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MCU Rewatch: Thor

Thor ist ein interessanter Film. Alleine schon von der Besetzung her. Ich weiß nicht, ob Thor als Marvel-Charakter zu dieser Zeit sehr beliebt oder bekannt war. Oder ob er ähnlich wie Iron Man erst durch die Filme den Durchbruch in den Mainstream schaffte. Jedenfalls ist es erstaunlich, welche Schauspieler*innen sich in einem solch mythischen und obskuren Eintrag ins MCU wiederfinden: Natalie Portman, die sich gerade einen Oscar für ihre Darstellung in Black Swan holte. Jeremy Renner, der gerade seinen Durchbruch mit The Hurt Locker feierte und bald in Mission Impossible mitmischen sollte. Außerdem traten die Schauspielgiganten Anthony Hopkins, Rene Russo, Idris Elba und Stellan Skarsgård auf. Und natürlich Samuel L. Jackson als Nick Fury.

Was nicht heißt, dass sich Chris Hemsworth, Tom Hiddleston und Jaimie Alexander verstecken müssen. Sie waren ebenfalls Namen, die man kannte, auch wenn sie vielleicht noch nicht den großen Durchbruch hatten. Zumindest, was eine kleine Wikipedia-Recherche ergab. Was allerdings die perfekte Besetzung von Charakteren anbelangt, so war dies schon immer eine Stärke von Marvel. Deshalb soll an dieser Stelle das Talent von Sarah Halley Finn ins Zentrum gestellt werden. Wer sich etwas dafür interessiert, kann nach ihr recherchieren und findet unzählige Geschichten, wie sie verantwortlich ist, dass Charaktere von den Schauspieler*innen gespielt werden, die wir heute kennen und lieben. Ihr Instinkt ist unschlagbar.

So erwachen die Götter und die Mythologie rund um Asgard scheinbar mühelos zum Leben. Wie könnte Odin anders sein als Anthony Hopkins Interpretation davon? Oder Heimdal sich anders verhalten als durch Idris Elba dargestellt, indem er sich zwar stoisch seines Dienstes hingibt, aber immer im Bedacht darauf, was Asgard benötigt und nicht deren aktuellen Herrscher? Nicht nur die Charaktere sind stimmig, auch die Kulissen und Marvels Design von Asgard wirkt durchdacht. Alles greift ineinander und ergänzt sich wunderbar zu einem größeren Ganzen. Die Aufnahmen, in denen die Kamera durch die Landschaften und Gebäude dieses mythischen Ortes fliegt, beeindrucken immer wieder. Wir sind es mittlerweile gewohnt, dass Dinge in Filmen so aussehen und alles möglich ist, trotzdem beeindruckt Asgard weiterhin. Alles glänzt und wirkt so göttlich; so wie es eben sein soll.

Ich mag auch den Humor des Films. Genau so sollte dieser umgesetzt werden. Er wird nicht in eine Szene mit aller Kraft hineingekippt, sondern ergibt sich organisch aus der Situation heraus. Thor weiß nicht, wie man sich auf der Erde benimmt oder wie man Hubble richtig ausspricht. Ich kaufe es dem Charakter ab, dass er sich so benimmt und auftritt. Er ist anderes gewohnt. So wird die Selbstverständlichkeit, mit der er durchs Leben geht, endgültig zerstört, wenn ihm die Kraft Mjölnirs verkannt bleibt. Eine Welt bricht zusammen und Loki versetzt ihr den Todesstoß, mit der Nachricht vom angeblichen Tod Odins.

Thor ist im Grunde ein Familiendrama. Alle Bedrohung kommen aus dem Hause Odin. Loki, genauso wie der Destroyer, den er auf seine ehemaligen Freunde und seinen Bruder loslässt. Die Szenen auf der Erde und die menschlichen Charaktere, die vorkommen, tragen ihr Übriges dazu bei, dass die Welt Thors tatsächlich wie eine Welt voller Wunder und unbeschreiblicher Dinge wirkt. Jane, Darcy und Erik sind wunderbar porträtiert und tolle Charaktere, die man gerne bei ihren Abenteuern beobachtet. Sie erden die Erzählung buchstäblich. Thor bleibt ein großartiger Film, der Spaß macht, aber auch vor durchaus tragischen Momenten nicht zurückschreckt.

MCU Rewatch: Iron Man 2

Eigentlich erstaunlich, dass gleich der dritte Film im MCU eine Fortsetzung ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich von der Reihenfolge etwas ändern würde. So wie sie ist, sieht die erste Phase ausgezeichnet aus und hat tolle, originelle Einträge, aber man kann stets etwas verbessern. Vor allem, wenn man es mit über 10 Jahren Abstand betrachtet. Was ich auf jeden Fall gerne gesehen hätte, unter Berücksichtigung des heutigen Wissensstands, ist ein Black Widow Film. Oder auch einen S.H.I.E.L.D.-Film, indem sie und Hawkeye die zentralen Figuren sind. Ein gut gemachter, bodenständiger Agenten-Thriller wäre das i-Tüpfelchen der ersten Phase gewesen.

Meine Modifikation würde dann so aussehen. Erst Iron Man und Incredible Hulk, gefolgt von dem SHIELD/Black Widow Film (die Geschichte könnte auch erzählen, wie Natasha zu S.H.I.E.L.D. gekommen ist, oder sie Nick Fury kennengelernt hat). Daran anschließen würde ich Thor. So hätte man vier komplett unterschiedliche Genres, die aber doch in einem Universum spielen. Dann Iron Man 2. Die Szene mit Coulson, wo er nach New Mexico fährt, um sich der Thor-Situation anzunehmen, könnte man so umschreiben, dass es suggeriert, dass die beiden Einträge ins MCU parallel verliefen und nicht unbedingt hintereinander. Schließlich_Captain America_ und Avengers; die beiden sollten in dieser Reihenfolge bleiben.

Es ist immer noch eine Schande, dass Black Widow erst einen eigenständigen Film bekommen hat, nachdem sie im MCU gestorben ist. »Too little, too late«, wie man so schön sagt. Trotzdem mag ich ihren Auftritt in Iron Man 2 sehr gerne. Sie hat von Anfang an eine dominierende Präsenz, die man erst zuordnen kann, wenn man weiß, dass sie zu S.H.I.E.L.D. gehört. Sie passt sich den Situationen an, wie sie kommen, und die Action-Szene mit Happy ist einfach großartig. Er ist mit einem Gegner beschäftigt, während sie 10 besiegt.

Ivan Vanko aka Whiplash als Gegner ist völlig in Ordnung. Mickey Rourke holt alles aus dem Charakter heraus, was ihm das Drehbuch gibt, was leider nicht allzu viel ist. Trotzdem passt er als Gegner, vor allem auch die Zusammenarbeit mit Hammer und dass er sich als Unterstützung Drohnen baut. Hammer wird als Charakter nie zu nervig und macht seine Rolle als comic relief passabel. Die Neubesetzung von Rhodey mit Don Cheadle ist gelungen und sollte sich, wie wir jetzt wissen, als Glücksgriff herausstellen. Die Reise seines Charakters ist beeindruckend und seine Chemie mit Robert Downey Jr. toll zu beobachten. Auch er hätte mittlerweile seinen eigenen Film verdient, besonders nach den Ereignissen in Avengers: Age of Ultron.

Womit ich eher ein Problem habe, ist die Darstellung von der Alkoholsucht von Tony Stark; genauer gesagt ihre nicht-Darstellung. Sie gehen mir hier nicht weit genug. Vor allem nach einem Film wie The Incredible Hulk, der teilweise sehr düster daherkommt, hätte man den Zuschauer*innen zutrauen können, mit einer ausführlicheren Darstellung umzugehen. Vor allem, weil die Comic-Vorlage »Demon in a bottle« zu den gefeiertsten Iron Man Comics jemals zählt. Es ist eine der wichtigsten und prägendsten Geschichten von Tony Stark. Etwas mehr Drama und Tragik hätte diese Erzählung verdient gehabt. Dafür seine Vergiftung etwas zurückschrauben oder ganz rausnehmen. So wird nämlich diese als Grund für sein Verhalten hingestellt und nicht sein Alkoholproblem. Eine verpasste Chance.

Aber abgesehen davon ist Iron Man 2 ein weiterer, durchaus solider Eintrag ins MCU und baut die Idee eines zusammenhängenden Universums weiter aus. Nach diesen drei erdgebundenen Filmen geht es als Nächstes raus ins Reich von Mythen und Sagen. Es wird großartig.

MCU Rewatch: The Incredible Hulk

Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich zu jedem Film einen kleinen Text schreibe. Doch ich bin gerade sehr begeistert von meinem MCU Rewatch und will diese Begeisterung teilen. Aktuell schaue ich einige Filme innerhalb kurzer Zeit, aber die Texte darüber werde ich etwas strecken, denn sonst habe ich einen Monat lang nichts anderes als MCU als Thema des Blogs. Zwar ist daran nichts auszusetzen, doch habe ich noch andere Ideen und Themen, über die ich schreiben möchte.

Wie dem auch sei, kommen wir zu dem Film, den man vielleicht gerne mal vergisst. Ich kann nicht genau sagen, warum, aber er fühlt sich, vor allem aus heutiger Sicht, nicht zu 100 % passend an, im MCU. Versteht mich nicht falsch, es ist ein toller Film und sieht auch heute, 16 Jahre später, immer noch gut aus. Allerdings ist die Atmosphäre des Films komplett anders, als man es von einem MCU-Film erwarten würde.

Iron Man war schon anders, als ich ihn in Erinnerung hatte. The Incredible Hulk legt da noch eine gewaltige Schippe obendrauf. Zum Teil ist es ein kleiner Body-Horror-Film, der nicht davor zurückschreckt, die Angst und das Brutale hinter dem Hulk zu zeigen. General Ross geht geradezu kaltblütig gegen Bruce Banner vor und erst zu spät merkt er, dass nicht jeder Preis dafür steht, den Hulk zu fangen. Ich mag auch die Beziehung zwischen Bruce und Betty ist glaubwürdig und der Film vermeidet es zum Glück, einen erzwungenen Dreieckskonflikt aufzumachen. Bettys aktueller Freund vertraut ihr, wird nicht sofort eifersüchtig. Zwar gerät er sehr in den Hintergrund und bleibt nur ein Mittel zum Zweck, aber die Szenen mit ihm wissen zu überzeugen.

Bruces innerer Konflikt, wunderbar portraitiert von Edward Norton, ist zentraler Bestandteil des Films. Seine Versuche, den Hulk zu kontrollieren, indem er ihn unterdrückt und die Annahme, dass es mit seiner Aufregung und Puls zusammenhängt, dass er sich verwandelt, ist aus heutiger Sicht fast tragisch. Doch genauso nachvollziehbar sind diese Unterfangen, denn am Ende helfen sie ihm zu dem Bruce Banner zu werden, den wir später in Avengers wiedersehen werden.

Blonsky aka Abomination (Tim Roth) ist ein passender Gegenspieler, der noch einmal unterstreicht, dass es sich bei Hulk um ein Monster handelt, das gejagt, gefangen und seziert werden muss. In Verbindung mit den Methoden von Ross und den Experimenten, die an Blonsky unternommen werden, entsteht so eine dicht gepackte Atmosphäre. Dazu kommen Effekte, die sich auch heute noch sehen lassen können. Hulk hat sich in jedem folgenden Film etwas verändert und weiterentwickelt, aber ich mag seine erste MCU-Inkarnation, die wir hier zu sehen bekommen. Man merkt bereits die Vielschichtigkeit des Charakters.

The Incredible Hulk ist besser als sein Ruf. Oder zumindest besser, als ich es dem Film zugestanden hätte. Das passiert mir ehrlicherweise immer, wenn ich mir diesen Film alle paar Jahre ansehe. Ich bin überrascht von dem ernsten Ton, der tollen Atmosphäre und der spannend erzählten Geschichte. Es ist ein Eintrag ins MCU, den man aus heutiger Sicht nicht erwarten würde. Es wäre schön, wenn Marvel wieder etwas mehr experimentieren würde.

MCU Rewatch: Iron Man

Seit ich angefangen habe, meinen YouTube-Konsum um einiges zurückzuschrauben, bleibt mehr Zeit für andere Dinge. Beispielsweise zum Lesen von Webcomics und auch Filme haben es mir wieder angetan. Beim MCU bin ich schon seit dem Ende der Infinity-Saga raus (bis auf ein paar Ausnahmen), deshalb war es an der Zeit, dem ganzen Unterfangen mal wieder eine Chance zu geben. Gewiss ist, dass die Infinity-Saga auf jeden Fall enormen Unterhaltungswert hat. Von dem, was danach kommt, lasse ich mich überraschen.

In der chronologischen Reihenfolge der Veröffentlichung habe ich die Filme schon sehr lange nicht mehr geschaut. Aber so ein Unterfangen, wirklich alle Filme zu schauen, hat den Vorteil, dass man Filme sieht, denen man vielleicht schon lange keine Chance mehr gegeben hat. The Incredible Hulk und Iron Man 2 kommen mir da als Erstes in den Sinn.

Diese Filme und damit dieses tolle Film-Universum begleiten uns immerhin schon seit 16 Jahren. Das MCU war zu dieser Zeit wirklich etwas anderes. Die Akquirierung von Marvel Entertainment durch Disney stand erst noch aus. Das iPhone war gerade einmal ein Jahr alt. George W. Bush war noch US-Präsident, und Barack Obama sollte die Wahl in diesem Jahr gewinnen. Das österreichische Wort des Jahres ist »Lebensmensch«. Ich war gerade einmal 19 Jahre jung. Und Anfang Mai 2008 feiert Robert Downey Jr. seine Premiere als Tony Stark, aka Iron Man.

Den Film erkennt man fast nicht mehr wieder als Teil des MCU. Es ist erfrischend, Iron Man heute anzuschauen. Es herrscht ein ernster Unterton, es werden nicht alle paar Minuten Witze gerissen oder dumme Sprüche zum Besten gegeben, nur um die Situation aufzulockern. Iron Man ist in dieser Hinsicht großartig gemacht und steht heute vielleicht auch dafür, was manche Fans von den heutigen Filmen erwarten würden. Dass sie für sich stehen können, im Kontext des größeren MCU. Die Cameos von Agent Coulson passen perfekt und sind nicht zu aufdringlich. Die Post-Credit-Szene mit Nick Fury enthält so viel Potenzial, was als Nächstes kommen könnte, und man ist voller Erwartung und Neugierde für die Zukunft. Das fehlt mir heute ein bisschen.

Dass Iron Man anders ist, als heutige Einträge ins MCU, erkennt man allein schon an den ersten 20 Minuten: Tony Stark wird entführt, gefoltert und sein lieb gewonnener Freund Yinsen, den er während seiner Gefangenschaft kennenlernt, stirbt in seinen Armen. Dann wird er auch noch von Obadiah Stane, sein Geschäftspartner und Vertrauter, verraten. Stane hat sogar den Anschlag auf ihn initiiert, tötet ihn fast. Das alles passiert, ohne dass jemand Meta-Kommentare zum Besten gibt oder versucht die Situation durch unpassende Sprüche aufzulockern. Es ist ein sehr stimmungsvoller Film, der von Anfang bis Ende begeistert.

Das soll aber nicht heißen, dass der Film keine witzigen Momente hat. Ganz im Gegenteil. Besonders weil die ernsteren Momente für sich stehen und auf die Zuschauer*innen wirken können, passen die witzigen Momente umso besser. Die Momente zwischen Tony und Pepper sind genauso hingebungsvoll geschrieben wie die tollen Dialoge zwischen Tony und Jarvis. Das CGI sieht noch immer toll aus und sämtliche Schauspieler sind perfekt gecastet. Es ist immer noch unfassbar, dass der erste Eintrag ins MCU von dermaßen hoher Qualität war.

In Retrospektive erkennt man den größeren Plan dahinter und dass dieser später so aufgehen sollte, wie er es tut, hat den größten Respekt verdient. Viele andere Studios haben versucht, es Marvel gleichzutun und sind bravourös gescheitert. Ich freue mich auf die weiteren Filme und habe meine Begeisterung für dieses Universum neu entdeckt.