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Wenn Katzen questen

Seit der Reaktivierung meines Steam Decks bin ich bemüht, meine Steam-Bibliothek nach geheimen Schätzen zu durchforsten. Das Gaming-Handheld von Valve eignet sich wunderbar, um Indie-Spiele nachzuholen. Durch diverse Bundle-Deals habe ich über die Jahre so einige kleinere und größere Indie-Spiele zusammengesammelt. Viele sagen mir nichts. Deshalb gehe ich bei der Auswahl eines Spiels nach zwei Kriterien vor: Wie gefällt mir das Artwork und was sagt mir der Titel? Und wie lange dauert ein normaler Durchlauf? Zweites lässt sich mithilfe eines kleinen Plugins direkt in der Spiele-Kachel anzeigen. So spiele ich mich langsam durch meine Sammlung.

Dieses Mal war »Cat Quest« an der Reihe. Das Artwork des Spiels schaut knuffig aus und ein Spieldurchgang sollte nicht mehr als sechs Stunden in Anspruch nehmen. Also, Spiel gestartet und los ging es. Nach einem kurzen Intro-Video kann es auch schon losgehen. »Cat Quest« ist ein kleines, nettes Rollenspiel. Es sind alle Elemente vorhanden, die man von den großen Produktionen kennt: Man kann sich den Charakter zusammenstellen, wie man möchte, sei es mehr als Krieger oder mehr als Magier. Wobei man stets beides verwenden sollte, um die Kämpfe gegen Drachen und andere Monster zu überstehen. Man sammelt Erfahrungspunkte, levelt auf und trifft unzählige NPCs, die einem Nebenquests geben. Auf der übersichtlichen Karte gilt es, Dungeons zu entdecken, Dörfer von bösen Magiern zu befreien und natürlich eine Hauptquest zu verfolgen.

Wie der Titel des Spiels erraten lässt, ist unser Held eine anthropomorphe Katze, die man steuert. Auch alle anderen Charaktere sind an Katzen angelehnt. Richtig wild wird es allerdings bei den Namen dieser Charaktere, der Städte, die sie bewohnen, und der Landstriche, die man durchquert. So gut wie alles ist mit einem mehr oder weniger guten Wortwitz versehen. Ich habe »Cat Quest« auf Englisch gespielt und da kommen diese Wortwitze natürlich noch einmal mehr zur Geltung. Man gewöhnt sich recht schnell daran und es ist irgendwie witzig. Natürlich dürfen auch Film- und Spielereferenzen nicht fehlen. So heißt eine Quest beispielsweise »The Lion King«. Oder eine Archäologin, die man trifft, nennt sich Cara Loft.

»Cat Quest« orientiert sich an den Genre-Gewohnheiten, dampft diese aber auf clevere Weise ein, sodass sie für die kleine Katzenwelt hervorragend funktioniert. Die Steuerung ist simplifiziert, verlangt aber in manchen Kämpfen durchaus, dass man Gegner lesen lernt und alle Fähigkeiten im Arsenal nutzt. So stehen die unterhaltsam geschriebenen Dialoge und die Charaktere im Vordergrund. Sprachausgabe gibt es an sich keine, man klickt und liest sich durch die Unterhaltungen. Besonders charmant finde ich, dass die Nebenquests in Kapitel aufgeteilt sind. Dadurch begegnet man Charakteren immer wieder. Manche Nebenquest macht man in einem Rutsch durch, bei manchen braucht man etwas mehr Zeit, bis man das empfohlene Level erreicht hat.

Durch diese Hinweise (u. a. empfohlene Level für Quests und Totenköpfe bei Gegnern, die zu stark für einen sind) nimmt »Cat Quest« Spieler*innen an die Hand und führt sie durch eine toll ausgearbeitete Welt. Ich habe knapp über 5 Stunden gebraucht. Das beinhaltet die Haupt- und einige Nebenquests. Es ist kurzweilig und nicht unerwähnt bleiben darf die ohrwurmtaugliche Musik. Fabelhaft. Die noch offenen Aufgaben werde ich sicherlich in den nächsten Tagen immer mal wieder angehen. Es gibt erstaunlich viel zu entdecken auf der kleinen Inselgruppe.

Eine Sache möchte ich noch kurz ansprechen. Denn Insgeheim verfolge ich eine Intention mit diesen Indie-Titeln und kürzeren Spielen: Ich möchte meinen inneren »Completionist« ablegen. Ich möchte es mir abgewöhnen, Spiele „platinieren“ zu wollen oder alles zu machen und zu schaffen. Das erzeugt nur unnötig Druck und steht teilweise einem tollen Spieleerlebnis im Weg. Es reicht völlig aus, eine nette Geschichte zu erleben, spannende Welten zu entdecken und interessante Charaktere kennenzulernen. Da kommt auch die einzige große Schwäche von »Cat Quest« ins Spiel: Das Ende ist recht abrupt und man darf sofort weiter erkunden. Ohne Abspann oder dergleichen. Das ist etwas unbefriedigend. Ansonsten hatte ich mit »Cat Quest« aber eine tolle Zeit.

Levi Meir Clancy | Unsplash

Die Schreinerei

Jeder Burgherr, der etwas auf sich hält, benötigt einen guten Schreiner. Immerhin wollen die Räumlichkeiten der Burg ordentlich ausgestattet werden. Außerdem wächst die Vorburg immer weiter und auch die Ritter und Bewohner*innen benötigen Möbel und Einrichtung. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Vorburg von Burg Blaustein immer mehr mit Aufgaben betraut wird und der Burg zuarbeitet. Sei es durch die Stallungen, die sich um die Pferde kümmern, den Rüstmeister, der die Ritter ausstattet, das kleine Wachhäuschen oder nun eben den Schreiner. Sie alle finden Platz in der dicht besiedelten Vorburg.

Die Schreinerei hat knapp 2000 Teile und kommt, wie das Palisadentor, ohne Bauschrittunterteilung. Das heißt, man hat die 2000 Teile vor sich auf dem Tisch liegen und fängt an zu bauen. Ich mag das ganz gerne. Besonders wenn es überschaubar ist. Größere Sets baue ich mittlerweile lieber in Bauschritten. Zum einen, weil der Esstisch nicht über Tage mit Klemmbausteinen voll ist, und zum anderen, weil ich mir den Bau besser einteilen kann. Doch die Teileanzahl der Schreinerei eignet sich noch sehr gut, um alles vor sich zu haben. Und es sind viele kleine Teile dabei. Das ermöglicht, ein sehr detailliertes Inneres zu bauen.

Erneut beweist BlueBrixx mit diesem Set, dass sie verstanden haben, wie man gute Gebäude baut. Sei es einfach nur die Konstruktion der Wände, wie die einzelnen Räume aufgeteilt sind oder wie die Stockwerke ineinandergreifen. Ich entdecke beim Bau immer wieder Details, die mir ein Lächeln abringen und Freude machen. Es steckt ein Anspruch hinter diesen Bauten. Ein Anspruch an Glaubhaftigkeit und an einen Realitätsbezug. Die Gebäude hätten so irgendwo stehen können. Mit der Zeit lernen die Produktentwickler*innen immer mehr dazu und man merkt, sie werden besser. Das ist schön zu beobachten.

Die Schreinerei erweitert nur zu einem kleinen Teil die Palisade um die Vorburg herum. Das Gebäude selbst steht frei. Dadurch wird der Platz in der Mitte etwas gefüllt. Mir gefällt Burg Blaustein (inklusive Vorburg) in der aktuellen Ausbaustufe äußerst gut. Alles erfüllt einen Zweck und greift nahtlos ineinander. Fürs Erste soll es das auch gewesen sein (außer die kommenden Erweiterungen der Burg), denn die Tischplatte, die ich mir vor ein paar Monaten extra für die Burg besorgt habe, gelangt an ihre Grenzen. Nun kann ich erst einmal abwarten und beobachten, was noch so auf uns zukommt, bevor die Platte erweitert wird.

Zufriedenheit und Verzicht

Ich bin immer wieder froh und dankbar, dass ich vor vielen Jahren die App »You Need A Budget« (kurz: YNAB) entdeckt habe. Sie hilft mir, meine Finanzen im Blick zu haben. Ich habe sie nicht mit meinem Bankkonto verknüpft (u. a. weil meine Bank nicht unterstützt wird), aber auch deshalb, weil ich die Daten manuell eingeben möchte. Wenn Transaktionen und Ausgaben automatisch übernommen würden, sähe ich manche Dinge vielleicht gar nicht. So muss ich mir ein klein wenig Zeit nehmen – Ausgaben eintragen, sie einer Kategorie zuweisen und bewusster damit umgehen. Natürlich lassen sich regelmäßige Ausgaben als wiederholende Transaktionen eintragen, aber auch diese muss ich bestätigen. Ich mag das.

Mich beschleicht das Gefühl, in letzter Zeit mehr Texte geschrieben zu haben, in denen es um Ausgaben geht oder um Dinge, die ich mir gekauft habe. Sei es eine PS5 Pro oder eine Speichererweiterung für das Steam Deck. Und ja, das sind keine kleinen Ausgaben. Allerdings versuche ich, wenn ich mir etwas Größeres, Neues anschaffe, dass ich das durch den Verkauf von alten Sachen ausgleiche. Natürlich gelingt das nicht immer 1:1. Aber durch den Verkauf der alten PS5 sowie diverser Spiele, Bücher und Blu-rays habe ich die Pro-Version zumindest fast wieder hereingeholt. Ein paar Sachen muss ich noch auf Willhaben einstellen, aber dazu hatte ich noch keine Zeit. Neue Sachen sind schön und gut, aber für mich muss es sich lohnen. Passt es zu meinen aktuellen Prioritäten? Kann ich andere Sachen verkaufen, um es auszugleichen? Habe ich dazu Geld in meinem Budget (also in YNAB) zur Verfügung?

Besonders in den Sommermonaten ist die Versuchung groß, Anschaffungen mit dem Urlaubsgeld zu begründen. Doch wie viel bleibt davon wirklich übrig, wenn in zwei Monaten eine größere Versicherung zu zahlen ist, ein Kredit zurückgezahlt werden möchte oder andere Verpflichtungen anstehen? Muss es wirklich das neue Ding sein, oder reicht vielleicht das alte noch aus? Prioritäten setzen ist wichtig, genauso muss man aber mit dem, was man hat, zufrieden sein können. Ja, ich weiß, wer im PS5-Pro-Haus sitzt, soll nicht mit Controllern werfen. Aber so viele alte Dinge zu verkaufen, bis ich diese Anschaffung wieder hereingeholt habe – das war es mir wert.

In YNAB habe ich letztens eine tolle Möglichkeit herausgefunden, um meine Prioritäten stets sichtbar zu haben. Kern von YNAB sind Kategorien. Jede Ausgabe wird einer Kategorie zugewiesen. Ich habe Kategorien für Versicherungen, Miete, Lebensmittel, Friseur, Kreditrückzahlung, Sparmaßnahmen und Tanken, Werkstatt, aber auch für Luxusgüter wie Restaurantbesuche, Techniksachen und Hobbys. Wenn ich irgendwo sparen wollte, bin ich bisher dazu übergegangen, diejenige Kategorie einfach zu löschen. Wenn ich zwischendurch allerdings einen guten Deal entdeckt habe oder eine Ausgabe notwendig war, musste ich diese Kategorie wieder anlegen. Zum einen lästig, zum anderen schlecht für eine aussagekräftige Statistik – und wer mag keine schönen Statistiken über die eigenen Ausgaben? Deshalb ergänze ich beim Namen dieser Kategorien einfach ein »on hold«.

Diese kleine Ergänzung »on hold« verdeutlicht, dass ich in diesem Bereich, Hobby oder Teilaspekt sparen möchte. Es hat keine Priorität. Werde ich es schaffen, die »on hold«-Kategorien bis Ende des Jahres nicht anzufassen? Wahrscheinlich nicht. Allerdings ist dieser Zusatz ein mentales Hindernis. Es zeigt mir wiederholt, dass mir zurzeit etwas anderes wichtiger erschien. Bevor ich nun eine Ausgabe in dieser Kategorie tätige, kann ich darüber nachdenken, ob dies immer noch der Fall ist. Und da die Kategorien »on hold« sind, werden sie nicht befüllt, das heißt, es ist kein Geld darin, das ich ausgeben könnte. Ein netter Trick und ich bin gespannt, wie er über die nächsten Monate funktioniert.

Prime Days, Black Friday, Summer Sale und wie sie nicht alle heißen. Scheinbar gute Angebote und Rabatte warten um jede Ecke, lauern einem auf. Diesen Versuchungen zu widerstehen, ist nicht immer leicht. Ein bewusster Umgang mit den eigenen Finanzen wird umso wichtiger. Ein unverzichtbarer »Skill«. YNAB und deren fantastischen YouTube-Videos sind für mich das Mittel der Wahl. Aber jede*r muss hier einen eigenen Weg und eine eigene Methode finden. Ebenso wichtig erscheint mir, sich in Demut zu üben, zufrieden zu sein mit dem, was man hat, und ein bisschen nachzudenken, bevor man den »Kaufen«-Button drückt.

Towfiqu barbhuiya | Unsplash

MCU Rewatch | Thor: Love and Thunder

Irgendwann musste es ja so weit kommen. Ich wusste nur nicht, dass der Fall so abrupt und steil vonstattengehen würde. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich die bisherigen 28 Filme des MCU genießen konnte. Natürlich sind manche besser und manche schlechter, doch genervt hat mich bisher keiner. Sie sind Teil eines großen Kanons und in sich kohärent. Thor: Love and Thunder ist eine Beleidigung. Nicht nur für mich, sondern für alle Charaktere, die darin vorkommen.

Das einzige Positive, das ich dem Film abnehme, ist die Performance, die Darstellung und die Atmosphäre, die Christian Bales Bösewicht Gor umgibt. Es ist düster, ernst, gefährlich. Mir gefällt das. Vielleicht etwas überzogen, an manchen Stellen, aber im Allgemeinen gut gemacht. So hätte der Film sein müssen. Selbst den ersten Szenen mit Natalie Portman als krebskranke Jane Foster kann ich etwas abgewinnen. Ihre Reaktionen passen zum Charakter. Doch das war es an positiven Dingen.

Der Rest des Films geht unter in unlustigen Sprüchen, die so gar nicht in den Film passen. Ich hoffe inständig, dass dies der letzte Thor-Film von Taika Waititi ist. Er zerstört für mich den Charakter, zumindest im MCU. Ich hätte gerne gesehen, wie Thor mit den Guardians reist, seine Depression bekämpft und ein Vorbild für mich und so viele andere sein könnte, die diese Krankheit haben. Stattdessen wird es nur eine kurze Rückblendung. Thor nimmt weder sich selbst noch das, was vor sich geht, ernst. Das zerstört den Film und die Bedrohung, die eigentlich von Gor ausgehen sollte. Er ist der »God Butcher«. In den Comics ist es ein wahnsinnig gut geschriebener, vielschichtiger Charakter, eine konstante Bedrohung, die immer im Hintergrund lauert, selbst wenn man ihn nicht sieht. Was in den Comics über Jahre erzählt wurde, wird hier in nicht einmal zwei Stunden erzählt. Eine Schande für das MCU, so eine tolle Erzählung derart zu verbrennen.

Ich will mich nicht lange mit all den negativen Dingen aufhalten, die mir aufgefallen sind. Seien es die nervigen, dauernd schreienden Ziegen, die absolut nicht lustig sind. Auch ein Konzept aus den Comics, das ins Lächerliche gezogen wird. Das Kostüm von Thor sieht aus, als hätte er es aus einem billigen Souvenirladen geklaut. Russell Crowe als Zeus ist die größte Fehlbesetzung des gesamten MCU. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sarah Halley Finn etwas damit zu tun hatte. Außerdem bekommen wir in den ersten 30 Minuten von Korg geschlagene zwei Nacherzählungen, was bisher geschah. Das sind mindestens zwei zu viel. So enttäuscht war ich schon lange nicht mehr. Es tut mir von Herzen weh, Geld für die Blu-Ray ausgegeben zu haben. Ich wünschte, ich hätte den Film nie gesehen und hoffe nun inständig, dass Black Panther: Wakanda Forever besser wird.

Zwei Terabyte

Die OLED-Variante des Steam Deck wird standardmäßig mit etwa 500 GB Speicher geliefert. Das ist zwar nicht wenig, aber wenn man bedenkt, dass manche Spiele mit Leichtigkeit die 100 GB knacken, ist es auch nicht gerade viel. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mir sehr unsicher war, welche Variante ich nehmen soll. Denn es gibt durchaus eine 1-TB-Version. Diese ist jedoch mit einem „entspiegelten, geätzten Premiumglas” ausgestattet. Sprich: Das Display ist matt. Wozu kaufe ich mir das teurere OLED-Modell, wenn ich dann doch wieder ein mattes Display habe, das von den knalligen, lebendigen Farben etwas wegnimmt? Außerdem gibt es immer die Möglichkeit, eine entsprechende Schutzfolie auf das Display zu kleben, die ich jederzeit wieder entfernen kann.

Wie sich herausstellen wird, war dies eine gute Entscheidung. Nicht nur was das Display betrifft. Denn mit den Prime Days von letzter Woche konnte man eine 2-TB-M.2-SSD für das Steam Deck günstig erwerben. Vor Jahren habe ich bei meiner PS5 ebenfalls eine 2-TB-M.2-SSD installiert, was sehr einfach war. Sony ist hier äußerst benutzerfreundlich unterwegs. Und der zusätzliche Speicher ist einfach fantastisch. Außerdem findet man, was das Steam Deck betrifft, immer wieder Videos oder Artikel, die davon schwärmen, 2 TB an Speicher zu haben. So einfach wie bei der PS5 war es allerdings nicht.

Die M.2-SSD kam an und wollte eingebaut werden. Eine Videoanleitung von iFixit hat mir bei den folgenden Handlungsschritten geholfen. Die erste Herausforderung war, einen passenden Schraubenzieher zu finden. Die Schrauben auf der Rückseite des Steam Decks sind klein. Zum Glück wurde ich im Keller fündig. Die nächste Herausforderung bestand darin, das rückseitige Cover herunterzubekommen, ohne es zu zerstören. Es ist robuster, als man es ihm zutrauen würde. Trotzdem sind die Knack-Geräusche alles andere als beruhigend. Nun sah ich also den entblößten Rücken des Steam Decks. Eine M.2-SSD sucht man aber vergebens. Jetzt wurde es unnötig kompliziert und ich hoffe, Valve vereinfacht es bei der nächsten Generation an Steam Decks etwas, den Speicher zu erweitern.

Zuerst entfernt man den Stecker des Akkus vom Motherboard. Dann steckt man noch ein äußerst dünnes, fragil wirkendes Kabel von einer anderen Platine ab (fragt mich nicht nach Details). Das macht man, weil dieses Kabel auf dem Cover festgeklebt ist, welches das Motherboard umschließt. Mit einem stumpfen Messer und sanfter Gewalt habe ich nun dieses Kabel vom Cover gelöst. Vor meinem geistigen Auge sah ich schon Explosionen und ein nicht starten wollendes Steam Deck. Nachdem das Kabel gelöst war, ließ sich das Cover vergleichsweise einfach entfernen. Endlich sah ich die M.2-SSD. Eine letzte Schraube entfernt, konnte ich diese herausziehen. Die M.2-SSD ist von einer Abschirmung umschlossen, die man leicht auf die neue ziehen kann. Endlich konnte alles wieder zusammengebaut werden. Nach letzten nervösen Kabeleinsteckmanövern, bei denen der Angstschweiß erneut aufkeimte, war es geschafft. Aufwendiger als erwartet, aber doch machbar.

Bevor ich die M.2-SSD tauschte, habe ich das System auf die neue geklont. So konnte ich nach dem Umbau das Steam Deck einfach starten. Trotzdem hat das System (bereits vor dem Umbau) etwas gezickt. Startanimationen wurden keine angezeigt und der Wechsel vom Desktop-Mode in den Gaming-Mode dauerte beunruhigend lange. Also habe ich die ausgebaute 500-GB-M.2-SSD formatiert und die Spiele dorthin kopiert. Das erlaubte mir, das Steam Deck neu aufzusetzen und die Spiele einfach wieder raufzukopieren, ohne hunderte Gigabyte an Daten herunterladen zu müssen. Das Prozedere des Neuaufsetzens, Initialisierens und Einrichtens dauerte zwar sehr viel länger als erwartet (unter anderem deshalb, weil das Erstellen des bootfähigen USB-Sticks am MAC eine Herausforderung war und ich einen Windows-PC benötigte), aber irgendwann war auch das geschafft.

Das Steam Deck flutscht jetzt wieder wie am ersten Tag. Bei den Spielen muss man nur kurz auf „Installieren“ klicken, dann werden die kopierten Dateien verifiziert und ein paar letzte Daten heruntergeladen. Der Emulator läuft ebenfalls schon wieder. Es ist ein tolles Gerät und mit 2 TB fühle ich mich ganz wohl. So muss ich nicht mehr darüber nachdenken, ob noch Platz ist oder etwas gelöscht werden muss. Nun kann ich mich auf das Erleben toller Spiele konzentrieren. Zuletzt seien noch Reddit, die Steam-Seite und diverse andere Onlinequellen gelobt – man findet immer wieder tolle Unterstützung und Beiträge, die bei Problemen weiterhelfen. Das ist die großartige Seite des Internets.

Naive Nostalgie

Manche, scheinbar einfache Handlungen können oft tolle Nebeneffekte nach sich ziehen. In der Film- und Bücherbranche feiert man gerne Trilogien. Also betrachte ich diesen Text ebenfalls als den dritten Teil einer Reise, die in den vergangenen Tagen stattgefunden hat. Wie nachhaltig das ist, wird die Zukunft zeigen, aber die Vorzeichen und die Richtung gefallen mir schon sehr gut. Den Auftakt (der erste Teil, also) machte die Reaktivierung meines Steam Decks, welches seit über fünf Monaten im Regal lag (Déjà-Deck). Damit folgte ein erneutes Aufkeimen meiner Freude an Indie-Spielen (Indie-Perlen). Sowohl für die Playstation als auch für das Steam Deck. Nun folgt also der dritte Teil.

Das Spielen von neuen Spielen, welche ich noch nicht kannte. Das Entdecken von tollen, faszinierenden Welten. Die Neugier und Freude am Unbekannten. Ein Spiel aufgrund des coolen Covers aussuchen und sich überraschen lassen. Manchmal kann es so einfach sein. In den vergangenen Monaten habe ich zu oft auf bekannten Pfaden verweilt, zumindest im Entertainment (Stichwort »Elden Ring« [oder auch »Lies of P«]). Ich habe auf bekannte Serien zurückgegriffen oder Spiele gezockt, die ich mehr oder weniger auswendig kannte. Das ist auf Dauer nicht gut. Ich brauche Abwechslung.

Deshalb bin ich nun dazu übergegangen, Zeug zu verkaufen, das ich eigentlich nicht mehr benötige. Außerdem war die PS5 Pro teuer genug. Zwar bin ich schon die Standard-PS5 losgeworden, aber da geht noch mehr. Man findet doch immer Bücher, Blu-rays oder andere Dinge, die im Regal vor sich hin vegetieren. Filme, die man zu oft gesehen hat. Oder Serien, die man eigentlich rewatchen möchte, aber die doch nicht dieselbe Magie haben wie vor 10 oder 20 Jahren. Es ist besser, gewisse Sachen in Erinnerung zu behalten. Nostalgie ist schön, ich rede gerne über Spiele, Filme, Bücher, Erlebnisse, Spielsachen, Sammelkarten und so weiter, die mich in der Kindheit begeistert und beeindruckt haben. Es sind tolle Erinnerungen. Doch irgendwann muss man einen Strich darunter machen.

Ich habe zwar in den anderen Texten von Emulatoren am Steam-Deck geschrieben, doch gehören diese nicht unbedingt zu Nostalgie, wenn ich diese noch nie gespielt habe. Stattdessen steckt eine spielejournalistische Neugier, eine technische Abenteuerlust dahinter. Ein Interesse am Medium »Games« an sich. Wo haben manche Reihen ihren Anfang genommen? Oder: Wie wirken Spiele wie »Medal of Honor« heute auf mich, wenn man mehr Wissen und Kontext zum Setting hat? Oder auch einfach nur die Frage: Macht mir das Spaß? Ein Ausprobieren und Testen. Nostalgie ist ein schmaler Grat.

Unternehmen machen es nicht immer leicht, dem nostalgischen Kapitalismus zu widerstehen. Als Beispiel sei nur »Magic: The Gathering« erwähnt. Diese bringen mittlerweile mehrmals im Jahr spezielle Editionen heraus. Kooperationen mit anderen IPs. Von Marvel, Final Fantasy, Herr der Ringe und noch viel, viel mehr. Oder die ganzen Remakes und Fortsetzungen, die Hollywood produziert. Dazu kommt ein unfassbares Marketing rund um Produkte, die damit in Verbindung gebracht werden wollen. Nostalgische Neugier ist gut, aber zu viel sollte es auch nicht sein.

Deshalb habe ich gerade viel Freude daran, mich von Bekanntem zu trennen und dafür mehr Neues zu entdecken. Es ist wunderbar.

Getty Images | Unsplash

Stargate mit Minifiguren

Im Mai war es endlich so weit. BlueBrixx hat ein Stargate im Minifigurenmaßstab veröffentlicht. Natürlich musste ich mir das gleich besorgen. Es sind sogar Minifiguren dabei. Zwar die Charaktere aus den späteren Staffeln, aber trotzdem bin ich sehr begeistert von dem kleinen Set. Es sind unfassbar viele Prints in dem Set dabei. Das komplette Stargate ist vorne und hinten bedruckt. Das DHD (Dial-Home-Device) ist detailliert, und wenn man dem Produktvideo glauben darf, haben sie sich sehr viel Mühe gegeben, dass die Symbole passen.

BlueBrixx hat leider die Star-Trek-Lizenz verloren bzw. hat sich der Lizenzgeber entschieden, die Kooperation nicht mehr weiterzuführen. Dafür haben sie jetzt hoffentlich mehr Kapazitäten übrig, um sich um Stargate zu kümmern. Ich bin schon sehr gespannt, was uns noch so alles erwartet. Dieses Stargate wird auf jeden Fall in mein Mittelalter-Diorama eingebaut. Dadurch wird es zu einem kleinen Alien-Planeten. Großartig! Der Gateraum darf natürlich auch nicht fehlen. Jedoch warte ich hier noch ab, um zu sehen, wie sie den Stützpunkt erweitern. In der aktuellen Ausbaustufe gefällt er mir noch nicht besonders. Es ist einfach nur ein grauer Block. Zwar eine treue Umsetzung, trotzdem nicht sehr hübsch.

Dafür gefällt mir dieses Stargate umso besser. Besonders auch deshalb, weil es dazu einlädt, sich selbst Gedanken darüber zu machen, wo man es einbauen könnte. Oder es weiter auszubauen und ein paar mehr Details zu arrangieren. Ich freue mich genauso auf weitere Minifiguren. Ein Modell von Atlantis im Mikromaßstab wäre ebenso cool. So viele Ideen und Möglichkeiten. Ich war und bin großer Stargate-Fan. BlueBrixx trifft genau den richtigen Punkt bei mir mit diesen Sets. Das arme Bankkonto.

Indie-Perlen

Vor ein paar Tagen habe ich davon berichtet, wie ich mein Steam Deck OLED wieder reaktiviert habe. Seit mehr als fünf Monaten verstaubt es im Regal. Ich hätte es schon fast wieder verkauft, wie das erste Steam Deck, das ich mir gekauft hatte (vor zwei Jahren in etwa), wollte mich aber nicht erneut geschlagen geben. Immerhin sind viele tolle Spiele in meiner Steam-Bibliothek. Ich habe mich also gezwungen, das Deck zu nutzen und mir ein ehrliches Bild davon zu machen. Das war Anfang dieser Woche. Es war eine hervorragende Entscheidung und hat auch etwas mit einer Lebenseinstellung zu tun.

In den vergangenen Monaten habe ich viel Zeit darauf verwendet, mich mit »Elden Ring« und »Lies of P« auseinanderzusetzen. Ich habe diverse Durchgänge hinter mir und verschiedene Builds ausprobiert. Das hat Freude bereitet und mich hervorragend unterhalten. Doch irgendwie war es auch stets ein Festhalten an Vergangenem. Wir wollen hier nichts überanalysieren (so etwas würde ich nie machen), aber vielleicht hatte ich unterschwellig das Bedürfnis, die Magie der ersten Spielstunden erneut einfangen zu wollen.

»Elden Ring« und »Lies of P« sind fantastische Spiele mit tollen Welten. Wenn man diese das erste Mal erlebt, ist es wirklich magisch und episch und einzigartig. Irgendwann muss man allerdings auch weiterziehen. Die Spiele laufen nicht davon und irgendwann will ich sie auf jeden Fall erneut spielen, doch warten so viel mehr Welten darauf, entdeckt zu werden. Geschichten unterschiedlichster Art, die in meiner Steam- oder Playstation-Bibliothek darauf warten, gestartet zu werden. Das Herausholen, Entstauben und Nutzen des Steam Decks hat mir das auf sehr anschauliche Weise gezeigt.

Um dahingehend etwas in Fahrt zu kommen, spiele ich aktuell eher Indie-Titel. Das Erste war »GRIS«, welches ich mir im Steam Summer Sale für knapp einen Euro fünfzig kaufte. Hierbei handelt es sich um einen Sidescroller, der vollkommen ohne Dialoge auskommt. Es geht um eine Protagonistin, die ihre Stimme verliert, und ein unbekanntes Etwas, das der Welt die Farbe gestohlen hat. Auf dem Weg durch die Welt schalten wir immer wieder neue Farben und damit auch Settings frei. Ein tolles, kurzweiliges Spiel mit einem grandiosen Sounddesign und künstlerischer Gestaltung.

Im PS-Plus-Abo war schließlich noch »Jusant« Teil der drei monatlichen Gratisspiele. Eigentlich wollte ich »Death Stranding« starten, aber das hatte ich offenbar noch nicht heruntergeladen. Zum Glück. So gab ich »Jusant« eine Chance. Die Steuerung war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber man kommt gut rein und lernt schnell, was das Spiel von einem möchte. Es spielt in einer postapokalyptischen Welt, wo die Meere scheinbar vertrocknet sind. Unser Protagonist begibt sich mit einem interessanten, kleinen, süßen Wesen zu einem immensen Berg und wir müssen diesen besteigen. Es ist ein Rätselspiel, und durch Notizen und Briefe, die wir in den Siedlungen am Berg finden, erschließt sich langsam die Welt. Ich bin noch nicht ganz durch, aber »Jusant« hat einen ganz bestimmten Reiz und es macht Spaß, Schritt für Schritt mehr über diese Welt zu erfahren.

Für den Emulator am Steam Deck habe ich auch schon ein paar Ideen, was ich nachholen möchte, aber dazu später mehr. Was ich im Moment an Indie-Titeln wie »GRIS« oder »Jusant« so genieße, ist nicht nur die Kreativität, die dahintersteckt, sondern dass sie sehr kurzweilig sind. Beide dauern nur wenige Stunden. Es sind keine 40 bis 100 Stunden Brocken, die man sich erarbeiten muss. Und sie kommen ohne Kämpfe aus, was nach Soulslike-Spielen wie »Lies of P« eine schöne Abwechslung ist. Ich freue mich darauf, weitere tolle Spiele zu entdecken.

Alexander Mils | Unsplash

Julian McMahon

Einen Vormittag des Wochenendes, meistens samstags früh, starte ich gerne mit dem Lesen der Zeitung. Der Falter ist eine fantastische Wochenzeitung, die ich nicht mehr missen möchte. Die Journalist*innen schreiben nicht nur gut recherchierte, ausführliche Texte zu einem bestimmten Thema. Ihre Meinungstexte regen immer wieder zum Nachdenken an und beschreiben Aspekte, die ich so nicht im Blick habe. Die Wochenzeitung in Kombination mit dem Falter-Newsletter bildet einen Großteil meines Nachrichtenkonsums ab, inklusive ein paar anderer Angebote natürlich. Man sollte sich ja nicht zu einseitig informieren.

Jedenfalls war ich gestern mit den für mich spannendsten Artikeln durch und habe mich durch den Rest der Zeitung geblättert. Ich las ein paar Überschriften, überflog Feuilleton-Texte. Ich wollte die App, ich lese den Falter am iPad, schon schließen, als eine kleine Meldung meine volle Aufmerksamkeit auf sich zog. Drei kurze Meldungen waren in der Mitte der Seite abgebildet. Eine trug den schlichten Titel »Julian McMahon (1968–2025)«. Ich konnte es nicht fassen. Ein Held meiner Jugend verstarb Anfang des Monats an einer Krebserkrankung. Ist „Held“ zu groß gegriffen? Ich weiß es nicht.

Ich würde so einigen Persönlichkeiten und Charakteren diesen Titel zuschreiben. Menschen, die ich gerne verfolgt habe, zu denen ich vielleicht aufblickte. Julian McMahon war einer von ihnen. Wie viele andere wahrscheinlich auch kannte ich ihn aus drei zentralen Rollen, die seine Karriere prägten und ihn unsterblich machten. Da ist die Serie »Nip/Tuck«, in der er und Dylan Walsh Schönheitschirurgen mimen, die ihre eigene Praxis haben. Ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass diese einzigartige Serie sechs Staffeln lang lief. Schöpfer Ryan Murphy ist es hier gelungen, die Oberflächlichkeit dieser Industrie auf fabelhafte Weise zu kritisieren, mit viel Satire aufs Korn zu nehmen, aber doch mit einer Tiefe und Ernsthaftigkeit auszustatten, die man nicht erwarten würde. Julian McMahon, mit seiner prägnanten Bildschirmpräsenz, habe ich dabei stets gerne beobachtet.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich die beiden »Fantastic Four«-Filme. Im Zuge meines MCU-Rewatch habe ich mir diese angesehen und der Text dazu wird demnächst erscheinen. Es sind keine guten Filme. Die rosarote Brille der Erinnerung täuscht hier gewaltig. Ich lasse nicht wirklich ein gutes Haar an ihnen. Ein Lichtblick war allerdings Julian McMahon als Victor von Doom. Die Art, wie er den Bösewicht darstellt, die schleimige, unangenehme Natur dieses Charakters – oder zumindest so, wie er in diesen Filmen präsentiert wird – ist hervorragend. Die Filme sollte man sich nicht wieder anschauen, wenn man sie als Kind gesehen hat. Es ist besser, sie in guter Erinnerung zu behalten. Aber da gab es noch eine Rolle, die Julian McMahon über Jahre gespielt hat und die ihn unsterblich macht: die Rolle des Cole aka Balthazar in »Charmed«.

»Charmed« ist und bleibt für mich eine der ersten Serien, die ich als wahrer Fan verfolgt habe. Ich habe von meinem Taschengeld DVDs der Staffeln gekauft. Ich weiß nicht, wie oft ich die Serie damals angeschaut habe. Es war oft. Die Welt der zauberhaften Hexen hat mich in ihren Bann gezogen. Eine Dynamik, die die Serie geprägt hat wie keine andere, ist die zwischen Phoebe und dem Halbdämon Cole. Die Reise, die beide Charaktere in nur zweieinhalb Staffeln durchmachen, ist manchmal absurd, manchmal tragisch, aber stets mitreißend. Vor ein paar Wochen oder Monaten habe ich mir bei einem Sale die Blu-rays gekauft. Ich überlegte schon, ob ich nicht einen Rewatch machen und ihn hier im Blog besprechen sollte. Zwar bin ich im Moment eher auf der Schiene, Nostalgie so wenig Raum wie möglich zu geben und mehr neue Sachen auszuprobieren, aber bei »Charmed« kann man ruhig eine Ausnahme machen.

Julian McMahon war ein toller Schauspieler. Seine Präsenz und Art, eine Szene einzunehmen, ohne dabei die anderen Schauspieler*innen zu verdrängen, sondern alles auf eine höhere Ebene zu hieven, beeindruckt nachhaltig. Seine Projekte und Charaktere haben mich viele Jahre verfolgt und ich habe seine Karriere gerne verfolgt. Danke für unzählige Stunden voller mitreißender, einzigartiger Unterhaltung. Er wird fehlen.

MCU Rewatch | Dr. Strange in the Multiverse of Madness

Ich weiß nicht, ob ich langsam betriebsblind werde, aber wiederholt muss ich feststellen, dass mich ein MCU-Film der vierten Phase positiv überrascht. Dr. Strange in the Multiverse of Madness ist ein äußerst unterhaltsames, mehrere Universen umspannendes Abenteuer. Sam Raimi gelingt es, einen vergleichsweise ernsten Film zu erzählen. Natürlich gibt es den ein oder anderen lässigen Spruch. Doch es dürfen Momente für einen Augenblick verweilen und für sich stehen. Es wird nicht alles sofort relativiert oder ins Lächerliche gezogen. Der Score von Danny Elfman untermalt das Geschehen gekonnt, ohne zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

In den vergangenen Tagen habe ich so einige Marvel-Filme geschaut. Ich bin länger krank gewesen, konnte aber zum Glück Filme schauen. So habe ich nicht nur die X-Men-Filme in wenigen Tagen beendet, sondern auch die Phase vier vom MCU relativ zügig vorangetrieben. Wenn dieser Text erscheint, ist das schon einige Monate her. Doch ich finde, dass es den Filmen nicht schadet, sie in so kurzen Zeitabständen zu schauen. Auch vermisse ich bisher den Kontext der Serien nicht. Die Motivation von Wanda aka Scarlet Witch ist nachvollziehbar. Sie hat Vision verloren, davor ihren Bruder; es ist verständlich, dass sie ein normales Leben leben möchte.

America Chavez (Xochitl Gomez) ist ein toller Charakter und wird hier gut eingeführt. Ihre Hintergrundgeschichte ist schnell erklärt, wobei hier eine Art Erinnerungsmaschine in einem der Universen, die sie mit Dr. Strange besucht, hilft, es uns Zuschauer*innen einfach und schnell zu erläutern. Den Rest kann man sich selbst dazu denken. Es muss nicht alles ausformuliert werden. Mit ihr haben wir in Dr. Strange in the Multiverse of Madness nun drei Arten von Magie, wenn man Americas Fähigkeiten so bezeichnen möchte. Die »mystic arts« von Strange und Wong, die Hexerei von Wanda und Americas multidimensionale Reisefähigkeiten. Doch alle drei sind visuell klar voneinander zu trennen und es wird deutlich, dass sie jeweils anders funktionieren. Das erleichtert es, den Überblick zu behalten.

Visuell ist Dr. Strange in the Multiverse of Madness erneut ein Testament für die Fähigkeiten von CGI-Künstler*innen. Dieser zweite Teil übertrumpft den ersten, was abgefahrene, kreative und waghalsige Kulissen, Effekte und Monster anbelangt. Es ist ein wahrer Augenschmaus. Ebenso sind die Doppelgänger der bekannten Charaktere leicht anders und man kann sie stets dem Universum, dem sie entstammen, zuordnen. Raimi und sein Team schaffen es stets, dass man trotz der vielen Ortswechsel den Überblick behält.

Die Cameos in Form der Illuminaten finde ich ebenso gelungen. Vor ein paar Wochen habe ich mich noch etwas davor gedrückt, diese gut finden zu wollen. Es missfiel mir, dass ein Charles Xavier, eine Peggy Cater oder ein Reed Richards dermaßen verbraten werden. Doch die Inhumans hatten ihre Chance und sind kläglich gescheitert. Genauso wie die vergangenen Versionen der Fantastic Four bald durch eine »offizielle« MCU-Version abgelöst werden. Patrick Stewart in dem aus der Zeichentrickserie entliehenen, gelben Rollstuhl zu sehen, war erfreulich. Es passt und ist kurz genug, dass man ihre Auftritte feiern kann. Ob es in unserem Marvel-Universum (Kennzahl 616) ebenfalls eine Form der Illuminati geben wird, wage ich zu bezweifeln. Deshalb ist es schön, dieses Konzept aus den Comics zumindest in dieser Form verarbeitet und erwähnt zu sehen.

Zu Benedict Cumberbatch als Strange, Elizabeth Olsen als Wanda Maximoff oder Benedict Wong als Wong muss ich wohl nicht mehr viel sagen. Die drei (und ein paar der Nebendarsteller*innen) haben ihren Charakter über Jahre und in so manchen MCU-Einträgen gespielt. Die Charaktere liegen ihnen, passen zu ihnen und sie verkörpern sie perfekt. Es ist schön zu sehen, dass sie sich weiterentwickeln dürfen. Das ist Charakteren in Filmreihen nicht immer gegönnt. Egal in welche Richtung es gehen mag, ob sie mir gefällt oder nicht, Stagnation fände ich viel schlimmer. Und wir sind hier in einer Comicverfilmung, das heißt, eine »redemption arc« ist immer möglich. Besonders, wenn die nächste Multiversum umspannende Katastrophe bevorsteht.

Ursprünglich sollte Nightmare der nächste Bösewicht werden. Ich hoffe, dass dieser Charakter im nächsten Film seinen Auftritt feiern darf. Raimi einen Horrorfilm im MCU drehen zu lassen, mit einem Charakter wie Nightmare wäre episch. Wenn dann noch Hans Zimmer als Komponist für den Soundtrack engagiert werden würde, blieben keine Wünsche mehr offen. Dass dies alles so eintritt, ist zwar relativ unwahrscheinlich, aber man darf träumen. Und wie wir in Dr. Strange in the Multiverse of Madness gelernt haben, sind Träume Fenster in andere Universen. Und irgendwo wird es sicherlich so einen Film geben. Vielleicht also auch bald bei uns.