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Ein Zuhause für Hornet

Ich bin weiterhin im »Silksong«-Fieber. Das Spiel hat es mir angetan und ist ein würdiger Nachfolger zu »Hollow Knight«. Es ist immer wieder beeindruckend, dass sich das Spiel sowohl vertraut anfühlt als auch komplett anders funktioniert als der Vorgänger. Nicht nur kann die Protagonistin Hornet sprechen, wodurch wir als Spieler*innen mehr und direkter über die Geschichte und Beweggründe informiert werden. Der Spielablauf an sich ist anders. Beispielsweise kann man die Waffe nicht einfach so upgraden, sondern muss Meilensteine in der Geschichte dafür freischalten. Ansonsten bleibt der Zugriff auf diese wertvollen Upgrades verwehrt.

Die Quests sind ebenfalls erfrischend anders, auch wenn sie manchmal etwas kreativer hätten ausfallen können. So gibt es immer wieder Quests, in denen man für NPCs Dinge sammeln muss. Das ist meist mit dem Besiegen von Gegnern verbunden. Mal müssen wir deren Waffen sammeln oder Kleidungsstücke oder gar ihr Fell. Das ist zum Teil etwas mühsam, dient aber zugleich gut zum Farmen von Währung. Außerdem ist es mit einer Belohnung verbunden. Die Quests sind auch transparenter und übersichtlicher gestaltet. Natürlich gibt es die Hauptquests, die sich lange ziehen können, aber Nebenaufgaben sind größtenteils kompakt gehalten.

Im Laufe des Spiels erledigt man viele Aufgaben für die Bewohner*innen von Pharloom und die Pilger. Wo man kann, versucht man, das Leben dieser Wesen zu verbessern, auch wenn es nur ein kleiner Tropfen auf einem sehr heißen Stein ist. Dadurch ergeben sich immer wieder tolle Interaktionen zwischen den Charakteren. Manche entdecken neue Seiten an sich und wie sie ihren Mitpilgern helfen können, andere entwickeln sich weiter und helfen auf ihre eigene Weise. Die Beweggründe erschließen sich mit der Zeit und sie danken Hornet regelmäßig für ihre Mühen. Das ist eine ungemeine Motivation, das Spiel zu spielen. Selbst wenn manche Bosse herausfordernd sind.

Letztens hatte ich einen besonders schönen Moment. Ich hatte mal wieder ein paar Aufgaben für die Bewohner*innen von Glockenherz erledigt. Da machte ein NPC, dessen Name mir gerade entfallen ist, auf sich aufmerksam. Er überreichte mir einen Schlüssel. Dieser gewährte Zugang zu Hornets ganz persönlichem Raum in Glockenherz. Ich bin also zu dieser Glocke hochgeklettert, öffnete die Tür und ging hinein. Es war ein kleiner, gemütlich eingerichteter Raum. Ein Regal an der Wand, ein Bett in der Ecke. Ein wirklich rührendes Geschenk inmitten einer ansonsten feindseligen Welt. Doch Glockenherz hat sich zu einem sicheren Zufluchtsort entwickelt.

Das Schönste war, als sich Hornet auf das Bett gesetzt hat. Doch nicht nur das, es war das erste Mal im Spiel, dass man sie entspannt sah. Normalerweise, wenn man nur dasteht oder auf einer Bank sitzt, bleibt Hornet wachsam. Der Krieger in »Hollow Knight« ist schnell eingeschlafen, doch Hornet bleibt stets wach und beobachtet ihre Umgebung. In ihrem neuen Zuhause kann sie sich allerdings entspannen. Sie legt sich tatsächlich auf das Bett und schläft. Es war ein wirklich beeindruckender Moment, den ich so nicht erwartet hatte. Und es sind genau diese kleinen Momente, die »Silksong« zu einem herausragenden Spiel machen.

In Büchern Schreiben

Warum fällt das so schwer? Warum fällt es mir so schwer? Immerhin habe ich die Bücher gekauft, also sollte ich doch damit anfangen können, was immer ich möchte. Seiten herausreißen, Stellen markieren, die Ränder mit Gedanken vollschreiben, die Ecken einknicken und was man nicht noch alles machen kann. Stattdessen stehen die Bücher fein säuberlich im Regal und werden mit Anstand und Respekt behandelt, als wären es irgendwelche Relikte, die es zu bewahren gilt.

Ich mag den Status, den Bücher haben. Sie sollten mit Respekt behandelt werden. Doch beinhaltet das nicht auch, dass ich mich damit auseinandersetze und es wirklich verwende? Ich lese die meisten Bücher digital, da ist es natürlich schwierig, entsprechend mit Büchern umzugehen. Jedoch markiere ich mir Stellen oder mache mir manchmal Notizen. Die markierten Stellen oder digitalen Notizen gilt es anschließend aber rauszuschreiben, damit ich jederzeit Zugriff darauf habe. Deshalb bin ich dazu übergegangen, Gedanken und dergleichen in ein Notizbuch zu schreiben, das nur dafür da ist, um mit Notizen zu Büchern gefüllt zu werden.

Was physische Bücher anbelangt, so versuche ich meinen Umgang damit etwas zu lockern. Bei Taschenbüchern sollte es doch egal sein. Hardcover-Bücher haben vielleicht nochmal einen anderen Stellenwert. Hier handelt es sich vielleicht um eine besondere Edition. Aber die kauft man sich sowieso aus anderen Gründen. Sonderedition kauft man sich, weil man Fan ist. Sie sind hoffentlich nicht die erste Erfahrung, die man mit einem Buch hat. Dafür sind diese meist zu teuer, zu groß und unhandlich. Mit Taschenbüchern sollte man allerdings arbeiten. Sich eingehender mit dem Inhalt des Buches beschäftigen. Es hat doch auch etwas an sich, wenn Bücher auch so aussehen, als hätte man sie gelesen.

Fragmente

Nerdforge ist ein YouTube-Kanal, den ich schon sehr lange und sehr gerne verfolge. Martina und ihrem Partner dabei zuzusehen, wie sie ein verrücktes Projekt nach dem anderen aus dem Boden stampfen, ist eine Quelle der Inspiration. Zwar übernehmen sie sich scheinbar auch des Öfteren und müssen längere Schichten einlegen, damit regelmäßig die Videos erscheinen, aber die Mühen sind es stets wert. Und es wird auch nie wirklich langweilig. Jedes Projekt hat einen anderen Twist. Selbst wenn sie etwas Ähnliches wie zuvor machen, finden sie immer wieder spannende Alternativen. Deshalb war es für mich auch eine leichte Entscheidung, Anfang des Jahres ein ambitioniertes Projekt von den beiden zu unterstützen.

Fablegate nennt sich dieses Projekt. Was es am Ende wird oder welche multimedialen Projekte daraus entstehen, wenn überhaupt, da lasse ich mich gerne überraschen. Doch erst einmal starten sie mit vier Gemälden. Diese konnte man als Bundle vorbestellen. Innerhalb eines Jahres bekommt man dann die Abdrucke geliefert. Jedes der vier Gemälde kommt einzeln, wenn es eben fertiggestellt ist. Das Erste hat man relativ zeitnah nach der Bestellung bekommen. Nun, ein paar Monate später ist das Zweite erschienen.

Ich mag es, wenn solche Vorbestellungen funktionieren und man ein gewisses Vertrauen den Künstler*innen gegenüber hat. Plötzlich kam eine Versandmitteilung von UPS. Der Absender kam mir noch vom letzten Mal gespannt vor. Also wartete ich voller Neugier auf das Paket. Umwelttechnisch darf man sich hier keine Gedanken machen. Denn Martina und ihr Partner sind in Skandinavien angesiedelt. Die Abdrucke werden dort, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, produziert und nach Amerika verschickt. Von dort aus werden sie dann an die jeweiligen Kund*innen auf der ganzen Welt weitergeleitet. Das ist scheinbar billiger, als sie direkt von ihnen aus nach Europa zu schicken. Warum auch immer das so ist. Es lebe die Globalisierung.

Jedenfalls kam inzwischen das zweite Bild an und ich bin erneut angetan. Es trägt den Titel »Die Gärtnerin«. Der Stil ist natürlich derselbe. Trotzdem geht es in eine andere Richtung als noch das erste. »Broken Oaths« fühlt sich dynamisch an, abenteuerlicher. Die Gärtnerin ist ruhiger, mystischer. Trotzdem wohnt dem Bild eine Düsternis inne. Wer ist diese Frau und welche Pflanze ist in ihrer Mitte angesiedelt? Ich werde nicht verraten, was sich aus dem beigelegten Heftchen herauslesen lässt. Denn es werden durchaus Hinweise mitgeliefert, die ich gerne weiter verfolge.

Ein weiterer Grund, warum ich dieses Unterfangen so bereitwillig unterstütze, ist die Einzigartigkeit dahinter. Jedes Bild gibt es nur in einer Auflage von 4000 Stück. Es sind Dekorationselemente, die man also nicht so einfach bekommt und kaum wo sehen wird. Sie haben allerdings auch eine Bedeutung. Man kann sich inspirieren lassen und eine eigene Geschichte dahinter entdecken. Ich bin schon sehr neugierig, wie die nächsten Gemälde aussehen und welchen Teil des Fablegate-Universums sie darstellen werden.

FF: First Steps

Ich habe mir endlich den neuen Fantastic-Four-Film angesehen. Nach meinem MCU-Rewatch war ich durchaus optimistisch gestimmt. Die fünfte Phase des MCU war grundsätzlich schwierig und von unterschiedlichsten Qualitätsstufen geprägt. Doch sie endete mit Thunderbolts auf einem Höhepunkt. Ganz so, als würde sich Marvel wieder auf die einzelnen Filme konzentrieren. Qualität steht im Vordergrund und nicht unbedingt Quantität. Außerdem sah der Film anders aus. Geerdet und das CGI fügt sich gut in die Live-Action-Szenen ein. Trotzdem konnte ich mich lange nicht dazu überwinden, einen Blick in »Fantastic Four: First Steps« zu werfen.

Nun bin ich allerdings sehr froh, dass ich es getan habe. Es ist ein guter Auftakt für diese neue, wohl sehr prägende Phase des MCU. Der Film fühlt sich frisch an. Filme wie Thor haben sich abgehangen und fad angefühlt. Es war mehr vom Gleichen, nur schlechter. Doch FF ist neu und sieht so toll anders aus. Der Look ist retro und modern zugleich. Es sieht alles so echt und zum Anfassen aus. CGI und Praktisches fließen nahtlos ineinander. Es macht allein schon Freude, den Film anzuschauen, bevor man ein Auge auf die Story und Charakterentwicklung wirft. Aber auch hier muss sich First Steps nicht verstecken.

Wie schon bei Spider-Man verzichtet Marvel erfreulicherweise auf eine Origin-Story. Diese hatten wir in den vergangenen Jahrzehnten zur Genüge. Der Ursprung ihrer Kräfte wird zwar angerissen, aber angenehm kurz gehalten. Auch die ersten Kämpfe gegen Bösewichte werden in einer gut gemachten Montage zusammengeschnitten. Manche davon werden später für die Geschichte noch wichtig. Ich frage mich, wo diese Sorgfalt fürs Storytelling bei Filmen wie »Thor 4« oder »The Marvels« war. Hatten die Verantwortlichen damals zufällig Urlaub oder waren sie krank? Es ist aber schön, dass sie wieder da sind.

Die Charaktere an sich machen ebenso Spaß. Ich hatte immer mal wieder die Befürchtung zwischendurch, dass es zum Fremdschämen werden würde. Erinnerungen an die alten FF-Filme wurden wach. Doch die Charaktere um Susan, Reed, Johnny und Ben werden gekonnt in das Jahr 2025 geholt und modernisiert. Besonders bei Johnny hatte ich so meine Befürchtungen. Er wird zwar als Frauenheld charakterisiert, aber nicht darauf reduziert. Joseph Quinn ist eine tolle Wahl für den Charakter. Überhaupt ist der Cast ein Wahnsinn. Von Pedro Pascal, Vanessa Kirby, Ebon Moss-Bachrach, Ralph Ineson als Galactus und Julia Garner als Silver Surfer, machen alle eine gute Figur.

Das Besondere an First Steps ist allerdings die Atmosphäre. Der Film ist grundsätzlich hoffnungsvoll. Natürlich wird Marvels First Family herausgefordert und es gibt tragische Szenen. Doch darunterliegend findet man stets Hoffnung und einen Optimismus, den ich vermisst habe. Er wirkt nicht aufgesetzt, wie bei anderen neuen Einträgen ins MCU, sondern wirkt ehrlich und als Teil der Charaktere und ihrer Geschichte.

Die FF sind zurück und das in einer Qualität, die ich so nicht erwartet hatte. Ich bin sehr froh, dass es Marvel gelungen ist, zu ihren Stärken zurückzufinden. Es bleibt abzuwarten, ob sie dies aufrechterhalten können. Ich hoffe jedenfalls, dass sie sich für den zweiten Teil nicht zu viel Zeit lassen. Ich möchte tatsächlich mehr von den Fantastic Four sehen. Und wann konnte ich das das letzte Mal nach einem Marvel-Film ehrlich behaupten?

Die Kunst, zu telefonieren

Vielleicht liegt es an mir. Aber ich finde die Art, wie in unserer Gesellschaft mittlerweile ein Smartphone verwendet wird, äußerst fragwürdig. In einem Aspekt besonders. Die Telefonierfunktion ist natürlich schon seit vielen Jahren in den Hintergrund gerückt. Trotzdem sollte man doch wissen, wie man so etwas verwendet. Selbst wenn man es nur aus dem Fernsehen kennen sollte (oder Streaming), so weiß man doch im Allgemeinen, wie man einen Telefonhörer hält. Ein Ende ans Ohr, das andere vor den Mund. Im Idealfall Mikrofon und Lautsprecher richtig herum. Scheinbar ist es allerdings für viele schwierig, diese Konstellation auf ein Smartphone zu abstrahieren.

Ich weiß nicht, wie oft ich schon Menschen dabei beobachtet habe, einfach nur beim Vorbeigehen oder beim aufmerksamen Durch-die-Welt-Gehen, wie sie ihre Sprachnachrichten abhören. Manche halten das Telefon vor sich. Dabei ist der Lautsprecher auf das Gesicht ausgerichtet. Kann man machen. Lustig wird es, wenn dann der Lautsprecher an das Ohr gehalten wird und das Smartphone quasi im 90-Grad-Winkel vom Ohr absteht. Ist es eine geheime Information, dass man das Smartphone wie einen Telefonhörer ans Ohr halten kann und dann die Sprachnachricht aus dem oberen Lautsprecher kommt? Und zwar in einer Lautstärke, sodass es nur die betroffene Person hört und nicht der ganze Zug oder Bus. Oder weiß das nur ein ausgewählter Kreis an Personen?

Aber es geht noch absurder. Erst vor Kurzem habe ich jemanden im Zug beobachten dürfen. Dieser junge Mann hat kein Videotelefonat geführt, das Smartphone aber trotzdem entsprechend vor das Gesicht gehalten. Zwischendurch mal den Lautsprecher ans Ohr, damit er die andere Person versteht. Er ist nicht auf die Idee gekommen, das Smartphone „normal“ zu halten und so zu telefonieren. Er ist auch nicht auf die Idee gekommen, die Over-Ear-Kopfhörer, mit denen er später Musik oder so gehört hat, zum Telefonieren zu verwenden. Stattdessen wird der gesamte Zug damit belästigt.

Bin ich das Problem oder ist es wirklich so schwierig, ein Smartphone korrekt zum Telefonieren zu verwenden? Ist das etwas, das mit der Zeit komplett verloren gehen wird? So wie die Existenz von Röhrenfernsehern und Röhrenmonitoren nicht unbedingt als eine allgemeingültige Information gehandelt werden kann? Fragen, die wohl nur die Zeit beantworten kann.

Von Statistiken und Videospielen

Einer meiner liebsten YouTube-Kanäle ist »Daryl Talks Games« (DTG). Es ist wohl einer der Kanäle, den ich am längsten verfolge und sogar auf Patreon unterstütze. Er hat durch anregende Essays auf sich aufmerksam gemacht. DTG analysiert Videospiele auf äußerst spannende Weise. Besonders in der Frühzeit des Kanals haben psychologische Studien eine zentrale Rolle gespielt. Das heißt, die Analysen hatten obendrein noch einen wissenschaftlichen Touch. Das hat mich natürlich begeistert und mitgerissen. Der Produktions- und Rechercheaufwand davon scheint allerdings immens gewesen zu sein. Denn der Kanal ist mit der Zeit von diesen eher wissenschaftlich inspirierten Analysen weggegangen. Das hat jedoch dazu geführt, dass sich die Essays etwas freier anfühlen und mehr emotionale Wucht in sich tragen. Nicht, dass die vorherigen Essays das nicht getan hätten. Es ist eben anders, aber gut, anders.

Vor drei Jahren hat DTG ein Experiment gestartet, das es seither als jährliche Tradition gibt: das Backlog-Video. Das erste Jahr war eine Mammutaufgabe. Daryl wollte seinen gesamten Backlog in einem Jahr aufholen. Das war sehr engagiert, gelinde gesagt. Dadurch war das Jahr unter anderem von Stress, zu viel zwanghaftem Spielen und anderen Effekten geprägt. Doch mit der Zeit wurde das Format lockerer. Ein Thema, das sich, wie es scheint, durch den gesamten Kanal zieht. Ich mag das. Dieses Jahr habe ich mich davon anstecken lassen und möchte über die nächsten Monate am Backlog-Experiment teilnehmen. Ich liebe Statistiken über mein Konsumverhalten und kaum etwas lässt sich besser tracken als die Stunden, die man in Spielen verbringt.

Ich habe mir die Tabelle von DTG als Vorbild genommen und auch seine Spielzeiten dürften mehr oder weniger mit meinen übereinstimmen. Im Schnitt geht er von 40 Spielstunden pro Monat aus. Über die Wochen und Monate wird sich ein klareres Bild davon ergeben, aber als Startpunkt ist das schon mal nicht schlecht. Des Weiteren ist das Ziel, drei Spiele pro Monat durchzuspielen. Auch das sollte hinkommen, wenn man bedenkt, dass manche Spiele auf meinem Stapel auch 10 Stunden und weniger als How-Long-To-Beat-Zeit aufweisen. Ansonsten gibt es nichts Spezielles zu beachten. Es soll die Freude an Videospielen und dem Medium im Zentrum stehen.

Natürlich habe ich schon eine gewisse Vorauswahl an Spielen getroffen. Das ist aber nur eine erste Idee und kann sich natürlich ändern. Grundsätzlich ist es ein nobles Unterfangen, den eigenen Backlog auf eine mehr oder weniger strukturierte Weise anzugehen. Mit diversen Sales auf Steam und anderen Plattformen hat sich eine ordentliche Bibliothek angesammelt. Ich möchte zumindest die meisten Spiele davon angespielt haben. Den Anspruch, alles durchzuspielen, habe ich nicht. Manche werden mir schlichtweg nicht zusagen. Auch das ist im Backlog-Experiment erlaubt: Spiele abbrechen, die man nicht mag.

Zum Schluss möchte ich noch zwei Webseiten empfehlen, die mir in der Vorbereitung weitergeholfen haben. Zum einen natürlich die bereits angesprochene Seite howlongtobeat.com. Damit lässt sich herausfinden, wie lange man für ein Spiel in etwa benötigen wird. Man kann auch den eigenen Steam-Benutzernamen eingeben und sich eine Liste der eigenen Bibliothek ausgeben lassen. Dann wäre da noch exophase.com. Diese Seite habe ich benutzt, um meine bisher gespielten PlayStation- und Xbox-Spiele und die darin verbrachte Zeit in Erfahrung zu bringen.

Das alles habe ich in eine Numbers-Tabelle (die Excel-Alternative von Apple) kopiert, etwas aufgehübscht und fertig war eine Liste, mit der man gut arbeiten kann. Wenn ich mir schon eine Übersicht mache, dann richtig. Aber wirklich komplex oder aufwendig war diese Vorbereitung nicht. Nun kann es an das eigentliche Spielen gehen. Immer mal wieder trage ich die Spiele und Zeiten in der Monatsübersicht ein, aber das war es dann auch schon. Immerhin will ich nicht mehr Zeit mit der Pflege der Liste verbringen als mit dem Abarbeiten des Backlogs. Mich motiviert dieses Experiment. Ich bin äußerst neugierig, wie es sich im Laufe des Jahres weiterentwickeln und vielleicht verändern wird. Spätestens im November 2026 werde ich wieder berichten.

  • YouTube | Daryl Talks Games | I Let Viewers Make My 2025 Gaming Backlog. Here’s What Happened.

Auf nach Pharloom

Ich konnte nicht anders. In den vergangenen Wochen habe ich so einige Runden in »Hollow Knight« gedreht. Doch für einen Steel-Soul-Run war ich noch nicht motiviert genug. Also habe ich mich in den Nachfolger »Silksong« gestürzt. Das Spiel ist jetzt schon, nur wenige Wochen bzw. Monate nach Veröffentlichung, berühmt-berüchtigt für den scharfen Schwierigkeitsgrad. Das Let’s Play von Jokerface, welches ich fleißig mitverfolge, ist gespickt mit stundenlangen Bosskämpfen und frustrierenden Parkour-Einlagen. Also genau das Richtige für mich. Oder?

Ich schreibe diese Zeilen Anfang November und wenn dieser Text veröffentlicht wird, werden schon zig Stunden in »Silksong« geflossen sein. Doch öfter als einmal die Woche möchte ich eigentlich nicht über Spiele berichten. Es gibt noch mehr Themen, die mich beschäftigen. Jedenfalls bin ich nach den ersten Stunden in dieser Spielwelt äußerst angetan. Der Vorgänger »Hollow Knight« ist fast schon in Schwarz-Weiß getaucht, die Geschichte undurchdringlich – man muss den Hinweisen penibel folgen. Die Atmosphäre ist melancholisch, die Hoffnung dieser Welt scheint verloren gegangen zu sein. Trotzdem ist sie fesselnd, spannend, und es macht Spaß, sie zu erkunden. Immer wieder.

»Silksong« ist anders. Der zweite Teil der Reihe hat eine inhärente Putzigkeit. Die Welt ist farbenfroher, positiver und optimistischer. Das fängt bei Charakteren wie Sherma an. Sie ist eine Pilgerin auf dem Weg zur Zitadelle, wie so viele Charaktere im Spiel. Ihr Glaube und ihre Musik tragen sie. Ich könnte ihr stundenlang zuhören, wie sie mit ihren Glöckchen Musik macht und dazu singt. Es hat etwas Beruhigendes. Oder Shakra, die Kartografin (und ebenfalls eine Kriegerin) dieser Welt, die nach ihrer Meisterin sucht. Auch sie versucht, durch Gesang sie zu finden und auf sich aufmerksam zu machen. Auch ihr könnte ich stundenlang zuhören. Musik prägt »Silksong«. Es kommt Glockenläuten vor, Quests haben mit Musik zu tun und immer wieder arbeiten Mechanismen mit Klang und Sound. Akustisch ist »Silksong« ein Traum.

Auch ein Unterschied zum Vorgänger sind die Charaktere selbst. Man spielt nicht mehr ein namenloses Gefäß eines Kriegers, sondern Hornet. Man kennt sie aus dem ersten Teil. Sie hat einen Namen und spricht. Das unterscheidet sie schon mal vom Hauptcharakter aus Teil 1. Dadurch wird die Geschichte deutlicher und nachvollziehbarer. Der Austausch mit den Charakteren macht Freude beim Lesen und man hilft dabei, diese Welt besser zu machen. Außerdem ist sie ein starker weiblicher Charakter. Viele große Hollywood-Produktionen scheitern daran, echte, nachvollziehbare Charaktere zu schaffen, besonders wenn es sich um weibliche Hauptcharaktere handelt. Das Team rund um »Silksong« schafft dies hier mit einer beneidenswerten Leichtigkeit. Und Hornet ist bei weitem nicht der einzige weibliche Charakter. Viele der Charaktere lassen sich weiblich lesen. Ich finde das großartig.

Zum Schwierigkeitsgrad kann ich noch nicht so viel sagen. Dazu bin ich noch nicht allzu weit vorgedrungen. Doch wie auch schon in »Hollow Knight« muss man natürlich mit Bedacht vorgehen. Man kann sich nicht einfach in Gegnerhorden stürzen oder versuchen, durch die Welt zu laufen. Das funktioniert nicht. Auf einen Gegner konzentrieren, die Muster und Angriffe lernen, dann zum Nächsten. So fallen die Gegnerwellen, denen man sich immer mal wieder stellen muss, leichter. Es ist wichtig, die größeren Bedrohungen zuerst auszuschalten und sich so vorzuarbeiten. Am Anfang hat man auch noch nicht alle Fertigkeiten. Diese schaltet man erst frei. Manche Bosse lasse ich also erst einmal in Ruhe und komme später wieder zurück, wenn ich etwas besser bin und mehr Fertigkeiten habe.

Ein großes Thema bei der Veröffentlichung war das Nach-unten-Schlagen. War es in »Hollow Knight« ein senkrechter Schlag nach unten, so stürzt sich Hornet im 45-Grad-Winkel nach links oder rechts unten. Das ist gewöhnungsbedürftig. Zwar kann man das durch eine spätere Fertigkeit ändern, doch man muss erst einmal dorthin kommen. Ich weiß noch nicht, ob ich es ändern werde. Immerhin ist es von den Entwickler*innen so vorgesehen. Jedoch lassen sie den Spieler*innen auch die Wahl. Ich werde mich etwas durchprobieren und dann entscheiden.

Die Welt von »Silksong« zu erkunden, auch wenn ich parallel das Let’s Play von Jokerface weiterschauen werde, macht Freude. Die Detailverliebtheit, die in diese Welt geflossen ist, spürt man. Ich bin sehr gespannt, wie lange ich damit beschäftigt bin und wie schwer die kommenden Bosse wirklich sein werden. Die positive Grundstimmung und die tollen Charaktere machen es einem allerdings sehr schwer, zurückzutreten und das Spiel zu verlassen. Man will ihnen helfen und sehen, wo ihre Reise hingeht. Und natürlich will man die Geschichte von Hornet besser kennenlernen. Erfährt man mehr über ihre Vergangenheit? Warum wurde sie in diese Welt entführt? Wie verändert diese Welt und ihre Bewohner Hornets Einstellung? Alles spannende Fragen, die hoffentlich noch erkundet werden.

Emanzipation von Vergleichen

Es ist wahrlich nicht leicht. Jedoch für die eigene psychische Gesundheit notwendig. YouTuber sind in keiner Welt eine Metrik, die man zum Vergleich heranziehen sollte. Besonders diejenigen, die von ihren Kanälen, Patreon-Unterstützer*innen und Co. leben können. Seien es BookTuber, die Bücher vorstellen, oder diejenigen, die in der Welt von Warhammer und Table-Top-Gaming zu Hause sind. Man darf nie vergessen, dass diese Kanäle ihr Job sind. Sie haben den ganzen Tag Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu beschäftigen. Natürlich kann man da nicht mithalten.

Wenn jemand jeden Tag ein paar Stunden Zeit hat, um zu lesen, dann kommen da in einem Monat einige Bücher zusammen. Wenn jemand den halben Tag zur Verfügung hat, um Figuren zu bemalen und an diesen zu arbeiten, dann hat dieser Mensch rasch eine Armee bemalt. Außerdem müssen sie das machen. Immerhin müssen sie Content produzieren, Videos veröffentlichen. Das ist nicht gerade wenig Aufwand. Ich glaube, manche arbeiten, was die Stunden anbelangt, mehr als einen Vollzeitjob und haben vielleicht nicht immer die größte Freude daran. Wobei das hoffentlich zu den Ausnahmen gehört.

Deshalb ist ein Vergleich mit diesen Content produzierenden Menschen nicht sinnvoll und auch nicht gesund. Wenn jemand ein Buch im Monat liest, ist das doch sehr viel mehr wert, als wenn man durch die Bücher hetzt und sich nichts merken kann. Da beschäftige ich mich lieber intensiver damit, mache mir Notizen, markiere mir Stellen und hebe so die Erfahrung der Geschichte und ihrer Charaktere auf ein anderes Level. Oder ich lasse mir Zeit beim Bemalen von Figuren. Immerhin sollen sie hübsch aussehen, und ich mache das für mich und nicht, um einer künstlichen Frist hinterherzujagen. Ich muss keine Videos produzieren. Oder ich baue nur gelegentlich Klemmbausteinsets. Wer hat schon den Platz für 17 Burgen und 25 Raumschiffe?

Vergleiche sind immer schwierig, und man sollte generell versuchen, sie zu vermeiden. Natürlich gelingt das nicht immer. Doch besonders, wenn es um Influencer oder YouTuber oder all die anderen Menschen geht, die mit ihrem Content ihren Lebensunterhalt verdienen, können Vergleiche schnell problematisch werden. Man redet sich selbst schlecht, weil man nicht genug liest oder macht oder malt oder baut. Für die meisten sind und bleiben es Hobbys, die Freude machen sollen. Immerhin geben wir unser Geld dafür aus und manchmal nicht gerade wenig. Da möchte ich so viel aus dem Erlebnis ziehen, wie nur möglich. Videos darüber dürfen andere machen.

Was ist die Herausforderung?

Ich schaue aktuell wieder vermehrt »Star Trek: The Next Generation«. Die Serie mag schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel haben, trotzdem wird sie nicht alt. Und dank der Überarbeitung von vor einigen Jahren sieht die Serie tatsächlich auch noch sehr gut aus. Sie gewährt auch einen Blick in die Struktur von Serien, wie sie damals normal war. Staffeln hatten über 20 Folgen und viele Probleme und Herausforderungen der Protagonist*innen wurden in 42 Minuten gelöst. Eine Kunst, die heute etwas verloren gegangen scheint.

In alten Serien – man muss gar nicht mal so lange zurückgehen, um weitere Beispiele zu finden – war es Standard, dass ein Handlungsbogen innerhalb einer Folge abgeschlossen wird. Heute füllen solche Handlungsstränge ganze Staffeln. Zugegeben, man muss schon suchen, um Serien zu finden, deren Staffeln über 10 Folgen haben. Trotzdem wird vieles auf eine außergewöhnliche Länge gestreckt. Das ist manchmal berechtigt, ebenso oft könnte man es aber auch auf einen Zweiteiler zusammenkürzen. Doch durch die Geschichten wird trotz allem in TNG nicht gehetzt. Es gibt auch die ruhigeren Momente.

Erst letztens sah ich Anfang der zweiten Staffel einen Moment zwischen Guinan und Wesley. Mehrere Sekunden sagte niemand etwas von beiden. Der vorangegangene Dialog bzw. die Frage von Guinan hing einfach in der Luft. Der Moment bekam Zeit, zu wirken. Ich mag das. Das ist ein angenehmes Gefühl, wenn man als Zuschauer*in nicht für dumm verkauft wird oder als jemand, dessen Aufmerksamkeitsspanne nur bis zum nächsten Ping des Smartphones reicht. Natürlich muss man sich bei TNG auf das Ganze einlassen können. Manches wirkt aus heutiger Sicht kitschig oder man würde es so nicht mehr machen. Trotzdem kann man es sich noch sehr gut ansehen. Und die philosophischen Aspekte haben nichts an ihrer Aktualität verloren.

Beispielsweise in der finalen Folge der ersten Staffel („The Neutral Zone“). Die Romulaner kehren in das Star-Trek-Universum zurück. Währenddessen muss sich die Crew der Enterprise mit drei Menschen auseinandersetzen, die aus der Zeit gefallen sind. Bei ihrem Tod wurden sie eingefroren und die Kapsel vergessen. Sie sind die einzigen Überlebenden dieses Cryo-Prozesses. Mehrere Jahrzehnte, wenn nicht gar über 100 Jahre, liegen zwischen ihrem Einfrieren und dem Erwachen auf der Enterprise. Einer von ihnen ist Kapitalist und war zu seiner Zeit ein wohlhabender Mann. Langsam kann Picard ihm bewusst machen, dass es auf Geld oder Besitz nicht mehr ankommt. Dies habe die Menschheit überwunden. Die Frage des Mannes daraufhin lautet schlicht: »What’s the challenge?« (Was ist die Herausforderung?)

Und die ebenso einfache und einleuchtende, doch gleichzeitig so schwere Antwort von Picard lautet, sich selbst zu verbessern. Zu wachsen, zu lernen, über sich hinauszuwachsen. Star Trek war schon immer die Idee einer optimistischeren Zukunft. Ein Vorschlag, wie wir es besser machen könnten. In der Welt von Star Trek ist die Menschheit durch ihre dunkelste Stunde gegangen, bevor es die Erleuchtung gab. Bevor man einen alternativen Weg gesehen hat. Befinden wir uns gerade in der dunkelsten Stunde? Manchmal kommt es mir so vor. Vielleicht besinnen wir uns ja doch noch eines Besseren und lernen, dass es auf Besitz und Reichtum nicht ankommt. Die Herausforderung ist, besser zu sein als gestern. An sich selbst zu arbeiten, zu lernen und die Menschheit ein klein wenig in eine bessere Zukunft zu führen.

Ausgaben 2025

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, wird wissen, dass ich meine Ausgaben gerne mit der App/Webseite »You Need A Budget« tracke. Seit Jahren verwende ich YNAB, um einen Überblick über meine Ausgaben zu behalten. Der Service kostet mittlerweile selbst eine gute Stange Geldeinheiten, aber aktuell ist es mir YNAB noch wert. Ich habe bisher allerdings nur einen Teil von YNAB genutzt. Nämlich das Aufzeichnen der Ausgaben an sich. Natürlich schaue ich gelegentlich in die Zusammenfassungen der Monate rein oder in andere praktische Übersichten. Trotzdem kann man noch mehr herausholen.

Deshalb habe ich mich Ende November einmal hingesetzt und mir einen Überblick über die größten Ausgaben dieses Jahres gemacht. Dazu habe ich nach und nach jeden einzelnen Monat herausgefiltert und nach den Ausgaben sortiert. Die größten Posten habe ich mir dann manuell in mein Journal eingetragen. So habe ich auf einer Doppelseite einen hervorragenden Überblick, wofür ich dieses Jahr Geld ausgegeben habe. Immerhin kann ein Jahr sehr lang sein. Manches hat man schon wieder vergessen, andere Dinge vielleicht verkauft oder gar nicht mehr auf dem Schirm, dass es dieses Jahr war.

Es mag nicht immer einfach sein, sich den nackten Zahlen zu stellen, aber es ist notwendig, wenn man sich verbessern möchte. Wenn all die Ausgaben auf einem Blatt vor einem liegen, kann man diese Monat für Monat durchgehen und mit entsprechendem Abstand beurteilen, ob sich diese Ausgaben gelohnt haben oder nicht. Das Klimagerät hat sich beispielsweise sehr bezahlt gemacht und mir im Sommer gemütliche Abende beschert, während einige Klemmbausteinsets oder Blu-rays nicht hätten sein müssen. Das sind aber nur drei Beispiele von vielen, die sich im Laufe eines Jahres ansammeln. So habe ich für mich das Gefühl, ich kann für nächstes Jahr oder den nächsten Neustart von YNAB etwas dazulernen. Das ist nämlich das Ziel.

Ich habe im Dezember mit einem frisch aufgesetzten YNAB angefangen. Nochmal alles auf null zu setzen und von vorne zu beginnen, kann durchaus helfen, sich auf neue Ziele zu konzentrieren. Es richtet den Fokus neu aus. In YNAB gibt man jedem Euro einen Job. Mit einem frischen Blatt, wenn man so will, kann ich jede Kategorie neu bewerten. Benötige ich diese wirklich? Wie viel möchte ich jeden Monat dort reinstecken? Was kann ich mir sparen und wo ist es besser angelegt? Das reicht von Versicherungen, Kredit, Lebensmitteln, Kosmetikartikeln über Abos, Urlaubsplanung, Essen gehen und Hobbys in alle einzelnen Lebensbereiche hinein. Ich mache fast jedes Jahr einen dieser Neustarts. Nicht nur wirft man damit alten Ballast ab, es fühlt sich auch optimistischer an. Man hat sich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt und ist nur bereit, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren und in die Zukunft zu blicken.