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MCU Rewatch | Doctor Strange

Langsam etabliert sich ein Thema, mit jedem weiteren Film, den ich mir aus dem MCU zu Gemüte führe. Und zwar bin ich doch überrascht, wie gut ich manche Filme finde. Natürlich hat man stets gewisse Vorstellungen eines Films, vor allem wenn man diesen des Öfteren gesehen hat. Jedoch verliert man mit der Zeit das Gesamtbild aus den Augen. Zurück bleiben bruchstückhafte Erinnerungen an bestimmte Szenen, vielleicht noch ein Zitat oder zwei oder ein Musikstück. Wie allerdings der Film als Konzept auf einen gewirkt hat oder wie es ist, wenn dieser seine komplette Kraft entfalten kann, gerät immer weiter ins Unterbewusstsein.

Vielleicht warte ich unbewusst einfach nur darauf, dass dieses Kartenhaus, welches Marvel hier aufgebaut hat, zusammenbricht. Dabei weiß ich doch, dass es mindestens bis Endgame hervorragende Filme sind. Natürlich schwankt die Qualität. Wie könnte sie das nicht, bei einer 23-teiligen Saga? Aber selbst Doctor Strange hat mich erneut überrascht. Ant-Man war der einzige bisher, der meine Befürchtungen etwas angefeuert hat, aber das auch nur kurzzeitig und weil die Produktion hinter den Kulissen scheinbar sehr schwierig war. Doctor Strange funktioniert jedoch fantastisch als Einführung des letzten Puzzlestücks.

Es kommen zwar noch die Solo-Filme von Spider-Man und Black Panther, sie hatten jedoch ihre offizielle Einführung ins MCU in Civil War. Nun kommt der letzte große Charakter zum Vorschein und mit ihm ein völlig neues Element, das wir bisher noch nicht kennenlernen durften: Magie. Guardians of the Galaxy und zu einem gewissen Teil auch Thor haben die Welt der Avengers und des MCU vergrößert. Man weiß inzwischen, dass es noch mehr da draußen gibt, als nur die Held*innen auf der Erde. Thor verkaufte uns ihre Magie nur als fortschrittliche Technologie, die wir noch nicht verstehen können. Doch jetzt kommt echte Magie ins Spiel, mit Zauberern, Astral-Ebenen und anderen Dimensionen. Das Multiversum wird so ganz nebenbei erwähnt und feiert ebenfalls sein Debüt.

Natürlich gab es bei dem Release von Doctor Strange eine Kontroverse, da Tilda Swinton die Rolle des Ancient One bekommen hat. Sie macht ihren Job zwar wunderbar, verkörpert die Rolle mit einer gewissen Eleganz, aber ebenso einer lockeren Attitüde, die so einem alten Wesen wahrscheinlich anhaften sollte. Trotzdem kippt es nicht ins Lächerliche oder ins unlustige Sprücheklopfen. Die Interaktionen mit Strange funktionieren ebenso wie die spätere Offenbarung, dass sie sich der dunklen Magie bedient, wie ihr eigentlicher Gegner und früherer Schüler Kaecilius. Dieser wird porträtiert von Mads Mikkelsen. Er passt gut in seine Rolle und spielt sie mit einer Ernsthaftigkeit und Dominanz, die der Film als Gegenstück zu Strange benötigt. Strange ist noch neu in dieser Welt der Magie, nimmt alles anfangs noch nicht ganz so ernst und setzt sich über Regeln hinweg. Eigentlich genauso wie Kaecilius es getan hat, aber eben ohne die Tendenz, die Welt ins Dunkel stürzen zu wollen.

Aber ich bin von der Kontroverse abgekommen. In den Comics ist der Ancient One ein älterer asiatischer Mann. Selbst wenn man den Charakter als Frau oder eher androgyn darstellen wollte, hätte man eine asiatische Schauspielerin engagieren können. Wenn man sich den Wikipedia-Artikel durchliest und auch nur dem Hauch einer Wahrheit entspricht, liest sich das heute, acht Jahre später, sehr schwierig. Sie wollten so sehr sämtliche Stereotype vermeiden, dass sie unweigerlich ein Whitewashing betrieben haben, das nicht notwendig war. Wieso gibt oder gab es denn diese Stereotype? Weil es wenig prominente asiatische Rollen in Filmen gibt. Man muss erst dazu übergehen, asiatische Schauspielerinnen in unterschiedlichsten Rollen zu engagieren, damit diese Stereotype endlich durchbrochen werden. Wenn man dann behauptet, man möchte diese vermeiden und castet deshalb keine asiatischen Schauspielerinnen, klingt das wie eine schlechte Entschuldigung.

Der Film ist allerdings sehr unterhaltsam. Die Trailer bestachen durch eine Inception-artige Optik, die im Film noch mehr auf die Spitze getrieben wurde. Zu dem Zeitpunkt lag Inception immerhin schon sechs Jahre zurück, die Techniken und Möglichkeiten im Hinblick auf CGI haben sich weiterentwickelt. Das Falten von Städten in der Spiegel-Dimension können sich heute noch genauso sehen lassen, wie der LSD-Trip von Strange, als ihm der Ancient One die Augen öffnen möchte und zeigt, dass die Welt so viel größer ist, als er ahnt. Doch trotz all dieser Effekthascherei und visuell überbordenden Kämpfen bleiben die Charaktere im Zentrum des Geschehens.

Angefangen von der Arroganz eines Doctor Strange, der alles daran setzt, seine Finger zu heilen und wieder im OP-Saal stehen zu können. Hin zu Christine, die nur ihrem Freund helfen möchte, ein neues Leben aufzubauen, aber harsch weggestoßen wird. Die Reise nach Kathmandu, das Training, die Veränderung des Charakters Strange und seiner Einsicht, dass es mehr für ihn in der Welt gibt, als zu operieren, schnelle Autos zu fahren und teure Uhren zu kaufen. Doch ebenso dürfen sich Nebencharaktere wie Karl Mordo weiterentwickeln, der einsieht, dass der Ancient One eben nicht alles weiß und sich selbst der Praktiken bedient, die eigentlich verboten sein sollten. Und natürlich Wong, der seine Liebe zu Musik entdeckt.

Es sind immer wieder die Kleinigkeiten, die diesen Film zu einem äußerst unterhaltsamen Unterfangen machen. Zwischen den großen Action-Sequenzen und Verfolgungsjagden in der Spiegel-Dimension stechen die Charaktermomente hervor. Doctor Strange ist ein toller Eintrag ins MCU und präsentiert uns einen weiteren Infinity Stone, mit dessen Hilfe die Zeit kontrolliert werden kann. Ich mag, dass es keine große finale Schlacht gibt, sondern Dormammu mit einem Twist besiegt wird. Das sieht man viel zu wenig in großen Blockbuster-Filmen und vor allem natürlich Comic-Verfilmungen. Es muss nicht immer die große Schlacht sein, es geht auch anders. Was nicht heißt, man muss auf epische Szenen zwischendurch verzichten. Es geht beides.

MCU Rewatch | Captain America: Civil War

Es ist erstaunlich, wie schnell Marvel in dieser Phase neue Charaktere eingeführt hat. Wobei es eigentlich mehrere Phasen sind, denn Ant-Man bezeichnete das Ende der zweiten und Civil War den Beginn der dritten. Es sollte die längste und letzte Phase der Infinity Saga sein. So haben wir in Age of Ultron Wanda und ihren Bruder Pietro kennengelernt. Dann kam Ant-Man dazu. In Civil War sind es gleich zwei neue Charaktere, die das MCU noch für lange Zeit prägen sollten: Peter Parker aka Spider-Man und T’Challa aka Black Panther.

Die Einführung von Peter Parker gelingt hervorragend. Dieses Mal schenkt sich Marvel eine Erzählung der Origin-Story. Wie das funktioniert und ob es vielleicht besser gewesen wäre, einen entsprechenden Film später noch einzufügen, können wir bei den Spider-Man-Filmen des MCU besprechen. Tom Holland als Peter Parker ist exzellent besetzt. Ich finde, er kombiniert die besten Eigenschaften von Tobey Maguire und Andrew Garfield, um seine eigene Interpretation des Charakters zu finden. Dass er Schrott sammelt und daraus Dinge bastelt, seine Web-Flüssigkeit selbst entwickelt hat und mit einem improvisierten Anzug durch die Gegend schwingt, um Leute zu retten, ist eine tolle Umsetzung seiner Anfangszeit. Er versprüht die Awkward-Teenager-Vibes, die der Charakter benötigt, und ist sowohl redselig als auch schnell zu begeistern. Man denke nur an die erste Begegnung mit Bucky und seinem Metall-Arm.

Schließlich haben wir noch die Einführung von T’Challa. Wir werden noch mehr über Chadwick Boseman und seine hingebungsvolle Interpretation des Charakters sprechen, wenn wir ihn in folgenden Einträgen des MCU sehen. Boseman hat dem Charakter neues Leben eingehaucht. Leider hatte er viel zu wenig Zeit, den Charakter weiterzuentwickeln. Trotzdem ist es ihm gelungen, in gerade einmal vier Auftritten als T’Challa zu einem Symbol aufzusteigen und hat sich als der einzig wahre Black Panther im MCU zementiert. In Civil War gerät er zwischen die Fronten, wenn sein Vater bei einem Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Wien getötet wird. Erst wird er von Rache und Wut gelenkt, doch je mehr er sich mit seinem Gegner beschäftigt und die Avengers kennenlernt, desto mehr versteht er, was dahintersteckt. Seine Reise in dem Film ist etwas losgelöst von den anderen. Er macht sein eigenes Ding und lässt sich nicht davon abbringen. Eine großartige Umsetzung des Charakters, und Boseman weiß sowohl die Action-Sequenzen als auch die ruhigeren Momente gekonnt zu spielen.

Mir gefällt sehr, wie sich der Konflikt zwischen den Held*innen im Laufe des Films entwickelt und durch den Bösewicht Helmut Zemo noch verstärkt wird. Im Gegensatz zum ersten Avengers-Film oder Age of Ultron ist es kein Untergangsszenario oder ein drohendes Ende des Universums. Es ist eine überraschend intime Geschichte, die auf die einzelnen Beziehungen der Avengers untereinander eingeht. Sie beschäftigt sich mit der Frage von Konsequenzen und Verantwortung. Wer soll entscheiden, ob und wann die Avengers eingreifen? Kann das ein Panel der UN überhaupt entscheiden? Sollen sie weiterhin unbeaufsichtigt agieren können? Kann man darauf vertrauen, dass sie immer aus den richtigen Gründen handeln? Wer finanziert den Wiederaufbau, wenn die Kämpfe vorbei sind? Was ist mit den Kollateralschäden?

Es sind Fragen und Herausforderungen, die logischerweise aufkommen und behandelt werden sollten. In den Comics ist dies natürlich sehr viel ausführlicher geschehen, als es ein zweieinhalbstündiger Film je könnte. Die vielen Comics, die um das Event Civil War geschrieben und veröffentlicht wurden, erlauben es, den Blick auf unterschiedlichste Themen, Charaktere und Sub-Konflikte zu richten. Trotzdem sind die Dialoge und Diskussionen im Film meiner Meinung nach gut umgesetzt. Man weiß, wo welcher Charakter steht. Wenn man die bisherigen Filme gesehen hat, weiß man auch, wo die Charaktere herkommen und warum sie diese Meinung vertreten. Hier liegt der Fluch und Segen des MCU. Durch die vielen Filme muss ein Film wie Civil War nicht alles erklären, weil es bereits in anderen gemacht wurde. Dennoch setzen damit Avengers-Filme von Natur aus voraus, dass man alle anderen Einträge i, MCU gesehen hat. Auch wenn es sich hier offiziell um den dritten Teil von Captain America handelt, ist es so etwas wie Avengers 2.5.

Selbst der Standpunkt von relativ neuen Charakteren, wie Scott Lang, ist nachvollziehbar. Er wurde von Hank Pym geprägt, der eine starke Ablehnung gegenüber den Avengers, aber besonders Tony Stark gegenüber hat. Peter Parker wiederum verehrt Tony wegen seiner Technik-Affinität und kreativen Weise, Dinge umzusetzen. T’Challa verfolgt seine eigene Agenda und lernt im Laufe des Films, dass es kein Richtig und Falsch geben kann. Clint und Wanda stehen natürlich gemeinsam auf einer Seite. Seit Age of Ultron halten sie zusammen. Der Tod von Pietro scheint sie noch mehr verbunden zu haben. Vision meint es gut, ist aber vielleicht noch zu frisch dabei oder sein einzigartiger Blick auf die Welt treibt ihn auf die Seite von Tony. Leidtragender ist natürlich James Rhodes. Dass es hier Vision ist, der ihn beinahe für immer als Querschnittgelähmter zurücklässt und von Himmel schießt, jemand, der eigentlich auf seiner Seite sein soll, ist ein cleverer, erzählerischer Schachzug. So kann man nicht die andere Seite beschuldigen, sondern muss sich selbst fragen, was schiefgelaufen ist. Wie es so weit kommen konnte.

Civil War ist ein toller Abschluss für die Captain America Trilogie. Der Charakter hat sich nicht nur in diesen, sondern ebenso während der Avengers-Filme, sehr verändert. Vom patriotischen Soldaten, der alles für sein Land tut, hin zu jemandem, der Dinge hinterfragt und für das Wohl der Menschen eintritt, selbst wenn er es als Verbrecher tun muss. Selbst sein Schild lässt er am Ende zurück. Trotzdem bleibt er für seine Freunde und Kollegen immer abrufbereit, sollte die Welt ihn brauchen. Manchmal geben diese Art von Filmen nur Auszüge an Diskussionen, ohne alle Möglichkeiten selbst auszuschöpfen oder die Themengebiete in aller Ausführlichkeit darzulegen. Aus den Konflikten über die »Sokovia Accords« hätte man natürlich noch sehr viel mehr herausholen können. Doch geben die Filme genug Stoff für Spekulation und arbeiten die Eckpunkte deutlich genug heraus, sodass man die Lücken selbst ausfüllen kann. Es bleibt alles nachvollziehbar, baut aufeinander auf und man kann sich selbst genug Gedanken darüber machen.

Das ist der Kern eines Konzeptes, wie dem MCU. Man darf es nicht überstürzen. Es braucht Zeit, trotzdem benötigt es einen gewissen Tiefgang in die Diskussionen und Themen. Natürlich kann man dem Publikum viel zutrauen und zumuten. Die Zuschauer*innen schaffen es, Punkte selbst zu verbinden und sich Dinge herzuleiten, wenn ihnen dazu die erzählerischen Eckpunkte und Story-Beats gegeben werden. Doch genauso werden unlogische, überhastete und faule Versuche abgestraft, wie man beim gescheiterten DC-Film-Universum gesehen hat. Wenn man es richtig macht, kommt ein so großartiger Film wie Civil War dabei heraus.

MCU Rewatch | Ant-Man

Nach Guardians of the Galaxy und Age of Ultron tut es richtig gut, einen Film im MCU zu haben, der eine intimere Geschichte erzählt. Es geht nicht um etwas, das gleich die ganze Welt bedroht oder um das Ende des Universums. Es geht um Hank Pym und seine Erfindung, die nicht in die falschen Hände geraten sollte. Und natürlich geht es um Scott Lang, der, nachdem er seine Zeit im Gefängnis abgesessen hat, für seine Tochter da sein möchte und dafür alles tun würde. Es geht um Familie, Vertrauen und Aufopferung.

Ich mag den Film sehr gerne. Er funktioniert auf vielen Ebenen optimal. Man merkt dem Film allerdings leider an, dass Edgar Wright zuerst eine sehr spezielle Vision für den Film hatte, die auf halbem Weg geändert wurde. Scott Lang kann sich scheinbar nicht entscheiden, ob er der lustige Typ von nebenan sein will oder doch ein ernst zu nehmender Charakter. Ohne das Talent von Rudd würde die Rolle schnell auseinanderfallen, aber er spielt sie mit einer Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, die ihr sehr zugutekommt. Es scheinen zwei unterschiedliche Visionen eines Ant-Man-Films um die Dominanz zu kämpfen. Eine Edgar Wright Version und eine Marvel-Version. Das Endergebnis ist zwar an manchen Stellen etwas unentschieden und wechselt zu schnell den grundlegenden Vibe des Filmes, wenn man es so bezeichnen will, kann sich aber immer noch sehen lassen.

Das liegt vorwiegend an den tollen Charakteren und ihrer Besetzung. Michael Douglas als Hank Pym zu engagieren ist ein ähnlich cleverer Schachzug, wie Anthony Hopkins als Odin einer war. Schauspielgiganten in Marvel-Filmen zu sehen, macht immer wieder Freude. Besonders wenn sie so hervorragend eingesetzt und geschrieben sind, wie in den beiden genannten Beispielen. Paul Rudd steht dem allerdings in nichts nach. Er passt wunderbar in die Rolle des Scott Lang und neuen Ant-Man. Corey Stoll als Gegenspieler Yellowjacket findet die richtige Dosis an Over-Acting und hat sichtlich Spaß an der Rolle. Evangeline Lilly als Tochter von Hank Pym und zukünftige Wasp etabliert sich gut in dem Film und ist ein exzellenter Ausgleich zu Scott und ergänzt wunderbar den Cast.

Man könnte fast sagen, dass sich auf zwei Zeitebenen Vater-Tochter-Beziehungen abspielen. Einmal haben wir Scott mit seiner Tochter Cassie. Sie vergöttert ihren Vater und er will ihr beweisen, dass er für sie da sein kann, trifft allerdings immer wieder fragwürdige Entscheidungen. Er hat es nicht leicht, diesen grundlegenden Wunsch, für seine Tochter zu sorgen, zu erfüllen. Cassie ist die geheime Heldin des Films. Sie ist toll geschrieben und perfekt porträtiert von Abby Ryder Fortson. Sie glaubt an ihren Vater, weiß genau, was vor sich geht, und ihr gehören immer wieder tolle, lustige Momente im Film. Ihre Chemie mit Paul Rudd ist wunderbar, und sie hätten gerne noch mehr Abenteuer miteinander erleben dürfen.

Auf der zweiten Ebene haben wir Hank Pym mit seiner Tochter Hope. Sie spiegeln in gewisser Weise die Zukunft von Scott und seiner Tochter wider, wenn es ihm nicht gelingt, für seine Tochter da zu sein und ihr zu beweisen, dass er der Held ist, für den sie ihn hält. Hank und Hope haben immer wieder bewegende Szenen miteinander, die allerdings leider durch Meta-Kommentare von Scott zunichtegemacht werden. Mich würde sehr interessieren, ob das Wrights Handschrift ist, oder Marvel glaubte, diese tiefgründigeren Momente bräuchten einen Witz, damit das Publikum nicht zu viel fühlt. Vielleicht hat es hier seinen Anfang, dass so viele Momente in zukünftigen Marvel-Filmen durch Meta-Kommentare anderer Charaktere gestört werden. Es dürfen solche Szenen gerne für sich stehen, atmen und seinem Publikum zuzutrauen, mit solchen Momenten umgehen zu können. Aber außer diesem einen Fauxpas, gelingt es dem Film immer wieder auf gekonnte Weise, die Figuren und ihre Beziehungen ins Zentrum zu stellen.

Aber was wäre Ant-Man ohne die tollen Effekte? Die Ameisen sehen großartig aus und die Interaktionen zwischen Scott und den Tieren sind immer wieder ein Höhepunkt des Films. Bedauerlicherweise überlebt seine Lieblings-Ameise Anthony nicht den Film, aber es zeigt, dass er etwas anders an die Sache herangeht, als Hank. Das Schrumpfen und Vergrößern funktioniert reibungslos und kann sich auch weiterhin sehen lassen. Die CGI-Elemente passen sich in die praktische Umgebung und die Sets ein, ohne dass es stört oder einem zu sehr ins Auge springt. Der Anzug von Yellowjacket beispielsweise ist komplett CGI, wenn ich das richtig gelesen habe, und man merkt es quasi nicht. Das haben spätere Filme durchaus schlechter gemacht.

Die Action-Sequenzen sind sowohl episch in ihren Ausmaßen und Umsetzungen als auch lustig. Man denke nur an die Verfolgungsjagd auf dem Spielzeug-Zug in Cassies Zimmer. Ant-Man nimmt sich an den richtigen Stellen ernst, weiß aber den Schleier geschickt zurückzuziehen und die Absurdität mancher Situationen hervorzuheben. Es ist unterm Strich ein gut gemachter Film und führt das Universum von Ant-Man geschickt ins MCU ein. Es fehlt am Ende nur das gewisse Etwas, um ihn in die gleichen Höhen zu hieven wie Captain America oder Iron Man. Wahrscheinlich ist es das zu inkonsequente Drehbuch, das fehlt. Ich hätte gerne Edgar Wrights Version gesehen. Ant-Man steht für sich, etabliert seine Charaktere und wie die Technologien funktionieren, weiß aber, sich ins größere Ganze einzugliedern – was es nicht einmal unbedingt gebraucht hätte. Eine nette Abwechslung zu den ansonsten so großen Weltuntergangsszenarien der anderen Filme.

MCU Rewatch | Avengers: Age of Ultron

Ich weiß nicht, wie oft ich den ersten Trailer zu Age of Ultron damals angeschaut habe. Aber es muss sehr oft gewesen sein. Die eingespielte Kindermusik, die Anspielungen auf Pinocchio, die endzeitliche Stimmung, sowie die grandiose Performance von James Spader haben mich nicht mehr losgelassen. Die Vorfreude auf den Film war gigantisch. Vor allem, weil dieser erneut von Joss Whedon inszeniert werden sollte. Mit dem ersten Avengers hat er bewiesen, dass er sich in dem Universum auskennt und nun soll er uns erneut mit einem Zusammentreffen unserer liebsten Helden beglücken.

Die Änderungen an der Comic-Vorlage, die in diesem Fall durchgeführt wurden, finde ich äußerst passend. Veränderungen, wenn sie der Geschichte dienen, sind nicht nur positiv zu bewerten, sondern willkommen. In den Comics hat Hank Pym (Ant-Man) Ultron ins Leben gerufen. Das hätte nicht ins MCU gepasst. Die dramatischen Ereignisse aus New York, die nicht nur Iron Man 3 und Captain America – The Winter Soldier geprägt haben, werden hier gekonnt vorgesetzt. So ist es Tony Stark, mit Hilfe von Bruce Banner, der die AI rund um Ultron zum Leben erweckt. Doch seine ursprüngliche Programmierung, genauer gesagt das eigentliche Ziel, die Menschheit zu beschützen, schlägt schnell in das Gegenteil um.

Das Perfide an Ultron ist, dass er mit jeder neuen Generation von sich selbst besser wird. Bessere Materialien, bessere Eigenschaften, mehr Vernetzungen in der Welt und so weiter. Jede Iteration macht etwas besser als die vorhergehende; Evolution in Überschallgeschwindigkeit. Erneut hat die Casting-Direktorin Sarah Halley Finn ihr Geschick bewiesen, als sie James Spader als den terrorisierenden Roboter engagierte. Auch hier sind die behind-the-scenes Videos sehr zu empfehlen. Es ist großartig zu sehen, wie diese Charaktere entstehen, und James Spader ist immer ein Genuss. Ich mochte ihn auch in den ersten Staffeln von Black List, aber die immer abstruser werdenden Geschichten haben mich irgendwann verloren. Jedenfalls ist er ein begnadeter Schauspieler. Ultrons Größenwahn transportiert er mit Bravour. Die Avengers haben einen beängstigenden Gegner, dem sie hier gegenüberstehen.

Ich fände es immer noch cool, wenn Ultron irgendwann vielleicht zurückkehren und eine neue Bedrohung für die Avengers darstellen würde. Die neue Generation der Avengers könnte sich auf ihre ganz eigene Art mit dieser Bedrohung auseinandersetzen. Wie kaum ein anderer Gegner könnte Ultron den aktuellen Zeitgeist aufgreifen und seine Bedrohung dadurch noch echter machen. Es wäre ein interessantes Experiment.

Was mir an Age of Ultron ebenso gut gefällt, abseits von den beeindruckenden Kulissen und Action-Sequenzen, sind die einfacheren Szenen. Die Momente, in denen unsere Helden einfach nur dasitzen oder -stehen und sich unterhalten. Das hat dieser Film wirklich fantastisch gemacht, und es ist etwas, das mir in aktuellen Filmen etwas fehlt. Sei es die Party-Szene, bevor Ultron sie so unhöflich unterbricht. Sie scherzen, diskutieren und testen, ob sie nicht doch Mjölnirs würdig sind (im Rückblick fantastisch umgesetzt, dass Cap nur vortäuscht, den Hammer nicht hochheben zu können; in Kombination mit Visions Fähigkeit dies zu tun und die humorvolle Art, wie dies umgesetzt wird, lenkt perfekt von der Tatsache ab, dass Steve es könnte; die Russo Brothers lösen das Rätsel schließlich in einer der besten Szenen in Endgame auf – aber dazu kommen wir in ein paar Monaten).

Zu diesen stimmungsvollen Momenten gehört ebenso die Zeit, die sie auf der Farm von Hawkeye verbringen. Es zeigt sie verletzlich. Die Dynamiken zwischen den Charakteren werden weiter ausgebaut, man versteht sie besser. Erst wenn wir diese Charaktere auf einer menschlichen Ebene sehen und begreifen, können die großen, heldenhaften Momente umso intensiver ihre Wirkung entfalten.

Die neuen Figuren, die mit Age of Ultron eingeführt werden, sollen noch eine große Rolle im weiteren Verlauf des MCU spielen. Allen voran natürlich Wanda und Vision, die am Ende bereits ihre angehende Beziehung andeuten. Elizabeth Olsen als Wanda ist ein ebenso genialer Zug, wie Paul Bettany von seiner Sprecherrolle als Jarvis hin zu Vision zu befördern. Beide passen perfekt in ihre Rollen und sind nicht mehr aus dem MCU wegzudenken. Ich hoffe, sie kehren bald wieder zurück. Dann haben wir natürlich noch Andy Serkis als Ulysses Klaue – ebenso ein hinterhältiger und gut umgesetzter Bösewicht, der noch eine größere Rolle im großen Ganzen einnehmen darf – und Aaron Tayler-Johnson als Quicksilver. Er verlässt uns zwar frühzeitig wieder, hinterlässt aber trotzdem einen bleibenden Eindruck.

Age of Ultron ist ein toll umgesetzter Film. Die Geschichte der Avengers wird gekonnt fortgesetzt. Man hält sich nicht lange mit der Etablierung des Teams auf oder wie sie in diesem Fall zusammenfinden, um die letzten Basen von Hydra zu beseitigen. Wir steigen direkt ein und es kann losgehen. Die Charaktere sind etabliert und man fokussiert sich auf das Team selbst, ihre Dynamik und den Problemen, denen sie gegenüberstehen. Action-Sequenzen und ruhigere Momente lösen sich wunderbar ab und halten eine Balance, die die Geschichte in einem angenehmen Tempo erzählt.

Am Ende dürfen wir dann noch einen Blick auf den großen Bösewicht des MCU werfen. Thanos nimmt es selbst in die Hand, um sich der Avengers zu entledigen und die Infinity-Stones zusammenzubringen. Der perfekte Teaser für Phase drei des MCU. Doch zunächst müssen wir die Zweite mit dem ersten Ant-Man-Film abschließen.

Und nur um den Überblick zu behalten und weil ich es selbst andauernd vergesse, welcher Stein wofür steht, hier eine Übersicht, welche wir bisher kennengelernt haben und wo sie sich befinden:

  • Der Tesseract beinhaltet den »Space Stone« und befindet sich, nach den Ereignissen von Avengers, in Asgard.
  • Lokis Zepter beinhaltet den »Mind Stone« und befindet sich in Vision, genauer gesagt auf seiner Stirn.
  • Der Äther, der den »Reality Stone« repräsentiert, ist irgendwo in der zerstörten Sammlung des Collectors in Knowhere
  • Der »Power Stone«, den zwischenzeitlich Ronan in seinem Hammer hatte, befindet sich auf Xandar

MCU Rewatch | Guardians of the Galaxy

Mit den Guardians of the Galaxy hat Marvel eine komplett neue Truppe ins MCU eingeführt. Eine Truppe, die vor dem Film kaum Bekanntheit hatte – außer natürlich bei Comic-Fans. Insofern war es durchaus ein Risiko, diesen Film zu machen. James Gunn sollte die Guardians ins Leben rufen. Er schaffte es nicht nur, diese seltsamen, unbekannten Charaktere gut ins MCU zu integrieren und einem neuen Publikum vorzustellen, Gunn machte sie schnell zu einem Fan-Liebling.

Wer konnte vor 2014 schon ahnen, dass zwei CGI-Charaktere dermaßen beliebt sein würden? Das liegt nicht nur am hervorragenden Design und der realitätsnahen Umsetzung. Rocket und Groot fügen sich quasi perfekt und fehlerfrei in die reale Umgebung des Films ein. Die Synchronsprecher darf man dabei selbstverständlich nicht außer Acht lassen: Bradley Cooper und Vin Diesel für diese Rollen zu engagieren, war ein genialer Schachzug. Wer sich noch nie die YouTube-Videos von Vin Diesel bei den Aufnahmen für Groot angesehen hat, verpasst etwas. Er spricht die Rolle mit einer Inbrunst, andere können sich eine Scheibe davon abschneiden. Aus den drei Wörtern »I«, »am« und »Groot« holt er alles heraus, was nur geht. Bradley Cooper muss sich aber nicht verstecken. Seine Leistung als Rocket ist ebenso klasse.

Was mich an Ensemble-Filmen immer wieder begeistert, vorausgesetzt sie sind gut gemacht, ist die Art, wie die unterschiedlichen Charaktere zusammenfinden. Besonders in Superhelden-Filmen ist dies nicht immer ganz so einfach. Wir als Zuschauer*innen haben einen unfassbaren Wissensvorsprung gegenüber den Charakteren. Wir wissen, dass sie irgendwann zusammenfinden und gemeinsam kämpfen, das Leben für die anderen opfern würden. Doch wie sieht es mit den Charakteren selbst aus? Sie benötigen erst die richtige Motivation, einen Grund, der überzeugend genug ist, dass sie dieses Team bilden. Wenn diese Motivation auf herbei gedichteten Begründungen fußt, sind die emotionalen Momente danach nichts wert. Heroische Momente können so schnell in der Irrelevanz verpuffen, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Deshalb finde ich es umso erstaunlicher, dass es James Gunn und seinem Team gelungen ist, diese außergewöhnlichen Charaktere, in einer Umgebung, die wir zuvor nicht kannten, dermaßen organisch zusammenzuführen. Es wirkt nie erzwungen. Zuerst wollen manche den Infinity-Stone, um dessen Macht für sich zu beanspruchen. Andere wollen Peter Quill entführen, um ein Kopfgeld einzusacken. Wieder andere wollen den Mörder ihrer Familie rächen. Am Ende retten sie gemeinsam die Welt Xandar vor Ronan the Accuser und man kauft es dem Film in jeder Sekunde ab.

Das alles geschieht allerdings nicht, weil ein Plot in diese Richtung gezwungen hat, aus arbiträren Gründen, sondern weil sie für etwas Größeres als sich selbst einstehen möchten. Sie wachsen im Laufe des Films über sich hinaus, entwickeln sich und dürfen Einsichten, Erkenntnisse haben. Das merkt man bereits früh im Film, dass die Charaktere in der Lage sind, tiefer zu blicken, als man vielleicht vermuten würde. Beispielsweise wenn Peter die Wunden von Rocket sieht, nachdem sie im Gefängnis angekommen sind.

Drax Motivation, seine Familie zu rächen, ist zwar ein initialer Grund, sich den Guardians anzuschließen, doch seine im Film begangenen Fehler führen zu der Erkenntnis, dass es vielleicht nicht so schlecht ist, sich mit einem Team um seine Gegner zu kümmern (und Thanos zu töten). Gamora hat ebenso ihre Gründe, wie Rocket oder Groot, sich mit den anderen zu verbünden. Und selbst wenn diese Gründe weiterhin vorhanden sind, bleiben sie nicht der eine treibende Faktor hinter den Charakteren. Sie sind vielschichtiger als das. Das hilft natürlich ebenso, die immer wieder aufkommenden Konflikte zu überwinden und zusammen weiterzukämpfen. Mit diesen teils schweren Thematiken (man denke nur an die Beschreibungen von Rocket, was ihm nicht alles angetan wurde), schafft es der Film allerdings trotzdem unfassbar lustig zu sein. Es ist keine leichte Aufgabe, diesen Humor natürlich wirken zu lassen und trotzdem die ernsteren Momente wirken zu lassen. Guardians of the Galaxy schafft diesen Spagat allerdings noch recht gut. Beim zweiten Teil bin ich mir da nicht mehr so sicher; der kommt aber früher oder später auch noch dran.

Guardians of the Galaxy ist ein großartiger Eintrag ins MCU. Die letzten drei Filme könnten nicht unterschiedlicher sein. Von Thors göttlichen, mythischen Abenteuern über Captain America, einem Spionage-Polit-Thriller, bis zu den Guardians hatten wir verschiedene Genres und trotzdem fühlen sich alle nach demselben Universum an. Wir bekommen hier einen Science-Fiction-Film, der seine Figuren und deren lange Geschichte mit Respekt behandelt und sich trotzdem nicht zu ernst nimmt. Um ein Zitat aus dem Film zu paraphrasieren: They may be a-holes, but they’re not total dicks.

MCU Rewatch | Captain America: The Winter Soldier

Wie habe ich mich auf diesen Film gefreut! Nicht nur damals, als man die ersten Trailer sah, sondern auch jetzt wieder. Es ist ein großartiger, ich würde sogar sagen, fast perfekter Film. Von der Atmosphäre, der Musik, den Charakteren, den Schauspieler*innen, der Geschichte, den Twists und den Effekten stimmt alles. Es greift ineinander wie Zahnräder, um etwas noch viel Größeres anzutreiben. Die Filme von Captain America, angefangen bei The First Avenger bis Civil War gehören zu den besten Einträgen im MCU und haben den Charakter endgültig als zentralen Bestandteil des Marvel Universums und im Mainstream etabliert.

Ich weiß noch genau, als ich im IMAX-Saal des Salzburger Cineplexx saß. Es war das Kino am Bahnhof, einfach zu erreichen und toll ausgestattet. Der Bau an sich war etwas brutalistisch, mit seinen blanken Betonmauern und wuchtigem, doch offenem Design. Es gab immer wieder Stimmen, die das Kino für die schlichte Tristesse beklagten. Ich mochte es allerdings sehr. Es hatte etwas Einzigartiges und widerstand der sonst so modernen Architektur, der man überall begegnet. Und es war ein Kino. Was benötige ich da schon? Ich möchte mir Snacks kaufen können und Toiletten wären nicht schlecht. Ansonsten kommt es mir auf die Technik der Kinosäle an und dass die Sitze bequem sind. Der Rest ist nicht so wichtig. Leider hat das Kino spontan, quasi über Nacht, geschlossen. Es fehlt mir.

Jedenfalls saß ich im IMAX-Saal des Kinos und der Film startet. Es läuft das Marvel-Logo durch und es folgt die Intro-Szene mit Sam Wilson (»on your left«). Toller Einstieg, sehr sympathisch, auf vielen Ebenen. Black Widow holt Cap ab für einen Einsatz und schon sind sie in einem Flieger über einem Schiff. Cap springt aus dem Heck und landet mit einem Knall im Wasser. Es folgt eine meiner Lieblingssequenzen des MCU. Mit vollem Schildeinsatz kämpft sich Cap durch das Schiff. Der IMAX-Saal macht sich bezahlt, denn jedes Mal, wenn der Schild jemanden trifft oder wo abprallt, gibt es einen sehr zufriedenstellenden, satten Sound. Perfekt. Dazu die Musik und die fantastische Stunt-Arbeit. Großartig. Hätte gerne noch etwas länger gehen können.

Schon in dieser Anfangssequenz, als klar wird, dass Black Widow etwas anderes vorhat, als nur Geiseln zu retten, etabliert sich das Thema des Films: Vertrauen. Wer steckt mit wem unter einem Hut? Hat Nick Fury wirklich nur die besten Absichten? Gibt es Hydra wirklich noch? Wer ist Stephen Strange? Und könnten die Shirts von Chris Evans noch etwas enger sein? Alles essenzielle Fragen, die im Laufe des Films mehr oder weniger beantwortet werden.

Samuel L. Jackson als Nick Fury war ein Glücksgriff für Marvel. Das zeigt sich allein schon in der Aufzugfahrt, als er Cap in das Projekt Insight einführt. Seine Präsenz, wie er die Geschichte des Großvaters erzählt; es stimmt alles. Was zeigt er Steve? Drei Helicarrier, die die Welt überwachen sollen. Ausgestattet mit einer Bewaffnung, die alle Armeen der Welt in den Schatten stellt. Ausgestattet mit einer KI, die Bedrohungen eliminieren soll, bevor sie Verbrechen begehen können. Es ist ein Konzept, welches schon des Öfteren in Filmen verarbeitet wurde, doch durch die Einbindung ins Marvel-Universum kann man es schön übertrieben darstellen, ohne dass der Film an Glaubwürdigkeit verliert. Im Gegenteil; es ist eine Antwort auf das, was in New York passiert ist. Man will vorbereitet sein. Nicht nur auf Aliens, sondern auf alle Arten der Bedrohung, ob man von ihnen nun weiß oder eben noch nicht.

Das ist ein Thema, welches sich durch die zweite Phase des MCU zieht. Wie gehen die verschiedenen Charaktere mit den Ereignissen von New York um? Für alle war es das erste Mal, dass sie mit Aliens in Kontakt kamen. Das erste Mal, dass ihnen so richtig bewusst wurde, dass das Universum so viel größer ist, als sie es sich jemals erträumt hätten. Es ist schön zu sehen, dass Marvel sich die Zeit nimmt und den Charakteren erlaubt, traumatische Ereignisse zu verarbeiten. Deshalb wäre es so wichtig gewesen, etwas Ähnliches nach Endgame zu machen. Kleinere Filme, die den Charakteren zugestehen, innezuhalten und zu reflektieren. Dafür ist unter anderem Sam Wilson da. Steve braucht eine Bezugsperson, die er nicht nur durch die Avengers und S.H.I.E.L.D. kennt. Jemanden von außerhalb, der ihm Halt gibt und offen Ratschläge erteilt. Eine schöne Dynamik.

Diese wird jedoch schnell unterbrochen, wenn sich jemand tot geglaubtes aus Steves Vergangenheit zurückmeldet. Doch dieses Mal unter dem Einfluss von Hydra. Der erste Auftritt des Winter Soldiers ist beeindruckend. Alle Auftritte vom Winter Soldier sind beeindruckend. Jeder auf seine eigene Art und Weise. Sei es der Überfall auf Nick Fury, eine der coolsten Szenen des Films und ein Beispiel dafür, dass er immer Ressourcen zur Verfügung hat. Oder die Verfolgungsszene zu Fuß, über Dächer und durch Gebäude hindurch. Oder die Kampfszene zwischen Steve, Natasha und Sam und dem Trupp rund um den Winter Soldier auf offener Straße bei helllichtem Tag. Der Winter Soldier ist bedrohlich, nicht zu unterschätzen und eine Kampfmaschine sondergleichen. Als Steve herausfindet, wer unter der schwarzen Maske und dem dunklen Make-up steckt, ist er verständlicherweise schockiert und will unter allen Umständen seinen alten Freund retten.

Der Rückblick, der Steve und Bucky zeigt, ihre Freundschaft und wie sie immer füreinander da sind, ist perfekt getimt. Es dauert nur wenige Augenblicke und ist so schnell vorbei, wie er angefangen hat, doch es steckt so viel Herz in diesen Minuten, es ändert den Blick der Zuschauer*innen auf die brutale, erbarmungslose Kampfmaschine. Es macht aus ihr eine tragische Figur. Die wohl schrecklichste Szene ist wohl diejenige, in der Bucky Zweifel bekommt. Zweifel an sich und an seinem Ziel. Doch Alexander Pierce ist genauso erbarmungslos wie Hydra und so wird Bucky gelöscht, bis scheinbar nur noch der Winter Soldier übrig bleibt. Ich bin immer noch erstaunt, dass diese brutale Szene in einem Marvel-Film sein darf. Aus heutiger Perspektive nicht mehr vorstellbar, aber doch so wichtig. Keiner macht Witze oder einen dummen Spruch. Buckys tragisches Schicksal, die Folter und das Leid – einfach alles, was er in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat und ertragen musste, wird in dieser einen Szene grausame Realität.

Captain America – The Winter Soldier ist ein beeindruckender Eintrag ins MCU. Auf sehr vielfältige Art. Er steht da als Monument einer Ära, in der jeder Film anders sein durfte, in der man sich ausprobiert hat und nicht das große Ganze des MCU im Zentrum stand. Natürlich war es wichtig und schwang stets im Hinterkopf mit, doch das zentrale waren die Charaktere. Sie konnten ihre Geschichten erleben, sich weiterentwickeln und die Welt um sie herum verändern. Natürlich wurden neue Charaktere eingeführt, aber stets so, dass es sinnvoll ist für die eigentliche Geschichte und die Protagonisten. Wenn diese neuen Charaktere dann etabliert sind (wie eben Sam Wilson), kann man sie weiterentwickeln und ins Zentrum rücken. Captain America – The Winter Soldier ist ein Testament dafür, wie Comic-Verfilmungen aussehen können, wenn man sie ernst nimmt. Ein Film, der seinesgleichen sucht. Für mich eindeutig ein Meisterwerk.

MCU Rewatch | Thor: The Dark World

Bisher hatten es zweite Teile im MCU wirklich nicht leicht. Mir kommt es so vor, als ob The Dark World zwar nicht ganz so schlecht aufgenommen wurde wie Iron Man 2, er musste allerdings einiges an Kritik wegstecken. Laut Wikipedia hatte das zweite Abenteuer von Thor die niedrigste Bewertung eines MCU-Films bei Rotten Tomatoes, bis Eternals 2021 in die Kinos kam. Beide haben das, meiner Meinung nach, nicht verdient. Besonders wenn man sich die Ereignisse ansieht, die sich im Film abspielen, finde ich The Dark World noch sehr viel gelungener als kommende Einträge in diesem Franchise.

Doch fangen wir mit dem Titel des Films an: The Dark World. Nichts dabei. Nur, dass er für die deutsche Ausstrahlung in The Dark Kingdom geändert wurde. Ich habe mich noch nie intensiver mit dem Abändern von Filmtiteln auseinandergesetzt. Allerdings habe ich es noch nie verstanden, dass man für die deutsche Vermarktung einen vorhandenen englischen Titel durch einen anderen englischen Titel korrigiert. Gleiches war übrigens bei Mission: Impossible – Ghost Protocol der Fall, der für den deutschsprachigen Markt den Zusatz Phantom Protokoll bekam. Sehr seltsame Entscheidungen, die manchmal zu mehr Verwirrung führen als zu mehr Klarheit. Aber andere Märkte haben ja ähnliche Vorgehensweisen, wie wir beim ersten Avengers-Film gelernt haben.

Kommen wir aber zurück zu Thor. Dieses Mal ist es Jane, die sich nach Asgard begeben darf und dort so eine Art fish-out-of-water-Situation erlebt. Odin plant natürlich sie gleich wieder wegzuschicken, ein paar Klischees müssen eben doch erfüllt werden, sieht aber schnell ein, dass es sehr wohl ihr aller Problem ist. Dass der Infinity Stone hier eine Art Äther ist, der schwebt und in der Gegend herumfliegt und kein tatsächlicher Stein ist durchaus eine nette Idee. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, ob erklärt wird, wie Thanos ihn in Steinform bringt, aber man muss ja nicht alles erklären.

Malekith als Gegenspieler bleibt leider nicht besonders nachvollziehbar. Seine Ziele sind zu abstrakt, werden nicht genau erklärt. Es heißt lediglich, dass er das Universum in Dunkelheit stürzen will. Dabei ist das eigentlich nicht richtig. Er will in das vorherige Universum zurück, das vor diesem hier bestand. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist er, genauso wie der Äther, älter als das Universum selbst und findet sich in diesem neuen Zustand nicht zurecht – Veränderungen sind grundsätzlich immer schlecht, wie wir alle wissen. Ich weiß nicht, ob er in den Comics mehr Hintergrundgeschichte bekommt, aber das besser hervorzuheben und genauer zu formulieren, was er möchte, hätte dem Film sicherlich gutgetan. Genauso wie ein besseres Finale.

Der letzte Kampf zwischen unserem heldenhaften Team rund um Jane, Erik, Thor, Darcy und dem Azubi, sowie dem Bösewicht Malekith, der durch die Kraft des Äthers verstärkt wird, ist etwas enttäuschend. Der Dunkelelf bekommt ein paar Gliedmaßen weg-teleportiert und schon ist er besiegt. Auch wenn ich grundsätzlich ein Duell der Geister schätze (Stargate hat das Beispielsweise wunderbar gemacht, als sich Daniel Jackson mit dem Kollektiv der Replikatoren angelegt hat), wäre hier vielleicht mehr Blitz und Hammer-Action von Vorteil gewesen. So endet der Film recht abrupt und man kann den Sieg nicht wirklich genießen, genauer gesagt auskosten. Er fühlt sich nicht so verdient an.

Dann haben wir noch überraschenderweise zwei Tode im Film. Als Erstes verlieren wir leider Frigga (Rene Russo). Sie stirbt im Kampf mit Malekith. Dieser Kampf hätte ebenfalls etwas ausführlicher sein können. Allerdings spürt man ihren Tod durchaus deutlicher, da er sehr überraschend kommt. Mit dem Begräbnis, der Betroffenheit der Charaktere und der Musik kann der Verlust der Mutter wirken. Das Begräbnis zu See ist fantastisch gestaltet und man fühlt die Wucht der Verluste; toll gemacht. Es geht nicht gleich weiter, sondern man trauert. Auch wenn es später nie wieder zur Sprache kommt.

Beim scheinbaren Tod von Loki ist das ganz anders. Thor verliert zwar seinen Bruder, macht aber dann gleich mit dem Kampf weiter, reißt Sprüche und ist locker drauf. Für ihn ist er doch weg, wir bekommen das allerdings nicht wirklich zu spüren. Vielleicht hätte man mit der Auflösung etwas warten sollen. Was Loki mit Odin gemacht oder wie er sich ihm entledigt hat, wird leider auch nicht erklärt. Darauf müssen wir wohl bis zum nächsten Film warten.

Für mich ist, trotz der genannten Schwächen, Thor – The Dark World ein solider Eintrag ins MCU. Er macht Spaß zu schauen, lässt Momente auf die Zuschauer wirken und findet eine gute Balance. Die Charaktere sind weiterhin großartig besetzt und geschrieben. Alle bekommen ihren Moment im Rampenlicht, ohne dass sie sich gegenseitig im Weg stehen. Selbst Mjölnir wird zugestanden, ein wenig Situationskomik mitzubringen. Selbst die Post-Credit-Szene, die auf Guardians of the Galaxy anspielt, ohne auf diese wirklich einzugehen, ist großartig. Das sind Easter Eggs, die ich gerne sehen mag. Sie passen zum Film, geben etwas mehr Kontext, teasern aber gleichzeitig etwas Neues an, ohne zu sehr abzulenken.

MCU Rewatch | Iron Man Three

Mit Iron Man 3 beginnt die zweite Phase des MCU. Bis heute ist es der letzte Solo-Auftritt von Robert Downey Jr. als Iron Man und wird es vermutlich auch bleiben. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Präsenz im MCU trotzdem dermaßen spürbar ist. Allerdings ist der Film nicht gerade unumstritten oder ohne seine kontroversen Entscheidungen. Besonders beim ersten Mal, als ich den Film damals im Kino sah, ging ich eher enttäuscht wieder raus. Mit der Zeit wird der Film allerdings besser, vor allem wenn man den Twist kennt. Bis dorthin ist es allerdings zweifelsohne ein brillanter Eintrag ins MCU.

Iron Man 3 gelingt das, woran der Vorgänger scheiterte: eine glaubwürdige Darstellung der Belastungen, die die Erfahrungen in New York nach sich ziehen. Tony steigert sich nicht nur in die Konstruktion und den Bau immer neuer Anzüge, er ist regelrecht abhängig davon. Des Weiteren hat er immer wieder Panikattacken, will sich nicht einmal an die Situationen und seinen temporären Ausflug in die Weiten des Weltalls erinnern lassen. Er kompensiert es, indem er in alte Muster zurückfällt, bis ihn der Mandarin dazu zwingt zu reflektieren und sich auf seine Talente und Fähigkeiten zu besinnen. Er ist so viel mehr als Iron Man.

Die Szenen im verschneiten Tennessee sind fantastisch und stimmungsvoll umgesetzt. Der junge Harley als Counterpart nicht nur gut gecastet, sondern eine wunderbare Ergänzung zu Tonys mentalen Zustand. In dem Sinn, dass er ihm Paroli bieten kann, ihn auf die richtige Art herausfordert und aus den Reserven lockt. Die dann kommende Bedrohung wird somit persönlicher, intimer und es ist nicht gleich wieder die gesamte Welt bedroht. Es ist eine großartige Idee, nach den großen, weltumspannenden Krisen wieder auf bodenständige Abenteuer und Probleme zurückzukehren. Vielleicht etwas, was sich Marvel hätte merken sollen, für spätere Phasen. Denn nach Endgame hätte es mehr dieser intimeren Filme benötigt. Die großen Bedrohungen müssen erst wieder aufgebaut und verdient werden. Es kann nicht immer um die Rettung der Welt gehen.

Dieses intimere Erzählen von Geschichten setzt sich ebenso mit den Nebencharakteren fort. Pepper und Aldritch beispielsweise und Peppers Konflikte mit Tony. Natürlich ist in dieser Situation jemand anziehend, der sich mehr für sie interessiert. Pepper wird allerdings nie ihre Autonomie aberkannt, was schließlich im Finale damit endet, dass sie zur Abwechslung Tony das Leben rettet. Happy liegt zwar den halben Film im Krankenhaus, trotzdem nimmt er einen angenehmen Platz im Film ein. Seine Charakterstärke und der Drang, Tony zu unterstützen, etwas beizutragen, zeigen sich in den anfänglichen Szenen bis zum Attentat sehr deutlich. Rhodey darf sich ebenfalls weiterentwickeln, bleibt aber eher im Hintergrund. Trotzdem will ich ihn nicht missen und seine Rolle wird mit den kommenden MCU-Filmen weiter ausgebaut.

Kommen wir nun zu den beiden Gegenspielern oder dem einen Bösewicht, der zwei Rollen einnimmt. Aldritch als Extremis ist einem vergleichsweise jungen Comic entnommen worden (2005). Pearce stellt ihn wunderbar dar. Der Charakter ist elegant geschrieben und eignet sich als perfekter Drahtzieher hinter dem Mandarin. Kingsley als Mandarin ist brillant, und ich hätte mir gewünscht, es wäre der echte gewesen. Die TV-Einspieler im Film, die Monologe und One-Liner spricht Kingsley mit genau dem richtigen Maß an Gravitas. Einfach fantastisch unheimlich. Ich würde mir wünschen, dass er noch einmal die Rolle einnehmen darf, aber dieses Mal richtig. Scheinbar gibt es ja irgendwo den richtigen Mandarin im MCU – mal sehen, ob wir ihn auch antreffen werden.

Doch nicht nur die Geschichte, alles darum herum verstärkt die Sogwirkung des Films. Die Effekte können sich noch immer sehen lassen. All die unterschiedlichen Anzüge, die Tony entwickelt hat, teasern perfekt zukünftige Ereignisse an – allen voran der Hulkbuster. Die Musik hat den richtigen Retro-Touch, übertreibt es allerdings nicht. Und die Cinematographie fängt all das wunderbar ein. Wir erhalten tolle Bilder – den Film in der Weihnachtszeit anzusiedeln, war dafür die richtige Entscheidung. Bis auf den Twist bezüglich des Mandarin (den ich mittlerweile hinnehmen und akzeptieren kann) halte ich Iron Man 3 für einen der besten MCU-Filme (etwas, was ich wahrscheinlich noch des Öfteren schreiben werde). Er macht immer wieder Freude und schickt unseren Helden auf eine schmerzliche, aber lehrreiche Reise. Er darf sich weiterentwickeln und alle Beteiligten gehen stärker, ehrfahrungsreicher aus diesem Abenteuer heraus.

MCU Rewatch: Avengers

Und schon ist Phase 1 des MCU abgeschlossen. Auch wenn ich hier im Blog den Samstag nutze, um meinen MCU Rewatch zu dokumentieren (also bisher 6 Wochen), so habe ich tatsächlich diese sechs Filme innerhalb von fünf Tagen im November 2024 angesehen. Da es doch recht viele Marvel-Filme mittlerweile gibt, habe ich mich dazu entschlossen, nur einmal die Woche darüber zu berichten, damit es nicht zu viel auf einmal wird. Es sind ja immerhin zeitunkritische Inhalte. Aber soweit erst einmal der Blick hinter die Kulissen und wie ich diese Rewatch-Texte veröffentliche.

The Avengers kam 2012 in die Kinos und ist heute noch ein Meilenstein der Kinogeschichte. Dass das Konzept vom MCU und die Idee von Kevin Feige sich so umsetzen ließ, ist schon unfassbar. Eine Errungenschaft, die man würdigen und anerkennen muss. Über vier Jahre fünf Filme zu veröffentlichen, in denen mal mehr, mal weniger offensichtliche Hinweise eingestreut wurden und schließlich an den Punkt zu gelangen, The Avengers zu veröffentlichen, ist Wahnsinn. Und selbst jetzt, nachdem ich den Film schon einige Mal gesehen habe, bekomme ich noch Gänsehaut und fiebere mit unseren lieb gewonnenen Helden mit.

Es ist bemerkenswert, wie organisch sich der Film anfühlt. Von der Bedrohung Lokis, den einzelnen Begegnungen unserer Helden, deren Interaktionen und den Persönlichkeiten, die aufeinanderprallen. Erst eher schlecht als recht, doch vereint durch einen persönlichen Verlust, kämpfen sie schließlich als eine Einheit, als ein Team, das alles erreichen kann, was es sich in den Kopf setzt. Phil Coulson, der alle von Anfang an begleitet und geprägt hat. Mit seinem Tod ihn quasi als eine »women in refrigerators«-Trope zu missbrauchen, um die Avengers anzutreiben, finde ich durchaus genial.

Für mich ist immer noch der Hero-Shot, während die Avengers in New York kämpfen, immer noch die Messlatte, die es zu erreichen gilt. Der erste große Leviathan wurde durch den Hulk ins Nirvana geschlagen. Die Kamera umkreist die Avengers und fängt alle wunderbar ein. Iron Man, Thor, Captain America, The Hulk, Black Widow und Hawkeye. Dazu das perfekte und triumphierende Musikthema von Alan Silvestri. Es ist ein Moment der Kinogeschichte, den es kein zweites Mal geben wird. Auch hier muss man anerkennen, dass Joss Whedon und das Marvel-Team geniales geleistet haben. Wie auch beim Konzept des MCU haben viele versucht, an diesen Hero-Shot heranzukommen, sind aber kläglich gescheitert.

Ich könnte mich noch weiter in Details verlieren. Sei es die Wette zwischen Nick Fury und Steve Rogers, wo Nick Fury schließlich auf der Brücke des frisch enthüllten Helicarrier 10 Dollar bekommt. Die nahtlos geschnittene Kampfszene in New York, als unsere Helden endlich wie ein echtes Team kämpfen. Die letzten Momente von Phil Coulson. Mark Ruffalo als Bruce Banner. Lokis Auftritt in Stuttgart und der Mann, der sich ihm entgegenstellt. Das erste Aufeinandertreffen von Iron Man, Thor und Captain America. Ich finde nichts Falsches an diesem Film und feiere jede Sekunde. Ich bin wirklich begeistert.

In den vergangenen Monaten habe ich mich vielleicht etwas zu sehr darin verloren, was andere von Dingen halten. Seien es Filme oder Serien. Es ging so weit, dass ich Filmen nicht einmal mehr eine Chance gab. Es gibt diese negative Spirale im Internet, sei es in Social Media oder in den Kommentarspalten von YouTube, vor der man sich in Acht nehmen sollte. Ich habe schon fast meine Freude an Marvel, den Comics und dem MCU verloren. Bis ich diesen Rewatch gestartet habe. Doch seit ich YouTube um ein Vielfaches weniger benutze und sehr viel selektiver bin, was ich mir anschaue und mich wieder mehr auf Filme konzentriere, geht es mir nicht nur besser, mir ist schlichtweg egal, was andere von ihnen halten. Ich muss daran Spaß und Freude haben. Es muss mir gefallen.

So banal das klingen mag, so sehr müssen wir uns das immer wieder vor Augen halten. Uns nicht von anderen die Laune verderben lassen, ihnen nicht in eine imaginäre Welt voller Wut und Hass folgen, die es so nicht gibt. Die echte Welt, mit all ihren Schwierigkeiten und Herausforderungen, ist anstrengend und ermüdend genug. Ich möchte mir nicht auch noch etwas kaputt machen lassen, das mir mein Leben lang Freude bereitet hat. Dieser Rewatch des MCU hat mir das gezeigt.

Ich liebe diese erste Phase des MCU. Es ist großartig. Und ich freue mich auf die weiteren Filme, die noch kommen.

MCU Rewatch: Captain America – The First Avenger

Captain America ist der erste Film im MCU, der einen Zeitsprung in die Vergangenheit wagt. Bis auf Rückblenden oder seltenen Einträgen wie Captain Marvel bleibt diese Technik weitgehend einzigartig im MCU – zumindest wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Sie sind eher darauf bedacht, die Geschichte des MCU fortzuerzählen. Wobei man die tatsächliche Chronologie der Abläufe sehr viel ernster nehmen kann. So gibt es Listen im Internet zu finden, die nicht nur die Post-Credit-Szenen der Filme aufschlüsseln und die seltenen Kurzfilme von Marvel einbetten, sondern auch noch sämtliche Episoden von Serien in eine richtige chronologische Reihenfolge bringen. Das wirkt aber furchtbar anstrengend, etwas so anzuschauen. Da bleibe ich doch lieber bei den Filmen als Ganzes und ihrer Reihenfolge der Veröffentlichung.

Was bis heute an Captain America beeindruckt, ist die digitale Veränderung von Chris Evans in der ersten Hälfte des Films. Nicht nur wird seine Statur kleiner, sondern er ist entsprechend dünn und mager. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Proportionen wirken in keiner Szene falsch oder seltsam. Es wirkt nicht überborden oder fake, sondern passt sich gekonnt in die Szenarie ein. Die Interaktionen mit den anderen Schauspieler*innen, deren Blickrichtungen und alles, was dazugehört, ist stimmig. Wenn man den Studios, die für das CGI verantwortlich sind, ausreichend Zeit gibt, dann bekommt man so ein Ergebnis, das sich Jahre später noch sehen lassen kann.

Wie auch bei den bisherigen Filmen ist die Besetzung des Films überragend. Tommy Lee Jones als Colonel Phillips, Stanley Tucci als Dr. Erskine und Hayley Atwell als Agent Carter ergänzen sich hervorragend. Alle drei, auf ihre eigene Weise, wollen, dass das Supersoldier-Programm erfolgreich ist. Im Laufe des Films mag ich ihre Entwicklung und besonders Phillips beweist später eine Menschlichkeit und ein Vertrauen in Captain America. Aber besonders mag ich es, wenn Charaktere kleine Gesten oder Handlungen in Szenen bekommen, die das auf subtile Art unterstreichen. So ist es bei Phillips eine der letzten Szenen des Films, wo er Agent Carter den Raum allein überlässt, während sie und Steve Abschied nehmen.

Auf der anderen Seite haben wir Hugo Weaving als Red Skull und Toby Jones als Arnim Zola. Weaving verkörpert den Red Skull mit einer regelrechten Inbrunst und scheint Spaß an der Rolle zu haben. Er dominiert jede Szene, in der er agieren darf, und versprüht eine Machtbesessenheit, die Welt zu erobern. Die Technologien, die der Tesseract ermöglicht, sind so größenwahnsinnig, wie der Schädel von Skull rot ist.

Captain America gehört zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme des MCU. Die Geschichte ist unterhaltsam, die Charaktere sind mit viel Herz geschrieben und verkörpert, und es stimmt einfach das Gesamtpaket. Chris Evans ist Captain America, da führt kein Weg daran vorbei. Manche Charaktere mag man neu besetzen können, wenn es mit dem Schauspieler nicht mehr funktionieren sollte, aus welchen Gründen auch immer, aber jemand anderen als Captain America zu sehen wird für Jahre sehr schwer sein. Genauso wie Hugh Jackman der einzig wahre Wolverine ist, gilt das auch für Chris Evans als Captain America.