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XCU Rewatch | X-Men Origins: Wolverine

Vielleicht eine etwas gewagte These, aber ich finde, dass X-Men Origins: Wolverine ein Film ist, den man sich gut ansehen kann. Er schafft es, die lange und verworrene Vergangenheit von Logan in unter zwei Stunden unterhaltend zu erzählen. Wir bekommen ein paar Einblicke in eine schwierige, mit vielen Krankheiten geprägte Kindheit und seine lange Freundschaft mit Victor. Die beiden halten zusammen, was immer auch geschehen mag, und tun das seit 1845. Also verständlich, wenn sich Logan später schwer damit tut, diesen Mann zu töten.

Die anfänglichen Credits, die die beiden „unsterblichen“ Männer in unterschiedlichsten Kriegsszenarien zeigen, machen auf eine beeindruckende Weise deutlich, wie Victor immer weiter eskaliert. Wie er Spaß daran findet zu töten und ihm egal ist, wem es trifft. Hauptsache, er kann seine blutrünstige Seite voll ausleben. Das gipfelt in einem nicht schlecht gemachten Einsatz von X-Force (kann man das Team so nennen?) und bildet die Grundlagen für Logans Beziehung mit Stryker. Die Fähigkeiten, besonders von Wade aka Deadpool sind etwas cheesy, aber der Einsatz hat seine Momente. Besonders das spätere Ende, wo sich Logan vom Team verabschiedet, beeindruckt auch heute noch.

Was dem Film immer wieder gut gelingt, ist, Logan in unterschiedlichen Lebenssituationen zu zeigen. Sei es als Krieger oder als Partner, in einer ruhigen Beziehung, irgendwo in Kanada. Er kann ein einfaches Leben führen, wenn man ihn nur lassen würde. Doch wie es scheint, hat selbst das Stryker von langer Hand geplant, sodass er wirklich immer Zugriff auf seinen besten Mann hat. Mit dem scheinbaren Tod von Logans Freundin ist sein Schicksal, endgültig zu Wolverine zu werden, ein für alle Mal besiegelt. Doch Stryker scheint seine Kreatur nicht so gut zu kennen, wie er meint.

Die Szene, wo Logan das Adamantium verabreicht bekommt, tut beim Zuschauen schon weh. Die Transformation ist fantastisch gemacht. Ich glaube, in dieser Szene hat Hugh Jackman ein für alle Mal festgeschrieben, dass er der wahre Wolverine ist. Aber auch den Rest des Films trägt er, wie kein Zweiter. Die physische Präsenz auf der Leinwand ist gewaltig, und Jackman verkörpert den Mutanten mit einer Inbrunst, die ihresgleichen sucht. Seien es die Kämpfe, die Schreie oder die intimen Momente – Hugh Jackman ist perfekt dafür geeignet, die gesamte Bandbreite dieses Charakters glaubwürdig zusammenzuführen. Über 20 Jahre dürfen wir ihn nun schon auf dieser Reise und mit diesem Charakter begleiten. Und es war nie langweilig.

Offen gestanden hatte ich schon ganz vergessen, dass Gambit in diesem Film mitspielt. Er macht auch keine schlechte Figur und hat gute Auftritte. Gambit darf Wolverine ein paar mal aus der Patsche helfen und seine visuell gut gemachten Kräfte zur Schau stellen. Gerne hätte man ihm den nächsten Origins-Film geben können. Ich finde es wirklich schade, dass sie diese Reihe nicht weiter ausgebaut haben. Es steckt viel Potenzial darin. So viele Geschichten, Genres und Varianten an Stilen, Zeitaltern oder Designs, die man in Origins-Filmen hätte anwenden können. Leider ist es aber nur bei einem geblieben. Schuld daran ist vielleicht der letzte Auftritt von Deadpool im Finale des Films.

Wenn die Produzent*innen es dabei belassen hätten, Wade einen kleinen Cameo zu geben, wäre das völlig fein gewesen. Ryan Reynolds hatte seinen Auftritt, durfte coole Moves machen und wieder gehen. Sie hätten dem Experiment XI am Ende nur einen anderen Namen geben müssen. Aber sie mussten Deadpool draufschreiben. Sie hätten ihn sogar völlig wegstreichen können. Es hätte ausgereicht, wenn Stryker an Mutantenkindern experimentiert. Das ist Beweggrund genug für Logan sich gegen ihn zu stellen und seine Basis zu zerstören. Es wäre ein besseres Finale gewesen. Denn ich hätte gerne gesehen, dass Victor den letzten Kampf gegen Wolverine bekommt. Es wird immer wieder im Film angedeutet. Ein tragisches Ende für zwei tragische Charaktere.

Trotzdem bleibe ich bei meiner anfänglichen These, dass X-Men Origins: Wolverine ein sehenswerter Film ist. Die Sequenzen in Kanada, das lustig bis unterhaltsame, wenn auch tragische zusammentreffen mit dem netten, alten Ehepaar, die Helikopter-Szene, die manchmal keinen Sinn ergibt und die übertriebenen Charaktere. Es passt und ergibt am Ende ein stimmiges Gesamtbild. Es blieben außerdem ein paar Fragen am Ende offen. Wer war Logans Vater wirklich? Was wurde aus Victor? Vieles, wo man hätte anknüpfen können. Wenn ich mich richtig erinnere, werden allerdings keine dieser Fragen in The Wolverine angesprochen. Aber das werden wir in ein paar Tagen sehen.

XCU Rewatch | X-Men: The Last Stand

Wenn ich Texte zu Filmen oder Serien schreibe, habe ich stets ein kleines Notizbuch neben mir auf der Couch liegen, um Gedanken schnell festhalten zu können. Buchstäblich das Erste, was ich mir zu The Last Stand aufgeschrieben habe, ist: »oje«. Schon bevor der Film losgegangen ist. Ich habe es etwas vor mir hergeschoben, diesen letzten Teil der ersten Trilogie anzuschauen. Es ist schon sehr lange her, dass ich The Last Stand gesehen habe. Doch sein Ruf eilt ihm durchaus voraus. Doch ob sich das wirklich bestätigt hat, können wir nun gemeinsam herausfinden.

Die erste Überraschung bestand schon einmal in der Laufzeit des Films. Lediglich 99 Minuten dauert der Streifen (inklusive Credits). Ich hatte mit über zwei Stunden gerechnet, weil doch sehr viel darin passiert. Aber die Dauer ist nur das erste schlechte Vorzeichen. Denn es zeugt nicht gerade von einer positiven Entwicklung, wenn nicht nur der Regisseur der ersten beiden Teile geht und sich anderen Projekten zuwendet, sondern ebenso die Autoren und einer der Hauptdarsteller. Übrigens ist das der Grund, warum Cyclops so früh im Film stirbt und nicht etwa eine kreative Entscheidung. Man muss allerdings zugestehen, dass dieses Ereignis durchaus zur Atmosphäre des Films beiträgt.

Auch sonst war ich von The Last Stand sehr positiv überrascht. Immerhin hat es drei Filme gedauert, bis wir fast alle Standards, die wir aus den Comics kennen, hier wiederfinden. Da sei zum einen der Danger Room genannt. Der Trainingsraum der X-Men, der hier als eine Art Holodeck neu erdacht wird. Das passt durchaus ins Konzept und beinhaltet nebenbei schöne Teaser zu den Sentinels. Trask, der diese Mutanten jagenden Roboter bauen wird, kommt ebenfalls im Film vor. Dann sehen wir natürlich Hank aka Beast. Das Make-up und Design gefallen ausgezeichnet. Es hat eben doch etwas Zeitloses an sich, wenn man sich damit Mühe gibt und praktisch umsetzt, statt auf CGI zu setzen. Und schließlich darf sich Warren aka Angel noch zu den X-Men gesellen.

Von ihm hätte ich im Film gerne mehr gesehen. Immerhin ist das Erste, was wir von ihm zu Gesicht bekommen, dass er versucht, die wachsenden Flügel vom Rücken zu scheiden oder zu schleifen. Sein Vater erwischt ihn und ist bestürzt. Aber nicht etwa, weil er sich selbst verletzt, sondern weil er ein Mutant ist. Ein sympathischer Mann. Der wird noch sympathischer, als er die „Heilung“ für Mutanten vorstellt, natürlich extrahiert aus einem Kind, welches die Fähigkeit besitzt, anderer Mutanten Kräfte in seiner Nähe zu neutralisieren oder deaktivieren. Und wer darf als erster Testkandidat herhalten? Richtig, Warren, sein Sohn. Doch zum Glück bricht dieser aus, spreizt seine Flügel und macht sich auf den Weg zu Xaviers Schule. Dort trifft er zwar zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt ein, aber seine Reise im Film mag ich ganz gerne. Diese hätte man noch mehr ausbauen können. Ich hätte ihn gerne mehr in Aktion gesehen und in mehr Dialogen. So verkommt er leider zu einem etwas besseren Statisten.

Die Geschichte des Films ist wirklich großartig und gefällt mir außerordentlich gut. Es öffnet eine Thematik, die bereits in den beiden Vorgängern immer wieder angesprochen wurde und für unserer Held*innen nun zur Realität macht: eine „Heilung“. Rogue ist ganz begeistert davon, weil sie endlich andere Menschen anfassen könnte. Doch auch Hank ist nicht komplett abgeneigt. Viele Mutanten können sich nicht einfach in der Masse verstecken und sehen aus wie ein normaler Mensch. Umso bedauerlicher ist es, dass Kurt aka Nightcrawler nicht im Film ist. Aus dem religiösen Aspekt, gepaart mit der Option einer Heilung, hätte man tolle, tiefgründige Dialoge erschaffen können. Action-Sequenzen sind immer willkommen, doch wenn dahinter eine entsprechende emotionale Wucht steckt, können sie neue Höhen erreichen.

In dem Film sieht man auch, wie hart Magneto ist. Beim Versuch, Mystique zu befreien, wird sie mit dem Heilserum angeschossen, welches die Wachen als Waffen bei sich tragen. Sie ist also ein normaler Mensch. Doch so ist sie für ihn nichts wert, sie ist auch nicht mehr hübsch, wie er anmerkt. Also lässt er sie fallen und liegen, nackt und allein. Magneto geht es darum, die Community der Mutanten zu befreien, sie aus der Unterdrückung zu holen, denn die Methode von Charles, einen gemeinsamen Dialog mit den Menschen zu führen, geht ihm zu langsam. Er holt sich Unterstützung bei einer Gruppe an Revolutionären, wenn man sie so bezeichnen möchte, und rekrutiert sie alle. Ian McKellen ist ein fantastischer Schauspieler und findet eine tolle Balance zwischen der manischen Seite von Magneto und dem warmherzigen Mann, der die Welt für Mutanten besser machen möchte.

Diese mitfühlende Seite merkt man besonders im Zusammenspiel mit Charles. Sie sind zwar unterschiedlicher Meinung, wie sich die Mutanten zu den Menschen verhalten sollen, doch am Ende haben sie beide ein verwandtes Ziel. Außerdem sind sie alte Freunde, respektieren sich und die Ansichten des anderen. Ich finde das eine fantastische Botschaft, die in The Last Stand mehrmals unterstrichen wird. Man kann unterschiedliche Perspektiven auf ein Problem oder eine Herausforderung haben. Ansichten, Meinung und Standpunkte dürfen und müssen sich unterscheiden. Doch der gegenseitige Respekt und das Akzeptieren der anderen Meinung sind ebenso wichtig. Man muss nicht immer recht haben. Manchmal geht es nur um den Austausch selbst.

Deshalb hätte ich Kurt so gerne im Film gehabt, weil mich seine Ansichten interessiert hätten. Wäre er mit Rogue gemeinsam zur örtlichen Klinik gegangen, um sich das Serum verabreichen zu lassen? Wie hätte der Dialog mit Storm ausgesehen? Die beiden hatten im letzten Teil einen schönen Moment, den man hier aufgreifen könnte. So kann der Film zwar nicht das volle Potenzial ausschöpfen, trotzdem finde ich diesen Aspekt des Films sehr gelungen. Wäre da nicht noch die Kleinigkeit mit Jean.

Wie vielleicht aufgefallen ist, habe ich nur von dem Heilungsaspekt des Films gesprochen und der Storyline, die sich damit beschäftigt. Jean habe ich noch gar nicht erwähnt. Dabei gefällt mir der anfängliche Erzählstrang mit ihr einwandfrei. Der Moment am See, der Durchbruch der Phoenix-Persönlichkeit, der Cyclops das Leben kostet. Die gedoppelte Szene in ihrem Elternhaus. Einmal als Rückblende, wo sie noch ein Kind ist (das verjüngende CGI von Ian McKellen und Patrick Stewart kann sich heute noch sehen lassen; Hut ab) und einmal als Erwachsene. Die Todesszene von Xavier ist tragisch, doch er gibt Jean partout nicht auf. Toll inszeniert und fantastisch gemacht. Doch dann wissen die Verantwortlichen scheinbar nichts mehr mit ihr anzufangen.

Ihr Charakter hat keine Agenda. Sie ist einfach nur da. Steht mal hier im Wald herum und da mitten in der Schlacht, ohne wirklich etwas zu tun. Sie sagt fast nichts, setzt sich nicht mit der Heilung oder Magnetos Rede auseinander. Famke Janssen holt alles heraus, was ihr das Skript gibt, doch das ist leider viel zu wenig. Ich hätte mir gerne gewünscht, dass die Szene im Haus die letzte ist, wo man sie sieht. Die letzte Szene des Films hätte sie dann irgendwo an einem einsamen Ort zurückgezogen zeigen können. Jean vs. Phoenix. Der vierte Teil hätte sich dann damit auseinandersetzen können. Heilungsthema quasi abgehakt und volle Konzentration auf Jean und den Kampf mit dem Phoenix. Vielleicht hätte man auch in ihre Psyche abtauchen und dort den Kampf austragen können.

Mich stört es nicht, wenn Dinge aus der Vorlage, wie hier aus den Comics, geändert werden, nur sollte es dann entsprechend gut und konsequent umgesetzt sein. Bedauerlicherweise ist das mit dem Phoenix-Aspekt nicht ganz gelungen. Die böse Seite, wenn man so will, von Xavier kommt allerdings trotzdem recht gut rüber. Er baut ohne jemandes Wissen eine psychische Barriere in Jeans Kopf ein, ist übergriffig in manchen Belangen und seine scheinbaren doch heuchlerischen Seiten schlagen in The Last Stand durch. Man hätte all dem gerne etwas mehr Zeit geben können. Einen Zweiteiler daraus machen, Themen mehr Raum geben und ausführlichere Dialoge schreiben. Ich hatte sehr wenig von diesem Film erwartet, wurde dann aber doch belohnt. Manchmal verdienen Geschichten eine zweite Chance.

XCU Rewatch | X2

Den Vergleich scheue ich zwar etwas, aber X2 ist für die X-Men-Filme das, was The Empire Strikes Back für Star Wars war. Hat uns der erste Teil noch in die Welt der Mutanten eingeführt, so konnte Bryan Singer mit der Fortsetzung einen Schritt weitergehen. Das Budget war etwas größer, die Charaktere etabliert. Nun ging es an das Verfeinern des Konzepts. Das gelang den Verantwortlichen bravourös. X2 ist einer der besten X-Men-Filme und kann sich heute, 22 Jahre später, immer noch sehen lassen.

Wir bekommen natürlich mehr Mutanten zu sehen. Allen voran Kurt Wagner, aka Nightcrawler. Die erste Sequenz des Films, in dem er das weiße Haus infiltriert und beinahe den Präsidenten tötet, auch wenn das sicherlich nicht das Ziel war, ist äußerst spannend gemacht. Mir ist erst dieses Mal aufgefallen, dass Kurt sein Gesicht geschminkt hat, damit man seine dunkelblaue Haut nicht sieht. Das Teleportieren und das dazugehörige Geräusch sind toll umgesetzt. In den Comics wird dies durch ein »Bamf« dargestellt, welches mittlerweile ikonisch ist. Es ist großartig, dies in einem Film umgesetzt zu sehen und dann auch noch mit dieser Detailtreue. Aber es ist nicht nur das Geräusch, auch der blau-schwarze Rauch gefällt. Kurt ist zudem ein toller Kontrast zu den X-Men, mit seiner schüchternen, demütigen Natur, seiner Religiosität und Selbstkasteiung präsentiert er diejenige Seite an Mutanten, die sich nicht einfach verstecken können, sondern die stets auffallen.

Ihm gehören manche der besten Szenen des Films. Sei es die Intro-Sequenz, das Verstecken in der Kirche oder der kurze Dialog mit Storm. Selbstlos rettet er Rogue, als sie aus dem Jet geschleudert wird, und stützt sich auf Storms Vertrauen in seine Fähigkeiten. Ein beeindruckender, vielschichtiger Charakter. Dass Wolverine in einer Situation etwas forsch zu ihm ist, kann ich nachvollziehen, da sie gerade mit dem Leben davongekommen sind und er ihn nicht kennt. Was ich allerdings nicht verstehe und das hat mich bereits im ersten Teil gestört, ist das Verhalten von Scott, auch bekannt als Cyclops. Immerhin soll er irgendwann die X-Men leiten, wenn Xavier nicht mehr dazu in der Lage ist, doch Führungspersönlichkeit ist er keine. Er lässt sich von Logan stets verunsichern, was seine Beziehung zu Jean anbelangt, und als er das erste Mal Kurt sieht, der gerade geholfen hat, ihnen das Leben zu retten und sie zu befreien, fährt er ihn harsch an. Ich mag diese Interpretation des Charakters nicht wirklich. Er wirkt unsympathisch, hitzköpfig und sein Matchogehabe passt gar nicht zum Charakter. In einer jüngeren Version vielleicht, aber hier soll er erwachsen sein, reifer, erfahrener.

Dafür ist Stryker umso besser dargestellt. Von Anfang an ist klar, dass er kein sympathischer Charakter sein wird. Er schreckt nicht davor zurück, eine Schule zu überfallen und Kinder gefangenzunehmen, hat seinen eigenen Sohn lobotomisiert, nur weil er ein Mutant ist und nutzt ihn für seine eigenen Ziele. Die Art, wie er in der Lage ist, Magneto dazu zu bringen, ihm alles über Charles Xavier und die Schule zu verraten, Scott und Charles gefangenzunehmen und Mutanten wie Deathstrike dauerhaft zu kontrollieren, ist erschreckend. Aber wirkt im Film glaubhaft. Er hat eben viel Erfahrung mit Mutanten und wie er sie sich zunutze machen kann. Logan ist da nur die Spitze des Eisbergs. Es ist schön zu sehen, dass Logan seine Vergangenheit weiterhin wichtig ist, aber als er darin nur Schmerz und vielleicht sogar eine freiwillige Entscheidung seinerseits sieht, merkt er, dass er sich damit nicht weiter befassen muss. Sie prägt ihn nicht. Sie definiert ihn nicht. Seine jetzigen Handlungen und Entscheidungen zählen. Und er entscheidet sich für die X-Men.

Die Stunts und die Action in dem Film sind auf einem neuen Level angekommen. Die Infiltration der Schule ist ein beeindruckendes Schauspiel. Man sieht noch die Spuren eines Rated-R Films. Hugh Jackman hat sich hier endgültig als der einzig wahre Wolverine etabliert. Die Inbrunst, mit der er den Charakter darstellt und Körperlichkeit, mit der er an den Charakter herangeht, ist grandios. Auch der Kampf mit Deathstrike, der ein tragisches Ende nimmt, da sie nichts für ihre Taten kann, ist schmerzhaft anzusehen und lässt erahnen, was Logan alles durchgemacht haben muss, in einem vergangenen Leben, an das er sich nicht mehr erinnert. Doch nicht nur er darf in neuem Licht glänzen, Storm macht ebenso eine Weiterentwicklung. Die Verfolgungsjagd in der Luft, die Wirbelstürme und Jeans aufkeimende Phoenix-Persönlichkeit weiß ebenso zu überzeugen, wie die Szenen im Damm. Sie sind dreckig, grausig und zeugen davon, dass Stryker alles daran setzt, zu gewinnen.

Der Film ist so toll und es passiert so viel, ich weiß gar nicht, wo ich weitermachen und wo ich aufhören soll. Pyro, der sich langsam aber sicher Magnetos Seite annähert, bis er ihm folgt. Charles’ Besuch bei Erik und der Schmerz in Eriks Gesicht, als er seinem alten Freund gestehen muss, ihn verraten zu haben. Es zeugt von einem tiefen gegenseitigen Respekt, dass sie zwar auf anderen Seiten stehen, aber trotzdem gewisse Grenzen nicht überschreiten. Rogue und Bobby, die irgendwie versuchen, ihre Beziehung auf das nächste Level zu bringen, aber nicht wissen, wie. Das quasi-coming-out von Bobby bei seinen Eltern als Mutant, welches wunderbar geschrieben ist und tolle Klischees aufweist. Queere Menschen können nur allzu gut nachvollziehen, wie sich Bobby wohl in der Situation fühlt und zeugt einmal mehr, dass die Mutant Metaphor für sehr vieles stehen kann. Schöne Ironie ist auch, dass Bobby es ist, der sich bei seinen Eltern als Mutant outet, wird er doch später in den Comics als schwul geoutet. Zwar auf eine sehr holprige Art, aber es gibt dieser alten Szene noch einmal mehr (unfreiwillige) Tiefe.

Wie schon der erste Teil kann sich die Fortsetzung ebenso noch sehen lassen. Das liegt daran, dass es eine gute Harmonie aus praktischen Effekten (unter anderem mit Miniaturen) und CGI ist, die man hier vorfindet. Die Geschichte ist etwas komplexer als noch im ersten Teil und vertraut darauf, dass sich die Zuschauer*innen darauf einlassen können. Es wird nicht zu viel erklärt oder immer überall auf Offensichtliches hingewiesen. X2 hat ein angenehmes Erzähltempo und verschwendet keine Minute. Wie bereits erwähnt mag ich gewisse Charakterisierungen nicht, aber abgesehen davon überzeugen sowohl die großen Action-Sequenzen als auch die kleinen Momente.

Besonders von den kleineren Momenten lebt so ein Film. Er zeigt uns die Charaktere in ihrem Alltag, von einer verletzlichen Seite. Sei es Logan, der nicht schlafen kann, durch die Schule streift und auf die Kinder aufpasst. Storms kleiner philosophischer Dialog mit Kurt oder einfach nur eine kurze Szene, wie eine Katze an einem gefrorenen Kaffee leckt. So haben wir als Zuschauer*innen die Möglichkeit durchzuatmen und sich auf die nächsten Szenen vorzubereiten. X2 ist eine großartige Fortsetzung, die sehr vieles richtig macht.

XCU Rewatch | X-Men

Thanos ist besiegt, Tony Stark sei dank und der Rest der Welt muss sich erst wieder damit zurechtfinden, dass alle verlorenen Seelen zurückgekehrt sind. Die Infinity Saga ist komplett. Ein beeindruckendes und einzigartiges Stück Kinogeschichte endete. Deshalb machen wir in diesem Rewatch genau das, was auch Marvel nach dem Ende der Infinity Saga hätte machen sollen: eine Pause. Mindestens ein Jahr, wenn nicht sogar zwei, hätte es nach Spider-Man: Far From Home gebraucht. Auf diesen speziellen Lorbeeren hätte man sich gerne etwas ausruhen können. Neue Kräfte sammeln, Konzepte verfeinern und dann neu durchstarten. Wir machen das in diesem Rewatch, in dem wir uns den X-Men zuwenden. 13 Tage, 13 Filme.

„Welcome to Mutant High.“ – Bobby

Es ist fast exakt 25 Jahre her, als X-Men im Jahre 2000 ins Kino kam. Wahrlich unfassbar. Iron Man war schon ein Trip in eine andere Welt, aber X-Men setzt da auf jeden Fall erneut einen obendrauf. Ich war gerade einmal elf Jahre alt, als der Film erschien. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann ich den Film überhaupt das erste Mal gesehen habe. Im Kino war es, glaube ich, nicht. Aber zumindest im Free-TV des Öfteren und später auf DVD. Nun steht er als Blu-ray im Regal. Schon der Auftakt des Films mit den triumphierenden Fanfaren und einer virtuellen Kamerafahrt um das 20th Century Fox Logo zeugt von einer anderen Zeit.

Dieses Hoch ist aber sogleich unterbrochen, durch die darauffolgende Szene, in der wir einen jungen Erik Lehnsherr im KZ Auschwitz antreffen. Mit anderen Gefangenen wird er in das KZ gebracht und von seiner Mutter getrennt. Dieses Trauma, der Zorn und die Wut, die Verzweiflung in ihm, bringt ihn dazu, seine Kräfte des Magnetismus zu offenbaren oder überhaupt das erste Mal zu entdecken. Mir kamen dabei sofort die Szenen eines späteren X-Men-Films in Erinnerung, der uns mehr zeigt, was in dieser Zeit mit Erik geschah und wie die Nazis an ihm experimentiert haben. So gesehen ist ein Rewatch dieser Filme insofern tiefgreifender, als man natürlich das Wissen der zukünftigen Filme mitbringt. Auch wenn es nun schon sehr lange her ist, dass ich überhaupt einen der X-Men-Filme sah.

Fast hätte ich vor diesem Satz ein »Leider« gesetzt, aber ich bin mir bislang nicht sicher, ob das angebracht wäre. Es geht um den Stil des Films, der sich (leider) sehr an vorangegangenen, erfolgreichen Filmen orientiert. Besonders was die Stunts und Kämpfe anbelangt, haben sich die Macher stark an The Matrix orientiert, was sogar im Wikipedia-Artikel zum Film erwähnt wird. Die Drahtseileinlagen sind nicht wirklich das Problem, diese werden oft verwendet, nur versucht man hier krampfhaft die damals revolutionäre Stuntarbeit nachzuahmen und muss natürlich daran scheitern. Dass die X-Men schwarze Ledersachen tragen ist ein Zeichen der Zeit und war gerade total en vogue, aber für die Stunts und die Kämpfe hätte man sich gerne etwas mehr an der Vorlage entlang orientieren können. Mehr an den Charakteren, ihren Kräften und Fähigkeiten entlang. Nicht alle Mutanten kämpfen gleich.

Und weil wir schon bei Fähigkeiten sind: Es scheinen die Fähigkeiten von Storm nicht komplett verstanden worden zu sein. Zumindest werden sie ab und an auf fragwürdige Weise eingesetzt. Wind funktioniert eben nicht wirklich so, wie im Finale des Films angedeutet wird. Zumindest würde die Freiheitsstatue nicht mehr stehen, wenn Storm Logan mit einem Windstoß davonsegeln lassen will. Und Wolverine, auch wenn es cool aussieht, vielleicht, kann sich nicht einfach um einen Zacken der Krone der Freiheitsstatue wirbeln. Aber das sind alles Kleinigkeiten, in einem ansonsten beeindruckenden Film. Man darf eben nicht aus den Augen verlieren, dass wir uns im Jahr 2000 befinden. Es gab de facto keine wirklichen Comicverfilmungen. Das MCU war noch Jahre entfernt, und selbst der erste Spider-Man war gerade einmal eine Idee eines Produzenten. Nur Blade war ein paar Jahre zuvor erschienen und überraschte viele.

Und dafür, dass der Film vor 25 Jahren herauskam und ein Franchise für Fox starten sollte, wurde so einiges in den Film gepackt. Wer wusste damals schon über die X-Men Bescheid? Vielleicht waren noch Cyclops und Prof. Xavier manchen ein Begriff, aber dann wurde es auch schon dünn. Wolverine erfuhr seine Jahre im Rampenlicht erst durch die bravouröse Darstellung von Hugh Jackman. Patrick Stewart als Xavier und Ian McKellen als Magneto waren ein genialer Schachzug des Casting-Direktors. Die beiden in einem solchen Film als ehemalige Freunde und jetzige Rivalen zu sehen, ist immer wieder beeindruckend. Ihnen gehören manche der besten Szenen, und die Dialoge sind spannend geschrieben. Man merkt ihnen ihre Geschichte und turbulente Vergangenheit an. Nur manches wird durch unnötige Exposition zunichtegemacht. Charles muss etwa von Magnetos Helm schon länger wissen und nicht erst seit Kurzem. Immerhin kennen sie sich schon länger und stehen sich mit Sicherheit nicht erst seit zwei Wochen als Konkurrenten gegenüber.

Aber auch die anderen ausgewählten Charaktere passen wunderbar in den Film. Es sind weder zu viele noch zu wenige. Die Schule von Xavier wirkt insgesamt sehr lebendig, und wenn man die X-Men Comics kennt, wird man so manche Anspielungen verstehen. Wenn nicht, wirkt es interessant, aber man denkt vielleicht nicht näher darüber nach. Rogue als Einstieg in die Welt der Mutanten ist großartig. Zusammen mit der Sequenz im KZ und dem verzweifelten Einsatz von Eriks Kräften bekommen die Fähigkeiten der Mutanten als etwas Grausames, beinahe schon Body-Horror-mäßiges präsentiert. Selbst Wolverines erste Szene ist von Brutalität, Einsamkeit und einer scheinbar hoffnungslosen Suche nach Antworten geprägt. Diese Schwere tut dem Film gut, weil es dem Thema eine Ernsthaftigkeit verleiht. Wenn dann die X-Men mit ihren Kostümen und schicken Codenamen daherkommen, macht sich Logan zwar erst darüber lustig, aber die Bedrohung durch Magneto rückt dieses humoristische in den Hintergrund.

Der Gipfel des Body-Horrors ist natürlich Mystique. Sie kann sich in jeden Menschen verwandeln und seinen oder ihren Platz einnehmen. Sie kann Politiker mimen und so Regierungen manipulieren, vielleicht sogar zu Fall bringen. Weltgeschehnisse liegen ihr zu Füßen, und wenn sie möchte, kann sie tief in das weitere Voranschreiten der Geschichte eingreifen. An dieser Stelle möchte ich vor den Mühen, die Rebecca Romijn-Stamos auf sich genommen hat, um Mystique mimen zu können, den Hut ziehen. Wenn man ihren Interviews Glauben schenken darf, war es eine reine Tortur, das Kostüm anzulegen, geschminkt zu werden und in die Rolle zu schlüpfen. Man muss allerdings sagen, dass sich diese Mühen gelohnt haben, denn sie ist mit Abstand die beeindruckendste aller Mutanten. Die X-Men ziehen sich ihre Kostüme an, wenn überhaupt, Erik seinen Umhang und los geht’s. Aber sie sieht komplett anders aus und dadurch, dass es Make-up ist, beeindruckt sie noch 25 Jahre später.

Es werden aber nicht nur die Kräfte der Mutanten mit einer Ernsthaftigkeit behandelt, die dem ganzen Film guttut. Auch die Politik darum wird behandelt. Die politischen Diskussionen, die Forderungen von Senator Kelly und den Demonstrant*innen erinnern sehr stark an aktuelle Bilder aus den Nachrichten. Der Film bietet keine finale Antwort und kann diese auch nicht liefern. Aber allein schon, dass es thematisiert wird, wie mit Mutanten umgegangen wird, finde ich heute beeindruckender denn je. Es wird sich auch durch diese Trilogie durchziehen, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Nur einen Vergleich haben die Produzenten damals gescheucht und würden ihn heute ebenfalls nicht machen: Waffen. Denn die Analogie, die Jean in der ersten Diskussionsrunde wählt, ist die eines Autofahrers; der Vergleich mit dem Tragen von Waffen wäre natürlich passender gewesen, vor allem in Amerika. Doch soweit wollte sich Fox wohl nicht aus dem Fenster lehnen.

Zur Geschichte an sich muss ich wohl nicht viel sagen. Der Film ist 25 Jahre alt und wir machen hier schließlich einen Rewatch. Wie schon bei den Filmen des Marvel Cinematic Universe geht es mir um die Diskussion über den Film. Man kann allerdings sagen, dass die zugrundeliegende Geschichte einfach gestrickt ist, was ich dem Film nicht übel nehme. Immerhin musste X-Men viele Charaktere etablieren, ihre Beziehungen zueinander, ihre Kräfte und Fähigkeiten vorstellen und hat schwierige Diskussionen angesprochen (sowohl innerhalb der Mutanten-Community als auch außerhalb). Da braucht es keine komplexe Erzählung. Man hätte sich zwar das komische Dreieck rund um Logan, Jean und Scott sparen können, aber wir sind eben im Jahr 2000 und da hat man das eben noch so gemacht. Die ersten Szenen sind immer noch grandios, die Sequenz am Bahnhof beeindruckend. Aber der Film lebt ebenso von kleineren, intimen Momenten.

X-Men war und ist ein großartiger Auftakt in die Welt der Mutanten. Bis heute sind uns Marvel und Disney eigene Interpretationen dieser Welt und ihrer Charaktere schuldig. Sie bedienen sich noch an etablierten Konzepten, wie der Deadpool-Reihe und dem Ruf von Hugh Jackman als Wolverine. Leider nur mit mäßigem Ergebnis, wenn man mich fragt, aber dazu kommen wir noch. Erst einmal genießen wir diesen klassischen Einstieg ins X-Men Cinematic Universe, bevor es dieses Konzept überhaupt gab.

Andor

Vergangene Woche ging die beste Star-Wars-Serie zu Ende, die je produziert wurde. Zumindest die beste Star-Wars-Serie (oder überhaupt der beste Star-Wars-Content), seit Disney das Ruder in der Hand hat. Tony Gilroy, der schon den großartigen Film »Rogue One« inszeniert hat, zeichnet sich für die Vorgeschichte von Cassian Andor verantwortlich. War »Rogue One« die Vorgeschichte zu »Episode IV: A New Hope«, so ist »Andor« die Vorgeschichte zu »Rogue One«. Wie kam es zur Allianz der Rebellen? Wie haben sie von den Plänen des Todessterns erfahren? Welche Opfer mussten die Rebellen im Laufe der Jahre bringen?

Ich bin davon überzeugt, dass »Andor« selbst ohne großen Kontext zu Star Wars funktioniert. Es ist eine Geschichte des Widerstands gegen ein faschistisches, unterdrückendes Imperium. Es kommen keine Jedi vor, keine Lichtschwerter. Brillant geschriebene Dialoge und Monologe, wiedergegeben von Schauspieler*innen, die ihr Bestes geben und immer wieder Performances abliefern, die alles andere an die Wand spielen. »Andor« ist die beste Serie seit »Breaking Bad«, »Better Call Saul« oder den Hochzeiten von »Game of Thrones«. Man wird als Zuschauer*in nicht für dumm verkauft, sondern ernst genommen. Die Anspielungen auf das restliche Star-Wars-Universum und die Easter-Eggs sind clever gemacht, drängen sich aber nie auf. Doch worum geht es?

Die zweite und letzte Staffel umfasst 12 Episoden. Jeweils drei bilden ein vollständiges Kapitel. Zwischen diesen Kapiteln vergeht immer ein Jahr. So wird die Lücke von vier Jahren zwischen dem Ende der ersten Staffel und dem Anfang von »Rogue One« gekonnt geschlossen. Das hört sich komplizierter und verworrener an, als es eigentlich ist. Die Zeitsprünge sind tatsächlich eine erzählerische Chance. Tony Gilroy und sein Team müssen sich nicht mit unnötigen Details aufhalten, die wir schon in unzähligen anderen Serien gesehen haben. Er kann direkt zum Kern kommen und sich auf die wichtigen Aspekte konzentrieren. Es ist immer wieder spannend, zu beobachten, wie sich die Charaktere verändert haben, was sie in diesem einem Jahr durchgemacht haben, und sie weiter zu verfolgen.

Welche Opfer musste Mon Mothma tatsächlich bringen und wie ist sie zum zentralen Charakter der Allianz geworden? War sie in den alten Filmen nur ein Nebencharakter, so macht sie »Andor« zu einer Schlüsselfigur. Die Belastung, der innere Kampf, der Widerstand im Senat und die subtilen politischen Machtspiele werden packend inszeniert und fantastisch gespielt. Overacting oder übertriebenes Gehabe sucht man hier vergebens. Es ist sehr viel subtiler, nuancierter und damit umso packender. Doch nicht nur bei den Rebellen bekommt man mit, wie sie sich organisieren, wie sich die verschiedenen Gruppierungen teilweise im Weg stehen und eine Möglichkeit finden müssen, doch noch zusammenzuarbeiten. Auch beim Imperium bekommt man einen guten Einblick in ihre Machenschaften.

Gelegentlich erwischt man sich sogar dabei, wie man für Charaktere, die auf der Seite des Imperiums stehen, sympathisiert. »Andor« ist kein Schwarz-Weiß-Bild des Star-Wars-Universums, sondern zeichnet ein sehr viel reichhaltigeres Bild mit unendlichen Graubereichen. Und jedes Mal, wenn man sich denkt: „Jetzt geht es aber um den Todesstern”, wird man eines Besseren belehrt. Denn »Andor« ist cleverer. Die Macher wissen genau, was wir erwarten, spielen damit und zeigen uns stattdessen etwas anderes, präsentieren uns eine Sicht auf die Dinge, wie wir sie in dieser Form noch nicht in Star Wars hatten.

»Andor« zeigt auf die eindrucksvollste Weise, was Star Wars kann und was in diesem Universum möglich ist. Tony Gilroy beweist, dass es möglich ist, den Fans und Liebhabern dieses Franchises etwas zu geben, das begeistert, und trotzdem respektvoll mit dem umzugehen, was George Lucas geschaffen hat. Es ist eine Verbeugung vor dem Vergangenen, aber auch ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Ich hoffe nur, dass es nicht der letzte gute Star-Wars-Content ist, den wir von Disney gesehen haben.

Wer sich noch tiefer mit Andor beschäftigen möchte: Ich kann nur wärmstens die Videos von Nerdkultur auf YouTube empfehlen. Genauso wie den Podcast Nerd&Kultur. Marco und Yves besprechen darin ausführlich die einzelnen Kapitel der zweiten Staffel, und beide Formate offenbaren immer wieder interessante Einblicke und Aspekte der Serie, die mir nicht aufgefallen sind.

Ballast abwerfen

Seit ich die Apple Watch nicht mehr trage, fühle ich mich besser. Es ist nun etwa zwei Wochen her, seit ich die Smartwatch abgelegt habe und mein Handgelenk nackt ist. Yoga oder Krafttraining ohne Feedback bzgl. Puls oder dergleichen zu machen, ist relativ leicht. Dabei vermisse ich sie nicht. Woran ich mich noch gewöhnen muss, ist das Laufen ohne Watch. Hier war die Rückmeldung zum Puls immer ein guter Indikator. Doch auch hier möchte ich mehr auf mich selbst hören. Wie ich mich beim Laufen fühle und was ich mir zutraue.

Normalerweise ist meine Laufrunde aktuell zwischen knapp drei und vier Kilometern lang. Vielleicht ist es nur eine Einbildung, aber ich reiße in letzter Zeit mehr aus diesen gewohnten Runden aus und laufe auch gerne mal sechs oder sieben Kilometer. Ob ich das mit Watch auch gemacht oder mir zugetraut hätte, weiß ich nicht. Natürlich wäre ich die größeren Runden auch so eines Tages gelaufen, aber vielleicht eben nicht so früh. Ich fühle mich gut beim Laufen, lasse mir Zeit und ich merke selbst, wenn es mir zu viel wird. Dazu benötige ich keine Apple Watch. Auch das iPhone nehme ich nicht mit. Ich mag es, ohne Technik unterwegs zu sein, besonders beim Laufen. Wenn ich zwei oder drei Stunden lang spazieren gehe, will ich einen Podcast hören. Beim Laufen stört mich das.

Ich fühle mich auch ruhiger, seit ich die Apple Watch nicht mehr trage. Die Ringe zu schließen, war doch immer eine Art von Stress oder Druck oder war zumindest im Hinterkopf vorhanden. Das nicht mehr zu haben, ist eine Erleichterung, die ich so nicht erwartet hatte. Eigentlich würde ich diese Abwendung der Apple Watch als unabhängig von meinem Projekt sehen, mich mehr europäischen Diensten und Angeboten hinzuwenden. Aber irgendwie hängt es doch zusammen. Es werden weniger Daten über mich gesammelt und ausgewertet, und auch wenn ich Apple durchaus glaube, dass niemand auf die Daten zugreifen kann, ist hier doch eine gewisse Vorsicht angebracht. Ein weiterer Nebeneffekt, der mit dem Ablegen der Apple Watch kam, ist das Bewerten von anderen Geräten in der Wohnung.

Beispielsweise habe ich letztens ein paar Geräte verkauft und möchte auch noch weitere loswerden, die ich nicht mehr benötige. Zum einen war das der Apple TV. Diesen will ich nicht mehr nutzen, weil er mit meiner neuen Surroundanlage nicht wirklich kompatibel ist. Dazu nutze ich nun die Playstation. Diese ist nicht nur meine primäre Gaming-Plattform, sondern auch mein primäres Wiedergabegerät von Medien. Die Xbox Series X steht seit Wochen sinnlos in der Gegend herum. Die meisten Spiele, die ich darauf gespielt habe, habe ich mir bei hervorragenden Deals in der Zwischenzeit auch für die PS5 geholt. Das heißt, auch die Xbox konnte weg. Dadurch, dass der Apple TV und die Xbox nicht mehr beim Fernseher stehen, spare ich mir den Switch, der alle Geräte mit Netzwerkanschluss versehen hat. Es sieht aufgeräumter aus.

Nebenbei bin ich noch den Kindle Paperwhite losgeworden, den ich kaum genutzt habe. Dafür habe ich eine Alternative gefunden, über die ich aber erst berichten möchte, wenn ich Zeit hatte, diese zu testen und ein paar Wochen auszuprobieren. Natürlich habe ich auch die Apple Watch verkauft – nicht, dass ich noch in Versuchung komme, sie doch wieder anzulegen. Als Nächstes gilt es noch das Zubehör zu verkaufen (Controller, Armbänder und so weiter), aber das hat keine Eile. Es hat schon sehr gut getan, die großen Technikbrocken loszuwerden. Als Klemmbaustein-Enthusiast stehen schon genügend Sets in der Wohnung herum. Den restlichen Ballast gilt es daher so gering wie möglich zu halten. Es fühlt sich gut an.

Ein größeres Projekt, welches noch ansteht, ist, meine Yu-Gi-Oh!-Kartensammlung aufzulösen. Wie genau ich dabei vorgehe, weiß ich bislang nicht. Die wertvollsten, von denen ich nicht allzu viele habe, werde ich auf Cardmarket verkaufen. Den Rest eventuell als Goodie zufällig beilegen, auf Willhaben einstellen oder anderweitig loswerden. Mal sehen. Doch ein erster großer Schritt ist schon einmal getan. Ein bisschen Minimalismus zu praktizieren, ist stets ein guter Ansatz.

Rowen Smith | Unsplash

Account Management

Immer mal wieder kümmere ich mich um all die Accounts, die ich über die Jahre auf unzähligen Webseiten angelegt habe. Sobald man irgendwo bestellen oder einfach nur auf Informationen zugreifen möchte, wird man bedrängt, einen Account anzulegen. Man lässt es über sich ergehen, meistens. Es sind ja nur ein paar Klicks. Es könnte ja praktisch sein. Dann bekommt man Werbemails, von denen man sich wieder aktiv abmelden muss. Wenn man die Seite dann nie wieder besucht, liegen auf irgendeinem Server die eigenen Daten herum. Wie diese gespeichert werden, ob sie sicher sind oder alle möglichen Interessierten darauf Zugriff haben? Wer weiß das schon.

Hinzu kommt, dass das Rückgängigmachen von solchen Anmeldungen meist sehr aufwendig ist. Mittlerweile haben zum Glück viele Seiten einen dedizierten Button, um angelegte Accounts wieder zu löschen. Bei anderen muss man eine Mail schreiben. Manche reagieren darauf nicht. Andere wiederum schreiben zurück, dass der Account gelöscht wurde. Wenn eine einfache E-Mail ausreicht, um das zu erledigen, ist es zwar bequem, aber auch etwas fragwürdig. Kann da jeder eine Mail hinschreiben, dass Account x gelöscht werden soll, oder muss es schon von der im Account hinterlegten Mailadresse sein? Wieder so eine Frage, die sich wahrscheinlich nicht beantworten lässt.

Über die vergangenen Monate und Jahre habe ich immer mal wieder meinen Passwortmanager der Wahl geöffnet, die Sortierung nach Datum aktiviert und von unten angefangen Accounts durchzugehen. Es ist mühsam und es sind sehr viele. Doch tut es gut, die eigenen Daten von diversen Services löschen zu lassen. Alles werde ich natürlich nicht erwischen, aber zumindest vieles. Immerhin ist man schon sehr lange im Internet unterwegs. Bevor es überhaupt Passwortmanager gab. Auf jeder Seite hat man dasselbe Passwort benutzt. Bis man irgendwann schlauer war. Manche dieser Seiten gibt es schon gar nicht mehr. Was dann mit den Daten passiert ist? Keine Ahnung.

Jedenfalls ist das Löschen von Accounts Teil meines Projektes, behutsamer mit meinen Daten umzugehen. Genauso wie ich so wenige Daten wie möglich auf amerikanischen Servern liegen haben möchte. Natürlich ist es in gewisser Weise ein Kampf gegen Windmühlen. Doch ignorieren kann und sollte man es nicht. Womit ich mich auch noch beschäftigen möchte, sind Löschdienste. Also diejenigen Services, die bei Datenbrokern und dergleichen die Löschung meiner Daten beantragen. Incogni begegnet einem immer wieder, weil sie so einige YouTuber sponsern. Aber es gibt auch noch andere.

Privacy ernst zu nehmen und sich damit zu beschäftigen, ist nicht immer leicht, aber ich mache es mittlerweile gerne. Überlege mir sehr genau, welche E-Mail-Adresse ich wo angebe. Welche Daten preisgegeben werden und ob das wirklich notwendig ist. Ein wenig mehr Achtsamkeit kann viel bewirken.

Khazan

Nachdem ich »Lies of P« auf der Playstation endlich platiniert hatte, wollte ich eigentlich eine Pause einlegen. So großartig »Lies of P« auch sein mag, es knapp zweieinhalbmal innerhalb kurzer Zeit durchzuspielen, ist doch etwas viel. Außerdem ist es ein Soulslike, was bedeutet, dass die Bosse hart sind und keine Fehler verzeihen. Allein an der namenlosen Puppe saß ich über zwei Stunden im New Game Plus. Das alles war Vorbereitung für das kommende DLC. Dieses erscheint irgendwann im Sommer. Doch ich will »Lies of P« auch nicht zu oft spielen, um noch genügend Motivation für das DLC zu haben.

Wie immer schaue ich nebenbei, meistens beim Abendessen, Let’s Plays. Besonders die von Jokerface und Bushy. Beide haben vor ein paar Wochen mit Khazan angefangen (oder im Fall von Bushy dieses auch innerhalb weniger Tage durchgespielt). Zwar hat es ebenso Anlehnungen an das Soulslike-Genre, doch beschreibt es der Hersteller eher als ein Actionspiel. Eigentlich wollte ich es mir nicht zulegen. Vor allem, weil es erst vor Kurzem erschien, also noch ein Vollpreistitel ist. Aber die Tatsache, dass es einen »Easy Mode« gibt und es äußerst spaßig und abwechslungsreich aussieht, hat dazu geführt, dass ich doch zugeschlagen habe. Also spiele ich seit geraumer Zeit »The First Berserker: Khazan«.

In »Khazan« spielt man den titelgebenden General Khazan. Dieser wurde jedoch, wie es scheint, von seinem Imperator betrogen und des Verrats beschuldigt. Man folterte ihn, durchschnitt die Sehnen in beiden Armen und war gerade auf dem Weg, ihn zu seiner Hinrichtung zu bringen. Doch ein mysteriöses Phantom wollte sich seines Körpers bemächtigen. Dieses Phantom stammt aus einer Art Unterwelt, der Netherworld. Doch in Khazan steckt selbst in diesem geschundenen Zustand noch ein Kämpfer und Krieger. Also vereinbaren sie einen Pakt, um einander zu helfen. Die Netherworld steckt in Schwierigkeiten und das Phantom soll diese aufklären. Khazan hilft ihm also dabei und das Phantom hilft Khazan, Rache zu bekommen.

Im Laufe des Spiels kommen immer mehr Twists und komplexe Charakterbeziehungen zum Vorschein. Außerdem sieht es zum Hinknien aus. Während die Figuren und Charaktere Anime-Anleihen haben, wirkt die Umgebung eher realitätsnah gerendert. Auch wenn natürlich äußerst fantastische (im wahrsten Sinne des Wortes) Orte dabei sind. Von hohen, schneebedeckten Berggipfeln geht es bis hinunter ins Tal, in Wälder und brennende Dörfer oder hinein in mit Gift verseuchte Höhlen – inklusive Riesenspinnen (genau das meine, mit meiner Arachnophobie, aber auch eine Möglichkeit, sich dieser zu stellen). Wer weiß, wo mich das Spiel sonst noch hinführt. Die Sprecher von Khazan bzw. dem Phantom kennt man beispielsweise aus »Final Fantasy XVI« und »Elden Ring« und sie gehören zu den besten ihres Fachs. Doch natürlich besticht auch der restliche Cast. Ich spiele es auf Englisch. Vielleicht gönne ich mir in einem weiteren Playthrough die japanische Version, die ebenfalls sehr gelobt wird.

Ich habe vorhin erwähnt, dass »Khazan« einen »Easy Mode« hat. Das bedeutet aber keinesfalls, dass das Spiel leicht wäre. Es ist weiterhin herausfordernd und manche Bosse schaffe ich (aktuell) nur mit der Unterstützung eines Geistes. Genauer gesagt habe ich aktuell keine Muse, mich stundenlang mit einem Boss zu beschäftigen. Eigentlich wollte ich ein eher entspanntes Spiel spielen nach den Kämpfen in »Lies of P«, aber wie so oft kam es dann doch anders. Ich bin allerdings noch weit davon entfernt, frustriert zu sein. Mal sehen, ob mir das Spiel so sehr gefällt, dass ich mir auch hier Platin hole. Es scheint kein leichtes Unterfangen zu sein. Es würde mich reizen. Aber erst einmal heißt es, den ersten Durchgang zu beenden. Und mit gerade einmal 15 Stunden, bin ich sicherlich noch eine Zeit lang beschäftigt. Empfehlen kann ich das Spiel auf jeden Fall.

MCU Intermission | Spider-Verse II

Letzten Samstag haben wir angefangen, uns mit den Spider-Verse-Filmen von Sony etwas genauer auseinanderzusetzen (MCU Intermission: Spider-Verse I). Es ging unter anderem um die Frage, wie es möglich ist, dass Sony sowohl so geniale Filme wie die des Spider-Verse in die Welt setzen kann und auf der anderen so dermaßen mit ihren Bösewicht-Filmen scheitert. Ich habe ausführlich versucht, den kongenialen Animationsstil zu loben, der so fantastisch einzigartig ist und sich perfekt für eine Erzählung des Spider-Verse eignet. Jeder Charakter wird mit Respekt und Sorgfalt zum Leben erweckt, folgt in gewisser Weise seinen oder ihren Regeln, interagiert aber auch glaubhaft mit den anderen. Außerdem bin ich etwas auf die Ursprünge des Spider-Verse eingegangen.

Es sind allerdings nicht nur die Animationen, die die Spider-Verse-Filme zu etwas Besonderem machen, die Geschichte weiß ebenso zu überzeugen. Die Einführung von Miles gelingt derart leichtfüßig und ungezwungen, es ist erschreckend, dass die anderen Filme von Sony nicht zumindest auf einem ähnlichen Level sind. Wer weiß schon, was den Drehbuch-Göttern geopfert werden muss, damit solche Meisterwerke, wie die Spider-Verse-Filme dabei herauskommen. Die Charakterisierung von Miles ist auf den Punkt getroffen, glaubwürdig und mitreißend. Er ist in seiner Community verankert, versucht den hohen Anforderungen seiner Eltern, besonders denen seines Vaters, gerecht zu werden, dann bekommt er auch noch neue Kräfte, die er nicht versteht.

Zu allem Überfluss muss er dabei zusehen, wie DER Held von New York vor seinen Augen zu Tode geprügelt wird und sein Onkel sich als Bösewicht entpuppt. Es ist eine unheimliche Last, die unser junger Held tragen muss, und die spürt man über den ganzen Film hinweg. Die anderen Spider-People helfen dabei nicht gerade, als sie ihn immer weiter unter Druck setzen, ihm bescheinigen, dass er nicht bereit ist und ihn geradezu mobben, nicht in den finalen Kampf mit Fisk einzugreifen. Doch es braucht diesen Tiefpunkt, den Zweifel und Kampf. Erst dann ist es umso befreiender, umso heldenhafter, wenn Miles sein eigenes Kostüm anzieht, sich nicht mehr von den anderen beeinflussen oder reinreden lässt, sondern sein eigenes Ding durchzieht. Der Song What’s Up Danger von Blackway and Black Caviar interagiert meisterhaft mit dem Score und Miles wagt den Leap of Faith ins Ungewisse. Für mich einer der besten Momente eines Superheldenfilms der letzten 10 Jahre.

Doch damit ist der innere und auch äußere Kampf von Miles nicht vorbei, sondern wird gekonnt in den zweiten Film übertragen. Er vermisst seine Freunde, vorwiegend Gwen, ist mit der Verantwortung eines Helden und seinen anderen Verpflichtungen überfordert. Dann muss er auch noch feststellen, dass die anderen hinter seinem Rücken interagieren und sich austauschen. Er ist nicht Teil der Spider-Community, ihm werden Informationen vorenthalten und dann ist da natürlich noch Miguel, der das Feingefühl und die subtile Art eines Schaufelradbaggers hat. Miles wird im Laufe des Films seine Autonomie genommen, er kann nur mehr reagieren und selbst hier wird ihm von den anderen gesagt, was er zu machen hat. Es ist mir unbegreiflich, wie sich die anderen so verhalten können und jemanden wie Miguel freie Hand lassen. Ein kollektives Abfinden mit den Ereignissen, die stattfinden müssen, damit Spider-Man zu dem Helden oder der Heldin werden kann, die er oder sie sein muss.

Damit kommt mein Unwort dieses Films ins Spiel: Canon-Event. Also ein Ereignis, das stattfinden muss, um eben Spider-Man hervorzubringen. Alle finden sich damit ab, Menschen zu verlieren und nichts zu tun; aktiv danebenzustehen, um die Dinge so geschehen zu lassen, wie sie scheinbar geschehen müssen. Eine Eigenschaft, die gegen alles geht, was Spider-Man für mich auszeichnet. Einen Helden, der alles macht, sich aufopfert, Wege ausforscht, die Welt zu verändern versucht, sodass er so viele Personen retten kann, wie nur irgendwie möglich, selbst wenn es ihm selbst schadet. Der ganze Vortrag von Miguel fühlt sich falsch und verräterisch an. Nur Miles stellt sich dagegen und kämpft mit jeder Faser gegen diese Canon-Events an. In diesem Multiversum ist er der Schlüssel, der allen zeigt, dass sie sich nicht dem Schicksal hingeben müssen. Sie haben es in der Hand. Großartig und ebenso befreiend, wenn Miles sämtlichen Spider-Man-Inkarnationen entkommt, wie es der Leap of Faith im ersten Film war.

Doch so ein Moment wäre nicht möglich, besonders in einem Film wie Across the Spider-Verse, wenn die Nebencharaktere nicht so toll ausgearbeitet wären. Und es gibt so einige Nebencharaktere. Die meisten wissen ebenso zu überzeugen wie unser Protagonist. Ich will gar nicht auf die unzähligen Spider-Man-Varianten eingehen oder deren wunderbare Sprecher (zumindest im englischen Original). Es sind einfach zu viele. Jedoch bekommt jede und jeder von ihnen einen Moment im Rampenlicht, hat eigene Motive und macht eine Entwicklung durch. Ebenso die Eltern von Miles, sein Onkel, die Lehrer und Freunde, alle haben ihren Platz in den Filmen und wenn es nur ein paar Sekunden sind. So würde ich mir wünschen, dass Sony den Fokus auf diese Filme legen würde. Ich möchte Solo-Filme von Miles, Gwen, Peter B. Parker und sogar Miguel sehen. Von Miles hätte ich gerne einen Solo-Film, wie er mit der neuen Verantwortung umgeht. Die Avengers-artigen Zusammenkünfte sind großartig und haben uns die Inkarnationen vorgestellt, doch nun sollten sie ausgebaut und weiter verfeinert werden. Darauf sollte sich Sony fokussieren. Überlasst Marvel die Live-Action, macht, was ihr scheinbar am besten könnt: Animationsfilme.

Aber was braucht jeder Held, jede Heldin? Richtig, einen entsprechenden Gegenpart. Und auch hier wissen in die Spider-Verse-Filme zu überzeugen. Der King Pin, der im ersten Teil als zentraler Bösewicht dient, hat eine Erscheinung, die ihresgleichen sucht. So etwas funktioniert nur in einem Animationsfilm und nur in einem mit diesem speziellen Stil. Der Vulture, der einen kurzen Auftritt im zweiten Teil hat, ist großartig umgesetzt und mit der richtigen Portion an Witz versehen. Spot, mag ein Gegenspieler sein, den man zuerst als tölpelhaft, geradezu lustig abtut. Doch die Entwicklung ist beängstigend. Genauso wie die finale Enthüllung und der Twist aus Across the Spider-Verse. Ich zähle ungeduldig die Tage, bis endlich die Fortsetzung kommt.

Es macht Spaß, diese Filme anzuschauen, darüber nachzudenken, zu philosophieren und sich etwas hineinzusteigern. Sie sind so gut und so überzeugend, weil sie ihre Themen und Charaktere mit einer gewissen Ernsthaftigkeit behandeln und vor allem mit Respekt an die Vorlage. Es gibt tiefsinnige Momente und auch schwierige Auseinandersetzungen, doch ebenso genügend lockere Szenen und Witze, die punktgenau landen. Qualität wie diese braucht ihre Zeit und wenn es eben ein Jahr länger dauert, bis wir das Finale dieser Trilogie sehen, dann ist es eben so. Ich würde mir wünschen, dass Sony mit ähnlicher Präzision und Sorgfalt an ihre anderen Projekte herantreten würde. Sie wissen doch scheinbar, wie es geht. Ihr Gaming-Studio produziert Meisterwerke sondergleichen, von den Horizon-Spielen über God of War hin zu Last of Us. Sie können fantastische Filme produzieren, wie die Spider-Verse-Teile es beweisen.

Sie schämen sich auch nicht ihrer Vorlage, sondern nehmen diese an und zeigen sie vor. Jede Inkarnation von Spider-Man wird mit einem Comic-Cover eingeführt. Das könnte etwas sein, was die Sony-Filme auszeichnet. Sagt doch einfach, worauf der folgende Film beruht. Macht Werbung für die Comics, bringt eigene Editionen heraus. Es sind Comicverfilmungen und es werden Milliarden an Dollar verdient, was Jahre oder Jahrzehnte davor nur als Comic existiert hat. Zollt denen Tribut, die das ermöglicht haben. Meiner Meinung nach sind die Spider-Verse-Filme ein richtiger und vor allem wichtiger Schritt in diese Richtung. Ich würde mir wünschen, dass sie mit diesen Filmen weitermachen und wertschätzen, was sie kreiert haben und wem sie es zu verdanken haben.

“Anyone can wear the mask. You could wear the mask. If you didn’t know that before, I hope you do now.” – Miles

Beatles Orchester

Vergangene Woche war ich am Freitag mit Freund J. mal wieder im großen Saal des Festspielhauses. Vor etwa einem Jahr haben wir uns hier ein orchestrales Tribut zu Freddy Mercury und Queen angehört. Dieses Jahr standen die Beatles am Programm. Erneut wurden die Musikstücke von einem Orchester gespielt und die Sängerin Monika Ballwein von einem zweihundertstimmigen Chor begleitet. Dirigentin war abermals Elisabeth Fuchs. Über zwei Stunden dauerte das Konzert (inkl. Pause) und es hat mich wieder sehr beeindruckt.

Zugegebenermaßen identifiziere ich mich nicht so sehr mit der Musik der Beatles. Weder hörte ich ihre Songs regelmäßig, noch habe ich ihre Musik und die damit verbundene Geschichte bisher aktiv verfolgt. Natürlich kennt man die Klassiker. Die Band hat Musikgeschichte geschrieben. Wie Monika Ballwein es ausgedrückt hat: Die Beatles haben in den wenigen Jahren, die sie aktiv waren, ein Monument geschaffen, das 60 Jahre später immer noch inspiriert und die Menschen bewegt. Das muss man würdigen. Und wer könnte das besser als die Philharmonie Salzburg in dieser Konstellation?

Da ich mit den Songs nicht so sehr vertraut bin wie damals bei Queen, dauerte es manchmal ein wenig, bis ich die Melodien erkannte. Manches hört sich im Kontext eines Orchesters doch anders an. Immerhin musste die Musik der Beatles erst umgeschrieben werden, damit sie zum Orchester und dem Chor passte. Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Die Songs und die Musik treffen einen mit einer Wucht, die ich bei solchen Live-Konzerten immer sehr genieße. Monika Ballwein ist eine begnadete Sängerin und ich denke, sie hat den Beatles wirklich Tribut gezollt. Auch der Dirigentin Elisabeth Fuchs kennt man ihre Leidenschaft für Musik an. Sie verströmt mit jeder Zelle ihres Körpers eine Energie, die ihresgleichen sucht. Nicht nur einmal hatte ich die Befürchtung, dass sie gleich von ihrem kleinen Podest fällt, weil sie darauf agiert, als hinge ihr Leben davon ab. Immer wieder beeindruckend, ihr zuzusehen.

Die Philharmonie Salzburg hat es erneut geschafft, einen exzellenten Abend zu gestalten. Die Auswahl der Songs hat wunderbar gepasst und es war keine Sekunde langweilig – ein fantastischer Nachmittag. Ich freue mich aufs nächste Jahr.