewicht antritt. Vielleicht mit ein paar cleveren Cameos von anderen Charakteren. Aber bis wir dorthin kommen, dauert es noch eine Weile.

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Easter Eggs erwähnen, die mir entweder nicht mehr so bewusst waren, oder die ich bisher noch nicht bemerkt hatte. Als Erstes sei natürlich Gargan erwähnt, der als zukünftiger Bösewicht eingeführt wird. Sein Anzug liegt in irgendeinem Pick-up-Truck in New York und wartet nur darauf, verwendet zu werden. Vielleicht im vierten Teil? Donald Glover als Aaron Davis hatte ich ehrlicherweise komplett vergessen. Er erwähnt sogar seinen Neffen, der hoffentlich ebenfalls noch sein Debüt im MCU feiern darf. Auf der Blu-Ray-Version des Films, die ich habe, ist ein Special Feature dabei, das einem die Referenzen und Easter Eggs im Film während des Anschauens erklärt. Leider habe ich das erst nach dem Rewatch gesehen, deshalb muss ich ihn mir vielleicht leider nochmal anschauen. Ich bin sehr neugierig, wie sie das umgesetzt haben. Nach all den Jahren, in denen ich den Film aber nicht mehr gesehen habe, war ein reiner Genuss, ohne Erklärungen, unausweichlich und wahrscheinlich besser.

Was mir ebenfalls gefällt und ich bei mehr Filmen gerne gesehen hätte, sind einleitende Worte von Schauspielerinnen oder Regisseurinnen. Bei Doctor Strange war es, glaube ich, der Regisseur, der vor Beginn des Films ein paar Worte verliert. Zu Beginn von Spider-Man – Homecoming ist es Tom Holland, der das Publikum begrüßt. Eine charmante Idee, die nicht aufwendig ist, aber trotzdem viel Wirkung hat. Eine kleine Aufmerksamkeit für die Fans, die sich die Disc-Version der Filme kaufen.

MCU Rewatch | Guardians of the Galaxy Vol. 2

Auf ein Wiedersehen mit Guardians of the Galaxy Vol. 2 habe ich mich nicht wirklich gefreut. Zwar habe ich ihn seit dem Kino-Release damals nicht mehr gesehen, trotzdem sind die Erinnerungen, die ich daran habe, nicht gut. Vor allem die Sprüche von Drax sind mir sehr sauer aufgestoßen damals und haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Sie überschatten den Rest des Films. Doch vielleicht sollte mich, wie schon die Filme zuvor, Guardians of the Galaxy Vol. 2 ebenfalls zu überraschen wissen.

Der Film ist gleichzeitig besser und schlechter, als ich ihn in Erinnerung habe. Die Geschichte rund um Peter und seinen Vater funktioniert für mich einwandfrei. Es ist nachvollziehbar, dass Ego so lange nach seinem Sohn gesucht hat und die anfängliche Täuschung ist clever gemacht. Vor allem, wenn man Egos Geschichte aufmerksam lauscht, merkt man einige Ungereimtheiten daran. Woher wusste er beispielsweise, wie Menschen aussehen und konnte seine physische Repräsentation danach formen, wenn er doch noch keinem anderen Wesen zuvor begegnet ist? Außerdem ist natürlich Mantis Verhalten ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmen kann. Aber dazu gleich mehr.

Doch die Höhepunkte des Films sind für mich allerdings eher die Nebenschauplätze als Peters Geschichte. Wir haben Gamora und ihre Schwester Nebula. Letztere versucht immer noch die andere zu töten und Rache dafür zu nehmen, was alles in ihrer Kindheit falsch gelaufen ist. Thanos hat in diesem Konflikt eine unfassbare Präsenz, wenngleich man ihn nie zu Gesicht bekommt. Sein Ruf wird so weiter ausgebaut und er bleibt dadurch ein unbeschreibliches Böses. Zum Glück wissen wir, dass Marvel es gelingt, dieses Versprechen eines erbarmungslosen Bösewichts einzulösen. Vor allem, weil er glaubt, das Richtige zu tun, wirken seine Handlungen noch grausamer.

Der Konflikt zwischen Gamora und Nebula löst sich zwar etwas zu schnell auf, doch wir kennen die Charaktere schon aus dem vorherigen Film und es bleibt nachvollziehbar. Trotzdem muss man als Zuschauer*in so einige Lücken selbst füllen oder eben mit dem Flow der Handlung mitgehen. Beide waren Kinder und haben nur getan, was ein grausamer Vater von ihnen verlangt hat. Sie haben ums Überleben gekämpft, nur Nebula hat dafür einen brutalen Preis bezahlen müssen. Deshalb ist es schön, sie nun auf derselben Seite kämpfen zu müssen.

Der zweite Nebenschauplatz findet zwischen Yondu, Rocket und Groot statt. Yondu, der seine Crew verliert und versucht Buße zu tun. Rocket, der Angst davor hat, seine neue Familie zu verlieren und sie deshalb in einer Tour beleidigt und von sich wegstößt, um eine Enttäuschung, wenn sie ihn doch fallen lassen, zu mildern. Groot ist gewissermaßen noch ein Baby in dem Film und lernt erst so richtig mit seinen Kräften umzugehen und versteht nicht unbedingt, was man ihm sagt. Ihm gehören die lustigsten Momente im Film. Dass gerade Rocket und Yondu ein tolles Team abgeben würden, hätte ich mir nicht gedacht, doch der Ausbruch aus dem Gefängnis, wenn man so will, ist einfach fantastisch inszeniert. Die Macht von Yondus Waffe wird immer wieder toll in Szene gesetzt.

Man merkt auch, wie wichtig Yondu die Ravagers sind. Die Interaktionen auf dem Basis-Planeten der Gruppe (oder wo sie einen Zwischenstopp machen), zeigen dies eindeutig. Doch er lässt sich von arbiträren Regeln nicht in die Irre führen. Er hat seinen eigenen moralischen Kompass und versucht so, seine vergangenen Fehler wiedergutzumachen. Damit hat er angefangen, als er Peter nicht zu seinem Vater gebracht hat. Das muss schließlich auch Peter einsehen. Yondus Opfer am Ende gehört zu den bewegendsten Momenten des MCU und hat mich auch bei diesem Rewatch wieder kalt erwischt.

Leider sind die großartigen Momente in dem Film, von denen es tatsächlich einige gibt, immer wieder überschattet von Drax Verhalten gegenüber Mantis. Ich habe nach Kritiken und Beiträgen gesucht, die dieses Thema behandeln, viele gibt es bedauerlicherweise nicht. Es ist schlicht ein misogynes Verhalten. Anders kann man es nicht bezeichnen und ich verstehe nicht, warum es im Film ist. Mantis wurde als Kind oder Baby von Ego entführt, hatte nie Kontakt mit anderen, wurde ihr Leben lang unterdrückt und ausgenutzt. Dann kommt Drax daher und bezeichnet sie als hässlich, würgt sogar in einer Szene und redet ihr schlecht zu, wenn sie die Guardians retten soll. Am Ende wird sie sogar K.-o.-geschlagen und von Drax vom Schlachtfeld getragen. Mantis ist buchstäblich ein punching-bag in dem Film und ich weiß nicht warum.

Sie ist grundsätzlich ein cooler Charakter und hätte eine bessere Story-Arc verdient. Immerhin lehnt sie sich gegen ihren „Meister“ auf und schließt sich Fremden an, die sie nicht kennt, um gegen Ego zu kämpfen. Sie will sich selbst befreien. Es ist toll und hätte ein wirklich heroisches Ende für sie sein können, endlich in Freiheit selbst zu entscheiden, sich den Guardians anzuschließen. Selbst ihre Kräfte sind ein passender Gegensatz zum Rest der Charaktere. Sie ist in den Comics zwar ein Martial Arts Profi, was sie hier bislang nicht wirklich zeigen konnte, aber ihre empathischen Kräfte kann sie unter Beweis stellen. Man hätte mehr damit machen können. Sie im Finale beispielsweise mit Groot zusammenbringen. So hätten die beiden Underdogs, die alle wahrscheinlich unterschätzen, den Tag retten können. So war es nur Groot. Eine wirklich verpasste Chance.

Leider sind die diskriminierenden Kommentare über den ganzen Film verteilt und überschatten so immer wieder tolle Szenen. Man kann es jetzt gerne versuchen, mit dem Hintergrund von Drax und wie sein Volk die Dinge sieht zu erklären. Doch sind das auch Filme für Kinder und die sehen nur, dass ein Mann eine schlanke, durchtrainierte, hübsche Frau als hässlich beschimpft und niemand etwas dagegen tut. Nur Gamora versucht halbherzig dagegen vorzugehen, aber das verschwindet schnell wieder. Drax Verhalten wird weder wirklich erklärt, noch in die Schranken gewiesen. Marvel versucht immer wieder Regisseurinnen und Autorinnen hineinzureden und Dinge zu ändern, damit sie in ihr Konzept passen, aber so etwas lassen sie einfach stehen. Schade. Guardians of the Galaxy Vol. 2 hätte ein wirklich grandioser Film sein können, quasi ein Empire Strikes Back für die Guardians. So bleibt stets ein fahler Beigeschmack zurück.