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Der Sonnenuntergang

John Cena fasziniert mich. Ich habe absolut kein Interesse an WWE, aber ich mag ihn als Schauspieler und er scheint ein herzensguter Mensch zu sein. Wenn man sich auf YouTube Interviews mit John Cena ansieht, wie er über seine Projekte redet und welche Lebenseinstellungen er verfolgt, kann man nicht anders als inspiriert sein. Besonders seine Auftritte bei Graham Norton kann ich mir immer wieder ansehen. Er ist ein toller Geschichtenerzähler. Kann sein Publikum mitreißen. Doch besonders ein Zitat, ich weiß nicht mehr genau, wo er es gesagt hat, geht mir seit Längerem nicht mehr aus dem Kopf:

»Have I earned this sunset?«

Ich finde das eine tolle Lebenseinstellung. Es ist so einfach wie brillant. Diese simple Einstellung gibt kein konkretes Ziel vor oder zeigt auf, was man erreichen soll. Es ist einfach nur eine Frage, die man sich jeden Tag aufs Neue stellen kann. Die Antworten sind individuell. Jeder muss selbst abwägen, ob man die Frage mit Ja oder Nein beantworten kann. Man kann so viel hineininterpretieren, wie man möchte. Es liegt eben an einem selbst. Wie so vieles im Leben. Es ist eine Einstellungssache. Ob man ehrlich mit sich selbst sein kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Hans Ott | Unsplash

XCU Rewatch | X-Men: Dark Phoenix

Ich bin sehr froh, mich entschieden zu haben, die letzten beiden Filme zu switchen. Dark Phoenix ist ein schöner Abschluss der Reihe. Auch wenn es natürlich kein perfekter Film ist und so manche Entscheidungen fragwürdig sind, bin ich doch positiv überrascht worden. Seit dem Kino-Release 2019 habe ich Dark Phoenix nicht mehr gesehen. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass der Film von den Kritikern und Publikum zerrissen wurde. Doch so schlecht fand ich ihn gar nicht. Vor allem das letzte Bild gefällt mir ausgezeichnet.

Wir befinden uns nun in den 90ern. Es ist der vierte Film mit diesem Cast und wir haben vier Jahrzehnte durchgenommen. Ich mag es, dass die Schauspieler*innen nicht künstlich gealtert wurden oder all die Ereignisse in nur wenigen Jahren stattfinden. So ist es näher an den Comics. Auch dort verändern sich die Charaktere nicht wirklich. Klar sehen sie mal anders aus, haben andere Kostüme oder werden von anderen Künstler*innen gezeichnet, was den gesamten Look ändert. Aber wirklich altern, tun sie nicht wirklich. Es gibt Ausnahmen, aber Zeit ist äußerst relativ in Comics. Es ist toll, dass die Filme dieses Konzept aufgreifen.

Die Geschichte an sich gefällt mir grundsätzlich gut. Ich mag es, dass sie sich wirklich auf Jean und die Phoenix-Force konzentrieren. The Last Stand litt unter dem Subplot rund um die Heilung, Jean war dort nur ein Nebenprodukt. Doch hier fokussiert sich die Handlung voll und ganz auf sie. Trotzdem ist es zu wenig Zeit, um eine solch komplexe Geschichte zu erzählen. Ursprünglich sollte Dark Phoenix ein Zweiteiler werden und ich denke, das hätte dem Film und seinen Charakteren sehr gutgetan. Es ist eine komplexe, weitreichende Geschichte mit vielen involvierten Parteien. Knapp zwei Stunden sind da etwas wenig.

Es fehlt der emotionale Anker. Ich bin mir nicht sicher, ob es am Drehbuch liegt oder die Schauspieler*innen nicht mehr wirklich Lust auf diese Charaktere hatten, die sie nun schon so lange spielen, aber mir fehlt die Verbindung zu ihnen. Natürlich gibt es Momente, in denen dies gelingt. Die meisten Dialoge wirken aber zu überstürzt und unnatürlich. So als wüssten die Charaktere, dass sie nur zwei Stunden Zeit hätten, um viel Handlung abzubilden. Zudem sind die Bösewichte und Gegner sehr zweidimensional. Wer sind sie? Was ist ihr Ziel? Was wollen sie mit dieser kosmischen Macht wirklich erreichen? Am Ende sind sie nur Kanonenfutter.

Ich bin etwas hin- und hergerissen, weil ich Dark Phoenix eigentlich gut finden möchte, aber er macht es mir nicht leicht. Immerhin ist es der letzte Film dieser Reihe und mein Adieu an die X-Men-Filme. Natürlich schaue ich sie mir weiterhin gerne an, doch dieser Rewatch, mit allem, was dazugehört, war eben doch etwas Besonderes. Es macht mir wirklich eine Freude, nicht nur die MCU-Phasen zu schauen, sondern noch links und rechts einiges mitzunehmen. Seien es die verschiedenen Spider-Man-Interpretationen, die X-Men-Filme oder was mir eben noch so zwischen die Finger kommt.

Immerhin ist die letzte Einstellung eine, die wirklich gut gefällt. Charles und Erik sitzen in einem Café in Frankreich und spielen Schach. Nach allem, was sie durchgemacht, was sie sich gegenseitig und der Welt angetan haben, verbindet sie doch ein gemeinsames Ziel und eine innige Freundschaft. Es ist ein schönes und hoffnungsvolles Bild. James McAvoy und Michael Fassbender haben sich diese Charakter zu eigen gemacht und ihnen ihren Stempel aufgedrückt. Sie sind fantastische Schauspieler, und ich mag ihre Interpretationen. Vielleicht sehen wir sie ja irgendwann einmal wieder in diesen legendären Rollen.

XCU Rewatch | The New Mutants

Ich habe mich kurzerhand entschlossen, die Reihenfolge der letzten beiden X-Men-Filme zu ändern. Zum einen ist es egal, von der Geschichte her, und zum anderen möchte ich diese Textreihe mit Dark Phoenix beenden. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob er gut oder schlecht ist. Allerdings scheint es mir passend, mit den tatsächlichen X-Men aufzuhören und nicht mit einem Film, der durch die Produktionshölle ging, nur um am Ende etwas (im besten Fall) mittelmäßiges abzuliefern. Es schien mir richtig.

Fassen wir mal kurz die Handlung zusammen: Rahne, Illyana, Roberto und Sam sind in einem scheinbaren Krankenhaus untergebracht, um mit ihren Kräften umgehen zu lernen. Dani kommt frisch zu der Bande, nachdem in ihrem Reservat ein imaginärer Bär sehr realen Schaden anrichtet und ihre ganze Familie ausrottet, inklusive ihres Vaters. Das Krankenhaus wird von einer gewissen Dr. Reyes betreut. Im Laufe des Films begegnen den Mutanten immer mehr Schreckensszenarien aus ihrer Vergangenheit. Sie manifestieren sich und werden zu einer echten Bedrohung, bis schließlich Danis Dämonen-Bär auftaucht und besiegt werden muss. Dr. Reyes ist ebenfalls nicht die Ärztin, die sie vorgibt zu sein, sondern soll für Essex die neuen Mutanten unter Kontrolle bringen, damit man sie als Waffen einsetzen kann.

Grundsätzlich ist es keine schlechte Geschichte, die hier versucht wird zu erzählen. Den Machern gelingt es aber nie, diese aus dem seichten Fahrwasser der Mittelmäßigkeit zu hieven. Jedoch zum Ende hin wird The New Mutants noch einmal richtig gut. Der Kampf der jungen Mutanten gegen ihre jeweiligen Visionen, die Überwindung von Angst. Sie werden tatsächlich ein Team und müssen zusammenarbeiten, um sowohl ihre Ängste als auch das vermeintliche Krankenhaus hinter sich zu lassen. Die coming-of-age Liebesgeschichte zwischen Dani und Rahne ist durchaus gut gemacht und man könnte sogar meinen, zwischen Sam und Roberto würde sich etwas entwickeln. Alles gute Bausteine für einen unterhaltsamen 90-Minuten-Film. Doch leider scheitert er an zu vielen Klischees, die abgearbeitet werden müssen, bevor es losgehen kann.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Autor*innen nichts mit den Charakteren anzufangen wussten, bis das Finale um die Ecke kommt. Der Film dümpelt vor sich hin, hat zwischenzeitlich durchaus seine Momente, doch kommt nicht so recht in Fahrt. Das ist sehr schade. Man hätte sehr viel früher anfangen können, eine Bande zwischen den New Mutants zu formen. Man muss nicht die Klischees aus Highschool-Filmen abklappern und die Tropes der Vergangenheit in so einem Film einbauen. Ranis ankommen hätte für die anderen von Beginn an ein Weg sein können, um einen Ausweg zu suchen. Man bekommt nie mit, wie lange sich die anderen schon in diesem Krankenhaus aufhalten, dabei ist es mehr als eindeutig, dass es eine Farce ist.

Außerdem ist Dr. Reyes allein. Man hätte gerne noch zwei Pfleger*innen oder so etwas Ähnliches einbauen können. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich eine Person rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, komplett allein um diese Kinder kümmert. Deshalb wäre es schön gewesen, wenn zumindest einer der New Mutants, der schon länger drin ist, an dem Konzept »Krankenhaus« oder Trainingscenter zweifeln würde. Besonders Roberto oder Illyana, vielleicht auch beide, hätten perfekt in diese Rolle gepasst.

Schade, dass The New Mutants der letzte wirkliche Film über die X-Men von 20th Century Fox geworden ist. Es steckt viel Potenzial in ihm und vielleicht hätte ein zweiter Teil das Ruder herumgerissen. Die Effekte sind nicht schlecht und die Basis solide. Doch so verblasst die Geschichte hinter den nicht gut geschriebenen Dialogen und altbackenen Tropes, die man meint, abarbeiten zu müssen. Es hätte mehr in The New Mutants gesteckt.

XCU Rewatch | Deadpool 2

Deadpool 2 setzt einen Trend der X-Men-Filme fort: Zweite Teile sind hervorragende Fortsetzungen. Er ist lustig, die Action kreativ, die Geschichte kurzweilig und doch mit einer gewissen Tiefe behaftet. Die neuen Charaktere machen sehr viel Freude und bringen frischen Wind in das gesamte Franchise. Mit dem, was Logan geleistet hat, wäre das eigentlich eine gute Basis gewesen, um weitere großartige Filme zu machen. Leider sind es allerdings nur mehr zwei Filme, bevor diese Ära der X-Men-Filme endet.

Doch erfreuen wir uns erst einmal dessen, was wir haben. Wie bereits im Vorgänger steigen wir mitten in der Geschichte ein, bevor Wade den Erzähler mimt und uns das bisher Geschehene präsentiert. Vanessa wird von Thugs ermordet. Wade versucht dies zwar zu verhindern, doch es gelingt nicht. So stirbt sie am Beginn des Films und dient als Motivation für Wades restliches Handeln. Diese Art der Erzählung, die (meist) weibliche Protagonisten rein als motivierender Faktor für die männlichen zu missbrauchen, nennt man »fridging«. Es kommt aus Comics. Es wäre eigentlich genial gewesen, mit dieser Trope hier zu spielen. Besonders, weil sie es aktiv im Vorspann ansprechen. Vanessa kommt auch im Film weiterhin vor und wird am Ende sogar vielleicht gerettet.

Wenn ich mich richtig erinnere, wussten die Macher allerdings in Interviews nicht einmal, was fridging bedeutet. Eine Schande, wenn sie sich schon mit popkulturellen Referenzen und den Comics auseinandersetzen, muss jemand über dieses Konzept gestoßen sein. Oder es hat ihnen jemand erzählt. Deadpool 2 hätte so auf der Meta-Ebene noch einmal mehr Subtext bekommen und einer Industrie den Spiegel vorhalten können. So ist es eher zufällig, dass es trotzdem so gelesen werden kann. Am Ende liegt es stets beim Publikum, ein mediales Erzeugnis zu werten und eventuelle Bedeutungen herauszugreifen.

Doch das ist nur ein Aspekt des Films. Cable zuerst als Gegner und schließlich Verbündeten einzuführen, war ein genialer Schachzug. Josh Brolin passt perfekt in die Rolle. Vor allem, weil er zu dieser Zeit bereits Thanos verkörpert und so mindestens ein Witz auf dieser Tatsache verwendet werden kann. Ich höre zum Teil immer noch Thanos heraus. Es ist großartig. Zeitreisen spielen zwar besonders im Abspann noch eine Rolle, doch der Einsatz während des Hauptteils der Geschichte ist erfreulicherweise reduziert. Es geht im Kern um Russell und ob es möglich ist, ihn doch noch zur guten Seite der Macht zu bringen.

So ist nicht nur Vanessa eine Motivation für Wade, endlich sterben zu können. Russell dient als Anker in der Welt der Lebenden und zeigt ihm, dass es sich lohnt, weiterzumachen. Ein gekonntes Tauziehen entwickelt sich, das gespickt ist mit den absurdesten, unterhaltsamsten und verrücktesten Szenen, die man sich in einem Superheldenfilm nur wünschen kann. Sei es der quasi-Gefängnisausbruch von Wade. Das Casting der X-Force-Mitglieder. Der erste Einsatz von X-Force. Dominos Fähigkeit des Glücks ist ein Augenschmaus, und ich hätte mir einen Solo-Film mit ihr gewünscht. Oder aber die ganzen Szenen mit Colossus, Negasonic Teenage Warhead und ihrer Freundin Yukio. Weasel ist natürlich auch wieder für einige Lacher gut.

Deadpool 2 ist wie der Vorgänger gespickt mit kreativen Ideen. Ich finde ihn äußerst lustig und war erneut perfekt unterhalten. Die neuen Charaktere passen ideal zur Geschichte, ergänzen sich gegenseitig und bilden ein Ensemble, welches ich gerne in einem dritten Teil gesehen hätte. Die Geschichte um Russell und Cable bringt die notwendige Gefühlsebene in den Film. Ohne eine wirkliche Motivation des Helden und der Nebencharaktere funktioniert ein solcher Film nicht. Es kann noch so absurd, verrückt und lustig sein, wenn die Motivation, der Kern fehlt, bricht es schnell in sich zusammen. Deadpool 2 gelingt dieser Balanceakt bravourös.

XCU Rewatch | Logan

Es gibt selten perfekte Enden in Filmen. Vor allem, wenn es Filmreihen betrifft. Noch weniger, wenn es spezielle Charaktere betrifft. Wobei es ziemlich einzigartig sein dürfte, was Hugh Jackman über 17 Jahre geleistet hat. Natürlich fällt einem Robert Downey Jr. ein und seine legendäre Rolle als Iron Man, die das MCU über Jahre geprägt hat. Doch lange vor dem MCU gab es die X-Men-Filme. Und darin hat sich Hugh Jackman als der einzig wahre Wolverine etabliert. Logan ist der Epilog seiner Geschichte.

Ich weiß gar nicht, wo ich mit Logan anfangen soll. Talentiertere Autor*innen haben sich über die Jahre über diesen Film ausgelassen. Im positivsten Sinne. Es ist ein Meilenstein von Superheldenfilmen. Er beweist, dass es auch anders geht. Neun Jahre nach The Dark Knight zeigt uns Logan erneut, dass man Superheldenfilme ernst nehmen kann und muss. Nur weil Superhelden darin vorkommen oder die Vorlage aus Comics stammt, heißt es nicht, dass man keine guten, tiefgreifenden, emotionalen Geschichten damit erzählen kann.

Natürlich kann ich als Fan der Reihe und Vorlage nicht sagen, wie gut Logan für sich funktioniert. Doch ich denke, er ist auch unabhängig von all den anderen Filmen eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Der Film erzählt im Grunde eine Vater-Tochter-Beziehung. Beide Seiten wussten lange Zeit nichts voneinander und müssen von einem Tag auf den anderen miteinander klarkommen. Die Tochter spricht nicht, vertraut niemandem und weiß, sich in der Welt nicht zurechtzufinden, weil sie in einem Labor gezüchtet und jahrelang trainiert und gefoltert wurde. Der Vater ist ein Mann, der zu viele Leben gelebt hat und dessen Vergangenheit ihn buchstäblich vergiftet. Ihn langsam dahin rafft.

Sie beide umgibt eine Welt, die sie nicht haben möchte. Mutanten sind ein Ding der Vergangenheit, dessen Überreste ausgerottet und verfolgt werden. Mit ihnen experimentiert man. Niemand interessiert sich für sie und wenn, dann ruft man die Behörden. Sie werden sich schon darum kümmern. Oder Schattenorganisationen schreiten ein. Hauptsache, sie sind weg. Es ist eine dunkle, dystopische Zeit, die sich trostloser anfühlt, als all die Szenen einer düsteren Zukunft, die wir in Days of Future Past gesehen haben. Jeder Lichtblick wird ausgelöscht, jeder Akt der Hilfe bestraft. Und doch gibt es auch Licht.

Dieses Licht ist das Band, das Vater und Tochter verbindet. Sie kämpfen nicht für die Welt. Sie bekämpfen nicht den Bösewicht, weil es das Richtige ist. Ihr Kampf ist ums Überleben. Zuerst beide für sich, doch mit der Zeit nähern sie sich an, vertrauen einander. Die finale Kampfsequenz im Wald ist nicht nur ein gnadenlos gut choreographiertes Gemetzel, es zeigt, wie sich Logan und Laura blind, geradezu instinktiv verstehen. Laura war zuvor still, sprach kein Wort, doch beobachtete sie ihre Umgebung genau. Probiert sich aus und lernt die Welt und die Wesen darin immer besser kennen. Sie lernt, Logan zu vertrauen, wie es Charles getan hat. Merkt ihm seine Vergangenheit an. Weil sie eine ähnliche hinter sich hat.

Logan ist sicher keine leichte Kost. Doch für einen Charakter wie Logan aka Wolverine ist es der perfekte Abschluss. Es ist ein Ende, das dem Charakter würdig ist. Deadpool hat zuvor gezeigt, dass R-Rated Superheldenfilme möglich und erfolgreich sein können. Diesen wunderbaren Abschluss haben wir also in gewisser Weise dem »Merc with a mouth« zu verdanken. Hugh Jackman verkörpert hier ein letztes Mal den Charakter, wie kein Zweiter es je tun wird. Jeder Schrei, jede Geste, all der Schmerz und Pein seiner Vergangenheit stehen ihm ins Gesicht und auf den Körper geschrieben. Jede Bewegung ist eine Qual. Und doch kämpft er weiter. Weil er etwas hat, wofür es sich zu kämpfen, zu sterben lohnt.

XCU Rewatch | X-Men: Apocalypse

Erneut belehrt mich ein Film eines besseren. Ich weiß nicht, wann ich X-Men: Apocalypse das letzte Mal gesehen habe, aber es ist sicherlich schon einige Jahre her. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich ihn jemals im Heimkino sah oder nur zur Veröffentlichung im Kino. Jedenfalls war ich schon immer sehr begeistert von Apocalypse als Charakter. Damals, wie zum Teil auch heute, weiß ich allerdings sehr wenig über ihn. Es ist ein mysteriöser Antagonist, der nicht viel von sich Preis gibt. Alles, was ich über ihn weiß, stammt von der neueren Krakoa-Ära der X-Men. Darin ist Apocalypse sehr mystisch unterwegs, beschäftigt sich mit Magie und dergleichen. Er hat ein tiefes Verständnis und eine klare Vorstellung von dem, was er erreichen möchte. Es ist faszinierend, ihn zu beobachten.

Was ich damals wie heute schade finde, ist, dass sie Apocalypse im Film nicht größer gemacht haben. Er sollte so massiv sein wie Thanos. Vielleicht nicht ganz so groß, aber vergleichbar auf jeden Fall. Oscar Isaac macht einen guten Job, dennoch hätte ich mir gewünscht, ihn als vollkommenen CGI-Charakter zu sehen, mit Motion-Capture und allem, was dazu gehört. Diese Größe kommt in den Comics der Krakoa-Ära immer wunderbar zur Geltung und konterkariert die Darstellung der anderen Mutanten. Immerhin ist er einer der ersten Mutanten, übermächtig, unsterblich und kann seine Form beliebig ändern. Letzteres wird im Film zwar nicht wirklich umgesetzt, ist aber eine Fähigkeit, die er besitzt.

Mir gefällt an X-Men: Apocalypse weiterhin, wie international sich der Film anfühlt. Das waren die bisherigen Filme zwar auch, zu einem gewissen Grad, aber so sehr wie Apocalypse nicht. Wir starten im alten Ägypten beim Bau der Pyramiden. Es wird die alte Sprache gesprochen. Es geht nach Deutschland, wo ein passables Deutsch gesprochen wird. Angel und Nightcrawler bekämpfen sich, Raven greift ein. Wir sind in Polen und sehen zu, wie Erik Lehnsherr sich als einfacher Arbeiter versucht. Er hat eine Frau und eine Tochter. Wir sind in Amerika, beobachten Scott, wie er das erste Mal seine Furcht einflößenden Kräfte entdeckt und sich schließlich mit seinem Bruder zu Xavier bewegt. Gar nicht erst zu sprechen von der Szene, wo weltweit alle Atomwaffen gestartet werden und wir eine Vielfalt an Reaktionen beobachten. Das Finale spielt schließlich wieder in Ägypten und schließt den Kreis.

Die Zerstörungswut in dem Film ist sehr bezeichnend. Vor allem die Brutalität. Apocalypse schließt wiederholt Menschen in Sand und Beton ein, ohne sie dabei zu töten. Sie müssen mit ihren Qualen leben. Wie lange? Das weiß niemand. Er vernichtet Teile Kairos, um seine gewaltige Pyramide zu bauen. Erik, mit den verstärkten Kräften, die ihm Apocalypse gewährt, zerstört nicht nur Auschwitz, sondern große Teile der Welt. Die Szene in Auschwitz ist besonders bewegend und lebt von den schauspielerischen Fähigkeiten Michael Fassbenders. Die anderen vier Schauspieler tragen in dieser Szene nicht viel bei. Zwar liefert Apocalypse die Einleitung, doch später stehen sie alle nur ängstlich daneben. Fassbender ist eine Naturgewalt eines Schauspielers und wird hier beeindruckend in Szene gesetzt.

Auch sein Sohn kommt wieder vor. Dieses Mal mit etwas mehr Screentime. Quicksilver kommt gerade rechtzeitig im Haus von Xavier an, um sämtliche Schüler*innen und andere Gäste vor einer schrecklichen Explosion zu retten. Wieder einmal ist diese Slow-Motion-Szene gekonnt umgesetzt und steht dem Vorgänger um nichts nach. Zum Glück darf Quicksilver dieses Mal etwas länger bleiben, nur seinem Vater gesteht er seine wahre Identität nicht. Aber das ist ja auch ein schwieriges Gespräch. Vor allem, wenn besagter Vater gerade im Begriff ist, die Welt zu zerstören.

Apropos: Zwar stand Erik während dieser Zeit im Einfluss von Apocalypse, aber er handelte aus freien Stücken. Ihn erneut ins Gefängnis zu stecken, wäre vielleicht innerhalb der Filmreihe zu repetitiv, aber dass es gar keine Konsequenzen hat, ist schon erstaunlich. Helfen sie wenigstens beim Wiederaufbau? Wir sehen zwar nur, wie sie die Schule wieder errichten, aber mehr auch nicht. In meinem Kopf ist es so, dass sie weltweit helfen. Dann kommen alle etwas besser davon.

Wir lernen in Apocalypse einige neue Charaktere kennen, genauer gesagt werden sie zum ersten Mal in diese Crew der X-Men eingeführt. Nightcrawler ist wunderbar gecastet (Kodi Smit-McPhee) und sieht fantastisch aus. Ororo (Alexandra Shipp) bekommt leider wenig zu tun in dem Film, aber besticht durch ihr wohl coolstes Design aus den Comics. Jubilee (Lana Condor), Psylocke (Olivia Munn), Angel (Ben Hardy), Scott (Tye Sheridan) und natürlich Jean (Sophie Turner) feiern starke Auftritte. Besonders Jean darf dieses Mal ihre Phoenix-Identität in voller Pracht zeigen. Moira, Alex Summers und Hank kehren zurück. Es ist schön zu sehen, dass Hank eine Art rechte Hand von Xavier ist und dabei hilft, neue Rekruten/Schüler aufzunehmen.

X-Men: Apocalypse hat mich positiv überrascht. Es ist ein sehenswerter Film, der einige neue Charaktere zu bieten hat. Der Bösewicht ist zwar etwas unterkomplex, vor allem wenn man sich dessen Entwicklung in den Comics ansieht, aber es passiert ansonsten sehr viel. Die Ereignisse überschlagen sich schon fast. Doch die vielen Ortswechsel sind weder verwirrend noch zu schnell. Ein toller dritter Teil für die jüngere Generation der X-Men.

XCU Rewatch | Deadpool

Neun Jahre sind es, seit wir unseren ersten Deadpool-Film bekommen haben. Noch einmal zwei Jahre davor haben wir das fast schon legendäre »test footage« gesehen. Damals wurde reichlich spekuliert, dass dies natürlich bewusst geleakt wurde, um zu sehen, wie diese Version von Deadpool ankommt. Nachdem der Charakter in X-Men Origins: Wolverine bis zur Unkenntlichkeit verändert und die Vorlage mit Füßen getreten wurde, bekamen wir nun endlich etwas Anständiges geliefert. Wobei es so anständig nicht war, denn Deadpool wurde seit langer Zeit der erste R-Rated Superheldenfilm. Und das berechtigterweise.

Ryan Reynolds hat schon lange Werbung dafür gemacht, dass er eine Version von Deadpool spielen darf, die den Comics gerecht wird. Der Film beweist, dass es nicht nur möglich ist, sondern auch erfolgreich sein kann. Solange es mit viel Feingefühl gemacht wird. Immerhin ist es nicht nur ein Film, indem sich der titelgebende Held durch allerlei Feinde schnetzelt. Das natürlich auch. Doch darunter liegt eine durchaus ergreifende Geschichte, die nicht davor zurückschreckt, emotionale Momente sitzenzulassen, ohne gleich wieder einen Witz zu reißen.

Immerhin ist Wade Wilsons Transformation nicht ohne Probleme und Hindernisse. Er wird tagelang, vielleicht sogar über Wochen gefoltert, bis endlich seine Mutation ausbricht. Seine Beziehung mit Vanessa (Morena Baccarin) wird zwar anhand von viel Sex dargestellt, doch zeigt es, wie lang sie zusammen sind und wie tief ihre Gefühle füreinander sind. Man muss eben etwas zwischen den Zeilen lesen. Vielleicht nicht gerade etwas, was man von einem R-Rated X-Men-Film mit Deadpool in der Hauptrolle erwarten würde.

Der Bösewicht bleibt zwar etwas dünn, doch manchmal braucht man keine komplexen Motivationsfaktoren. Es reicht, wenn der- oder diejenige Mutanten quasi »erschaffen« möchte, um sie an den Meistbietenden zu verkaufen und zu versklaven. Dafür leuchten die Nebencharaktere umso heller. Vanessa ist eine tolle Ergänzung zu Wade, und die beiden werden nie nervig miteinander. Es funktioniert einfach, weil sie toll geschrieben sind. Genauso Colossus (dessen CGI sich durchaus noch sehen lassen kann; für mich funktioniert es zumindest noch ausgezeichnet) und Negasonic Teenage Warhead. Sie konterkarieren Deadpool wunderbar, bilden eine Art Brücke zu den restlichen X-Men, die man hier allerdings noch nicht sieht.

Überraschenderweise funktioniert für mich der Humor in diesem ersten Teil weiterhin. Ich musste nicht nur einmal laut lachen. Der dritte Teil konnte mir nicht mehr als ein paar Schmunzler abverlangen. Aber er bekommt im Rahmen dieses Rewatch noch eine zweite Chance. Der erste Teil von Deadpool funktioniert auch neun Jahre später noch. Die Geschichte ist toll geschrieben und hat ein angenehmes Tempo, die Action-Sequenzen kreativ umgesetzt und die Dialoge on point. Selbst das Finale ist nicht zu übertrieben, sondern rundet alles schön ab. Ein verdienter, gelungener Auftakt für einen einzigartigen Charakter.

XCU Rewatch | Days of Future Past

Zweite Teile von X-Men-Filmen scheinen immer ein Garant für gute Unterhaltung zu sein. So war es bisher bei X2 und The Wolverine (Hugh Jackmans zweites Solo-Abenteuer) der Fall. Days of Future Past steht dieser Tradition in nichts nach. Ich mag den Einstieg in den Film sehr. Die dystopischen Bilder, Patrick Stewarts Monolog und die grausame Entwicklung der Welt werden in den wenigen Minuten perfekt eingefangen. Es unterstreicht die Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit des Films. Es geht um das Überleben aller Mutanten. Wir starten mit der alten Crew, wenn man so will, und nicht mit der Neuauflage, was ebenfalls die Brisanz und die Bedrohung der Sentinels unterstreicht.

Gemeinhin wurde damals (glaube ich) spekuliert, dass Wolverine ins Zentrum der Handlung gerückt wurde, weil der Charakter durch die Darstellung von Hugh Jackman enorme Popularität gewonnen hat. Wenn es so ist, ist es mir herzlichst egal, da das Resultat fantastisch ist. Days of Future Past gehört zu den besten X-Men-Filmen. Er greift viele Thematiken auf, die seit jeher in den Comics behandelt werden. Die »mutant metaphor« kann für alles möglich eingesetzt werden. So auch für Rassismus, Fremdenhass, Unterdrückung von Minderheiten, Angst vor dem Fremden und vieles mehr. All das wird scheinbar mühelos im Film immer wieder zum Thema.

Besonders durch die Augen von Raven/Mystique erfahren wir, was wirklich hinter den Experimenten von Dr. Bolivar Trask steckt. Welche Verbrechen er den gefangenen Mutanten angetan hat, lässt sich nur erahnen. Doch es wirkt für mich immer wieder ein Stück grausamer, wenn gut gemachte schwarz-weiß-Aufnahmen verwendet werden. Es wirkt dreckig, brutal und altertümlich. Dabei sieht man nie direkt, was den Mutanten passiert. Es wird stets angedeutet, vielleicht einmal besprochen, aber nie direkt gezeigt. Peter Dinklage verkörpert Trask mit einer bösartigen Hingabe. Er ist ein begnadeter Schauspieler und passt hervorragend in die Rolle.

Doch zurück zu Wolverine. Nur er ist dank seiner Heilungsfähigkeiten in der Lage, von Kitty zurück in die Vergangenheit geschickt zu werden. Genauer gesagt in die frühen 70er. Es ist wahrlich eine andere Zeit. Er hat noch seine normalen Knochen, die nicht mit Adamantium überzogen sind. Magneto sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis unter dem Pentagon. Charles fristet ein trostloses Dasein auf dem ehemaligen Campus der X-Men. Die Beziehung zwischen Erik und Charles, und wie sich diese in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wird nur allzu deutlich in diesem Film. In der Zukunft arbeiten sie zusammen, sehen ihre Fehler ein und was sie hätten besser machen können. Doch in der Gegenwart könnten sie nicht weiter voneinander entfernt sein.

Hier zeigen sich die schauspielerischen Fähigkeiten dieses fantastischen Casts. Patrick Stewart, Ian McKellen, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence und all die anderen zeigen hier, was in ihnen steckt. Sie sind zu ihren Charakteren geworden. Man nimmt ihnen ihre jeweiligen Versionen der Charaktere ab. Es wird für Marvel sicherlich nicht leicht werden, neue X-Men zu etablieren. Immerhin haben uns diese Versionen insgesamt über 19 Jahre begleitet. Wenn man sich die halbherzigen Versuche ansieht, die X-Men oder Fantastic Four in den bisherigen Filmen unterzubringen (das Multiverse ist Fluch und Segen zugleich), kann man nur hoffen, dass die eigenständigen Filme besser werden.

Seinen ersten Auftritt als Quicksilver darf Evan Peters feiern. Zwar ist er nur wenige Minuten im Film, doch das reicht vollkommen aus, um seinen Status als Quicksilver zu zementieren. Die Zeitlupensequenz ist bravourös gemacht und sieht auch heute noch fantastisch aus. Das liegt wahrscheinlich an einem großartigen Zusammenspiel zwischen realen Effekten und CGI. Sein Auftritt ist perfekt in Ausführung und Dauer. Wenn er für die gesamte Mission geblieben wäre, hätte er wahrscheinlich zu sehr abgelenkt. Er wäre zu neu und vielleicht übermächtig an manchen Stellen. Doch so ist es ein netter Cameo. Außerdem darf er anteasern, dass Magneto sein Vater ist.

Ich könnte noch sehr viel mehr positive Dinge über Days of Future Past schreiben. Beispielsweise die Entwicklung von Charles. War er es, der im letzten Film die anderen trainiert und gecoacht hat, so ist es dieses Mal er, der Hilfe benötigt. Was schließlich zu einer wunderschönen Sequenz zwischen Patrick Stewart und James McAvoy führt. Oder Magneto, der seine Fähigkeiten ein weiteres Mal unter Beweis stellen darf, indem er ein komplettes Stadion versetzt oder die Sentinels unter seine Kontrolle bringt. Er ist stets an der Schwelle, zu dem zu werden, was er eigentlich hasst und bekämpft. Auch hier gelingt ein weiteres Mal ein toller Balanceakt. Oder all die großen und kleinen Actionsequenzen, die der Film bietet. Das Erzähltempo ist gut gewählt und alles wirkt durchdacht.

Was ich mir bisher noch nicht angeschaut habe, ist der Rogue Cut von dem Film. Bisher war in den alten Filmen Rogue ein zentraler Charakter oder kam zumindest immer wieder prominent vor. Nur hier wird sie schmerzlichst vermisst. Dies soll aber der alternative Cut des Films ausgleichen. Hauptsächlich werden etliche Minuten an Filmmaterial mit ihr ergänzt, der Rest bleibt scheinbar mehr oder weniger gleich. Vielleicht schaue ich mir den ebenfalls noch an. Würde mich sehr interessieren, ob ein weiterer Sub-Plot dem Film schadet oder ihm einfach mehr Tiefe verleiht. So oder so ist Days of Future Past einer der besten X-Men-Filme und immer wieder einen Filmabend wert.

XCU Rewatch | The Wolverine

Es ist ein verregneter Sonntag. Also habe ich den Nachmittag genutzt, um mir The Wolverine anzusehen und gleich darüber zu schreiben. Erneut muss ich eingestehen, dass ich wenig Erwartungen an The Wolverine hatte. Wieder einmal bin ich sehr positiv überrascht. Nicht nur vom Storytelling, sondern auch von den Effekten. Der Film kam 2013 in die Kinos. Man muss sich das stets vor Augen halten. Dieser Film ist 12 Jahre alt. Das CGI sieht immer noch beeindruckend aus und braucht sich vor aktuellen Produktionen nicht zu verstecken.

Ich hatte schon ganz vergessen, wie The Wolverine anfängt. Wir sehen Logan in einem Kerker sitzen. Man kennt sich am Anfang nicht aus, was los ist oder wie er dorthin kam. Doch schnell ist das nicht mehr wichtig. Man begreift, es ist Nagasaki im Jahr 1945. Menschen versuchen zu flüchten. Vergeblich. Doch Logan gelingt es zumindest, einen zu retten. Einen jungen Yashida. Die Explosion der Atombombe, man kann es nicht anders sagen, sieht heute noch furchtbar beeindruckend aus. Logans Verbrennungen und seinen langsamen, schmerzhaften Heilungsprozess fühlt man förmlich mit. Ein starker Einstieg und die ernste Grundstimmung und Atmosphäre sollte der Film über die kommenden zwei Stunden beibehalten.

Da ich The Wolverine schon so lange nicht mehr gesehen habe, war es beinahe wie das erste Mal. Anfangs war ich skeptisch bzgl. der Szenen mit Jean, doch da sie immer wieder im Film auftaucht und stets perfekt dosiert ist, passt es doch einwandfrei. Der Film ist eine Charakterstudie von Logan. Seinen Schuldgefühlen, Jean getötet haben zu müssen. Er muss damit irgendwie zurechtkommen. Einen Grund finden, weiterzuleben. Seine erste Reaktion ist durchaus verständlich für einen Mutanten wie ihn. Er zieht sich zurück, überlässt dem animalischen in ihm die Kontrolle und lebt allein. Natürlich hilft das nicht. Doch so bekommen wir diese Seite von Logan sehr deutlich zu sehen. Seine symbiotische Beziehung mit der Natur. Er ist zu einem Guardian geworden, der Ungerechtigkeiten aufklärt und brutal rächt.

Yukio reißt ihn allerdings in die reale Welt zurück. Im Laufe der Geschichte wird er immer wieder mit seinen vielschichtigen Problemen konfrontiert. Doch nur Mariko, der Enkelin von Yashida, gelingt es Logan eine Möglichkeit zu geben, mit seiner Vergangenheit irgendwie zurechtzukommen. Das Schöne an The Wolverine ist, dass es nicht so tut, als würden sich die Probleme und die Last in nur wenigen Tagen lösen lassen. Es eröffnet aber die Hoffnung, dass es mit der Zeit leichter wird. Man einen Grund findet, weiterzumachen, zu kämpfen und die positiven Seiten des Lebens erneut für sich zu entdecken. Diese ruhigen Momente gehören zu den besten im Film.

Die Schauspieler*innen können in diesen emotionalen Szenen zeigen, was in ihnen steckt. Doch besonders Hugh Jackman wird in die Lage versetzt, Wolverine aka Logan neue Tiefen zu verleihen. Einen wirklich vielschichtigen Charakter zu machen. Es ist eine natürliche Fortsetzung seiner Geschichte. Es fühlt sich weder erzwungen noch krampfhaft an, Logan in eine Richtung zu drängen. Beinahe mühelos tänzelt The Wolverine von Szene zu Szene und die Interaktionen werden mit bedacht geschrieben. Das soll aber nicht heißen, dass die Action zu kurz kommen würde, im Gegenteil.

Die Actionsequenzen sind ebenso gut platziert wie die ruhigen Charaktermomente. Sie sind gut gemacht und dadurch, dass Logan der Fähigkeit beraubt wird, sich selbst zu heilen, tut es noch sehr viel mehr weh. Jeder Kampf schmerzt und man leidet mit ihm mit. Er sollte eigentlich mit mehr Bedacht vorgehen, doch er war noch nie in der Situation, vorsichtig handeln zu müssen. Er konnte sich immer auf seine Fähigkeiten verlassen. Und das über viele Jahre. Wenn das plötzlich nicht mehr der Fall ist, stellt man sich natürlich nicht sofort um. Da man ihm diese Kräfte für eine relativ lange Zeit des Films nimmt, ist es umso kathartischer, wenn er sie sich zurückholt. An dieser Stelle sei nicht nur die Cinematographie, sondern ebenso die Musik gelobt. Logan und den restlichen, wundervollen Cast nicht nur in den epischen, heldenhaften Momenten gekonnt in Szene zu setzen, sondern auch in den ruhigen Momenten, verlangt einiges an Können ab. In The Wolverine gelingt beides bravourös.

Wie es allerdings schon in ein paar der letzten Filme der Fall war, zerfällt dieser tolle Aufbau gegen Ende des Films. Ich würde sagen, 90 % des Films sind perfekt umgesetzt. Ein wahres Monument für einen herausragenden Charakter. Leider wird Logan, nachdem er seine Kräfte endlich wieder erhalten hat, das handelnde Momentum sofort wieder genommen. Ein Film wie dieser braucht kein großes Duell am Ende oder eine epische Schlacht. Ich hätte es gerne gesehen, wie sich Logan durch das Dorf am Ende schleicht, vielleicht ein paar kleinere Kämpfe und schließlich einem sterbenden Yashida gegenübersteht. Ihm erneut verweigert, was dieser sich so sehr wünschen würde. Der ganze Film ist ein Familien-Drama, voller Intrigen und Twists. Das Ende hätte man gerne in ähnlicher Manier machen können. Wolverine hätte es sich verdient, nach so viel Leid und Kampf ein entsprechendes Finale zu bekommen.

Aber der Adamantium-Roborter-Anzug ist einfach zu viel. Wenn man schon ein Metall über mehrere Filme als unzerstörbar deklariert, muss man sich nun einmal an die eigenen Regeln halten. So verkommt das Finale leider zu einem übertriebenen Schlagabtausch, scheinbar ohne Sinn und Verstand. Es wird künstlich in die Länge gezogen. Das hätte es wirklich nicht gebraucht.

Weniger ist doch manchmal mehr. Das hat man über fast den gesamten Film über geschafft. The Wolverin hat über weite Strecken ein perfektes Erzähltempo und ist toll geschrieben. Ein sehr viel kleineres, intimeres Finale hätte ihn zu einem der besten Superheldenfilme gemacht. Bedauerlicherweise ist das nicht ganz gelungen. Dennoch ist es ein hervorragender, sehenswerter Film. Hugh Jackman zeigt hier auf sehr vielen Ebenen, warum er der einzig wahre Wolverine ist.

XCU Rewatch | X-Men: First Class

Nach X2 habe ich mich auf die Prequels der X-Men-Filme wohl am meisten gefreut. Michael Fassbender und James McAvoy als Erik und Charles, Kevin Bacon als Sebastian Shaw, unterstützt durch January Jones’ Emma Frost. Nicht zu sprechen von Rose Byrne als Moira MacTaggert, Jennifer Lawrence als Raven und Mystique und die vielen anderen tollen Charaktere, die im Film ihr Debüt feiern dürfen: Havok, Darwin, Banshee, Angel (nein, nicht der), Azazel, Riptide und Nicholas Hoult als Hank aka Beast. Es ist eine Ansammlung von Starpower, die einem X-Men Film würdig ist. Und alle Charaktere sind perfekt gecastet, wie bereits bei den Vorgängern.

Bei den X-Men kommt es vorwiegend auf die Charaktere an. Diese müssen gut geschrieben sein. Der Kern ihres Wesens muss den Zuschauer*innen klar werden. Wo sie herkommen. Denn wo sie hingehen, wissen wir bereits. In gewisser Weise wurde die Origins-Reihe, die mit Wolverine begann und endete, doch fortgesetzt. Nur eben anders, als wir es vielleicht vermutet hätten. Denn durch diese Prequels kommen wir in den Genuss, den Ursprung der lebenslangen Freundschaft und Rivalität von Xavier und Magneto zu beobachten. Außerdem finde ich es eine gute Idee und tollen kreativen Twist, dass Raven zuerst bei Charles unterkam und die beiden eine Freundschaft prägte, bevor sie sich entschlossen hat, sich Magneto anzuschließen. Es gibt dem Charakter Mystique noch einmal mehr Tiefe.

Ich finde es beeindruckend, dass die kreativen Köpfe hinter dem Film beschlossen haben, Magnetos Geschichte dort wieder aufzugreifen, wo sie schon im ersten Film begann. Im Konzentrationslager von Auschwitz. Wir werden Zeugen davon, wie Erik überhaupt erst seine Kräfte entdeckte (wenn ich es richtig verstanden habe, ist es das gleiche Bildmaterial wie im ersten Film, was die beiden einmal mehr verbindet). Wie Shaw (damals unter einem anderen Pseudonym) ihn durch Schmerz und Qual dazu brachte, seine Kräfte einzusetzen. Dieses Trauma greift Fassbender später immer wieder gekonnt auf. Beispielsweise als er beinahe ohnmächtig ist, wenn er Shaw in dessen U-Boot endlich gegenübersteht. Erik kennt nichts anderes, als seine Kräfte durch Zorn und Schmerz einzusetzen. Deshalb ist es auch so befreiend, als ihm Charles zeigt, dass mehr in ihm steckt, als selbst Erik je für möglich hielt. Konzentration liege irgendwo zwischen Wut und Gelassenheit, wie Charles es formuliert. Ein wirklich schöner Moment zwischen den beiden.

Die Entwicklung von Charles muss noch einen Film warten. In First Class ist er sehr von sich überzeugt und sich seiner Fähigkeiten bewusst. Beinahe schon arrogant, was das anbelangt und von seinem Ego besessen. Deshalb bekommt er kaum mit, wie Raven unter ihrer wahren, blauen Form leidet und dass sie einen echten Freund bräuchte. Doch er lässt sie eher links liegen. Dafür nimmt er seine späteren Recruiten ernst und zeigt ihnen, wie schon Erik, wie sie ihre Kräfte neu einsetzen können. Er motiviert sie dazu, über ihre Grenzen zu gehen. Dies sind wunderbare Szenen, die solche Filme erst zu etwas Besonderem machen. Raven bleibt jedoch auf der Strecke und so verliert er sie und sie schließt sich am Ende Magneto an.

Ich hatte schon ganz vergessen, wie viele tolle Charaktere der X-Men in diesem Film auftauchen. Oben habe ich sie ja alle aufgezählt und es wirklich schön, als X-Men-Fan so viele Charaktere in einem Film versammelt zu sehen. Besonders heute bin ich ein weitaus größerer X-Men-Fan als damals. Shaw und Emma Frost kenne ich nun um einiges besser. Nicht zuletzt durch die fantastische Krakoa-Ära der X-Men, die in den vergangenen Jahren für viele großartige Momente in den Comics verantwortlich war. Die Krakoa-Ära der X-Men hat vieles anders gemacht und ihnen zu neuem Ruhm verholfen. Wenn Marvel die X-Men endlich ins MCU einführt, dann würde ich mir das als Umsetzung wünschen. Durch diese Comics habe ich viele Charaktere erst so richtig kennen und lieben gelernt. Wie eben Emma Frost. Ihre Rivalität mit Shaw in diesen Comics liest man immer wieder gerne und wird hier unterschwellig aufgegriffen. Besonders Moira hat buchstäblich eine Transformation durchgemacht und könnte der Schlüssel sein, wie die Mutanten in den Filmen eingeführt werden. Ich würde es mir wünschen.

Was ich tatsächlich noch während des Films kurz googeln musste, war das Verhältnis zwischen Darwin und Havok. Ich denke ja, dass man als queere Person besonders aufmerksam gewissen Zeichen und Gesten gegenüber ist. So klein diese auch sein möchten. Doch die wenigen Szenen zwischen Havok und Darwin sprechen für mich eine eindeutige Sprache. Ich habe zwar keine Interviews der Schauspieler gefunden, wo sie dies direkt bestätigen, doch ich bin überzeugt, dass die beiden zumindest miteinander geflirtet haben, wenn nicht sogar mehr zwischen ihnen lief. Immerhin habe ich einen Artikel gefunden, der ähnliche Spekulationen anstellt (ich habe ihn unten verlinkt). Schade ist nur, dass Darwin so sinnlos sterben musste. Die Reaktion von Havok ist etwas nüchtern. Da hätte ich mir im Nachhinein mehr erwartet. Verschenktes Potenzial.

Vom Setting her bin ich von dem neuen Muster angetan. So spielt jeder der Prequel-Filme in einem anderen Jahrzehnt. Natürlich fangen wir in den 60ern an, wo die ersten X-Men-Comics entstanden. Wenn dann noch reale Ereignisse in die Geschichte verwoben werden, entsteht etwas wirklich Besonderes. Doch nicht nur das ist im Film gut umgesetzt. Etwas zu gut kommt der (manchmal nicht ganz) unterschwellige Rassismus und Sexismus rüber. Es ist zwar der Ära angebracht, doch wenn man schon Geschichte neu schreibt, hätte man auch hier gerne etwas mehr machen können. Vielleicht ist das zu viel verlangt für einen Superheldenfilm, doch wenn es ein Franchise leisten kann und darf, dann die X-Men. Die »Mutant Metaphor« ist immer wieder flexibel und anders eingesetzt und interpretiert worden. Eine neue filmische Inkarnation wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, diese Themen kritischer zu betrachten.

Dennoch ist First Class ein gelungener Film. Die schauspielerischen Leistungen sind alle auf einem verdammt hohen Niveau. Die Dialoge sind hervorragend geschrieben, nicht zu sprechen von der tollen Story. Gekoppelt mit den visuellen Effekten, einem Soundtrack, der nie zu überborden ist, sondern das Geschehen perfekt untermalt, haben wir einen großartigen Auftakt für eine neue X-Men Film-Ära.